Strahlkraft

Lebendiges Gedankengut von Pfarrer Elmar Gruber e.V.

ELMAR GRUBERS PREDIGT ZUM NÄCHSTEN SONNTAG ODER FEIERTAG – IMMER AKTUELL!

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: PREDIGTEN DURCH DAS KIRCHENJAHR)

VORWORT

IDEAL IN DEN ZEITEN DES UKRAINE-KRIEGS, DES KLIMAWANDELS  – DIESE WORTE GEBEN KRAFT UND HOFFNUNG!

VERKÜNDIGUNG VON GOTTES WORT DURCH DIE PREDIGTEN DES HOFFNUNG GEBENDEN PFARRERS ELMAR GRUBER

Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  – seit dem 1. Advent 2025 (30. November 2025) ist Lesejahr A.

Immer die aktuelle Predigt!

Inspiration für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!

Auch als Predigt-Vorlagen!

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.

Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.

Danke, Helga! Ohne Dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!

 

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Karfreitag A – 03. April 2026

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 09. April 1993

 

1. Lesung: Jes 52,13 – 53,12

2. Lesung: Hebr 4,14 – 16; 5, 7-9

Evangelium: Joh 18,1 – 19,42

 

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Wir feiern jetzt in besonderer Weise den Tod Jesu.

Ein Kind sagte einmal: „Wenn alles so traurig ist, wie kann man da feiern?“ Wie kann man da feiern? Das fragen auch wir.                                                                                                                    Wir wissen und wir spüren, dass in diesem Tod etwas enthalten ist, was so ungemein froh machen kann und könnte, wenn es uns ergreifen würde. Wir nennen es theologisch die „Erlösung“. Der Johannes-Evangelist, dessen Passion wir eben gehört haben, zeigt es uns im Symbol des geöffneten Herzens Jesu. Er ist der einzige Evangelist, der diese Szene beschreibt. Und es geht dabei auch nicht darum, einen anatomischen Vorgang darzustellen, sondern er möchte uns etwas zeigen: Dass in dem Herzen Jesu die Liebe Gottes, die sich in diesem Jesus verkörpert, aufgeht. Und aus diesem Herzen strömen Blut und Wasser. Blut ist das ‚Symbol hingegebenen Lebens‘, das ‚Symbol vollendeter Liebe‘. Wasser ist das ‚kosmische Symbol für Leben‘. Liebe und Leben sind der Inhalt Gottes, der hier offenbar geworden ist.

Aber was ist das, was uns wirklich erlöst, wo wir praktisch glücklich werden können? Wir müssen uns vergegenwärtigen, wie in den Paradieses-Erzählungen, nicht nur in den biblischen Paradieses-Erzählungen, sondern auch in den Ur-Erzählungen, das Glück des Menschen dargestellt wird. Der Mensch lebt auf dieser Erde und freut sich, dass es ihn gibt, dass er da ist im unmittelbaren Kontakt zu Gott, mit dem er reden kann auf Du und Du, so wie es die Paradieses-Erzählungen schildern, so wie es auch die Don Camillo-Filme andeuten: Gott ist ganz nah. Und das Glück der Menschen besteht eben in dieser unmittelbaren Nähe zu Gott, in der totalen Abhängigkeit. Dann kommt das Problem: Der Mensch wird „selbst-ständig“, er sondert sich ab aus dieser Abhängigkeit von Gott, geht seine Wege, in denen er selbst bestimmt, was für ihn gut und böse ist, er geht weg von Gott. Und nun kommt das Unerhörte, was der Karfreitag offenbart: Wenn beim Menschen Einer weggeht, dann geht der Andere auch weg, er läuft dem Anderen nicht nach. Doch Gott hört nicht auf, dem Menschen nachzugehen und ihn zu lieben. ER begleitet auch den Menschen, der sich abgewandt hat, ER begleitet ihn sozusagen von rückwärts auf Schritt und Tritt, um immer bei ihm zu sein. ER begleitet jeden Menschen auf all seinen Irrwegen, und wenn es ein Verbrecher ist. Die Liebe Gottes ist da, nicht um das Verbrechen zu unterstützen, sondern nur, um immer da zu sein, bei diesem Menschen, der sich verirrt hat (wie wir es in der Lesung gehört haben), um ihn zu ertragen auch in den dunkelsten Stunden menschlicher Bosheit und menschlichen Leids.

