VORWORT
IDEAL IN DEN ZEITEN DES UKRAINE-KRIEGS, DES KLIMAWANDELS – DIESE WORTE GEBEN KRAFT UND HOFFNUNG!
VERKÜNDIGUNG VON GOTTES WORT DURCH DIE PREDIGTEN DES HOFFNUNG GEBENDEN PFARRERS ELMAR GRUBER
Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C – seit dem 1. Advent 2025 (30. November 2025) ist Lesejahr A.
Immer die aktuelle Predigt!
Inspiration für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!
Auch als Predigt-Vorlagen!
Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.
Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.
Danke, Helga! Ohne Dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!
* * *
17. Sonntag im Jahreskreis A –
26. Juli 2026
Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 26.07.1987
Evangelium: Matth. 13, 44-52
Das Gleichnis vom „Schatz im Acker“
In der Lesung aus dem Buch der Könige hören wir heute, wie Salomon um das WERTVOLLSTE und das WICHTIGSTE bittet, was man in diesem Leben braucht und was auch wir in diesem Leben brauchen: Ein hörendes Herz.
Und im Evangelium wird uns Jesus einladen, in drei Gleichnissen über den Himmel nachzudenken. Und das ist für uns auch ganz wichtig, weil wir doch auf dieser Welt nichts wichtiger brauchen als den Himmel schon auf Erden.
Predigt:
Liebe Schwestern und Brüder!
Immer wieder muss man sich in diese unerschöpflichen Gleichnisse hineinbegeben. Erst dann wird einem immer wieder etwas Neues und Aktuelles aufgehen. Das „Gleichnis vom Schatz im Acker“ ist ähnlich wie das Gleichnis vom vorigen Sonntag, „vom Unkraut und Weizen“. Es geht hier um die Auseinandersetzung von Gut und Böse und wie wir damit umgehen sollen.
Mit Himmelreich ist einfach ganz viel gemeint.
HIMMELREICH ist mal Gott selber. HIMMEL ist alles das, wo Gott regiert, wo Gott alles in allem ist. HIMMEL ist das, wo ich sagen möchte: „Mir geht es gut – meine Freude, das Glück des Menschen.“ Das ist alles mit HIMMELREICH gemeint.
Mit dem HIMMELREICH – also schon mit dem Himmel auf Erden – ist es wie mit einem Schatz, der im Acker vergraben ist. Einer findet ihn und gräbt ihn wieder ein. Man muss wissen, dass in biblischer Zeit, wenn einem der Acker gehört hat, auch der Schatz gehört hat. Bei uns müssten wir den Schatz abliefern. Aber damals war das ganz legitim, wenn einer den Acker kauft, dass ihm dann eigentlich der Schatz gehört.
Wenn er den Schatz bloß genommen hätte, dann wär es gestohlen gewesen. Aber das ist gerade die Pointe des Gleichnisses: Er muss den Acker mit in Kauf nehmen.
Ich habe das Gleichnis mit Kindern schon oft gespielt. Einmal, als der große Augenblick kam, dass der Acker erworben wurde, da sagte ein Junge: „Jetzt kann er den ganzen Dreck mitkaufen!“
Das ist eigentlich die Aussage, die ungemein wichtig ist. Es gibt den Himmel auf Erden, aber nur als „Schatz im Acker“. Und wenn ich den Schatz haben will, dann muss ich halt immer wieder den Acker mit in Kauf nehmen.
Es ist überall so, jeder Mensch ist ein Schatz. Jeder Mensch ist kostbar, aber eben ein Schatz in einem Acker. Ich habe dieses Gleichnis in Ehevorbereitungstagen schon oft meditiert.
Wenn Menschen in ihrem Verliebt-Sein den Schatz gefunden haben, dann ist es ein Schatz im Acker.
Wenn man zu einem Menschen „JA“ sagt, wenn man zu
irgendetwas „JA“ sagt auf dieser Welt, dann ist es
immer „Schatz im Acker“.
