Strahlkraft

Lebendiges Gedankengut von Pfarrer Elmar Gruber e.V.

ELMAR GRUBERS PREDIGTEN

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: Predigten durch das Kirchenjahr)

VORWORT

Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  - seit dem 1. Advent 2019 (1. Dezember 2019) ist Lesejahr A.

Immer die aktuelle Predigt!

Inspiration für alle Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!

Auch als Predigt-Vorlagen!

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.

Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.

Danke, Helga! Ohne dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!

 

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3. Sonntag im Jahreskreis  A –

26. Januar 2020

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am  24. Januar 1993

 

1. Lesung: Jes. 8,23b-9,3                                                                                                         

 2. Lesung: 1 Kor. 1,10 13, 17                                                                                         

Evangelium: Mt 4, 12- 23

 

Ich begrüße Sie herzlich zur Feier des 3. Sonntags im Jahreskreis!

Was uns heute gezeigt wird in den heiligen Texten ist der Anfang der Kirche. Jesus bringt nicht nur die Botschaft von der Liebe Gottes, sondern ER spricht die Menschen auch an. Und ein ganz wichtiges Wort ist das Wort versammeln. ER sammelt die Menschen, ER bringt die Menschen zusammen.

Und der Mensch kann nur in der Gemeinschaft, in der Versammlung gut leben. Und wenn wir nachdenken, dann werden wir immer feststellen, dass es ja immer wieder unsere Schuld ist, wenn die Einheit, die Gemeinschaft, das Eins-Sein gefährdet wird und auseinanderbricht.

So bitten wir den Herrn um SEIN Erbarmen.

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Heute werden wir darauf hingewiesen, wie die Botschaft vom Reich Gottes die Menschen ergreift, also auf die Anfänge unserer Kirche wirkt. Aber gleichzeitig – wir haben es im Korinther-Brief gehört – geht es darum, was die Kirche von Anfang an bedroht, und das ist die Spaltung.

Ich glaube, es ist notwendig, auch in unserer gegenwärtigen Zeit, dass wir uns ein paar ernste Gedanken machen über das, was geschieht und was wir heute so beobachten in der Kirche.

Zunächst einmal zu der Wirklichkeit:

Unser Kaplan hat ein Symbol hergerichtet, ein Netz, ein Fischernetz zum Fische fangen. Und das Netz ist auch ein doppeltes Symbol – negativ kennen wir es ja: „Der ist ihm ins Netz gegangen”, der ist gefangen worden. Aber so wie Jesus die Menschen fängt, in SEIN Netz bringt, ist es das rettende Netz, das auch die Fische herausholen kann, wenn sie in einem vergifteten Wasser sind. Und wir leben alle in einem vergifteten Wasser des Weltgeistes, des Konsumismus, des Egoismus, der Habsucht, des Geizes; wir kennen das alles. Und aus diesem Wasser der Lieblosigkeit, des Hasses, will der Herr uns ziehen. Wir haben ganz kurz gehört, wo eigentlich alles, das ganze Evangelium, enthalten ist, wo Jesus die frohe Botschaft formuliert: „Das Himmelreich ist nahe!“. Bei Markus und Lukas heißt es: „Das Reich Gottes ist nahe!“

Und das haben wir uns schon erarbeitet, dass der Bereich Gottes die Nähe ist. Wenn ich Gott als die Liebe erleben will, dann brauche ich Nähe. Und da sehen wir heute den zweiten Schritt Jesu, den ER nach SEINER Verkündigung tut. ER schafft Nähe, in dem ER auf die Menschen zugeht, zu den Menschen hingeht und sagt du, du, du, du.Wir müssen verstehen, dass wir im Sakrament der Taufe und dann in den Sakramenten immer wieder ganz persönlich angesprochen werden: Du, du, du, du, ich will dich in meiner Nähe haben, um dann mit der Nähe, die du erlebst in der Liebe Gottes, hinzugehen zu den Menschen und das weiter zu führen, Gott liebt mich.“ Und so entsteht Gemeinde. Gemeinde wird nicht gemacht, sondern Gemeinde entsteht aus den Menschen, die ergriffen sind von der Liebe Gottes und die spüren, das Ergriffen-Sein ist nicht nur etwas, was man im Kopf hat, sondern das muss man dauernd spüren. Und darum muss man in die Nähe kommen, sich versammeln. Damit das wirkt, muss man sich regelmäßig versammeln, an Gott denken, SEIN Wort hören und die Sakramente SEINER Gegenwart feiern. Wir feiern, wir kommen zusammen, wir sind Gemeinde und schließen uns zusammen, weil diese bedingungslose Liebe Gottes zu allen Menschen so in uns aufgeht, dass wir davon leben können.