Eine ganz kurze, menschliche und unglaubliche, junge Liebesgeschichte: Zwei Menschen verlieben sich, heiraten, sind einige Jahre glücklich; auf einmal meint der Mann, er ist nicht mehr glücklich genug. Er sucht sich eine andere, jüngere Frau, um da sein volles Glück zu haben. Und er geht weg. Und nun passiert das Unglaubliche: Die Frau liebt ihn weiter. Sie begleitet ihn in ihrem Herzen unauffällig. Nach vielen Jahren geschieht, dass die zweite Frau durch einen Unfall zu Tode kommt. Die erste Frau geht auf die Beerdigung und begegnet ihrem früheren Mann und schaut ihm in die Augen und sagt zu ihm: „Ich spüre, wie es Dir jetzt geht; wenn Du mich brauchen kannst – ich bin immer für Dich da.“ Der Mann ist überwältigt von dieser Liebe. Eine menschlich unglaubliche Geschichte – aber es ist eine Geschichte göttlicher Liebe. Jesus hat selbst eine solche erzählt: „Die Geschichte vom barmherzigen Vater“. Und ich könnte Ihnen Fallbeschreibungen bringen, wo so etwas vorkommt. Aber wenn ich solche Geschichten erzähle, auch bei Kollegen, bei jungen Theologen, werde ich nicht selten unterbrochen. Sie sagen, das sei ja pervers. Hatte die Frau keinen Stolz? Ich kann da nur sagen: Gottes Liebe ist geradezu pervers. Gott hat keinen Stolz. ER geht dem Menschen nach. ER geht mit jedem mit. Vielleicht werden nicht viele Menschen, wenn man die ganze Menschheit ins Auge fasst, in dieser Welt zu dieser überwältigenden Erfahrung der Liebe Gottes kommen. Wenn man an die Bösewichte denkt, an das Schreckliche, was uns täglich vor Augen geführt wird – Auschwitz, die Kriege, die Verbrechen heute – so paradox es klingt – Gott ist dabei, Gott in Auschwitz, Gott in den Kriegen, Gott in den Verbrechen, um diese Menschen, die Einen wie die Anderen, zu ertragen, damit, wenn alle einmal bei IHM ankommen, im Jüngsten Gericht, alle überwältigt sein werden von der Liebe, von Gott. Das ist unsere große Hoffnung, auch für die Menschen, bei denen wir sehen, dass es bei ihnen noch nicht eingegangen und nicht aufgegangen ist.

Ich als Seelsorger bin so glücklich, dass ich hier den Trost habe, für alle Leiden, den Universal-Trost. Es ist noch gar nicht lange her, da habe ich das so bitter nötig gehabt. Ich bekam einen Anruf und war gerade in Eile. Da wird mir eine furchtbare Not plötzlich, schlagartig, ins Leben gestellt. Ich wurde angerufen von einem Ort (nicht in Deutschland), wo ich einmal war. Und da sagte eine Frau: „Wir brauchen Sie jetzt unbedingt, es ist etwas Furchtbares passiert; ich übergebe.“ Dann war eine andere Frau am Apparat, und sie sagte mir: „Ich habe gestern Abend meinen Mann erschossen.“ Und dann sagte sie kurz, dass das das Ende einer zwanzigjährigen, furchtbaren Ehe war, aus der sie sich nicht befreien konnte, und dass sie aufs Gefängnis hofft, das für sie nur eine Befreiung sein kann. Ihre Frage war: „Verdammt mich jetzt Gott?“ Und da konnte ich ihr sagen: „Wenn Einer Sie versteht und Einer Sie nie und nimmer verdammt, dann ist es unser Gott, so wahr ich Pfarrer bin und so wahr ich Mensch bin.“ Ich sagte weiter: „Sehen Sie diese Tage nicht isoliert von den zwanzig Jahren und vertrauen Sie auf diesen Gott – der wird mit Ihnen den Weg weitergehen, und es kann diese furchtbare Schuld, die bewältigt werden muss, zur glückseligen Schuld werden.“ Dann fragte sie: „Kann mein Leben noch einmal etwas werden?“ Ich sagte: „Vielleicht wird es etwas ganz Einmaliges, weil vielleicht gerade Sie, wenn Sie das alles durchgetragen und angenommen haben, Menschen wunderbar zu beraten wissen, die in ähnliche, verzweifelte Not geraten, die wohl kaum Einer nachfühlen kann, der nicht solches durchgemacht hat.“

Dieser Gott, der sich im geöffneten Herzen Jesu als die Liebe und als das Leben offenbart, ist unser Trost und eben die Erlösung aus aller Angst.                                 Es kann nichts geben in unserem Leben, nichts, wo nicht ER liebend unser Beistand wäre, der uns trägt und er-trägt.

 

Osternacht A – 04. April 2026

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 26. März 1989

 

  1. Lesung: Gen 1,1-2,2 Gott sah alles an, was ER gemacht hatte: Es war sehr gut.“
  2. Lesung: Gen 22, 1-18 Das Opfer unseres Vaters Abraham
  3. Lesung: Ex 14,15 – 15,1 „Die Israeliten zogen auf trockenem Boden mitten durch das Meer.“
  4. Lesung: Jes 54, 5-14 „Mit ewiger Huld habe ich Erbarmen mit Dir, spricht Dein Erlöser, der Herr.“
  5. Lesung: Jes 55, 1-11 „Kommt zu mir, dann werdet Ihr leben! Ich will einen ewigen Bund mit Euch schließen.“
  6. Lesung: Bar 3, 9-15. 32-4.5 „Geh Deinen Weg im Licht der Weisheit Gottes!“
  7. Lesung: Ez 36, 16-17a. 18-28 „Ich gieße reines Wasser über Euch aus und schenke Euch ein neues Herz.“
  8. Lesung: Röm 6, 3-11 „Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir auch, dass wir mit IHM leben werden.“

Evangelium: Mt 28, 1-10: Was sucht Ihr den Lebenden bei den Toten?“

 

Predigt

 

Liebe Schwestern und Brüder,

es ergreift einem immer wieder aufs Neue, wenn wir das Wort des Propheten hören, in dem Gott spricht: „Nicht Euretwegen rette ich Euch, meinetwegen rette ich Euch, weil ich es meinem Namen schuldig bin, den Ihr entweiht habt.“

Gott ist es ja sich selbst schuldig, ER wäre ja nicht mehr Gott, würde ER uns nicht retten, würde ER uns in der Verzweiflung, im Tod lassen. Und darin gründet unsere unerschütterliche Hoffnung.