Ich muss immer viel in Kauf nehmen. Wenn man weiß, dass der Schatz im Acker drinnen ist, dann kann man auch das Drumherum annehmen; darauf kommt es an, dass wir Gut und Böse annehmen. Wir Menschen sind immer so darauf aus, das Gute vom Bösen zu scheiden und zu definieren, damit wir dann einen Grund haben, mit unserem ganzen Hass auf das Böse loszugehen. Und wir fühlen uns dabei recht gut. Man kann in jedem Menschen, in jeder Gruppe, in jedem Volk, in jeder Nation, in jeder Rasse, so viel Bosheit finden, dass man mit Recht sagen kann: „Das gehört ausgerottet.“
Ich denke oft daran, wenn Leute auf die Hitlerzeit schimpfen und das Böse ausrotten wollen. Hitler war ja genauso. Er hat eine Rasse für Böse erklärt und davon das Recht abgeleitet, diese böse Rasse zu vernichten und die Menschheit davon zu befreien. So ist der Mensch! Er will das Böse haben, damit er mit Recht seinen Hass daran auslassen kann und sich dabei gut fühlt. Hier, im Evangelium wird uns gesagt: Beides gehört zusammen! Du sollst das Böse in Dir und im Anderen und in der Welt auch lieben, weil es nur so gut wird.
GOTT LIEBT EBEN ALLES! „Lasst beides stehen!“ Das haben wir am vorigen Sonntag im Gleichnis vom Unkraut und Weizen gehört. Das Auseinander-Klauben, das ist nicht Sache des Menschen. Gewiss müssen wir unterscheiden zwischen Gut und Böse, aber eben, um das Böse durch die Liebe in das Gute zu verwandeln, wie es Paulus sagt.
Nun noch ein paar Worte zum letzten Gleichnis: Die mich kennen, wissen, dass ich kein Tag Christ und Priester sein könnte, wenn ich nicht die sichere Hoffnung hätte, dass kein Mensch verdammt ist. Und da steht, dass die Bösen in den Ofen geworfen werden, indem das Feuer brennt. Heißt das nicht, dass es wirklich Verdammte gibt? Schauen wir das Gleichnis nochmal an. Zunächst heißt es einmal: „Das Himmelreich ist ein Netz, das Gute und Böse in sich birgt.“ Die Liebe Gottes in dieser Welt und SEIN Erbarmen gehören allen Menschen. Wir haben kein Recht, einen Menschen von der Liebe auszuschließen, weil Gott alle annimmt – die Guten und die wir als „die Bösen“ erachten. Und dann ist es, glaube ich, sehr wichtig, dass wir bedenken, dass Jesus in einer Zeit lebte, in der das Denken des Menschen pharisäisch geprägt war, wo die Guten in den Himmel kommen und die Bösen in die Hölle. Dieses pharisäische Denken entspricht ja auch uns sehr. Jesus sagt aber nicht in direkter Weise, dass dieses Denken falsch ist, ER hält auch keinen theologischen Vortrag, ER formt die Menschen anders um. ER sagt zunächst einmal, dass das Auseinander-Klauben in Gute und Böse die Engel Gottes machen. Und dann muss man noch wissen, dass es für Jesus nicht „die GUTEN“ und „die BÖSFN“ gibt. Das teilen die Menschen immer so ein. Jeder Mensch ist gut und böse.
„Schatz und Acker“ – „Unkraut und Weizen“ – und da wird es Gott sein, der das richtet und richtig macht.
Das Feuer ist immer Gott. Denken Sie an die „Dornbusch-Geschichte“. FEUER und WASSFR, das sind die Ursymbole für Gott. Ein Kind hat mir einmal geholfen, weil es sagte: „Gott wird einmal all das Böse in uns verbrennen.“ Das Feuer ist ja auch das Symbol der Verwandlung, wo feste Stoffe in Licht und Wärme verwandelt werden und die Liebe Gottes, die jetzt schon anfängt, alles Harte in uns, alles Böse (wenn wir uns dem aussetzen) verwandelt. Das Heulen und Zähneknirschen, die Höllenqualen, entstehen dadurch, dass ein Mensch, der der Liebe Gottes ausgesetzt ist, sich verhärtet. Die Höllenqualen haben wir auch auf dieser Erde; sie entstehen immer aus Mangel an Liebe, aus Mangel an Verständnis, aus Mangel an Entgegenkommen – kurzum, zu wenig Liebe: Das ist die Hölle, das erleben wir untereinander. Vor Gott wird das alles sichtbar, und ER wird uns heilen. Wenn es das gibt, dass ein Mensch ewig der Liebe widerstrebt, dann ist das die ewige Höllenqual, wenn es das gibt.
Wir wissen aus dem Glauben: Gott ist die Liebe.
Und so wie ich die Menschen kenne, weiß ich, dass
alle, auch in der Bosheit, zutiefst sich nur nach
Liebe sehnen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein
Mensch, und wenn er vielleicht erst im Tod sehen
darf, dass es die Liebe gibt, wenn er die Sehnsucht
seines Herzens spürt, dass er dann „Nein“ sagt und
hart bleibt.
