Strahlkraft

Lebendiges Gedankengut von Pfarrer Elmar Gruber e.V.

ELMAR GRUBERS PREDIGT ZUM NÄCHSTEN SONNTAG ODER FEIERTAG – IMMER AKTUELL!

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: PREDIGTEN DURCH DAS KIRCHENJAHR)

VORWORT

IDEAL IN DEN ZEITEN DES UKRAINE-KRIEGS, DES KLIMAWANDELS  – DIESE WORTE GEBEN KRAFT UND HOFFNUNG!

VERKÜNDIGUNG VON GOTTES WORT DURCH DIE PREDIGTEN DES HOFFNUNG GEBENDEN PFARRERS ELMAR GRUBER

Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  – seit dem 1. Advent 2025 (30. November 2025) ist Lesejahr A.

Immer die aktuelle Predigt!

Inspiration für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!

Auch als Predigt-Vorlagen!

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.

Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.

Danke, Helga! Ohne Dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!

 

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21. Sonntag im Jahreskreis A –

23. August 2026

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 22. August 1999

 

1. Lesung: Jesaja 22, 19-23

2. Lesung: Römer 11, 33-36

Evangelium: Mt 16, 13-20

 

Gib, dass wir lieben, was Du uns befiehlst, und ersehnen, was Du uns verheißen hast, damit in der Unbeständigkeit dieses Lebens unsere Herzen dort verankert seien, wo die wahren Freuden sind!

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

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Predigt:

Liebe Schwestern und Brüder!

Heute geht es um die Frage der Gotteserkenntnis und der Jesuserkenntnis. “Für wen halten die Leute den Menschensohn?” Jesus drängt sich nicht auf, ER tritt nur in Erscheinung. Und dann muss es in den Menschen selber geschehen, dass sie erkennen, dass ER der Sohn Gottes ist.

Wie unerforschlich sind doch SEINE Wege, wie unergründlich SEINE Entscheidungen! Wie soll man Gott erkennen? Da stoßen wir auf unser Problem, dass wir mit unserem Verstand Gott nicht erkennen können, nicht den entscheidenden Schritt in der Gotteserkenntnis machen können. Wir haben die Sonnenfinsternis erlebt und waren fasziniert. Da ist manchen Menschen bewusst geworden, dass es Kräfte gibt, die wir nicht im Griff haben. Wir erleben auch immer wieder orkanartige Stürme und Erdbeben. Angesichts solcher Katastrophen stellt man gerne die Gottesfrage, wo denn da ein guter Gott sein soll, wenn Menschen unschuldig getötet werden. Man sucht natürlich auch immer gleich die Schuldigen, aber das löst das Problem auch nicht. Wie oft kommt auch die Frage: „Kann man nach Auschwitz noch an Gott glauben?“ Angesichts solcher Tatsachen kann man es voll und ganz verstehen, wenn die Frage beantwortet wird mit „NEIN!“ Das müssen wir irgendwie eingestehen, dass wenn Gott da zuschauen kann, dass ER dann ein Scheusal ist. Aber: Wir gehen dabei auch immer von unseren Kategorien von Gewalt, von Gut und Böse, aus. Wir gehen von unseren Vorstellungen aus, wie Gott eben, wenn ER ein gütiger Gott sein will oder sein soll, ausschauen müsste. Und da geht die Rechnung nicht auf. Paulus sagt: „Die ganze Schöpfung ist auf IHN hin, der in Jesus Christus sich verkörpert, geschaffen.“ Wie kommen wir dazu, dass wir mit all den Problemen fertig werden müssen und noch an einen liebenden Gott glauben? Ich glaube, die erste Hilfe ist diese negative Antwort von Paulus: „Gott ist unbegreiflich.“ Versuche es nicht, mit dem Verstand zu begreifen! Gott kann Dir nur durch Begegnung aufgehen, durch Intuition. Wenn es geschieht, dass Du trotz alledem die Erfahrung gewonnen hast, dass hinter allem letztlich doch ein liebender Gott steht, dann kann man versuchen, auch mit dem Verstand das aufzuarbeiten – soweit es eben geht.

