Strahlkraft

Lebendiges Gedankengut von Pfarrer Elmar Gruber e.V.

ELMAR GRUBERS PREDIGT ZUM NÄCHSTEN SONNTAG ODER FEIERTAG – IMMER AKTUELL!

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: PREDIGTEN DURCH DAS KIRCHENJAHR)

VORWORT

IDEAL IN DEN ZEITEN DES UKRAINE-KRIEGS, DES KLIMAWANDELS  – DIESE WORTE GEBEN KRAFT UND HOFFNUNG!

VERKÜNDIGUNG VON GOTTES WORT DURCH DIE PREDIGTEN DES HOFFNUNG GEBENDEN PFARRERS ELMAR GRUBER

Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  – seit dem 1. Advent 2025 (30. November 2025) ist Lesejahr A.

Immer die aktuelle Predigt!

Inspiration für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!

Auch als Predigt-Vorlagen!

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.

Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.

Danke, Helga! Ohne Dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!

 

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25. Sonntag im Jahreskreis A – 20. September 2026

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 23.09.1990

 

1. Lesung: Jes 55, 6-9

2. Lesung: Phil 1, 20ad -24.27a

Evangelium: Mt  20, 1 – 16

 

Wir haben im Evangelium die Geschichte von den Arbeitern im Weinberg gehört. Wenn es im ganzen Evangelium nur diese Geschichte gäbe, wäre da­rin alles enthalten. Christus zeigt uns heute SEINEN Vater, den Gott der Christenheit.

Wir wollen IHN um SEIN Erbarmen bitten, dass wir uns wieder von Herzen für unseren Gott entscheiden und das Heil finden in unserem Glauben.

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

In den Evangelien der letzten Sonntage haben wir Hinweise bekommen, wie wir miteinander umzugehen haben: Immer verzeihen – immer dem Anderen gut sein. Und in der Bergpredigt wird uns gesagt, dass wir die Feinde lieben sollen. Wenn man nur ein bisschen ehrlich ist, muss man sagen: Das geht ja gar nicht! Ich muss mich ja immer wieder ärgern über die Ungerechtigkeiten in dieser Welt; das ist doch normal. Es muss doch so sein, dass das Gute belohnt und das Böse bestraft wird. Wo soll ich die Kraft hernehmen, dem Menschen gut zu sein, der mich ungerecht behandelt und der mir Böses antut?  Es zeigt sich hier das Paradoxe christlicher Existenz, nämlich, sich total anders zu verhalten als es uns angeboren. ist. Wir sollen Böses mit Gutem vergelten! Wie ist das möglich, ohne dass wir uns dabei selbst betrügen? Im heutigen Evangelium ist uns der Schlüssel gegeben.

Wenn wir an diesen paradoxen Gott glauben, unsere ganze Existenz auf diesen Gott stellen und einen konkreten Kontakt zu IHM haben, dann wird ER uns die Kraft geben und uns so verändern, dass wir wenigstens anfangshaft, das heißt prinzipiell, in unserer innersten Überzeugung die Kraft haben, uns diesen Veränderungsprozessen zu stel­len, die dieser Gott mit uns anstellt.

Paulus sagt: „Christus ist mein Leben.“ Damit sagt er, dass der Grund seiner Existenz dieser Gott ist und nicht dieser angeborene Grund, den wir Menschen von Natur aus mitbringen. Und dieser Gott ist so ganz anders als wir Menschen uns einen Gott vorstellen. Auch im alten Katechismus stand, und wir haben es so gelernt: „Gott belohnt das Gute und bestraft das Böse.“ Wenn Sie das heutige Evangelium anschauen, belohnt da Gott das Gute? Wenn der Letzte genauso viel bekommt wie der Erste?

Viele Menschen haben schon gesagt: Ja, wenn die, die ein ganzes Leben lang gelumpt haben, auch in den Himmel kommen, wo bleibt da die Gerechtigkeit dieses Gottes? In diesem Evangelium ist uns gezeigt: ER belohnt nicht so wie wir Menschen belohnen. ER belohnt auf alle Fälle nicht so, dass der Fleißige viel und der Faule wenig kriegt. In unserer Gesellschaftsordnung ist das unmög­lich (kein Evangelium für die Gewerkschaften). Jesus möchte uns sagen: Bei unserem Gott kommt es nicht darauf an, was einer leistet und was einer vorzuzeigen hat.

Ich weiß noch, als ich ein Kind war, da hat ein Geistlicher zu diesem Evangelium gepredigt, er sagte: „Ja, der in der letzten Stunde kam, war so fleißig, dass er in einer Stunde so viel gearbeitet hat wie die Anderen in zwölf Stunden.“ Damit ist er dem aus dem Weg gegangen, was hier gesagt ist: Gott ist nicht so wie wir Menschen. Es kommt nicht darauf an, wieviel einer an Leistung bringt, sondern es kommt nur auf eines an: Irgendwann, und wäre es in der letzten Stunde, in SEINEN Weinberg zu gehen.Es kommt darauf an, zu diesem Gott hinzugehen, bei IHM sein zu wollen, auch wenn ER s o o o „ungerecht“ ist, auch wenn ER dem Letzten so viel gibt wie dem Ersten.