Darauf gründet sich unsere Heilshoffnung.
Unsere Bosheit lässt es oft nicht zu, weil wir
rachsüchtig sind und das auf Gott übertragen.
Wenn wir uns nun von Jesus ansprechen lassen, ob wir
das alles verstanden haben, würden wir ein bisschen
zögernder als die Jünger sagen: „J j – j a!“
Wir müssen immer und immer wieder nachdenken über
Gott, über den Himmel, über das, was letztlich zählt
vor Gott, worin sich der Unterschied von Gut und Böse
ausmachen lässt.
Und das Einzige, was zählt, ist
die Liebe, ist das Erbarmen.
- Lesung: Nehemia 8, 2-4.5-6.8-10
- Lesung: 1 Korinther 12, 12-30
Evangelium: Lukas 1, 1-4;4, 14-21
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Ich begrüße Sie herzlich zum 3. Sonntag im Jahreskreis! In der Lesung weist uns der Apostel Paulus darauf hin, dass wir alle E I N E R sind, der Leib Christi, jeder mit seinen Fähigkeiten, mit seinen Gaben, die Aufgaben sind.
Im Evangelium zeigt uns Lukas sein Anliegen, warum er das Evangelium geschrieben hat und auch, was die Sendung Jesu eigentlich ist.
Predigt:
Liebe Schwestern und Brüder!
Das Evangelium heute greift eine schwierige Situation auf, die wir gerade in unserer Zeit wieder vorfinden:
Woher bekommen wir die Gewissheiten unseres Glaubens? Wo finden wir sie? Wir werden feststellen, dass wir, die wir noch Vorstellungen haben wie vor fünfzig Jahren, umdenken müssen, um die eigentliche Botschaft, das Eigentliche, was Jesus gebracht hat, nicht zu verlieren.
Es geht hier um die historische Zuverlässigkeit der Berichte über das Leben Jesu. Da sagt uns die heutige Wissenschaft, dass wir über die praktisch historische Zuverlässigkeit im Neuen Testament nichts finden. Wie ich im Studium war, da war die große Problematik, ob es Jesus überhaupt gegeben hat, ob wir nicht nur den Jesus des Glaubens, den literarischen Jesus haben; das ist überwunden. An der historischen Wirklichkeit Jesu zweifelt heute niemand.
Aber, wer war dieser Jesus?
Historisch gesehen war ER wohl mehr als nur dieser Ausschnitt, den uns die Evangelien zeigen.
Die Sprachforscher, die aramäisch, jüdisch, hebräisch beherrschen, die sagen, das Thomasevangelium ist eines der ältesten Schriften, es zeigt uns Jesus als Weisheitslehrer, der in Sequenzen, in Versen gesprochen hat, die man auswendig lernen kann, damit SEINE Jünger SEINE Lehre weitergeben können.
Als ich vor ca. dreißig Jahren den Auftrag bekam, diese neuen biblischen Ergebnisse der Lehrerschaft, die Religionsunterricht geben, zu vermitteln, war das äußerst schwierig.
„Ja, wenn das alles nicht mehr stimmt, wenn das Jesus nicht wortwörtlich gesagt hat, ja dann geben wir keinen Religionsunterricht, keinen Bibelunterricht mehr. “
In meiner Kinderzeit hat man noch gelernt, dass den Jonas der Walfisch gefressen und dann wieder ausgespuckt hat. Das ist mir zum Verhängnis geworden, weil ich das so nicht glauben konnte, dass Jonas, der im Bauch des Walfisches war, das Beten angefangen hat. Doch mir hat der Religionslehrer – ich habe ihm längst verziehen – gesagt: „Das musst Du glauben, das ist Wort Gottes. Wenn Du das nicht glaubst, dass der Walfisch den Jonas gefressen hat und dass der im Bauch gebetet hat und dann nach drei Tagen wieder ans Land kam, dann hast Du eine Todsünde.“
Ich habe es immer wieder gebeichtet, weil ich den Jonas nicht glauben konnte. Dann habe ich im Lexikon auch noch gelesen, dass der Walfisch so einen engen Schlund hat wie ein Mensch, dass da kleine Krebse durchgehen können, aber nie ein unzerkleinerter Prophet.
Und der Beichtvater hat gesagt: „Wenn Du das nicht glaubst, kann ich Dir nicht mehr die Absolution erteilen“ (in welchen Zwängen muss der gewesen sein). Das war für mich Verdammung; ich habe den Jonas nicht glauben können.
