VORWORT
IDEAL IN DEN ZEITEN DES UKRAINE-KRIEGS, DES KLIMAWANDELS – DIESE WORTE GEBEN KRAFT UND HOFFNUNG!
VERKÜNDIGUNG VON GOTTES WORT DURCH DIE PREDIGTEN DES HOFFNUNG GEBENDEN PFARRERS ELMAR GRUBER
Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C – seit dem 1. Advent 2025 (30. November 2025) ist Lesejahr A.
Immer die aktuelle Predigt!
Inspiration für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!
Auch als Predigt-Vorlagen!
Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.
Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.
Danke, Helga! Ohne Dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!
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24. Sonntag A – 13. September 2026
Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 16.09.1990
1. Lesung: Sir 27, 30 – 28,7
2. Lesung: Röm 14, 7 – 9
Evangelium: Mt 18, 21-35
Die Thematik des letzten Sonntags wird heute weitergeführt und eigentlich auf den Punkt gebracht: Wie sollen wir Menschen miteinander umgehen, damit es uns gut geht und wir ein wenig den Himmel auf Erden haben? Dieser Punkt, auf den alles gebracht wird, ist die „Vergebung“. Wir können eigentlich nur gut miteinander leben, wenn wir im Innersten miteinander aus Vergebung leben. Wie das geht, wie wir es machen können und wie uns dazu eigentlich nur Gott helfen kann, das werden wir im Evangelium hören.
Predigt:
Liebe Schwestern und Brüder!
Was uns heute der Heilige Paulus zeigt, dürfen wir uns nicht entgehen lassen. Machen wir uns den Gesamthintergrund unseres Lebens, auf dem sich alles abspielt, tagtäglich bewusst: „Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder sterben, wir gehören dem Herrn.“ Unser ganzes Leben mit seinen Rhythmen, jeder Tag, der kommt und den wir wieder loslassen müssen – all das sind Sterbevorgänge, die wir durchmachen, nicht erst das Sterben am Schluss unseres Lebens. Die Jahreszeiten – Frühling, Sommer, Herbst und Winter – sind Rhythmen, sind Leben und Sterben. Das alles gehört dem Herrn, Freud und Leid, Lust und Schmerz, alles! Machen wir uns das immer wieder bewusst: Es gibt nichts, was uns trennen könnte von IHM.
Nun zur Katechese des Matthäus-Evangeliums: Es geht wieder um den Himmel, um den „Himmel auf Erden“, um das zentrale Geschehen in unserem irdischen Leben, um das „Verzeihen“. Eingeleitet wird diese Katechese aus dem Munde Jesu selbst, mit einer konkreten Lebenssituation. Und Petrus fragt: „Wie oft muss ich verzeihen?“ Es ist gar nicht so einfach zu verzeihen, wenn Einer uns geärgert hat. Meistens ist es so, dass wir zuerst den Ärger abreagieren. Und wenn man merkt, dass der Andere jetzt fertig ist, dann können wir – wenn es noch geht – wieder neu anfangen. Gibt es da etwas, damit ich dem Anderen, der mich schwer getroffen hat, schon vorher wieder gut sein kann, dass ich ihn nicht so demütigen muss, bis wir alle beide fertig sind? Wie oft muss ich verzeihen? Siebenmal? Die Antwort lautet: Siebenundsiebzigmal! Das heißt, dass Du dem Anderen immer verzeihen sollst. Da sagt jeder, wenn er ein bisschen ehrlich zu sich selbst ist: „Ja, aber immer geht das nicht.“