Wenn wir in dieser Stunde denken, was es denn eigentlich ist, was uns letztlich hier in unserer Kirche zur Osternachtsfeier zusammenführt, dann erkennen wir, dass es unser Glaube ist. Aber am tiefsten ist es ER, der uns Jahr für Jahr wieder versammelt, damit wir IHN, den ewig Lebenden, den der Tod nicht töten kann, wieder neu spüren. ER ist es, den wir spüren, immer wenn wir Nähe erfahren – ganz gleich wo und wie. ER ist die einende Kraft, die uns immer wieder verbindet. ER ist es auch, der alles in unserem Leben vereint, was auseinander ist, wo wir hin und her geworfen sind.

Wir sind daran, die großen Symbole der Einheit der Gegensätze zu feiern, damit uns das wieder innewird, das, was alles zum Leben gehört: Das Feuer, das die Vernichtung vereint in der großen Verwandlung zum Licht, zur Kraft, zur Wärme; das Licht in der Finsternis, das den Gegensatz aufhebt.

Wenn wir jetzt das Wasser als Symbol des Lebens feiern, das den Tod mit dem Leben verbindet, so feiern wir das ewige Leben, das alle Gegensätze überwindet, und dass wir innewerden, dass auch der Tod, unser körperlicher Tod, zum Leben gehört. Freilich können wir den Tod nicht umgehen, wir müssen durch den Tod hindurch. Wir müssen den Tod, das Vergängliche, das Sterbliche, loslassen, damit wir dem Auferstandenen begegnen können. Jesus sagt uns im Johannes-Evangelium, dass es die Möglichkeit gibt, hier schon vom Tod ins Leben hinüberzugehen: „Wer mein Wort hört und wer an den glaubt, der mich gesandt hat, der ist schon vom Tod zum Leben hinübergegangen.“ Aber das bedeutet kein weltfremdes Dasein, sondern im Gegenteil: Aus der Erfahrung des ewigen Lebens stürzen wir uns voll Freude in diese Welt der Sinnenhaftigkeit, und wir freuen uns an allem, was diese Welt uns schenkt, denn es ist ja alles Zeichen ewigen Lebens. Und wir brauchen den Tod nicht mehr fürchten, wir brauchen den Tod nicht mehr verachten. Wir dürfen uns in diesen Tod, den es in dieser Welt gibt, getrost hineinbegeben, denn diese Nacht offenbart uns, dass auch der Tod ein Lebenszeichen ist.

 

Ostersonntag A –

05. April 2026

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 19.04.1992

 

1. Lesung: Apg 10, 34a.37-43 „Wir haben mit IHM nach SEINER Auferstehung gegesssen und getrunken“

2. Lesung: Kol 3,1-4 „Strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt!“

Evangelium: Joh 20, 1-9 „Er sah und glaubte.“

 

Die Freude und das Leben seien mit Euch!

Ich begrüße Sie herzlich zur Osterfeier und wünsche Ihnen von Herzen ein gesegnetes Fest!

Damit das Geheimnis des Osterfestes uns erreicht, brauchen wir immer wieder das Erbarmen unseres Herrn Jesus Christus, damit ER uns öffnet für das Leben und die Freude, die ER uns gerade an diesem Tag schenkt.

Herr Jesus Christus, Du bist von den Toten erstanden. Du schenkst uns die Kraft, dass auch wir in diesem Leben aus der ewigen Fülle schon leben dürfen. Die Freude, die Du uns schenkst, dürfen wir einander weiter schenken.

 

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Unser Osterlamm, Christus, ist geschlachtet, halleluja!                                                                                                                                                                                                                                                  Die Lebenswahrheiten erschließen sich nicht unserem Verstand. Sie entfalten sich, wenn wir mit den Symbolen, mit dem, was sie offenbaren, leben. Dies ist ein Weg, auf dem uns Auferstehung aufgeht – anders als beim Verstand. Es muss in uns hell werden, in uns muss uns das erleuchten, was unser Leben bewegt und bestimmen soll.

Und so haben wir die reichen Symbole der Osterzeit, damit in uns Ostern wird. Und ich habe ein Symbol herausgegriffen, und ich glaube, dass es uns viel geben kann: Das Osterlamm. Wissen wir, was wir tun, wenn wir unser Osterlamm essen? Es könnte eine ganz tiefe Bereicherung werden, wenn wir uns bewusst machen, was es mit dem Osterlamm auf sich hat. Es war in frühester vorgeschichtlicher Zeit, als die Menschen in der Vorgeschichte Israels lebten als Halbnomaden, in Stammesgruppen, in Sippen, und da ist der Ursprung des Osterfestes – ein Frühlingsfest. Das war die Zeit des Weide-Aufbruchs, wo es viele Unfälle mit den Tieren gab. Und da opferte man Lämmer dem Hirtengott Seth – das Lamm als Opfertier, als ein Zeichen, mit dem die Menschen sich Gott hingeben wollten und Gott um Versöhnung bitten wollten. Das war der Anfang unserer Glaubensgeschichte. Doch es stellte sich heraus, dass Gott ja gar nicht versöhnt zu werden braucht; Gott greift selbst ein in das Menschenleben.

