Strahlkraft

Lebendiges Gedankengut von Pfarrer Elmar Gruber e.V.

ELMAR GRUBERS PREDIGT ZUM NÄCHSTEN SONNTAG ODER FEIERTAG – IMMER AKTUELL!

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: PREDIGTEN DURCH DAS KIRCHENJAHR)

VORWORT

IDEAL IN DEN ZEITEN DES UKRAINE-KRIEGS, DES KLIMAWANDELS  – DIESE WORTE GEBEN KRAFT UND HOFFNUNG!

VERKÜNDIGUNG VON GOTTES WORT DURCH DIE PREDIGTEN DES HOFFNUNG GEBENDEN PFARRERS ELMAR GRUBER

Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  – seit dem 1. Advent 2025 (30. November 2025) ist Lesejahr A.

Immer die aktuelle Predigt!

Inspiration für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!

Auch als Predigt-Vorlagen!

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.

Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.

Danke, Helga! Ohne Dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht! 

 

*   *   *

30. Sonntag im Jahreskreis A –

25. Oktober 2026

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 24. Oktober 1999

 

1. Lesung: Ex 22, 20-26

2. Lesung: 1 Thess 1, 5c-10                                                                                                                                                                                                                                                     

Evangelium: Mt 22, 34-40

 

Ich begrüße Sie herzlich zum 30. Sonntag im Jahreskreis! Das heutige Evangelium ist sehr kurz. Aber es sagt uns alles, worauf es in unserem Leben ankommt und wo im Grunde die Lösung aller Probleme liegt: Du sollst Gott lieben!

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

„…………..Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? ER antwortete ihm: Du sollst den Herrn, Deinen Gott, lieben mit Deinem ganzen Herzen und mit Deiner ganzen Seele und mit Deinem ganzen Denken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst. Auf diesen beiden Geboten beruhen das ganze Gesetz und die Propheten.“ Man kann auch sagen, dass an diesen zwei Geboten das ganze Glück unseres Lebens hängt. Wir sehen das nur immer so ein bisschen abgehoben von unserer Lebenspraxis im Alltag.

Diese Stelle erinnert mich immer an ein Erlebnis, das ich einmal hatte. In einem Seminar für junge Eheleute, als ich Familien-Seelsorger in einer anderen Diözese war, habe ich versucht, die Gottesliebe als den Mittelpunkt des Lebens darzustellen. Da war dann ein verheirateter, junger Mann. Der hat angefangen zu protestieren und ganz aufgebracht gesagt: „Ja, ich liebe meine Frau. Meine Frau ist für mich mein Ein und Alles, und ich bin auch ein guter Christ.“ Dann sagte er weiter: „Ja, kann denn ich nicht lieben?“ Darauf antworte ich: „NEIN! Du könntest nicht lieben, wenn es Dir nicht von oben gegeben wäre.“ Das ist einmal das Erste. Der Mensch hat die Fähigkeit zu lieben, aber es muss erst geweckt werden. Und das kann man nicht selbst. Ein Mensch muss an-geliebt werden, dann kann er weiter lieben. Dann kommen die angelegten Kräfte im Menschen bis hin zu allen Verkörperungen dieser Liebe in Aktion. Die Kräfte treten erst durch die Liebe, die wir empfangen, in Kraft. Und da wäre einmal das Erste, was im Johannes-Brief zweimal betont wird, wo unser Glaube angesprochen ist: Gott ist die Liebe. Bei allen Formen von menschlichen Beziehungen und bei allen Arten, wie diese Beziehungen gelebt werden, bis hin zur Beziehung zu den Geschöpfen, hat es immer die Bedeutung: Gott ist die Liebe. Da kann es dann sein, dass ich sehe, dass die Blumen ein Gesicht haben, dass die Steine zu sprechen beginnen, dass die Welt der Tiere mir Vertrauen schenkt, weil Gott die Liebe ist. Das ist das erste Gebot, das allererste Gebot. Glaube, dass Gott die Liebe ist! Und damit kommt der zweite, wunde Punkt: Glaube, dass Gott Dich immer liebt! Das wäre das ganze Anliegen der Religionspädagogik, dass Menschen das eingepflanzt wird:

Vergiss das nie: Einer liebt Dich immer,

ob Du gut bist oder böse,

was da auch immer geschieht,

Du bist immer ein „in ewiger Liebe Geliebter“.