Ich denke da immer an meinen verehrten Theologielehrer, den jungen Professor Ratzinger, der in seiner allerersten Vorlesung gesagt hat: “Für mich ist die Theologie der Versuch, den Geliebten noch näher mit dem Verstand kennenzulernen.” Aber zuerst muss Gott der Geliebte sein. Das ist ja das Problem: Wie kann ER angesichts der katastrophalen Tatsachen in dieser Welt als die Liebe erkannt werden? Die Ansatzpunkte können wir nennen. Augustinus nennt sie auch, wenn er sagt: “Gott ist Dir näher als Du selbst.” Gott ruht auf dem Grund jeder Menschenseele als „Die Sehnsucht“. Und diese Sehnsucht des Menschen ist so geartet, dass sie erst dort zur Ruhe kommt. Und der Mensch macht ja viele Wege und Irrwege durch – das ganze Leben ist ein Gott-Suchen. Und dann kann das Ereignis eintreten, dass Gott einem begegnet und aufgeht, wie wir es bei den Heiligen sehen.

Jesus fragt: “Für wen haltet ihr mich?” Der Beitrag des Menschen ist: Ich muss mich damit befassen. Wer einfach abschaltet und sagt, dass er aufhört zu denken, was der Mensch ist, dass der Mensch ist, was er isst, wer nur materialistisch denkt, der kommt nicht weiter. Es muss ein Mensch irgendwann nachdenklich werden und sich mit Gott befassen. Und diese zwei Punkte im Leben müssen zusammenkommen: Die Sehnsucht des Menschen und dann, wie es manche Mystiker sagen, die „Gipfelerlebnisse“. Ich sage immer gerne, die Sternstunden sind die Aufhänger des Glücks. Wo der Mensch spürt, dass diese Sehnsucht nicht ins Leere geht, sondern dasss es eben auch eine Erfüllung gibt, dann sind das die Stellen, wo Gott aufgehen kann; aber es ist Gott, der letztlich das bewirkt – es ist immer das Zusammenwirken.

Aber letztlich geht von IHM auch alles aus. Wir müssen unsere Lebensprobleme und alles das durchmachen, bis wir an die Stellen kommen, wo eben Gott aufgeht, wo wir uns Gott öffnen können und IHN erkennen als den, der immer schon da ist, der nie eingreift, aber alles in SEINEM Griff hat, auch das, was wir nicht begreifen – auch die Naturgesetze, die eben Katastrophen mit beinhalten, und alle Kräfte in der Schöpfung.

GOTT GREIFT NIE EIN, so wie wir es uns vorstellen, WEIL ER ALLES BEREITS SCHON IM GRIFF HAT. Und wenn solche Stellen da sind, dass ER alles im Griff hat, dann kann auch das Vertrauen kommen, dass ich IHM traue, dass ich sage: „Lieber Gott, also verstehe Dich nun schon gar nicht mehr, mach e mir doch ein bisschen einfacher!“  So darf ich mit meinem Gott reden. Es gibt ja auch die Fluch-Psalmen, die sagen: „Herr, ich habe eine Wut auf Dich!“ Da ist es an der richtigen Adresse, und ER sagt dann: „Ich bin es doch, schimpfe Dich nur aus, ich bin es, ICH! Gehst Du durch das Wasser, Du ertrinkst nicht. Gehst Du durch das Feuer, Du verbrennst nicht. Ich habe Dich in MEINE Hände geschrieben, stehst doch in MEINER Macht.“ Solche Worte, wie sie der gotterfahrene Mensch in den Psalmen zum Ausdruck bringt, können auch uns ergreifen und uns in die Gemeinschaft bringen mit diesen Menschen, die Gott erfahren haben, die es ja gibt, die uns das aber auch nicht mit dem Verstand eintrichtern können. Sie können nur ihr Lebenszeugnis sagen, dass sie hier eine Kraft haben und dass wir nicht verzweifeln müssen und dass wir trotz alledem den Glauben haben und eine unzerstörbare Hoffnung und Freude ausstrahlen.