Jetzt kommt die großartige Katechese mit dem König: Einer hält Abrechnung mit dem König, aber er kann nicht zahlen. Der Knecht sagt: „Habe Erbarmen mit mir!“ Und der König schenkt ihm die Schuld. So ist Gott! ER schenkt alle Schuld. Vielleicht erinnern Sie sich auch an die ähnliche Stelle bei Lukas 7, wo Jesus diese Geschichte erzählt: „Ein Herr hatte zwei Schuldner, einer war viel schuldig, einer weniger; weil sie beide nicht bezahlen konnten, schenkte er beiden die Schuld.“ Was wir festhalten müssen – erstens: Ich muss meine Schuld sehen! So wischwaschi, so, als ob nichts wäre, so geht es nicht! Es ist tragisch, dass viele Menschen so pharisäisch sind und sagen: „Ich habe doch nichts angestellt. Ich bin brav, mir braucht der Herr nichts vergeben.“ Diese Menschen gibt es nicht, die letztlich nicht angewiesen wären auf das Erbarmen Gottes. Gott schenkt die Schuld. Und das muss man annehmen, und das ist vielleicht das Schwerste – das „Annehmen“. Ich habe einmal über das Gleichnis vom Arbeiter im Weinberg gepredigt; da hat Einer nach der Kirche zu mir erbost gesagt: „Ja, ich brauche den Himmel nicht geschenkt, ich habe ihn mir ehrlich verdient.“ Dieses Bewusstsein, auf das Erbarmen Gottes angewiesen zu sein, ist bei uns Christen nicht so selbstverständlich. Wenn ich das aber annehmen kann, dass Gott mir die Schuld schenkt, wenn ich das hereinlasse, dann bewirkt das in mir, dass ich meinen Mitmenschen gegenüber erbarmend und verzeihend werde. „Verzeihen“ ist sozusagen eine göttliche Kraft, die der Mensch nicht aus sich hat. Wenn ein Mensch sagt, ich kann meinen Mitmenschen selbst verzeihen, ja, großartig! Aber dann tust du etwas, was Dir der Herr, der Vater im Himmel, gegeben hat, was nicht Deine Leistung ist. Deine Leistung ist es, einverstanden zu sein mit der Vergebung, die von Gott herkommt. Und die kann nur rein, wenn ich es rauslasse. Das ist wie bei einem Brunnen: Wenn ich zustopfe, dann kann es nicht mehr fließen. So kann das Erbarmen nur in mich hinein, wenn es wieder herausfließen kann zu meinen Mitmenschen. Ich brauche die Vergebung nicht erzeugen. Aber ich muss die vergebende Kraft, die da ist, fließen lassen. Du kannst im Prinzip immer und jedem verzeihen, weil Gott jedem die Schuld schenkt, weil Gott ein Verzeihender ist. Es liegt an jedem von uns – lassen wir es durch!
Der Knecht, der lässt es nicht durch. Er lässt Gerechtigkeit walten, bis der letzte Pfennig bezahlt ist. Da kommt Gottes vergebende Kraft nicht durch, wenn ich nicht bereit bin, das Verzeihen weiter zu schenken. Wir müssen Vergebung annehmen und weiter schenken.
Und jetzt noch, was hier so hart klingt: „Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Gerichtsdienern, die ihn foltern sollten, bis er die ganze Schuld bezahlt hatte.“ Also sehen wir, dass es doch eine Hölle gibt. Aber die Hölle, die Folterknechte, an die uns Gott übergibt, das sind wir selber!
Noch ein Impuls zum Nachdenken, es liegt in der Erfahrung meines Berufs: Ein Mensch, der keine Vergebung für sich selbst hat, die vergebende Kraft nicht hat, macht sich selbst fertig. Wenn ich IHN nicht annehme, dann überlässt ER mich meiner Hölle, die ich selbst bin. Da kann ER nichts machen. Ohne die Liebe Gottes, ohne SEIN Erbarmen, ohne die Vergebung, die ER für alle Menschen hat, läuft nichts.
Das möge uns wieder ermuntern, uns diesem Gott anzuvertrauen und uns zu erinnern, dass ER mir ja alles vergibt, bedingungslos. Und von da kommt die Kraft, ganz praktisch, dem Anderen zu vergeben und auch Gnade vor Recht ergehen zu lassen und auf das Recht auf Rache, auf Eifersucht und das alles, zu verzichten, sodass wir wieder mit erfülltem Herzen die Vater-Unser-Bitte sprechen: „Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“. Anders geht es nicht, anders haben wir nicht das bisschen Himmel auf Erden, aber auch nicht den Himmel im Himmel.