So könnte man meinen, ja, das ist doch großartig, wenn das so, wie es ja Jesus selber sagt, wie ein Sauerteig, dann die ganze Menschheit durchsäuert. Dann könnten wir das Reich Gottes, das Reich des Friedens, der Liebe und der Gerechtigkeit hier auf Erden haben. Aber jetzt bei Paulus: Denkste, Spaltung kommt!“ Sie kommt nicht von Gott! Spaltungen kommen von Menschen und sind eigentlich das Böse. Paulus beschwört ja direkt die Menschen, seid einig, duldet keine Spaltung unter euch!“  Woher kommt es, dass so viele Spaltungen sind? Woher kommt es, was die ganze Botschaft so unglaubwürdig macht? Es ist heute Professor Beinert, der Dogmatiker in Regensburg, der sich wissenschaftlich diesem Problem zuwendet, weil wir heute im katholischen Bereich die Sektenbildung so stark beobachten, die das Ganze stört.

Ein paar Momente, die ich hier nennen darf, weil ich glaube, es ist wichtig, dass wir wissen, woher Spaltungen kommen, damit wir sie wenigstens in unserm Bereich bekämpfen können; nicht mit Hass, sondern mit Liebe und Verständnis, dass ich verstehe, wenn ein Mensch zu einer Sekte geht, wenn ich es auch nicht für richtig halte. Es ist zunächst einmal menschlicher Egoismus, dass einer zu seinem Selbstwertgefühl immer ein Gefälle braucht, dass er sagen kann, ich bin der Beste, wir sind die wahren Christen, die Anderen, das sind die Falschen. Man kann in kleinen Gruppen, aber auch in größeren Gruppen dieses Gefälle beobachten. Ja, ich bin ein besserer Christ, ich bin ein vollkommener Christ, ich bin der besondere Liebling des Heilands, und die Anderen sind weniger wichtig.

Jeder Mensch hat diese Versuchung, sich als etwas Besseres zu fühlen.

Das ist die Zumutung des Christentums, dass es bei Gott keine Besseren und keine Schlechteren gibt, sondern dass alle Geliebte sind, dass Gott sich für jeden opfert, sich für jeden hingibt.

Wir sehen, ER fängt gerade mit SEINER Botschaft bei den Heiden an:

Das sehen können, dass der Andere, der nicht so viel leistet oder nicht so viel tut für die Kirche oder für die Caritas, vor Gott genauso ein Geliebter ist. Und das wäre ein entgrenzendes Moment, dass die christliche Botschaft bringt.

Dann kommt das andere, worauf Professor Beinert sehr scharf hinweist, die Angst. Der Mensch hat Angst, obwohl er in dieser Welt alles machen kann. Auf einmal sieht er, er kann alles machen, aber letztlich ist eine gähnende Leere da. Und wie wird diese gähnende Leere überwunden?

Er braucht eine Garantie. Und da gehört es zu den typischen Momenten von Sekten, dass sie von den Menschen etwas abverlangen (meistens ist es

mit Geld verbunden). Das war auch in der katholischen Kirche schon einmal da: Du kannst dir deine Sicherheit, in den Himmel zu kommen, erkaufen.

Wenn ich den wahren Glauben habe, dass Gott die Liebe ist, dann brauche ich keine Garantie, dann weiß ich, verstoßen tut mich Gott nie.

Das Problem ist nur, dass dies jetzt schon in mich hereinkommt, dass ich jetzt schon von diesem grenzenlosen Vertrauen erfüllt werde und befreit werde von aller Angst.

Jesus hat SEINE Liebe verkündet und vertraut auf den Menschen und gerade auf die, die die Institution ausüben müssen, dass sie doch dieser Versuchung der Macht, der Versuchung zu herrschen, der Versuchung, Recht haben zu wollen, widerstehen können und der Botschaft und der Einheit dienen.

 

Es hat sich in den letzten fünfzig Jahren viel getan und es ist viel geschehen im Bereich der Ökumene, im Bereich der Toleranz, wenigstens in den christlichen Gemeinschaften.

Aber wir sollen weiter abbauen, was das Trennende und Spaltende in uns ist, und alle Ansätze, Friedensgebete, ökumenische Veranstaltungen nach Kräften fördern.

Hier ist etwas da, was wir eben auch machen können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!