VORWORT
IDEAL IN DEN ZEITEN DES UKRAINE-KRIEGS, DES KLIMAWANDELS – DIESE WORTE GEBEN KRAFT UND HOFFNUNG!
VERKÜNDIGUNG VON GOTTES WORT DURCH DIE PREDIGTEN DES HOFFNUNG GEBENDEN PFARRERS ELMAR GRUBER
Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C – seit dem 1. Advent 2025 (30. November 2025) ist Lesejahr A.
Immer die aktuelle Predigt!
Inspiration für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!
Auch als Predigt-Vorlagen!
Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.
Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.
Danke, Helga! Ohne Dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!
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32. Sonntag A – 08. November 2026
Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 10. November 1996
1. Lesung: Weish 6, 12-16
2. Lesung: 1 Thess 4, 13-18
Evangelium: Mt 25, 1-13: „Die klugen Jungfrauen“
Ich begrüße Sie herzlich zum 32. Sonntag im Jahreskreis! Das Kirchenjahr geht dem Ende entgegen, und die heiligen Texte befassen sich auch mit dem Ende – mit dem Ende, wie wir als Glaubende an das Ende unseres Lebens voll Hoffnung denken dürfen und denken können.
Predigt:
Liebe Schwestern und Brüder!
Im heutigen Evangelium ist uns wieder ein großartiges Bild mit vielen Motiven geschenkt. Man kann nicht oft genug darauf schauen. Es geht hier um die Begegnung mit Gott, aber nicht nur um die Begegnung mit Gott am Ende unseres irdischen Lebens, im Tod, sondern überhaupt um „Gott-Begegnung“. Und das ist für uns in unserer heutigen Situation des Glaubens und des Lebens besonders wichtig.
Vor vierzig, fünfzig Jahren war noch die geschlossene Gesellschaft da. Und mehr oder weniger ist ein Mensch in diese praktizierende Glaubens- und Lebensgesellschaft hineingeboren worden. Und er hat mitgelebt und mitgeglaubt, was die Anderen geglaubt haben. Heute ist das alles nicht mehr da. Heute sind wir, auch die Alten, die wir von der Tradition den Glauben empfangen haben, darauf angewiesen, an die Wurzel zu kommen, also selbst an die Begegnung mit Gott zu kommen. Und wenn ich heute mit Menschen Glaubensgespräche führe, dann kann ich nicht mehr anfangen mit der Bibel oder mit Jesus oder mit der Kirche, und mit dem Papst schon gleich gar nicht. Ich muss anfangen mit dem Menschen, heute, hier und jetzt. Und dann kann ich den Glauben auch nicht machen, aber ich kann versuchen, ihn zu zeigen: „Du, da schau her, da ist Gott, das meint der Glaubende mit Gott - ob Du glaubst, das ist Dein Problem, aber ich möchte genau zeigen, das ist Gott.“ Wenn ich heute nicht Gott zeigen kann in der Gegenwart, im Alltag, dann geht es nicht. Und wenn ich IHN da zeigen kann, ja, dann ist die Geschichte mit Christus in der Bibel kein Problem. Das Evangelium sagt uns genau: Gott kommt im Augenblick, plötzlich! Es sind die Augenblicke, die den Fortgang des Normalen in der Zeit durchbrechen. Und da ist das Bild von der „Mitternacht“. Bei Lukas heißt es an Weihnachten: „Um Mitternacht“. Mitternacht ist immer der Punkt, wo ein Tag aus ist und der andere angeht, also ein ‚Grenzwert‘, ein ‚Nullpunkt‘, wo ein Nicht-Mehr und ein Noch-Nicht zusammenstoßen. Man könnte sagen, Augenblicke sind so die Nullpunkte unseres Lebens, wo das Gewohnte, das Gewöhnliche, durchbrochen wird, wo etwas Altes weg ist und etwas Neues noch nicht da ist. Und das sind diese gotthaltigen Augenblicke, diese Mitternacht-Augenblicke unseres Lebens.