- Lesung: Nehemia 8, 2-4.5-6.8-10
- Lesung: 1 Korinther 12, 12-30
Evangelium: Lukas 1, 1-4;4, 14-21
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Ich begrüße Sie herzlich zum 3. Sonntag im Jahreskreis! In der Lesung weist uns der Apostel Paulus darauf hin, dass wir alle E I N E R sind, der Leib Christi, jeder mit seinen Fähigkeiten, mit seinen Gaben, die Aufgaben sind.
Im Evangelium zeigt uns Lukas sein Anliegen, warum er das Evangelium geschrieben hat und auch, was die Sendung Jesu eigentlich ist.
Predigt:
Liebe Schwestern und Brüder!
Das Evangelium heute greift eine schwierige Situation auf, die wir gerade in unserer Zeit wieder vorfinden:
Woher bekommen wir die Gewissheiten unseres Glaubens? Wo finden wir sie? Wir werden feststellen, dass wir, die wir noch Vorstellungen haben wie vor fünfzig Jahren, umdenken müssen, um die eigentliche Botschaft, das Eigentliche, was Jesus gebracht hat, nicht zu verlieren.
Es geht hier um die historische Zuverlässigkeit der Berichte über das Leben Jesu. Da sagt uns die heutige Wissenschaft, dass wir über die praktisch historische Zuverlässigkeit im Neuen Testament nichts finden. Wie ich im Studium war, da war die große Problematik, ob es Jesus überhaupt gegeben hat, ob wir nicht nur den Jesus des Glaubens, den literarischen Jesus haben; das ist überwunden. An der historischen Wirklichkeit Jesu zweifelt heute niemand.
Aber, wer war dieser Jesus?
Historisch gesehen war ER wohl mehr als nur dieser Ausschnitt, den uns die Evangelien zeigen.
Die Sprachforscher, die aramäisch, jüdisch, hebräisch beherrschen, die sagen, das Thomasevangelium ist eines der ältesten Schriften, es zeigt uns Jesus als Weisheitslehrer, der in Sequenzen, in Versen gesprochen hat, die man auswendig lernen kann, damit SEINE Jünger SEINE Lehre weitergeben können.
Als ich vor ca. dreißig Jahren den Auftrag bekam, diese neuen biblischen Ergebnisse der Lehrerschaft, die Religionsunterricht geben, zu vermitteln, war das äußerst schwierig.
„Ja, wenn das alles nicht mehr stimmt, wenn das Jesus nicht wortwörtlich gesagt hat, ja dann geben wir keinen Religionsunterricht, keinen Bibelunterricht mehr. “
In meiner Kinderzeit hat man noch gelernt, dass den Jonas der Walfisch gefressen und dann wieder ausgespuckt hat. Das ist mir zum Verhängnis geworden, weil ich das so nicht glauben konnte, dass Jonas, der im Bauch des Walfisches war, das Beten angefangen hat. Doch mir hat der Religionslehrer – ich habe ihm längst verziehen – gesagt: „Das musst Du glauben, das ist Wort Gottes. Wenn Du das nicht glaubst, dass der Walfisch den Jonas gefressen hat und dass der im Bauch gebetet hat und dann nach drei Tagen wieder ans Land kam, dann hast Du eine Todsünde.“
Ich habe es immer wieder gebeichtet, weil ich den Jonas nicht glauben konnte. Dann habe ich im Lexikon auch noch gelesen, dass der Walfisch so einen engen Schlund hat wie ein Mensch, dass da kleine Krebse durchgehen können, aber nie ein unzerkleinerter Prophet.
Und der Beichtvater hat gesagt: „Wenn Du das nicht glaubst, kann ich Dir nicht mehr die Absolution erteilen“ (in welchen Zwängen muss der gewesen sein). Das war für mich Verdammung; ich habe den Jonas nicht glauben können.
Dass das eine Lehrgeschichte ist, wo man sagen muss: Stell dir das mal vor, da musste ein Prophet lernen, dass Gott die Leviten auch mag, dass ER jeden mag, der sich bekehrt und liebend wird, bildlich gesprochen, dass er einen Prozess durchmacht, verschlungen wird, dann in die Finsternis, ins Unheil kommt, bis er dann geläutert durch diese Prozesse kapiert, dass Gott die Liebe ist – eine wunderbare Geschichte.