Und so ist es auch bei Petrus, der Jesus begleitete. Und dann ist es ihm aufgegangen: Ja, Du bist Gott, Du bist der Sohn Gottes.“ Und Jesus sagt gleich: „Selig bist Du, das haben Dir nicht Fleisch und Blut geoffenbart.“ Das ist nicht das Ergebnis eines theologischen Scharfsinnes, das hat Petrus nicht aus sich selbst. Er ist der Fels, auf den dann die Gemeinschaft sich aufbauen wird, die wir Kirche nennen. Und da müssen wir auch ein bisschen tiefer schauen. Eigentlich ist nicht Petrus der Fels, sondern Gott, der ihm aufgegangen ist. Christus ist in jedem Fall der Fels, der den Menschen zum Felsen macht, wenn ER in ihm aufgegangen ist. Und wenn der Mensch sich auf diesen „Felsen Christus“ konzentriert, wird er hart, im positiven Sinne belastbar.

Ich habe ein Stückchen Fels mitgebracht, dass uns das bewusst wird. Jeder, der Bergwanderungen macht, soll mit jedem Tritt sich mal sagen: “Du bist mein Fels, auf Dich vertraue ich im nächsten Schritt. Ich vertraue, und es geht wieder weiter. Und mit jedem Schritt vertraue ich auch Dir, denn ich stehe auf Dich!“ Der Fels, der erträgt, der trägt alles, sodass Paulus sagen kann: “Ich vermag alles in dem, der mich stärkt.” Und wir können sagen: “Mit Christus kann ich aushalten, ER, der mein Fels ist, der die Fels-Kraft hat.“ Da sieht man eben auch, dass die Barmherzigkeit, auf die ja alles ankommt, hart ist. Je barmherziger ein Mensch wird, umso mehr kann er aushalten, umso weniger muss er sich ärgern. Aber das ist nichts Liebliches, sondern das ist ein lebenslänglicher Prozess. Man muss es immer wieder sagen: Wir sind immer unterwegs. Und wir haben auch das Entscheidende schon in unserem Leben, wenn wir unterwegs sind. Und wenn wir das Ziel kennen, dann ist die Kraft des Ziels schon die Kraft in unserem Leben, in unserem Unterwegs-Sein.

Und jetzt denken wir mal an die großen Menschen des Glaubens. Was hat Abraham alles ausgehalten mit seinem unbegreiflichen Gott, Abraham und Isaak – grausige Sachen! Maria, die Mutter der Glaubenden, was hat die alles ausgehalten mit der Glaubenskraft – bis unters Kreuz! So gibt sie ihren toten Sohn als den Auferstandenen den Menschen, die an IHN glauben. Ja, und dann, bitte, der Mensch Jesus, was hat der alles ausgehalten bis zum Tod am Kreuz! DU BIST DER FELS – DU MACHST UNS HART IM POSITIVEN SINN!

Noch ein letztes Wort, das bedenkenswert ist: “Dann befahl ER den Jüngern, niemand zu sagen, dass ER der Messias ist.” Da möchte man sagen, dass sie das ja doch sagen müssen. Nein, nein, es ist noch nicht so weit! Die haben noch nicht alles begriffen. Wenn man das Evangelium weiterliest, dann sieht man auch, dass die Menschen zu Lebzeiten Jesu noch nicht gelernt haben, was das Eigentliche jetzt ist am Sohn Gottes. Sie wissen, dass ER der Messias ist; aber was das ist, das haben sie noch nicht voll erfahren. Und so sollen sie jetzt noch nichts sagen. ER ist der Sohn Gottes. Aber dass der Messias leiden müsse, um so das Erbarmen Gottes zu offenbaren, ist eigentlich erst an Pfingsten aufgegangen. Und so möge uns auch das letztlich wieder Mut geben, an Gott dranzubleiben, trotz der Naturkatastrophen.

Da hat mich mal jemand gefragt: „Ja, was hat das alles für einen Sinn?“  Ich weiß es auch nicht. Einen Sinn kann man schon sehen bei all diesen Katastrophen, nämlich dass sich die Menschen solidarisieren und nicht sagen: „Hauptsache ist es, dass es uns nicht erwischt hat.“ Es betrifft immer die ganze Menschheit. Gott hat immer die ganze Menschheit im Griff und mit SEINEN Augen gesehen – so geht alle Not des Menschen uns an. Wir dürfen aber auch immer wieder in den heiligen Zeichen und in den Sternstunden unseres Lebens erfahren: In SEINEN Händen, in jedem Fall, in SEINEN Händen ruhet mein Geschick.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Lesung: Nehemia 8, 2-4.5-6.8-10
  2. Lesung: 1 Korinther 12, 12-30

Evangelium: Lukas 1, 1-4;4, 14-21

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Ich begrüße Sie herzlich zum 3. Sonntag im Jahreskreis! In der Lesung weist uns der Apostel Paulus darauf hin, dass wir alle  E I N E R  sind, der Leib Christi, jeder mit seinen Fähigkeiten, mit seinen Gaben, die Aufgaben sind.