Und jetzt dieser Ruf: „WACHET!“ Wachet, dass Ihr diese Augenblicke nicht verpasst! Das sind die positiven Augenblicke und negativen Augenblicke, die Augenblicke der Katastrophe, des Leids, wo etwas einbricht, wo wir erschrecken, und die Augenblicke, die hochzeitlichen Augenblicke des Glücks, um die es hier geht, wo wir außer uns sind vor Glück, die Augenblicke der Ekstase.
Und dann die „brennenden Lampen“: Das kann man auch alles meditieren – wie man in einem Licht, das man anzündet, auf einmal alles anders sieht, etwas sieht, was man sonst nicht sieht. Kurz gesagt: Seid wachenden Sinnes, wachsam mit allen Sinnen! Und wenn dann dieser Augenblick kommt, können wir IHM begegnen, IHN sehen. Wenn ich von Gott erzähle, werde ich also immer von Augenblicken erzählen müssen.
Ich war einmal mit vielen Leuten beisammen zu dem Thema „Wie rede ich mit meinen Kindern von Gott?“ Da habe ich Angst bekommen, weil das, was ich dazu sagen kann, so einfach ist. Ich muss, wenn ich von Gott rede, ganz persönlich reden. Ich muss erzählen, ich darf nicht das Theologisieren, das Dozieren anfangen. Ich habe gesagt: „Wenn eine Mutter ihrem Kind sagen kann, dass dies und das ihr Leben ist, dass dies und das passiert ist – vielleicht ein ganz schwerer Verlust, oder eine ganz große Freude, aber irgendwie ganz etwas Konkretes – und dann sagen kann, dass dann das hereingekommen ist, was man Gott nennt, das, wonach alle Menschen schreien, nach dieser Kraft, dann kann ich wirklich sagen: Das ist es! In der Bibel finden wir dann dafür das Wort EL. EL ist das, was mich unmittelbar angeht und wo Professor Seifermann sagt, dass es da um Zusammenhalt und Untergang geht, wo in einer Notsituation, wo alle verzweifeln, es sein kann, dass auf einmal etwas kommt, wo sich die Menschen einander zuwenden, füreinander Interesse haben, einander annehmen, vielleicht sogar zusammenstehen, und dass da diese Kraft hereinkommt. Im Deutschen haben wir nur das Wort Leben. Aber da ist das eigentliche, ewige Leben, die ewige Lebenskraft gemeint, die sich in Jesus verkörpert, mit der wir Leid und Not und Tod bestehen können.
Diese Wachsamkeit für die Augenblicke wird uns heute gezeigt, denn Gott kann man nicht berechnen. Wir haben früher schon mal meditiert: „ER geht nie in die Schachtel rein, die wir IHM aufstellen.“ Wenn wir uns nur auf die Schachtel konzentrieren und sagen, dass wenn ER ein richtiger, lieber Gott ist, dann muss ER das jetzt machen, dann kann ich nur sagen: „So geht es halt nicht, da ist die Türe zugeschlossen.“ Es kann auch sein, dass man Augenblicke hinterher erkennt. Aber, kurz und gut, diese Geschichte ist darauf angelegt, dass wir uns einstellen, aus den irdischen, gewohnten, berechenbaren Vorgängen uns mal herauslösen, offen werden für das spontane Kommen Gottes in unserem Leben. Und dann kann ich weitergehen und auch sagen, schon in jedem Sonnenstrahl, auch in jedem Regentropfen, jeder Blume, jeder Begegnung, Tag für Tag, erfahren wir aufs Neue das Wirken SEINER Güte – wie wir es im nächsten Sonntagskanon lesen, dass ich täglich die Allgegenwart erfahren kann. Und dann kommt die Sensibilisierung auch für die Bildhaftigkeit der biblischen Texte.