Je mehr das ein Mensch glaubt und je mehr das einem Menschen zum Bewusstsein wird, umso mehr wird er Liebe verwirklichen können und schenken können. Das ist eigentlich die Grundlage unseres Lebens und auch die Quelle der Beziehungen, dass man immer wieder mit der Kraft von innen her anfangen kann. Wir wissen ja: Es ist immer so schwer, den ersten Schritt zu machen. Ich habe auch einmal einen wütenden Zwischenruf erlebt: „Ja, ich kann doch erst verzeihen, wenn der Andere mich um Verzeihung bittet!“ Die betreffende Person war so erregt, dass sie dann den Raum verlassen hat, weil ich gesagt habe: „Ja, das ist es ja gerade nicht!“ Wenn die Anderen zuerst gedemütigt werden müssen, zuerst angekrochen kommen müssen, dann schaukelt sich das auf. Es geht darum, den Anderen lieben zu können, da abzuholen, wo er steht, wenn er gerade noch nicht um Verzeihung bitten kann. Und erst, wenn er spürt, dass ich ihm entgegenkomme, dann wird er mich um Verzeihung bitten können; das ist die Folge, aber nicht die Voraussetzung.

Und da sehen wir, wie wichtig es ist, was hier Jesus sagt. ER stellt ja diese beiden Gebote gleich. Jesus identifiziert das Gebot der Nächstenliebe und Selbstliebe mit dem Gebot der Gottesliebe. So ergibt sich hier wieder dieses Dreieck. Gott ist der Ursprung: Lass Dich von Gott lieben! Mache Dir bewusst, dass Du immer ein Geliebter bist! Und dann liebe Gott! Aber die Liebe zu Gott allein ist noch keine vollkommene Liebe. Die Liebe braucht immer die zwei Pole: Gott lieben und die Liebe an den Nächsten weitergeben.

So entsteht durch den Menschen die Liebe Gottes als die Kraft, die von der Mitte her kommt und die alle eint, weil sie durch uns hindurch geht. Und in diesem lebendigen Strom von der Mitte-Kraft, die durch unseren Glauben angenommen wird, wird diese Kraft Gottes, die einende Kraft der Liebe Gottes, in die Welt gebracht. Und es brauchen nicht nur die Menschen diese einende Kraft, das brauchen alle Geschöpfe.

Gerade Paulus weist darauf hin: „Die ganze Schöpfung ächzt nach dem Offenbarwerden der Kinder Gottes.“ Da ist es so bedrückend, wenn wir Seelsorger erleben, dass Menschen, die Vieles durchgemacht haben und dann eine bei der Kirche ungültige Ehe eingegangen sind, wenn gerade die, die jetzt am notwendigsten die Mitte-Kraft brauchen, dass wenigstens jetzt die Beziehung gelingt, ausgeschlossen sind von den Sakramenten. Da sieht man, wie das institutionelle Denken dem seelsorglichen Denken eigentlich gegenläuft. Ich habe schon viele Streitgespräche gehabt mit Leuten von der Institution: „Ja, die Ehe ist unauflöslich. Und die Unauflöslichkeit der Ehe muss durch dieses Verbot einfach einmal gerettet werden.“ Dann antwortete ich: „Ja, das ist die Absicht. Das ist gut gemeint. Aber die Unauflöslichkeit der Ehe ist ja die Folge der Christus-Beziehung.“

Ich könnte Tag und Nacht von den seelsorglichen Eheberatungen erzählen. Wenn zwei Menschen auseinander sind, wie kommen die wieder zusammen? Ja, nicht so oder so, sondern, wenn sie zusammen immer wieder auf die Mitte zugehen. Auch hier, wenn wir uns immer wieder um die Mitte versammeln, kommt die Kreiskraft, die Beziehungskraft. Und das ist der Weg; wenn man das weiß, bittet man um die Treue-Kraft – täglich neu. Dann kann man sich entlasten von den Haftpflichten irdischer Bedürfnisse und kann sich immer wieder neu beschenken lassen; daher kommt die Unauflöslichkeit.

„Was Gott verbindet, das kann der Mensch nicht trennen.“ Das Problem ist ja, dass Vieles auseinandergeht, weil die Mitte fehlt, weil man Gott nicht einbindet in die Beziehung. Und so ist es ja auch in den seelsorglichen Richtlinien dringend angeraten, Menschen, die in dieser Situation sind, zu ermutigen, dass sie in der Verantwortung ihres Gewissens sich nicht ausgeschlossen fühlen von der Kirche und den Sakramenten. Das ist andererseits eine Zumutung für die, die noch im legalistischen Denken sind: „Ja, dann sind wir die Deppen, wenn die Anderen auch kommen dürfen.“ Aber das ist die Zumutung der Liebe Gottes, dass ich das den Anderen gönnen kann, dass Gott sie auch liebt; daran würde auch Gemeinde wachsen.