Und die zweite Etappe in der Geschichte unseres Osterlamms ist der Auszug aus Ägypten. Eine Gruppe kam vom Hunger getrieben nach Ägypten und fand dort Arbeit und Nahrung. Und da vermehrten sich die Menschen dieser Gruppe; und sie wurden den Ägyptern zu viele, und sie wurden unterdrückt. Da griff nun Gott ein als Retter, der SEIN Volk, das ER erwählt hatte, herausführte aus der Knechtschaft. Und hier begegnen wir dem großen Lamm-Essen, von Gott selbst verordnet, in allen Einzelheiten und mit vielen Symbolen ausgestattet, ein Mahl des Bundes, die Verbindung des Menschen mit dem rettenden Gott, der herausführt. Im Andenken daran wurde immer das Pesach-Fest gefeiert, wo die Menschen mit dem Lamm-Essen sich die ganze Geschichte mit diesem Gott hineinaßen. Ein Symbol entsteht auch dadurch, dass es eine Geschichte hat, die mit IHM untrennbar verknüpft ist. Lammessen, Pascha-Fest, heißt eben für die Gläubigen, die ganze Geschichte, die ganze Wirklichkeit des rettenden Gottes, in sich aufzunehmen, um davon zu leben.

Dann kommt die dritte Etappe, der Höhepunkt des Osterlammes: Der Prophet Jesaja zeigt den Gottesknecht, der wie ein Lamm die Menschen, uns alle, trägt und erträgt. Das Bedeutsame am Lamm und am Gotteslamm ist, dass es nicht davonläuft, nicht zurückschlägt und nicht schimpft. Wie wir es am Karfreitag betrachtet haben: „Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun.“ Das ist der Höhepunkt aller göttlichen Lamm-heit; die Liebe, die stärker ist als alle Bosheit und stärker ist als der Tod.

Und wenn wir unser Osterlamm essen, tun wir das jetzt bewusst. Es ist ein Symbol dafür, was wir in der Eucharistie als symbolische Wirklichkeit real begehen, dass wir SEINE Liebe, SEINE rettende, liebende Lebenskraft in uns hineinessen, damit wir wenigstens anfangshaft neue Menschen werden, die aus der Liebe zu leben versuchen, die ewige Liebe, das ewige Leben, das, was uns Christus erschlossen hat, zu erfahren.

 

OSTERMONTAG  A

06. April 2026

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 08. April 1996

 

1. Lesung: Apg 2,14.22-33

2. Lesung: 1 Kor 15, 1-8.11

Evangelium: Lk 24, 13-35 „Sie erkannten IHN, als ER das Brot brach.“

 

Ich begrüße Sie herzlich zur Feier des Ostermontags! Der zweite Festtag ist immer so der Tag der Nachbereitung, wo wir versuchen, das, was uns das vorübergehende Fest schenkt, an immerwährenden Inhalten auch festzuhalten für unser Leben.

Wir hören heute wieder die Emmaus-Geschichte. Das ist ja die Hilfe, um Auferstehung lebendig zu erhalten.

 

P r e d i g t

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Wir wollen uns zunächst den Impuls des Heiligen Paulus nicht entgehen lassen, der für uns und für unsere Zeit sehr wichtig ist, wenn er sagt: „Ihr habt doch das Evangelium nicht unüberlegt angenommen“. Jesus sagt: „Urteilt doch selbst. Die Zeichen des Wetters könnt Ihr deuten; die Zeichen des Menschensohnes könnt Ihr nicht deuten. An den Früchten werdet Ihr sie erkennen.“ Das sind also Impulse zur Selbstständigkeit des Glaubens, was mir heute sehr wichtig erscheint. Immer wieder werben viele Sekten, Gurus und verschiedene Gruppen, aber auch einflussreich auftretende Menschen um Mitläufer und Nachläufer. Die Kirche aber ist die Gemeinschaft derer, die in einer lebendigen, persönlichen Gottesbeziehung miteinander in Gemeinschaft leben, also, die selbstständig glauben.

Wir hören wieder unsere Emmaus-Geschichte – was wäre ein Ostermontag ohne Emmaus-Geschichte? Das ist ja das Großartige: Es sind die gleichen Worte, und immer wieder geht Neues auf. Wenn man vierzig Jahre lang über die Emmaus-Geschichte predigt, ist sie immer wieder neu, weil man die Wege, die man gegangen ist, immer wieder gehen muss; sie führen nämlich immer weiter und immer tiefer.                                                                                                                                                                                                                                                                                        Das ist einmal das Erste in der Geschichte: Weg-gehen, fort-schrittlich sein, etwas hinter sich lassen können, um zu etwas Neuem zu gelangen und tiefer zu leben, und weiter zu leben.

Nun zur Emmaus-Geschichte: Diese Fortschrittlichkeit ist einmal der Fortschritt von Jerusalem, dem historischen Ort des Jesus-Geschehens, hin zum sakramentalen Jesus-Geschehen – von der Historie hin zum Symbol. Das ist ein ganz wichtiger Weg, denn darin liegt die Aneignung und die Unverlierbarkeit des historisch vergänglichen, aber immer gültigen Jesus-Geschehens. Und das scheint mir auch wichtig zu sein, dass man sich unterwegs mit IHM befasst. Und wenn es einem aufgeht, dann ist es Jesus, der es einem aufgehen lässt, der es einem erklärt, dass der Liebende leiden musste, um in SEINE Herrlichkeit einzugehen.