Ich durfte vor zwei Tagen erleben, wie ein Mensch furchtbar gequält war und auf einmal mit der Seesturm-Geschichte „Jesus wandelt auf dem Wasser“ es ihm aufgegangen ist, ja, auch die im Schiff werden vom Wasser getragen, nicht von der Institution. Verlass Dich ganz auf IHN, ER wird Dich ganz tragen! Und wenn dann die Angst kommt, dann schrei nicht nach dem Schiff, nach der Institution, nach den Gesetzen, dann schrei nach IHM: „Herr, rette uns!“ Und dann sind hier auch noch diese Worte: Sogleich – augenblicklich. Ich durfte erleben, dass mit der Betrachtung dieser Geschichte jemand, der verzweifelt war, getröstet nach Hause ging – nicht von mir getröstet, wir haben nur die Geschichte angeschaut: Das ist Gott heute.
Ich werde auch immer wieder mal gefragt: „Kennst Du Gott?“ Dann sage ich: „Natürlich!“ – „Was, Du kennst Gott?“ – „Ja sicher, ich wäre nicht Pfarrer, nicht Religionslehrer.“ – Ja ist ER Dir schon begegnet? Darauf sage ich: „Ja sicher, gleich gestern, schau her!“ Und dann erzähle ich. Und wenn dann der Einzelne vielleicht sagt, dass ich ein Spinner wäre, usw., dann sage ich: „Sag, was Du willst, ich wollte Dir nur Gott zeigen.“ Der Eine ist halt für den Augenblick noch nicht bereit, er ist halt noch nicht so weit. Und wenn manche Menschen sagen, dass wir es doch in den biblischen Geschichten beobachten können, dass die Einen dann ewig verdammt sind, dann erwidere ich: „Bitte schön, die Kinder haben da schon die Antwort gesagt. Sie sagen, dass es wie bei der Straßenbahn ist, dass wenn eine davongefahren ist, wieder eine neue kommt.“ Wenn ein Augenblick verpasst ist, dann ist er verpasst. Aber die Geschichte unseres Gottes zeigt, dass Gott immer wieder neu Augenblicke eröffnet. Nur einmal musst Du halt auch einsteigen.
Und nun zum letzten Augenblick, der Todesbegegnung, wo dann jeder Mensch Gott begegnet und das, was für uns im Leben jetzt schon möglich ist, vielleicht erst dann geschehen kann: es geht darum, dass wenn unser Dasein geprägt ist vom Wach-Sein und wir durch die vielen irdischen Augenblicke der Gott-Begegnungen immer wieder genährt sind, dann werden wir bereit sein und keine Angst mehr haben vor dem körperlichen Ende, vor dem Tod, den wir nicht berechnen können – trotz allem, was man heute macht.
Ein Pater von den „Barmherzigen Brüdern“ hat mir einmal gesagt, dass die allermeisten Menschen – auch die im Leben nicht gläubig waren – vor dem Tod noch eine große Reifung durchmachen und dass die allermeisten Menschen dann ganz ergeben sterben. Ich habe auch verhältnismäßig viele Menschen bis zu ihrem Tod begleitet und kann das bestätigen. Wir müssen keine Angst haben, denn es ist der größte Augenblick unseres Lebens, wenn der Herr kommt. Und der heilige Augustinus hat ein Wort gesagt, Prälat Dr. Fischer, den ja manche kennen, hat es auf seinem Sterbebildchen stehen: „Wenn Gott uns heimruft, ist unserer Seele höchster Feiertag; denn sie kommt zu dem, der sie am meisten liebt.“
- Lesung: Nehemia 8, 2-4.5-6.8-10
- Lesung: 1 Korinther 12, 12-30
Evangelium: Lukas 1, 1-4;4, 14-21
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Ich begrüße Sie herzlich zum 3. Sonntag im Jahreskreis! In der Lesung weist uns der Apostel Paulus darauf hin, dass wir alle E I N E R sind, der Leib Christi, jeder mit seinen Fähigkeiten, mit seinen Gaben, die Aufgaben sind.
Im Evangelium zeigt uns Lukas sein Anliegen, warum er das Evangelium geschrieben hat und auch, was die Sendung Jesu eigentlich ist.
Predigt:
Liebe Schwestern und Brüder!