Das sollen nur ein paar Andeutungen sein, wie zentral es heute geworden ist: Du sollst Gott lieben! Du sollst glauben, dass Gott die Liebe ist und dass ER Dich immer liebt. Und dann sollst Du zurück lieben – IHN und die Menschen und alle Geschöpfe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Lesung: Nehemia 8, 2-4.5-6.8-10
  2. Lesung: 1 Korinther 12, 12-30

Evangelium: Lukas 1, 1-4;4, 14-21

———————————————–

 

Ich begrüße Sie herzlich zum 3. Sonntag im Jahreskreis! In der Lesung weist uns der Apostel Paulus darauf hin, dass wir alle  E I N E R  sind, der Leib Christi, jeder mit seinen Fähigkeiten, mit seinen Gaben, die Aufgaben sind.

Im Evangelium zeigt uns Lukas sein Anliegen, warum er das Evangelium geschrieben hat und auch, was die Sendung Jesu eigentlich ist.

 

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Das Evangelium heute greift eine schwierige Situation auf, die wir gerade in unserer Zeit wieder vorfinden:

Woher bekommen wir die Gewissheiten unseres Glaubens? Wo finden wir sie? Wir werden feststellen, dass wir, die wir noch Vorstellungen haben wie vor fünfzig Jahren, umdenken müssen, um die eigentliche Botschaft, das Eigentliche, was Jesus gebracht hat, nicht zu verlieren.

Es geht hier um die historische Zuverlässigkeit der Berichte über das Leben Jesu. Da sagt uns die heutige Wissenschaft, dass wir über die praktisch historische Zuverlässigkeit im Neuen Testament nichts finden. Wie ich im Studium war, da war die große Problematik, ob es Jesus überhaupt gegeben hat, ob wir nicht nur den Jesus des Glaubens, den literarischen Jesus haben; das ist überwunden. An der historischen Wirklichkeit Jesu zweifelt heute niemand.

 

Aber, wer war dieser Jesus?

Historisch gesehen war ER wohl mehr als nur dieser Ausschnitt, den uns die Evangelien zeigen.

Die Sprachforscher, die aramäisch, jüdisch, hebräisch beherrschen, die sagen, das Thomasevangelium ist eines der ältesten Schriften, es zeigt uns Jesus als Weisheitslehrer, der in Sequenzen, in Versen gesprochen hat, die man auswendig lernen kann, damit SEINE Jünger SEINE Lehre weitergeben können.

Als ich vor ca. dreißig Jahren den Auftrag bekam, diese neuen biblischen Ergebnisse der Lehrerschaft, die Religionsunterricht geben, zu vermitteln, war das äußerst schwierig.

„Ja, wenn das alles nicht mehr stimmt, wenn das Jesus nicht wortwörtlich gesagt hat, ja dann geben wir keinen Religionsunterricht, keinen Bibelunterricht mehr. “

In meiner Kinderzeit hat man noch gelernt, dass den Jonas der Walfisch gefressen und dann wieder ausgespuckt hat. Das ist mir zum Verhängnis geworden, weil ich das so nicht glauben konnte, dass Jonas, der im Bauch des Walfisches war, das Beten angefangen hat. Doch mir hat der Religionslehrer – ich habe ihm längst verziehen – gesagt: „Das musst Du glauben, das ist Wort Gottes. Wenn Du das nicht glaubst, dass der Walfisch den Jonas gefressen hat und dass der im Bauch gebetet hat und dann nach drei Tagen wieder ans Land kam, dann hast Du eine Todsünde.“

Ich habe es immer wieder gebeichtet, weil ich den Jonas nicht glauben konnte. Dann habe ich im Lexikon auch noch gelesen, dass der Walfisch so einen engen Schlund hat wie ein Mensch, dass da kleine Krebse durchgehen können, aber nie ein unzerkleinerter Prophet.

Und der Beichtvater hat gesagt: „Wenn Du das nicht glaubst, kann ich Dir nicht mehr die Absolution erteilen“ (in welchen Zwängen muss der gewesen sein). Das war für mich Verdammung; ich habe den Jonas nicht glauben können.