Dass das eine Lehrgeschichte ist, wo man sagen muss: Stell dir das mal vor, da musste ein Prophet lernen, dass Gott die Leviten auch mag, dass ER jeden mag, der sich bekehrt und liebend wird, bildlich gesprochen, dass er einen Prozess durchmacht, verschlungen wird, dann in die Finsternis, ins Unheil kommt, bis er dann geläutert durch diese Prozesse kapiert, dass Gott die Liebe ist – eine wunderbare Geschichte.
Ein Kurskollege von mir hat seine Probekatechese gehalten über den Jonas und hat in diesem Sinn gesprochen, und das war vor 40 Jahren. Dann haben die Professoren einen Rat abgehalten, ob man ihn als Ungläubigen entlassen müsste. Aber er ist heute noch ein sehr aufgeschlossener Priester und Pfarrer.
Und so ist es heute das Eigentliche, das Tiefe, das Innere, das Unvergängliche, das uns in diesen Sinngestalten nahegebracht wird. Wenn uns das aufgeht, dann ist es nicht mehr wichtig, ob es genauso historisch geschehen ist wie es da steht.
Und jetzt kommt Einer und sagt, bei Lukas steht doch genau: „Ich habe mich entschlossen, allem von Anfang an nachzuforschen, um es der Reihe nach aufzuschreiben, und so kannst du dich auf mich verlassen.“ Es waren Überlieferungsstücke, Erzählungen, Erinnerungen, und jeder, der ein Buch schreibt, der braucht eine Gliederung, wie er alles zusammenbaut, damit der Leser möglichst gut auf das Eigentliche kommt.
Und was aber Lukas zeigen möchte, geschieht im Innern des Sprachlichen, wo der Prophet sagt: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den Gefangenen (das sind die Eingesperrten, die mit sich und anderen innerlich und äußerlich Eingesperrten) die Freiheit zu bringen, den Blinden das Augenlicht (der Durchblicke eröffnet, der Zusammenhänge vermittelt, der möglich macht, alles einzuordnen, der es möglich macht, mit seinem Leben mit den vielen Rätseln zu leben und umzugehen und einfach, der die Zerschlagenen, die Kaputten wieder richtet, repariert).“ Das will er zeigen.
Man hat auch zur Zeit Jesu gedacht, der Messias müsste politisch sein, wie David, so wie David es für kurze Zeit fertiggebracht hat, ein Friedensreich aufzubauen. Jesus soll die Römer vertreiben, ER soll die Herrschaft, das Etablissement der Schriftgelehrten und Pharisäer, durchbrechen. Auf dieser Ebene, irdisch gesehen, ist Jesus total gescheitert. Und nun sagen heute auch die Wissenschaftler, wollte man die Glaubensgewissheit auf historische Daten festlegen, dann würde das Christentum das dritte Jahrtausend nicht überstehen. Würde man nicht sozusagen die inneren Wirklichkeiten, das, was Jesus uns bedeutet, das Unvergängliche in die Gegenwart bringen, dann könnte es uns im Leben auch nicht mehr tragen. Dann sind wir dauernd mit unserem Glauben dem Streit der Wissenschaftler ausgesetzt, die heute das reden und morgen was Anderes, dann muss man sich in einem Jahr ein paarmal umstellen.
So kommt jetzt ein Wort – da ist das Entscheidende drin, wenn Lukas schreibt:
„Jesus kehrte von der Kraft des Geistes erfüllt zurück.“
Das ist SEINE innere Erfüllung mit Gott, mit der Botschaft von der Liebe Gottes. Und so zeigt uns gerade Lukas Jesus als den Heiland der Armen, der in der Kraft der Liebe verbindet und offenbar macht, wie die Menschen befreit und erlöst werden können.
Wenn wir die frohe Botschaft als Lebenskraft erfahren wollen, als eine Kraft, die uns im Leben trägt, auch wenn äußerlich alles schiefgeht, die uns trägt in der Krankheit, durch die Krankheit, in der Armut und in unserer Schuld, in unserer Zerrissenheit, unserer Schwachheit, wenn das aufgeht, in unserem ganzen Bewusstsein aufgeht, dann trägt es unser Leben.
Nun kommen wir wieder auf das, worum wir uns ja dauernd bemühen:
Gott liebt dich immer, bedingungslos, unverlierbar, und die Anderen auch.