Das Evangelium heute greift eine schwierige Situation auf, die wir gerade in unserer Zeit wieder vorfinden:
Woher bekommen wir die Gewissheiten unseres Glaubens? Wo finden wir sie? Wir werden feststellen, dass wir, die wir noch Vorstellungen haben wie vor fünfzig Jahren, umdenken müssen, um die eigentliche Botschaft, das Eigentliche, was Jesus gebracht hat, nicht zu verlieren.
Es geht hier um die historische Zuverlässigkeit der Berichte über das Leben Jesu. Da sagt uns die heutige Wissenschaft, dass wir über die praktisch historische Zuverlässigkeit im Neuen Testament nichts finden. Wie ich im Studium war, da war die große Problematik, ob es Jesus überhaupt gegeben hat, ob wir nicht nur den Jesus des Glaubens, den literarischen Jesus haben; das ist überwunden. An der historischen Wirklichkeit Jesu zweifelt heute niemand.
Aber, wer war dieser Jesus?
Historisch gesehen war ER wohl mehr als nur dieser Ausschnitt, den uns die Evangelien zeigen.
Die Sprachforscher, die aramäisch, jüdisch, hebräisch beherrschen, die sagen, das Thomasevangelium ist eines der ältesten Schriften, es zeigt uns Jesus als Weisheitslehrer, der in Sequenzen, in Versen gesprochen hat, die man auswendig lernen kann, damit SEINE Jünger SEINE Lehre weitergeben können.
Als ich vor ca. dreißig Jahren den Auftrag bekam, diese neuen biblischen Ergebnisse der Lehrerschaft, die Religionsunterricht geben, zu vermitteln, war das äußerst schwierig.
„Ja, wenn das alles nicht mehr stimmt, wenn das Jesus nicht wortwörtlich gesagt hat, ja dann geben wir keinen Religionsunterricht, keinen Bibelunterricht mehr. “
In meiner Kinderzeit hat man noch gelernt, dass den Jonas der Walfisch gefressen und dann wieder ausgespuckt hat. Das ist mir zum Verhängnis geworden, weil ich das so nicht glauben konnte, dass Jonas, der im Bauch des Walfisches war, das Beten angefangen hat. Doch mir hat der Religionslehrer – ich habe ihm längst verziehen – gesagt: „Das musst Du glauben, das ist Wort Gottes. Wenn Du das nicht glaubst, dass der Walfisch den Jonas gefressen hat und dass der im Bauch gebetet hat und dann nach drei Tagen wieder ans Land kam, dann hast Du eine Todsünde.“
Ich habe es immer wieder gebeichtet, weil ich den Jonas nicht glauben konnte. Dann habe ich im Lexikon auch noch gelesen, dass der Walfisch so einen engen Schlund hat wie ein Mensch, dass da kleine Krebse durchgehen können, aber nie ein unzerkleinerter Prophet.
Und der Beichtvater hat gesagt: „Wenn Du das nicht glaubst, kann ich Dir nicht mehr die Absolution erteilen“ (in welchen Zwängen muss der gewesen sein). Das war für mich Verdammung; ich habe den Jonas nicht glauben können.
Dass das eine Lehrgeschichte ist, wo man sagen muss: Stell dir das mal vor, da musste ein Prophet lernen, dass Gott die Leviten auch mag, dass ER jeden mag, der sich bekehrt und liebend wird, bildlich gesprochen, dass er einen Prozess durchmacht, verschlungen wird, dann in die Finsternis, ins Unheil kommt, bis er dann geläutert durch diese Prozesse kapiert, dass Gott die Liebe ist – eine wunderbare Geschichte.
Ein Kurskollege von mir hat seine Probekatechese gehalten über den Jonas und hat in diesem Sinn gesprochen, und das war vor 40 Jahren. Dann haben die Professoren einen Rat abgehalten, ob man ihn als Ungläubigen entlassen müsste. Aber er ist heute noch ein sehr aufgeschlossener Priester und Pfarrer.