Dass das eine Lehrgeschichte ist, wo man sagen muss: Stell dir das mal vor, da musste ein Prophet lernen, dass Gott die Leviten auch mag, dass ER jeden mag, der sich bekehrt und liebend wird, bildlich gesprochen, dass er einen Prozess durchmacht, verschlungen wird, dann in die Finsternis, ins Unheil kommt, bis er dann geläutert durch diese Prozesse kapiert, dass Gott die Liebe ist – eine wunderbare Geschichte.

 

Ein Kurskollege von mir hat seine Probekatechese gehalten über den Jonas und hat in diesem Sinn gesprochen, und das war vor 40 Jahren. Dann haben die Professoren einen Rat abgehalten, ob man ihn als Ungläubigen entlassen müsste. Aber er ist heute noch ein sehr aufgeschlossener Priester und Pfarrer.

Und so ist es heute das Eigentliche, das Tiefe, das Innere, das Unvergängliche, das uns in diesen Sinngestalten nahegebracht wird. Wenn uns das aufgeht, dann ist es nicht mehr wichtig, ob es genauso historisch geschehen ist wie es da steht.

 

Und jetzt kommt Einer und sagt, bei Lukas steht doch genau: „Ich habe mich entschlossen, allem von Anfang an nachzuforschen, um es der Reihe nach aufzuschreiben, und so kannst du dich auf mich verlassen.“ Es waren Überlieferungsstücke, Erzählungen, Erinnerungen, und jeder, der ein Buch schreibt, der braucht eine Gliederung, wie er alles zusammenbaut, damit der Leser möglichst gut auf das Eigentliche kommt.

 

 

 

 

Und was aber Lukas zeigen möchte, geschieht im Innern des Sprachlichen, wo der Prophet sagt: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den  Gefangenen (das sind die Eingesperrten, die mit sich und anderen innerlich und äußerlich Eingesperrten) die Freiheit zu bringen, den Blinden das Augenlicht (der Durchblicke eröffnet, der Zusammenhänge vermittelt, der möglich macht, alles einzuordnen, der es möglich macht, mit seinem Leben mit den vielen Rätseln zu leben und umzugehen und einfach, der die Zerschlagenen, die Kaputten wieder richtet, repariert).“  Das will er zeigen.

Man hat auch zur Zeit Jesu gedacht, der Messias müsste politisch sein, wie David, so wie David es für kurze Zeit fertiggebracht hat, ein Friedensreich aufzubauen. Jesus soll die Römer vertreiben, ER soll die Herrschaft, das Etablissement der Schriftgelehrten und Pharisäer, durchbrechen. Auf dieser Ebene, irdisch gesehen, ist Jesus total gescheitert. Und nun sagen heute auch die Wissenschaftler, wollte man die Glaubensgewissheit auf historische Daten festlegen, dann würde das Christentum das dritte Jahrtausend nicht überstehen. Würde man nicht sozusagen die inneren Wirklichkeiten, das, was Jesus uns bedeutet, das Unvergängliche in die Gegenwart bringen, dann könnte es uns im Leben auch nicht mehr tragen. Dann sind wir dauernd mit unserem Glauben dem Streit der Wissenschaftler ausgesetzt, die heute das reden und morgen was Anderes, dann muss man sich in einem Jahr ein paarmal umstellen.

 

So kommt jetzt ein Wort – da ist das Entscheidende drin, wenn Lukas schreibt:

„Jesus kehrte von der Kraft des Geistes erfüllt zurück.“

Das ist SEINE innere Erfüllung mit Gott, mit der Botschaft von der Liebe Gottes. Und so zeigt uns gerade Lukas Jesus als den Heiland der Armen, der in der Kraft der Liebe verbindet und offenbar macht, wie die Menschen befreit und erlöst werden können.

Wenn wir die frohe Botschaft als Lebenskraft erfahren wollen, als eine Kraft, die uns im Leben trägt, auch wenn äußerlich alles schiefgeht, die uns trägt in der Krankheit, durch die Krankheit, in der Armut und in unserer Schuld, in unserer Zerrissenheit, unserer Schwachheit, wenn das aufgeht, in unserem ganzen Bewusstsein aufgeht, dann trägt es unser Leben.

 

Nun kommen wir wieder auf das, worum wir uns ja dauernd bemühen:

Gott liebt dich immer, bedingungslos, unverlierbar, und die Anderen auch.