Also, wenn man Menschen liebt, dann muss man sie leiden können; da ist immer wieder die Verknüpfung von Liebe und Leid. Ohne diese Aushalte-Kraft ist eigentlich eine Beziehung in keiner Weise möglich. Es ist tragisch, wenn Menschen in einem sozialen Beruf zu wenig oder keine Menschenliebe haben, wie man es heute leider oft erlebt. Caritas-Leute sagen, dass oft  Menschen kommen, die gar keine Gutscheine wollen, sondern die nur jemand haben wollen, mit dem sie reden können, der sie anhört, der sie aushält, wo sie in Beziehung treten können. Lieben-Können heißt also Leiden-Können. Und Gott kann die Menschen leiden; ER hat sie gelitten bis aufs Blut, bis zur Vollendung. Aber das ist auch ein wechselseitiges Geschehen. Auch wir müssen Gott leiden können.                                                                                                                                                                                                                                                        Ich habe es dieser Tage wieder erlebt, dass jemand ganz wütend geworden ist bei dem Gedanken, Gott könnte allen die Gnade der Bekehrung schenken. Gott leiden können, IHM erlauben, dass ER alle leiden kann, ist nicht so einfach! Und wenn das geschieht, dann ist das bereits eine Verwandlung in uns.

Und nun das Ankommen bei den Zeichen und Symbolen: Ich darf etwas wiederholen, weil wir uns so schwer tun mit dem Symbolgeschehen als Materialisten und Rationalisten. Das sind jetzt zwei Wirklichkeiten: Eine äußerliche, körperliche, eine sinnenhafte, eine vergängliche, eine irdische Wirklichkeit und eine geistige, ewige, wesentliche, nicht Raum- Zeit-gebundene Wirklichkeit, die in eins erlebt wird – hier im Folgenden eine zeichnerische Darstellung:

Bei Kindern ist das leicht, sie sind von Haus aus Mystiker und haben diese Problematik – außen und innennoch nicht; da ist von vornherein alles eins. Darum verstehen auch die Kinder die biblischen Geschichten sofort- da brauche ich nichts zu erklären. Ein Exeget hat einmal gesagt: „Kein Wort der Bibel ist für Kinder geschrieben.“ Ich habe geantwortet: „Alle sind für Kinder geschrieben, nur Erwachsene kapieren es nicht.“ Wir müssen uns mit dem Verstand zur Ebene der einfachen Kindlichkeit des Bild- und Symbolverständnisses erst durcharbeiten. Die Kinder haben es sozusagen gut. Dann kommt die Erwachsenenphase, und dann müsste man wieder so weit durchkommen, dass wir unter Einbeziehung der ganzen Rationalität wieder zur Kindlichkeit des Glaubens, des Bild- und Symbolverständnisses gelangen.                                                                                                                                                                Die Exegeten haben bestimmt recht, wenn sie sagen, der Ort der Osterbegegnung, der Auferstehungserfahrung, ist generell gesehen die Mangel-Erfahrung.

Wenn wir weiterlesen im Text, dann kommt die Problematik. Kann der verklärte Jesus einen unverklärten Fisch essen? Und dann müsste man sich immer wieder vor Augen halten: Jesus ist die Verkörperung der Liebe Gottes, die hier sich buchstäblich verkörpert in dem körperlichen, verweslichen Fleisch und Blut von Jesus. In der Regel ist es so: Wenn wir einander begegnen, ist es doch auch das Geistige, die Liebe, die uns beglückt. Und dazu brauchen wir die Zeichen des Körpers, den Tonfall der Stimme, den Händedruck, den Augenaufschlag, die Berührung , all das, damit das rüberkommt.

Und da ist nun das Abendmahlsgeschehen, wo Jesus ganz bewusst die Liebe Gottes jetzt verkörpert in Brot und Wein: „NEHMT HIN UND ESST, DAS BIN ICH, DAS IST MEIN LEIB; DAS IST MEIN BLUT!“, So geschieht es tatsächlich, wenn wir Eucharistie feiern, dass wir die Körperlichkeit der realen Gegenwart Jesu in uns aufnehmen, feiern im Zeichen und im Symbol. Und wenn nun in dieser Feier Begegnung stattfindet, wenn auch nur ein bisschen (das ist verschieden gestaltet, manchmal auch gar nicht), wenn das ankommt, wenn wir ein bisschen wieder getragen werden und Gemeinschaft mit IHM erleben, dann ist das das Wirken SEINER Liebe hier, jetzt und heute und in meinem Leben. Und dann kann ich eben sagen: „DER HERR IST WAHRHAFT AUFERSTANDEN, DESSEN BIN ICH ZEUGE“.

Wenn ich zu jemandem sage, dass wir heute früh dem Herrn begegnet sind, dann wird erstaunt gefragt: „Ja, wo denn?“ Dann antworte ich: „Ja, wir haben doch Eucharistie gefeiert.“ Darauf kommt zurück: „Ach so!“ Und da spürt man eigentlich das weitgehend mangelnde Gefühl für Zeichen.