Und so ist es heute das Eigentliche, das Tiefe, das Innere, das Unvergängliche, das uns in diesen Sinngestalten nahegebracht wird. Wenn uns das aufgeht, dann ist es nicht mehr wichtig, ob es genauso historisch geschehen ist wie es da steht.
Und jetzt kommt Einer und sagt, bei Lukas steht doch genau: „Ich habe mich entschlossen, allem von Anfang an nachzuforschen, um es der Reihe nach aufzuschreiben, und so kannst du dich auf mich verlassen.“ Es waren Überlieferungsstücke, Erzählungen, Erinnerungen, und jeder, der ein Buch schreibt, der braucht eine Gliederung, wie er alles zusammenbaut, damit der Leser möglichst gut auf das Eigentliche kommt.
Und was aber Lukas zeigen möchte, geschieht im Innern des Sprachlichen, wo der Prophet sagt: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den Gefangenen (das sind die Eingesperrten, die mit sich und anderen innerlich und äußerlich Eingesperrten) die Freiheit zu bringen, den Blinden das Augenlicht (der Durchblicke eröffnet, der Zusammenhänge vermittelt, der möglich macht, alles einzuordnen, der es möglich macht, mit seinem Leben mit den vielen Rätseln zu leben und umzugehen und einfach, der die Zerschlagenen, die Kaputten wieder richtet, repariert).“ Das will er zeigen.
Man hat auch zur Zeit Jesu gedacht, der Messias müsste politisch sein, wie David, so wie David es für kurze Zeit fertiggebracht hat, ein Friedensreich aufzubauen. Jesus soll die Römer vertreiben, ER soll die Herrschaft, das Etablissement der Schriftgelehrten und Pharisäer, durchbrechen. Auf dieser Ebene, irdisch gesehen, ist Jesus total gescheitert. Und nun sagen heute auch die Wissenschaftler, wollte man die Glaubensgewissheit auf historische Daten festlegen, dann würde das Christentum das dritte Jahrtausend nicht überstehen. Würde man nicht sozusagen die inneren Wirklichkeiten, das, was Jesus uns bedeutet, das Unvergängliche in die Gegenwart bringen, dann könnte es uns im Leben auch nicht mehr tragen. Dann sind wir dauernd mit unserem Glauben dem Streit der Wissenschaftler ausgesetzt, die heute das reden und morgen was Anderes, dann muss man sich in einem Jahr ein paarmal umstellen.
So kommt jetzt ein Wort – da ist das Entscheidende drin, wenn Lukas schreibt:
„Jesus kehrte von der Kraft des Geistes erfüllt zurück.“
Das ist SEINE innere Erfüllung mit Gott, mit der Botschaft von der Liebe Gottes. Und so zeigt uns gerade Lukas Jesus als den Heiland der Armen, der in der Kraft der Liebe verbindet und offenbar macht, wie die Menschen befreit und erlöst werden können.
Wenn wir die frohe Botschaft als Lebenskraft erfahren wollen, als eine Kraft, die uns im Leben trägt, auch wenn äußerlich alles schiefgeht, die uns trägt in der Krankheit, durch die Krankheit, in der Armut und in unserer Schuld, in unserer Zerrissenheit, unserer Schwachheit, wenn das aufgeht, in unserem ganzen Bewusstsein aufgeht, dann trägt es unser Leben.
Nun kommen wir wieder auf das, worum wir uns ja dauernd bemühen:
Gott liebt dich immer, bedingungslos, unverlierbar, und die Anderen auch.
Und das ist die Fülle der Zeit, die Erfüllung unserer Sehnsucht, die auch, wie Augustinus sagt, als unerfüllte Sehnsucht in jedem Menschen verborgen ist. Das, wonach du dich sehnst, das gab es immer und das gibt es, und darum ist Gott Mensch geworden, damit das ganz menschlich sichtbar und erfahrbar wird.