Ein Kurskollege von mir hat seine Probekatechese gehalten über den Jonas und hat in diesem Sinn gesprochen, und das war vor 40 Jahren. Dann haben die Professoren einen Rat abgehalten, ob man ihn als Ungläubigen entlassen müsste. Aber er ist heute noch ein sehr aufgeschlossener Priester und Pfarrer.
Und so ist es heute das Eigentliche, das Tiefe, das Innere, das Unvergängliche, das uns in diesen Sinngestalten nahegebracht wird. Wenn uns das aufgeht, dann ist es nicht mehr wichtig, ob es genauso historisch geschehen ist wie es da steht.
Und jetzt kommt Einer und sagt, bei Lukas steht doch genau: „Ich habe mich entschlossen, allem von Anfang an nachzuforschen, um es der Reihe nach aufzuschreiben, und so kannst du dich auf mich verlassen.“ Es waren Überlieferungsstücke, Erzählungen, Erinnerungen, und jeder, der ein Buch schreibt, der braucht eine Gliederung, wie er alles zusammenbaut, damit der Leser möglichst gut auf das Eigentliche kommt.
Und was aber Lukas zeigen möchte, geschieht im Innern des Sprachlichen, wo der Prophet sagt: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den Gefangenen (das sind die Eingesperrten, die mit sich und anderen innerlich und äußerlich Eingesperrten) die Freiheit zu bringen, den Blinden das Augenlicht (der Durchblicke eröffnet, der Zusammenhänge vermittelt, der möglich macht, alles einzuordnen, der es möglich macht, mit seinem Leben mit den vielen Rätseln zu leben und umzugehen und einfach, der die Zerschlagenen, die Kaputten wieder richtet, repariert).“ Das will er zeigen.
Man hat auch zur Zeit Jesu gedacht, der Messias müsste politisch sein, wie David, so wie David es für kurze Zeit fertiggebracht hat, ein Friedensreich aufzubauen. Jesus soll die Römer vertreiben, ER soll die Herrschaft, das Etablissement der Schriftgelehrten und Pharisäer, durchbrechen. Auf dieser Ebene, irdisch gesehen, ist Jesus total gescheitert. Und nun sagen heute auch die Wissenschaftler, wollte man die Glaubensgewissheit auf historische Daten festlegen, dann würde das Christentum das dritte Jahrtausend nicht überstehen. Würde man nicht sozusagen die inneren Wirklichkeiten, das, was Jesus uns bedeutet, das Unvergängliche in die Gegenwart bringen, dann könnte es uns im Leben auch nicht mehr tragen. Dann sind wir dauernd mit unserem Glauben dem Streit der Wissenschaftler ausgesetzt, die heute das reden und morgen was Anderes, dann muss man sich in einem Jahr ein paarmal umstellen.
So kommt jetzt ein Wort – da ist das Entscheidende drin, wenn Lukas schreibt:
„Jesus kehrte von der Kraft des Geistes erfüllt zurück.“
Das ist SEINE innere Erfüllung mit Gott, mit der Botschaft von der Liebe Gottes. Und so zeigt uns gerade Lukas Jesus als den Heiland der Armen, der in der Kraft der Liebe verbindet und offenbar macht, wie die Menschen befreit und erlöst werden können.
Wenn wir die frohe Botschaft als Lebenskraft erfahren wollen, als eine Kraft, die uns im Leben trägt, auch wenn äußerlich alles schiefgeht, die uns trägt in der Krankheit, durch die Krankheit, in der Armut und in unserer Schuld, in unserer Zerrissenheit, unserer Schwachheit, wenn das aufgeht, in unserem ganzen Bewusstsein aufgeht, dann trägt es unser Leben.
Nun kommen wir wieder auf das, worum wir uns ja dauernd bemühen:
Gott liebt dich immer, bedingungslos, unverlierbar, und die Anderen auch.
Und das ist die Fülle der Zeit, die Erfüllung unserer Sehnsucht, die auch, wie Augustinus sagt, als unerfüllte Sehnsucht in jedem Menschen verborgen ist. Das, wonach du dich sehnst, das gab es immer und das gibt es, und darum ist Gott Mensch geworden, damit das ganz menschlich sichtbar und erfahrbar wird.