Und das ist die Fülle der Zeit, die Erfüllung unserer Sehnsucht, die auch, wie Augustinus sagt, als unerfüllte Sehnsucht in jedem Menschen verborgen ist. Das, wonach du dich sehnst, das gab es immer und das gibt es, und darum ist Gott Mensch geworden, damit das ganz menschlich sichtbar und erfahrbar wird.
Hängt euch doch nicht fest an dem Äußeren, das sind Vorstellungshilfen, damit das Innere aufgehen kann und euch tragen kann; das ist eben Mystik. Und das meint das viel zitierte Wort von Karl Rahner: „Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein.“
So versteht es auch Jesus, er zitiert Jesaja: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen.“ Und wenn Jesus sagt, das ist heute in Erfüllung gegangen, das mag vielleicht anmaßend klingen, aber es heißt, IHM ist bewusst, das, was ER zu bringen hat, ist kein menschliches Fabrikat, sondern das ist IHM gegeben, das ist die Kraft des Geistes.
„Der Geist des Herrn ruht auf IHM“, d.h., was ich euch sage, das ist mein Auftrag. Und so müsste eigentlich jedem Religionslehrer, Priester, Pfarrer bewusst sein, dass er nicht seine eigenen Aggressionen oder Probleme auszuschütten hat, wenn er von Gott redet, sondern dass er das, was der Geist durch Jesus geoffenbart hat, zu vermitteln hat so gut es geht, so dass ich ganz ehrlich sagen müsste, ich will ja nicht meine Weisheit vortragen, sondern das, wovon ich sagen kann, das trägt mein Leben, ich bin davon überzeugt. Dann kommt der Einzelne dazu, der aus seiner Lebenserfahrung heraus sagen kann, so wie Paulus einfach sagt: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe“ – es ist nicht mein Gebilde, was ich weitergebe.
Dass das sichtbar wird, dass es nicht so schwierig ist, ein kleines Beispiel:
Es ist ein Beispiel, wie eine Legende tiefste Wahrheit enthält. Mir hat bei einer Tagung jemand erzählt von einer Weihnachtspredigt. Eine ganz kurze Geschichte, in der alles gesagt ist, was Jesus bringt. Das ist die Geschichte, die Geschichte vom Wolf, der das Jesuskind fressen wollte:
Es ist die Heilige Nacht auf den Fluren von Bethlehem: Die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf sie, und der Wolf kommt wie jede Nacht zur Herde und holt sich ein Lämmlein, so als Nachtessen. Und dann ist der Wolf jetzt da auf den Fluren von Bethlehem, und dann fragt er sich, was ist denn da heute los? Was ist da für eine Aufregung, und er horcht und er horcht, bis er hört von einem Kind, von einem neugeborenen Kind. Er denkt, uih, ein neugeborenes Kind, das wäre mal was Anderes als immer die langweiligen Lämmer. Das Kind im Stall hole ich mir. Und dann schleicht er sich wieder zurück, und wie es finster und ruhig ist, schleicht er sich an den Stall heran und alle schnarchen und schlafen schon. Nur vom Kind hört er noch einen Krächzer, das Kind ist also noch wach. Er wartet noch ein bisschen, und dann geht er an die Krippe hin und denkt: Ah, jetzt hab‘ ich’s! Er streckt seinen Kopf und macht sein Maul auf, und dann –
streichelt das Kind seine Schnauze und krault ihn hinten am Kopf. Und auf einmal kann er das Kind nicht mehr fressen.
Und noch etwas geht in ihm vor, er merkt auf einmal wie sein Fell aufspringt, sein Wolfsfell zerreißt. Dann fällt ihm das ganze Fell ab, und dann steht da -der Mensch.
Der Pfarrer hat diese Geschichte als Weihnachtslegende gebracht, und die, die dabei war, hat mir erzählt, die Leute waren mäuschenstill. Kein Wort hat er sonst gesagt, weil jeder sieht in diesem Bild die tiefe Wahrheit, wie das Wolfshafte, die Aggressionen und das alles abfällt und wie durch diese Liebe, durch die bedingungslose Liebe, der Mensch zum Menschen wird.
So gibt es diese vielen, vielen Möglichkeiten zum Aufmerksam-Machen auf das Eigentliche, was sich in Jesus erfüllt hat, in der Geschichte, weil gerade das, was IHN erfüllt hat, der Geist Gottes durch IHN in unsere Welt unverlierbar über historische Vergänglichkeiten eingegangen ist.
GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!