Hängt euch doch nicht fest an dem Äußeren, das sind Vorstellungshilfen, damit das Innere aufgehen kann und euch tragen kann; das ist eben Mystik. Und das meint das viel zitierte Wort von Karl Rahner: „Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein.“
So versteht es auch Jesus, er zitiert Jesaja: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen.“ Und wenn Jesus sagt, das ist heute in Erfüllung gegangen, das mag vielleicht anmaßend klingen, aber es heißt, IHM ist bewusst, das, was ER zu bringen hat, ist kein menschliches Fabrikat, sondern das ist IHM gegeben, das ist die Kraft des Geistes.
„Der Geist des Herrn ruht auf IHM“, d.h., was ich euch sage, das ist mein Auftrag. Und so müsste eigentlich jedem Religionslehrer, Priester, Pfarrer bewusst sein, dass er nicht seine eigenen Aggressionen oder Probleme auszuschütten hat, wenn er von Gott redet, sondern dass er das, was der Geist durch Jesus geoffenbart hat, zu vermitteln hat so gut es geht, so dass ich ganz ehrlich sagen müsste, ich will ja nicht meine Weisheit vortragen, sondern das, wovon ich sagen kann, das trägt mein Leben, ich bin davon überzeugt. Dann kommt der Einzelne dazu, der aus seiner Lebenserfahrung heraus sagen kann, so wie Paulus einfach sagt: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe“ – es ist nicht mein Gebilde, was ich weitergebe.
Dass das sichtbar wird, dass es nicht so schwierig ist, ein kleines Beispiel:
Es ist ein Beispiel, wie eine Legende tiefste Wahrheit enthält. Mir hat bei einer Tagung jemand erzählt von einer Weihnachtspredigt. Eine ganz kurze Geschichte, in der alles gesagt ist, was Jesus bringt. Das ist die Geschichte, die Geschichte vom Wolf, der das Jesuskind fressen wollte:
Es ist die Heilige Nacht auf den Fluren von Bethlehem: Die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf sie, und der Wolf kommt wie jede Nacht zur Herde und holt sich ein Lämmlein, so als Nachtessen. Und dann ist der Wolf jetzt da auf den Fluren von Bethlehem, und dann fragt er sich, was ist denn da heute los? Was ist da für eine Aufregung, und er horcht und er horcht, bis er hört von einem Kind, von einem neugeborenen Kind. Er denkt, uih, ein neugeborenes Kind, das wäre mal was Anderes als immer die langweiligen Lämmer. Das Kind im Stall hole ich mir. Und dann schleicht er sich wieder zurück, und wie es finster und ruhig ist, schleicht er sich an den Stall heran und alle schnarchen und schlafen schon. Nur vom Kind hört er noch einen Krächzer, das Kind ist also noch wach. Er wartet noch ein bisschen, und dann geht er an die Krippe hin und denkt: Ah, jetzt hab‘ ich’s! Er streckt seinen Kopf und macht sein Maul auf, und dann –
streichelt das Kind seine Schnauze und krault ihn hinten am Kopf. Und auf einmal kann er das Kind nicht mehr fressen.
Und noch etwas geht in ihm vor, er merkt auf einmal wie sein Fell aufspringt, sein Wolfsfell zerreißt. Dann fällt ihm das ganze Fell ab, und dann steht da -der Mensch.
Der Pfarrer hat diese Geschichte als Weihnachtslegende gebracht, und die, die dabei war, hat mir erzählt, die Leute waren mäuschenstill. Kein Wort hat er sonst gesagt, weil jeder sieht in diesem Bild die tiefe Wahrheit, wie das Wolfshafte, die Aggressionen und das alles abfällt und wie durch diese Liebe, durch die bedingungslose Liebe, der Mensch zum Menschen wird.
So gibt es diese vielen, vielen Möglichkeiten zum Aufmerksam-Machen auf das Eigentliche, was sich in Jesus erfüllt hat, in der Geschichte, weil gerade das, was IHN erfüllt hat, der Geist Gottes durch IHN in unsere Welt unverlierbar über historische Vergänglichkeiten eingegangen ist.
GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!