Hängt euch doch nicht fest an dem Äußeren, das sind Vorstellungshilfen, damit das Innere aufgehen kann und euch tragen kann; das ist eben Mystik. Und das meint das viel zitierte Wort von Karl Rahner: „Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein.“
So versteht es auch Jesus, er zitiert Jesaja: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen.“ Und wenn Jesus sagt, das ist heute in Erfüllung gegangen, das mag vielleicht anmaßend klingen, aber es heißt, IHM ist bewusst, das, was ER zu bringen hat, ist kein menschliches Fabrikat, sondern das ist IHM gegeben, das ist die Kraft des Geistes.
„Der Geist des Herrn ruht auf IHM“, d.h., was ich euch sage, das ist mein Auftrag. Und so müsste eigentlich jedem Religionslehrer, Priester, Pfarrer bewusst sein, dass er nicht seine eigenen Aggressionen oder Probleme auszuschütten hat, wenn er von Gott redet, sondern dass er das, was der Geist durch Jesus geoffenbart hat, zu vermitteln hat so gut es geht, so dass ich ganz ehrlich sagen müsste, ich will ja nicht meine Weisheit vortragen, sondern das, wovon ich sagen kann, das trägt mein Leben, ich bin davon überzeugt. Dann kommt der Einzelne dazu, der aus seiner Lebenserfahrung heraus sagen kann, so wie Paulus einfach sagt: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe“ – es ist nicht mein Gebilde, was ich weitergebe.
Dass das sichtbar wird, dass es nicht so schwierig ist, ein kleines Beispiel:
Es ist ein Beispiel, wie eine Legende tiefste Wahrheit enthält. Mir hat bei einer Tagung jemand erzählt von einer Weihnachtspredigt. Eine ganz kurze Geschichte, in der alles gesagt ist, was Jesus bringt. Das ist die Geschichte, die Geschichte vom Wolf, der das Jesuskind fressen wollte:
Es ist die Heilige Nacht auf den Fluren von Bethlehem: Die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf sie, und der Wolf kommt wie jede Nacht zur Herde und holt sich ein Lämmlein, so als Nachtessen. Und dann ist der Wolf jetzt da auf den Fluren von Bethlehem, und dann fragt er sich, was ist denn da heute los? Was ist da für eine Aufregung, und er horcht und er horcht, bis er hört von einem Kind, von einem neugeborenen Kind. Er denkt, uih, ein neugeborenes Kind, das wäre mal was Anderes als immer die langweiligen Lämmer. Das Kind im Stall hole ich mir. Und dann schleicht er sich wieder zurück, und wie es finster und ruhig ist, schleicht er sich an den Stall heran und alle schnarchen und schlafen schon. Nur vom Kind hört er noch einen Krächzer, das Kind ist also noch wach. Er wartet noch ein bisschen, und dann geht er an die Krippe hin und denkt: Ah, jetzt hab‘ ich’s! Er streckt seinen Kopf und macht sein Maul auf, und dann –
streichelt das Kind seine Schnauze und krault ihn hinten am Kopf. Und auf einmal kann er das Kind nicht mehr fressen.
Und noch etwas geht in ihm vor, er merkt auf einmal wie sein Fell aufspringt, sein Wolfsfell zerreißt. Dann fällt ihm das ganze Fell ab, und dann steht da -der Mensch.
Der Pfarrer hat diese Geschichte als Weihnachtslegende gebracht, und die, die dabei war, hat mir erzählt, die Leute waren mäuschenstill. Kein Wort hat er sonst gesagt, weil jeder sieht in diesem Bild die tiefe Wahrheit, wie das Wolfshafte, die Aggressionen und das alles abfällt und wie durch diese Liebe, durch die bedingungslose Liebe, der Mensch zum Menschen wird.
So gibt es diese vielen, vielen Möglichkeiten zum Aufmerksam-Machen auf das Eigentliche, was sich in Jesus erfüllt hat, in der Geschichte, weil gerade das, was IHN erfüllt hat, der Geist Gottes durch IHN in unsere Welt unverlierbar über historische Vergänglichkeiten eingegangen ist.
GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!