Was wir tun können, ist, dass wir uns immer sensibel halten durch Gebet und Meditation, damit das, was uns hier geschenkt ist, zur Aus-wirkung und dann eben zur Ein-wirkung gelangen kann. Die Aus-wirkung ist objektiv vorgegeben, dass das, was sich aus-wirkt, die Gegenwart Jesu, des Auferstandenen, ein-wirkt; da liegt eben Vieles an uns. Und letztlich ist es das Geschenk SEINER Liebe, um das wir immer wieder bitten.

Mein verehrter Theologielehrer, der damals junge Professor Joseph Ratzinger, hat uns erzählt, dass er einmal in Rom die Eingabe gemacht hat, statt Transsubstantiation, also Verwandlung der Substanz, Transsignifikation zu sagen, also, dass hier die Zeichenhaftigkeit der Gegenwart Jesu von diesem Körper in die Zeichenhaftigkeit von Brot und Wein hinübergeführt wird. Das wurde aber von Rom abgelehnt. Dennoch meine ich, wir können weitersuchen. Und wenn wir Beides annehmen, wird es uns noch verständlicher. Von Jesus aus gesehen ist es eine Transsignifikation, das heißt: Die Zeichenhaftigkeit SEINER Gegenwart wird von SEINER sterblichen Körperlichkeit hinübergehoben in die Zeichenhaftigkeit von Brot und Wein. Auch von den Zeichen her gesehen ist es Transsubstantiation, das heißt: Die Zeichen, die als Brot und Wein Nahrung und Freude werden, verkörpern an sich ja auch schon ganz natürlich die Liebe Gottes, die Liebe, die uns am Leben hält mit jedem Bissen und mit jedem Schluck.

Und hier nun in der Feier und durch die Feier ist die Substanz, das heißt das, was darunter steht (griechisch noch besser: das hypokaimenon, das, ‚was dem zugrunde liegt‘), das Eigentliche von diesem Brot und Wein, eben nicht die Anzahl an Kalorien, die man zu sich nimmt, sondern das Eigentliche ist SEINE Gegenwart, ist die Liebe Gottes, die sich in Brot und Wein so verkörpert, dass sie unsere innere Kraft werden kann.

Das sind vielleicht mystische Gedanken, aber auch Professor Karl Rahner hat uns ja ermuntert, uns mit Mystik zu befassen, das heißt: Die Wirklichkeit nicht nur äußerlich zu bedenken, sondern zu durch-schauen- schauen, hin auf das Eigentliche, auf das Unsagbare, auf das, wovon wir leben. Und gerade die Zukunft wird es verlangen, dass wir von einem lebendigen Glauben her unser Leben bewältigen und auch die Entscheidungen treffen, die der Platz, den wir einnehmen im Leben, von uns fordert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Lesung: Nehemia 8, 2-4.5-6.8-10
  2. Lesung: 1 Korinther 12, 12-30

Evangelium: Lukas 1, 1-4;4, 14-21

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Ich begrüße Sie herzlich zum 3. Sonntag im Jahreskreis! In der Lesung weist uns der Apostel Paulus darauf hin, dass wir alle  E I N E R  sind, der Leib Christi, jeder mit seinen Fähigkeiten, mit seinen Gaben, die Aufgaben sind.

Im Evangelium zeigt uns Lukas sein Anliegen, warum er das Evangelium geschrieben hat und auch, was die Sendung Jesu eigentlich ist.

 

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Das Evangelium heute greift eine schwierige Situation auf, die wir gerade in unserer Zeit wieder vorfinden:

Woher bekommen wir die Gewissheiten unseres Glaubens? Wo finden wir sie? Wir werden feststellen, dass wir, die wir noch Vorstellungen haben wie vor fünfzig Jahren, umdenken müssen, um die eigentliche Botschaft, das Eigentliche, was Jesus gebracht hat, nicht zu verlieren.

Es geht hier um die historische Zuverlässigkeit der Berichte über das Leben Jesu. Da sagt uns die heutige Wissenschaft, dass wir über die praktisch historische Zuverlässigkeit im Neuen Testament nichts finden. Wie ich im Studium war, da war die große Problematik, ob es Jesus überhaupt gegeben hat, ob wir nicht nur den Jesus des Glaubens, den literarischen Jesus haben; das ist überwunden. An der historischen Wirklichkeit Jesu zweifelt heute niemand.

 

Aber, wer war dieser Jesus?

Historisch gesehen war ER wohl mehr als nur dieser Ausschnitt, den uns die Evangelien zeigen.

Die Sprachforscher, die aramäisch, jüdisch, hebräisch beherrschen, die sagen, das Thomasevangelium ist eines der ältesten Schriften, es zeigt uns Jesus als Weisheitslehrer, der in Sequenzen, in Versen gesprochen hat, die man auswendig lernen kann, damit SEINE Jünger SEINE Lehre weitergeben können.

Als ich vor ca. dreißig Jahren den Auftrag bekam, diese neuen biblischen Ergebnisse der Lehrerschaft, die Religionsunterricht geben, zu vermitteln, war das äußerst schwierig.

„Ja, wenn das alles nicht mehr stimmt, wenn das Jesus nicht wortwörtlich gesagt hat, ja dann geben wir keinen Religionsunterricht, keinen Bibelunterricht mehr.