Und das ist die Fülle der Zeit, die Erfüllung unserer Sehnsucht, die auch, wie Augustinus sagt, als unerfüllte Sehnsucht in jedem Menschen verborgen ist. Das, wonach du dich sehnst, das gab es immer und das gibt es, und darum ist Gott Mensch geworden, damit das ganz menschlich sichtbar und erfahrbar wird.

 

 

Hängt euch doch nicht fest an dem Äußeren, das sind Vorstellungshilfen, damit das Innere aufgehen kann und euch tragen kann; das ist eben Mystik. Und das meint das viel zitierte Wort von Karl Rahner: „Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein.“

So versteht es auch Jesus, er zitiert Jesaja: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen.“ Und wenn Jesus sagt, das ist heute in Erfüllung gegangen, das mag vielleicht anmaßend klingen, aber es heißt, IHM ist bewusst, das, was ER zu bringen hat, ist kein menschliches Fabrikat, sondern das ist IHM gegeben, das ist die Kraft des Geistes.

„Der Geist des Herrn ruht auf IHM“, d.h., was ich euch sage, das ist mein Auftrag. Und so müsste eigentlich jedem Religionslehrer, Priester, Pfarrer bewusst sein, dass er nicht seine eigenen Aggressionen oder Probleme auszuschütten hat, wenn er von Gott redet, sondern dass er das, was der Geist durch Jesus geoffenbart hat, zu vermitteln hat so gut es geht, so dass ich ganz ehrlich sagen müsste, ich will ja nicht meine Weisheit vortragen, sondern das, wovon ich sagen kann, das trägt mein Leben, ich bin davon überzeugt. Dann kommt der Einzelne dazu, der aus seiner Lebenserfahrung heraus sagen kann, so wie Paulus einfach sagt: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe“ – es ist nicht mein Gebilde, was ich weitergebe.

 

Dass das sichtbar wird, dass es nicht so schwierig ist, ein kleines Beispiel:

Es ist ein Beispiel, wie eine Legende tiefste Wahrheit enthält. Mir hat bei einer Tagung jemand erzählt von einer Weihnachtspredigt. Eine ganz kurze Geschichte, in der alles gesagt ist, was Jesus bringt. Das ist die Geschichte, die Geschichte vom Wolf, der das Jesuskind fressen wollte:

Es ist die Heilige Nacht auf den Fluren von Bethlehem: Die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf sie, und der Wolf kommt wie jede Nacht zur Herde und holt sich ein Lämmlein, so als Nachtessen. Und dann ist der Wolf jetzt da auf den Fluren von Bethlehem, und dann fragt er sich, was ist denn da heute los? Was ist da für eine Aufregung, und er horcht und er horcht, bis er hört von einem Kind, von einem neugeborenen Kind. Er denkt, uih, ein neugeborenes Kind, das wäre mal was Anderes als immer die langweiligen Lämmer. Das Kind im Stall hole ich mir. Und dann schleicht er sich wieder zurück, und wie es finster und ruhig ist, schleicht er sich an den Stall heran und alle schnarchen und schlafen schon. Nur vom Kind hört er noch einen Krächzer, das Kind ist also noch wach. Er wartet noch ein bisschen, und dann geht er an die Krippe hin und denkt: Ah, jetzt hab‘ ich’s! Er streckt seinen Kopf und macht sein Maul auf, und dann –

streichelt das Kind seine Schnauze und krault ihn hinten am Kopf. Und auf einmal kann er das Kind nicht mehr fressen.

 

 

 

 

 

Und noch etwas geht in ihm vor, er merkt auf einmal wie sein Fell aufspringt, sein Wolfsfell zerreißt. Dann fällt ihm das ganze Fell ab, und dann steht da -der Mensch.

Der Pfarrer hat diese Geschichte als Weihnachtslegende gebracht, und die, die dabei war, hat mir erzählt, die Leute waren mäuschenstill. Kein Wort hat er sonst gesagt, weil jeder sieht in diesem Bild die tiefe Wahrheit, wie das Wolfshafte, die Aggressionen und das alles abfällt und wie durch diese Liebe, durch die bedingungslose Liebe, der Mensch zum Menschen wird.

So gibt es diese vielen, vielen Möglichkeiten zum Aufmerksam-Machen auf das Eigentliche, was sich in Jesus erfüllt hat, in der Geschichte, weil gerade das, was IHN erfüllt hat, der Geist Gottes durch IHN in unsere Welt unverlierbar über historische Vergänglichkeiten eingegangen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!