Im Evangelium zeigt uns Lukas sein Anliegen, warum er das Evangelium geschrieben hat und auch, was die Sendung Jesu eigentlich ist.

 

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Das Evangelium heute greift eine schwierige Situation auf, die wir gerade in unserer Zeit wieder vorfinden:

Woher bekommen wir die Gewissheiten unseres Glaubens? Wo finden wir sie? Wir werden feststellen, dass wir, die wir noch Vorstellungen haben wie vor fünfzig Jahren, umdenken müssen, um die eigentliche Botschaft, das Eigentliche, was Jesus gebracht hat, nicht zu verlieren.

Es geht hier um die historische Zuverlässigkeit der Berichte über das Leben Jesu. Da sagt uns die heutige Wissenschaft, dass wir über die praktisch historische Zuverlässigkeit im Neuen Testament nichts finden. Wie ich im Studium war, da war die große Problematik, ob es Jesus überhaupt gegeben hat, ob wir nicht nur den Jesus des Glaubens, den literarischen Jesus haben; das ist überwunden. An der historischen Wirklichkeit Jesu zweifelt heute niemand.

 

Aber, wer war dieser Jesus?

Historisch gesehen war ER wohl mehr als nur dieser Ausschnitt, den uns die Evangelien zeigen.

Die Sprachforscher, die aramäisch, jüdisch, hebräisch beherrschen, die sagen, das Thomasevangelium ist eines der ältesten Schriften, es zeigt uns Jesus als Weisheitslehrer, der in Sequenzen, in Versen gesprochen hat, die man auswendig lernen kann, damit SEINE Jünger SEINE Lehre weitergeben können.

Als ich vor ca. dreißig Jahren den Auftrag bekam, diese neuen biblischen Ergebnisse der Lehrerschaft, die Religionsunterricht geben, zu vermitteln, war das äußerst schwierig.

„Ja, wenn das alles nicht mehr stimmt, wenn das Jesus nicht wortwörtlich gesagt hat, ja dann geben wir keinen Religionsunterricht, keinen Bibelunterricht mehr.

In meiner Kinderzeit hat man noch gelernt, dass den Jonas der Walfisch gefressen und dann wieder ausgespuckt hat. Das ist mir zum Verhängnis geworden, weil ich das so nicht glauben konnte, dass Jonas, der im Bauch des Walfisches war, das Beten angefangen hat. Doch mir hat der Religionslehrer – ich habe ihm längst verziehen – gesagt: „Das musst Du glauben, das ist Wort Gottes. Wenn Du das nicht glaubst, dass der Walfisch den Jonas gefressen hat und dass der im Bauch gebetet hat und dann nach drei Tagen wieder ans Land kam, dann hast Du eine Todsünde.“

Ich habe es immer wieder gebeichtet, weil ich den Jonas nicht glauben konnte. Dann habe ich im Lexikon auch noch gelesen, dass der Walfisch so einen engen Schlund hat wie ein Mensch, dass da kleine Krebse durchgehen können, aber nie ein unzerkleinerter Prophet.

Und der Beichtvater hat gesagt: „Wenn Du das nicht glaubst, kann ich Dir nicht mehr die Absolution erteilen“ (in welchen Zwängen muss der gewesen sein). Das war für mich Verdammung; ich habe den Jonas nicht glauben können.

Dass das eine Lehrgeschichte ist, wo man sagen muss: Stell dir das mal vor, da musste ein Prophet lernen, dass Gott die Leviten auch mag, dass ER jeden mag, der sich bekehrt und liebend wird, bildlich gesprochen, dass er einen Prozess durchmacht, verschlungen wird, dann in die Finsternis, ins Unheil kommt, bis er dann geläutert durch diese Prozesse kapiert, dass Gott die Liebe ist – eine wunderbare Geschichte.