In meiner Kinderzeit hat man noch gelernt, dass den Jonas der Walfisch gefressen und dann wieder ausgespuckt hat. Das ist mir zum Verhängnis geworden, weil ich das so nicht glauben konnte, dass Jonas, der im Bauch des Walfisches war, das Beten angefangen hat. Doch mir hat der Religionslehrer – ich habe ihm längst verziehen – gesagt: „Das musst Du glauben, das ist Wort Gottes. Wenn Du das nicht glaubst, dass der Walfisch den Jonas gefressen hat und dass der im Bauch gebetet hat und dann nach drei Tagen wieder ans Land kam, dann hast Du eine Todsünde.“

Ich habe es immer wieder gebeichtet, weil ich den Jonas nicht glauben konnte. Dann habe ich im Lexikon auch noch gelesen, dass der Walfisch so einen engen Schlund hat wie ein Mensch, dass da kleine Krebse durchgehen können, aber nie ein unzerkleinerter Prophet.

Und der Beichtvater hat gesagt: „Wenn Du das nicht glaubst, kann ich Dir nicht mehr die Absolution erteilen“ (in welchen Zwängen muss der gewesen sein). Das war für mich Verdammung; ich habe den Jonas nicht glauben können.

Dass das eine Lehrgeschichte ist, wo man sagen muss: Stell dir das mal vor, da musste ein Prophet lernen, dass Gott die Leviten auch mag, dass ER jeden mag, der sich bekehrt und liebend wird, bildlich gesprochen, dass er einen Prozess durchmacht, verschlungen wird, dann in die Finsternis, ins Unheil kommt, bis er dann geläutert durch diese Prozesse kapiert, dass Gott die Liebe ist – eine wunderbare Geschichte.

 

Ein Kurskollege von mir hat seine Probekatechese gehalten über den Jonas und hat in diesem Sinn gesprochen, und das war vor 40 Jahren. Dann haben die Professoren einen Rat abgehalten, ob man ihn als Ungläubigen entlassen müsste. Aber er ist heute noch ein sehr aufgeschlossener Priester und Pfarrer.

Und so ist es heute das Eigentliche, das Tiefe, das Innere, das Unvergängliche, das uns in diesen Sinngestalten nahegebracht wird. Wenn uns das aufgeht, dann ist es nicht mehr wichtig, ob es genauso historisch geschehen ist wie es da steht.

 

Und jetzt kommt Einer und sagt, bei Lukas steht doch genau: „Ich habe mich entschlossen, allem von Anfang an nachzuforschen, um es der Reihe nach aufzuschreiben, und so kannst du dich auf mich verlassen.“ Es waren Überlieferungsstücke, Erzählungen, Erinnerungen, und jeder, der ein Buch schreibt, der braucht eine Gliederung, wie er alles zusammenbaut, damit der Leser möglichst gut auf das Eigentliche kommt.

 

 

 

 

Und was aber Lukas zeigen möchte, geschieht im Innern des Sprachlichen, wo der Prophet sagt: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den  Gefangenen (das sind die Eingesperrten, die mit sich und anderen innerlich und äußerlich Eingesperrten) die Freiheit zu bringen, den Blinden das Augenlicht (der Durchblicke eröffnet, der Zusammenhänge vermittelt, der möglich macht, alles einzuordnen, der es möglich macht, mit seinem Leben mit den vielen Rätseln zu leben und umzugehen und einfach, der die Zerschlagenen, die Kaputten wieder richtet, repariert).“  Das will er zeigen.

Man hat auch zur Zeit Jesu gedacht, der Messias müsste politisch sein, wie David, so wie David es für kurze Zeit fertiggebracht hat, ein Friedensreich aufzubauen. Jesus soll die Römer vertreiben, ER soll die Herrschaft, das Etablissement der Schriftgelehrten und Pharisäer, durchbrechen. Auf dieser Ebene, irdisch gesehen, ist Jesus total gescheitert. Und nun sagen heute auch die Wissenschaftler, wollte man die Glaubensgewissheit auf historische Daten festlegen, dann würde das Christentum das dritte Jahrtausend nicht überstehen. Würde man nicht sozusagen die inneren Wirklichkeiten, das, was Jesus uns bedeutet, das Unvergängliche in die Gegenwart bringen, dann könnte es uns im Leben auch nicht mehr tragen. Dann sind wir dauernd mit unserem Glauben dem Streit der Wissenschaftler ausgesetzt, die heute das reden und morgen was Anderes, dann muss man sich in einem Jahr ein paarmal umstellen.

 

So kommt jetzt ein Wort – da ist das Entscheidende drin, wenn Lukas schreibt:

„Jesus kehrte von der Kraft des Geistes erfüllt zurück.“

Das ist SEINE innere Erfüllung mit Gott, mit der Botschaft von der Liebe Gottes. Und so zeigt uns gerade Lukas Jesus als den Heiland der Armen, der in der Kraft der Liebe verbindet und offenbar macht, wie die Menschen befreit und erlöst werden können.

Wenn wir die frohe Botschaft als Lebenskraft erfahren wollen, als eine Kraft, die uns im Leben trägt, auch wenn äußerlich alles schiefgeht, die uns trägt in der Krankheit, durch die Krankheit, in der Armut und in unserer Schuld, in unserer Zerrissenheit, unserer Schwachheit, wenn das aufgeht, in unserem ganzen Bewusstsein aufgeht, dann trägt es unser Leben.

 

Nun kommen wir wieder auf das, worum wir uns ja dauernd bemühen:

Gott liebt dich immer, bedingungslos, unverlierbar, und die Anderen auch.

Und das ist die Fülle der Zeit, die Erfüllung unserer Sehnsucht, die auch, wie Augustinus sagt, als unerfüllte Sehnsucht in jedem Menschen verborgen ist. Das, wonach du dich sehnst, das gab es immer und das gibt es, und darum ist Gott Mensch geworden, damit das ganz menschlich sichtbar und erfahrbar wird.

 

 

Hängt euch doch nicht fest an dem Äußeren, das sind Vorstellungshilfen, damit das Innere aufgehen kann und euch tragen kann; das ist eben Mystik. Und das meint das viel zitierte Wort von Karl Rahner: „Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein.“

So versteht es auch Jesus, er zitiert Jesaja: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen.“ Und wenn Jesus sagt, das ist heute in Erfüllung gegangen, das mag vielleicht anmaßend klingen, aber es heißt, IHM ist bewusst, das, was ER zu bringen hat, ist kein menschliches Fabrikat, sondern das ist IHM gegeben, das ist die Kraft des Geistes.

„Der Geist des Herrn ruht auf IHM“, d.h., was ich euch sage, das ist mein Auftrag. Und so müsste eigentlich jedem Religionslehrer, Priester, Pfarrer bewusst sein, dass er nicht seine eigenen Aggressionen oder Probleme auszuschütten hat, wenn er von Gott redet, sondern dass er das, was der Geist durch Jesus geoffenbart hat, zu vermitteln hat so gut es geht, so dass ich ganz ehrlich sagen müsste, ich will ja nicht meine Weisheit vortragen, sondern das, wovon ich sagen kann, das trägt mein Leben, ich bin davon überzeugt. Dann kommt der Einzelne dazu, der aus seiner Lebenserfahrung heraus sagen kann, so wie Paulus einfach sagt: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe“ – es ist nicht mein Gebilde, was ich weitergebe.

 

Dass das sichtbar wird, dass es nicht so schwierig ist, ein kleines Beispiel:

Es ist ein Beispiel, wie eine Legende tiefste Wahrheit enthält. Mir hat bei einer Tagung jemand erzählt von einer Weihnachtspredigt. Eine ganz kurze Geschichte, in der alles gesagt ist, was Jesus bringt. Das ist die Geschichte, die Geschichte vom Wolf, der das Jesuskind fressen wollte:

Es ist die Heilige Nacht auf den Fluren von Bethlehem: Die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf sie, und der Wolf kommt wie jede Nacht zur Herde und holt sich ein Lämmlein, so als Nachtessen. Und dann ist der Wolf jetzt da auf den Fluren von Bethlehem, und dann fragt er sich, was ist denn da heute los? Was ist da für eine Aufregung, und er horcht und er horcht, bis er hört von einem Kind, von einem neugeborenen Kind. Er denkt, uih, ein neugeborenes Kind, das wäre mal was Anderes als immer die langweiligen Lämmer. Das Kind im Stall hole ich mir. Und dann schleicht er sich wieder zurück, und wie es finster und ruhig ist, schleicht er sich an den Stall heran und alle schnarchen und schlafen schon. Nur vom Kind hört er noch einen Krächzer, das Kind ist also noch wach. Er wartet noch ein bisschen, und dann geht er an die Krippe hin und denkt: Ah, jetzt hab‘ ich’s! Er streckt seinen Kopf und macht sein Maul auf, und dann

streichelt das Kind seine Schnauze und krault ihn hinten am Kopf. Und auf einmal kann er das Kind nicht mehr fressen.

 

 

 

 

 

Und noch etwas geht in ihm vor, er merkt auf einmal wie sein Fell aufspringt, sein Wolfsfell zerreißt. Dann fällt ihm das ganze Fell ab, und dann steht da -der Mensch.

Der Pfarrer hat diese Geschichte als Weihnachtslegende gebracht, und die, die dabei war, hat mir erzählt, die Leute waren mäuschenstill. Kein Wort hat er sonst gesagt, weil jeder sieht in diesem Bild die tiefe Wahrheit, wie das Wolfshafte, die Aggressionen und das alles abfällt und wie durch diese Liebe, durch die bedingungslose Liebe, der Mensch zum Menschen wird.

So gibt es diese vielen, vielen Möglichkeiten zum Aufmerksam-Machen auf das Eigentliche, was sich in Jesus erfüllt hat, in der Geschichte, weil gerade das, was IHN erfüllt hat, der Geist Gottes durch IHN in unsere Welt unverlierbar über historische Vergänglichkeiten eingegangen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!

 

Näheres zu Elmar Grubers Predigten

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: PREDIGTEN DURCH DAS KIRCHENJAHR)

VORWORT – Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  –  Seit 1. Dezember 2014 ist Lesejahr B.

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen. Bevor er ans Ambo trat, hatte er sich ein Grundkonzept überlegt; die Worte, die er dann sprach, waren „von oben“ eingegeben, inspiriert.

Der Text der Predigten wurde mit Erlaubnis Elmar Grubers von einer gläubigen Christin während des Gottesdienstes privat auf einem Cassettenrecorder aufgenommen und danach geschrieben. Wir danken dieser Frau, die anonym bleiben will, von ganzem Herzen, denn durch sie haben wir jede Woche einen unschätzbaren Wert!