 

Ein Kurskollege von mir hat seine Probekatechese gehalten über den Jonas und hat in diesem Sinn gesprochen, und das war vor 40 Jahren. Dann haben die Professoren einen Rat abgehalten, ob man ihn als Ungläubigen entlassen müsste. Aber er ist heute noch ein sehr aufgeschlossener Priester und Pfarrer.

Und so ist es heute das Eigentliche, das Tiefe, das Innere, das Unvergängliche, das uns in diesen Sinngestalten nahegebracht wird. Wenn uns das aufgeht, dann ist es nicht mehr wichtig, ob es genauso historisch geschehen ist wie es da steht.

 

Und jetzt kommt Einer und sagt, bei Lukas steht doch genau: „Ich habe mich entschlossen, allem von Anfang an nachzuforschen, um es der Reihe nach aufzuschreiben, und so kannst du dich auf mich verlassen.“ Es waren Überlieferungsstücke, Erzählungen, Erinnerungen, und jeder, der ein Buch schreibt, der braucht eine Gliederung, wie er alles zusammenbaut, damit der Leser möglichst gut auf das Eigentliche kommt.

 

 

 

 

Und was aber Lukas zeigen möchte, geschieht im Innern des Sprachlichen, wo der Prophet sagt: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den  Gefangenen (das sind die Eingesperrten, die mit sich und anderen innerlich und äußerlich Eingesperrten) die Freiheit zu bringen, den Blinden das Augenlicht (der Durchblicke eröffnet, der Zusammenhänge vermittelt, der möglich macht, alles einzuordnen, der es möglich macht, mit seinem Leben mit den vielen Rätseln zu leben und umzugehen und einfach, der die Zerschlagenen, die Kaputten wieder richtet, repariert).“  Das will er zeigen.

Man hat auch zur Zeit Jesu gedacht, der Messias müsste politisch sein, wie David, so wie David es für kurze Zeit fertiggebracht hat, ein Friedensreich aufzubauen. Jesus soll die Römer vertreiben, ER soll die Herrschaft, das Etablissement der Schriftgelehrten und Pharisäer, durchbrechen. Auf dieser Ebene, irdisch gesehen, ist Jesus total gescheitert. Und nun sagen heute auch die Wissenschaftler, wollte man die Glaubensgewissheit auf historische Daten festlegen, dann würde das Christentum das dritte Jahrtausend nicht überstehen. Würde man nicht sozusagen die inneren Wirklichkeiten, das, was Jesus uns bedeutet, das Unvergängliche in die Gegenwart bringen, dann könnte es uns im Leben auch nicht mehr tragen. Dann sind wir dauernd mit unserem Glauben dem Streit der Wissenschaftler ausgesetzt, die heute das reden und morgen was Anderes, dann muss man sich in einem Jahr ein paarmal umstellen.

 

So kommt jetzt ein Wort – da ist das Entscheidende drin, wenn Lukas schreibt:

„Jesus kehrte von der Kraft des Geistes erfüllt zurück.“

Das ist SEINE innere Erfüllung mit Gott, mit der Botschaft von der Liebe Gottes. Und so zeigt uns gerade Lukas Jesus als den Heiland der Armen, der in der Kraft der Liebe verbindet und offenbar macht, wie die Menschen befreit und erlöst werden können.

Wenn wir die frohe Botschaft als Lebenskraft erfahren wollen, als eine Kraft, die uns im Leben trägt, auch wenn äußerlich alles schiefgeht, die uns trägt in der Krankheit, durch die Krankheit, in der Armut und in unserer Schuld, in unserer Zerrissenheit, unserer Schwachheit, wenn das aufgeht, in unserem ganzen Bewusstsein aufgeht, dann trägt es unser Leben.

 

Nun kommen wir wieder auf das, worum wir uns ja dauernd bemühen:

Gott liebt dich immer, bedingungslos, unverlierbar, und die Anderen auch.

Und das ist die Fülle der Zeit, die Erfüllung unserer Sehnsucht, die auch, wie Augustinus sagt, als unerfüllte Sehnsucht in jedem Menschen verborgen ist. Das, wonach du dich sehnst, das gab es immer und das gibt es, und darum ist Gott Mensch geworden, damit das ganz menschlich sichtbar und erfahrbar wird.

 

 

Hängt euch doch nicht fest an dem Äußeren, das sind Vorstellungshilfen, damit das Innere aufgehen kann und euch tragen kann; das ist eben Mystik. Und das meint das viel zitierte Wort von Karl Rahner: „Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein.“

So versteht es auch Jesus, er zitiert Jesaja: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen.“ Und wenn Jesus sagt, das ist heute in Erfüllung gegangen, das mag vielleicht anmaßend klingen, aber es heißt, IHM ist bewusst, das, was ER zu bringen hat, ist kein menschliches Fabrikat, sondern das ist IHM gegeben, das ist die Kraft des Geistes.

„Der Geist des Herrn ruht auf IHM“, d.h., was ich euch sage, das ist mein Auftrag. Und so müsste eigentlich jedem Religionslehrer, Priester, Pfarrer bewusst sein, dass er nicht seine eigenen Aggressionen oder Probleme auszuschütten hat, wenn er von Gott redet, sondern dass er das, was der Geist durch Jesus geoffenbart hat, zu vermitteln hat so gut es geht, so dass ich ganz ehrlich sagen müsste, ich will ja nicht meine Weisheit vortragen, sondern das, wovon ich sagen kann, das trägt mein Leben, ich bin davon überzeugt. Dann kommt der Einzelne dazu, der aus seiner Lebenserfahrung heraus sagen kann, so wie Paulus einfach sagt: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe“ – es ist nicht mein Gebilde, was ich weitergebe.

 

Dass das sichtbar wird, dass es nicht so schwierig ist, ein kleines Beispiel:

Es ist ein Beispiel, wie eine Legende tiefste Wahrheit enthält. Mir hat bei einer Tagung jemand erzählt von einer Weihnachtspredigt. Eine ganz kurze Geschichte, in der alles gesagt ist, was Jesus bringt. Das ist die Geschichte, die Geschichte vom Wolf, der das Jesuskind fressen wollte:

Es ist die Heilige Nacht auf den Fluren von Bethlehem: Die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf sie, und der Wolf kommt wie jede Nacht zur Herde und holt sich ein Lämmlein, so als Nachtessen. Und dann ist der Wolf jetzt da auf den Fluren von Bethlehem, und dann fragt er sich, was ist denn da heute los? Was ist da für eine Aufregung, und er horcht und er horcht, bis er hört von einem Kind, von einem neugeborenen Kind. Er denkt, uih, ein neugeborenes Kind, das wäre mal was Anderes als immer die langweiligen Lämmer. Das Kind im Stall hole ich mir. Und dann schleicht er sich wieder zurück, und wie es finster und ruhig ist, schleicht er sich an den Stall heran und alle schnarchen und schlafen schon. Nur vom Kind hört er noch einen Krächzer, das Kind ist also noch wach. Er wartet noch ein bisschen, und dann geht er an die Krippe hin und denkt: Ah, jetzt hab‘ ich’s! Er streckt seinen Kopf und macht sein Maul auf, und dann

streichelt das Kind seine Schnauze und krault ihn hinten am Kopf. Und auf einmal kann er das Kind nicht mehr fressen.

 

 

 

 

 

Und noch etwas geht in ihm vor, er merkt auf einmal wie sein Fell aufspringt, sein Wolfsfell zerreißt. Dann fällt ihm das ganze Fell ab, und dann steht da -der Mensch.

Der Pfarrer hat diese Geschichte als Weihnachtslegende gebracht, und die, die dabei war, hat mir erzählt, die Leute waren mäuschenstill. Kein Wort hat er sonst gesagt, weil jeder sieht in diesem Bild die tiefe Wahrheit, wie das Wolfshafte, die Aggressionen und das alles abfällt und wie durch diese Liebe, durch die bedingungslose Liebe, der Mensch zum Menschen wird.

So gibt es diese vielen, vielen Möglichkeiten zum Aufmerksam-Machen auf das Eigentliche, was sich in Jesus erfüllt hat, in der Geschichte, weil gerade das, was IHN erfüllt hat, der Geist Gottes durch IHN in unsere Welt unverlierbar über historische Vergänglichkeiten eingegangen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!