Sich mit diesem Gott abfinden, IHN annehmen und akzeptieren, das ist es!

Der Lohn, sozusagen der Leistungslohn, die Theologie sagt Gnadenlohn, besteht darin, dass ich diesen Gott und SEINE Liebe, menschlich ge­sehen, SEINE unmögliche Liebe, annehme. Und das verändert mich. Wenn ich ja sagen kann, zu diesem Gott, dann werde ich infiziert mit dieser göttlichen Liebe, und dann werde ich auch zu Menschen anders sein können als wenn ich diesen Gott nicht annehme.

Wenn ich dieses Evangelium lese, werde ich immer erinnert an eine Begebenheit in meiner Kindheit. Ich war noch ganz klein. Mein um drei Jahre älterer Bruder und ich haben unserer Tante im Garten ausgrasen geholfen. Meine Tante hat gesagt: Wer ihr einen Kübel voll Unkraut bringt, bekommt ein Zehnerl. Mein Bruder – sehr fleißig ­- hat schnell sein Küberl voll gehabt.und hat es bei der Tante ab­geliefert. Ich – nicht so fleißig –  habe nichts zusammengebracht. Ich habe dann nur eine Blume abgezupft und sie meiner Tante ge­schenkt. Und siehe da, meine Tante war so gerührt und hat mir auch ein Zehnerl geschenkt. Mein Bruder hat sich nicht beschwert, aber eine gewisse Betroffenheit war schon in seinen Zügen zu lesen; schließlich hat er ehrlich gearbeitet, und ich habe nur eine Blume gebracht.

Wenn wir uns jetzt noch ein bisschen in die Arbeiter hineindenken. Sie stehen müßig da, weil sie niemand gezwungen hat. Es scheint so, dass ein Mensch erst ansprechbar wird für Gott, wenn er irdisch ge­sehen irgendwann scheitert; scheinbar geht es nicht ohne diese irdische Frustra­tion.

Vielleicht ist es eine Hilfe, wenn wir uns mal irdisch recht frustriert fühlen und uns das Leben sehr besch…eiden vorkommt, dass wir sehen, das ist eine Stunde, wo      ER ,unser Gott, unter­wegs ist, wo uns der Gutsbesitzer anspricht und sagt: Komm, komm zu mir, ich brauche Dich! Du bist enttäuscht in dieser Welt, die Men­schen brauchen dich vielleicht nicht: Geh zu mir in meinen Weinberg!“

Und die von uns, die sich ein Leben lang geplagt haben als Christen, die Verzichte geleistet haben, usw., und sich in diesem Leben bemüht haben im Glauben, die haben doch auch etwas gehabt davon, weil sie doch den ganzen Tag im selben Weinberg waren. Wir haben in SEINER Liebe unsere Identität gefunden. Wir haben in SEINER Liebe die Kraft gefunden, mit dieser Welt so umzugehen, dass wir auch hier und jetzt schon zutiefst glück­lich sein können. Wir sind doch nicht die Betrogenen!

 

Zuletzt noch zur Frage die immer wieder kommt: Ja, werden dann die Bösen nicht bestraft? Ich habe schon den Kindern in der Schule nie gelernt, dass Gott das Böse bestraft. Ich habe immer ins Heft schreiben lassen: Gott hat es so eingerichtet, dass das Böse mit sich selbst bestraft ist – wie Goethe in seiner tiefen Schau der Wirklichkeit schon sagen kann: „Alle Schuld rächt sich auf Erden.“

 Wir brauchen keine Angst haben, dass wir zu kurz kommen, wenn wir uns diesem liebenden Gott ausliefern. Gerade, wenn wir um Menschen bangen, die diesen Gott nicht kennen, gibt es uns auch viel Trost, dass auch der, der in der letzten Stunde in SEINEN Wein­berg geht, und wenn es die Todesstunde wäre, den „Lohn“ bekommt (wo wir als Außen­stehende nicht mehr beobachten können, wie diese Begegnung mit Gott aussieht)

Wir wissen aber, Gott hört nie auf zu sagen: „Komm auch Du in meinen Weinberg!“ ER wird auch für den Letzten den Denar haben, das Reich Gottes, SEINE unergründliche, unendliche Liebe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Lesung: Nehemia 8, 2-4.5-6.8-10
  2. Lesung: 1 Korinther 12, 12-30

Evangelium: Lukas 1, 1-4;4, 14-21

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Ich begrüße Sie herzlich zum 3. Sonntag im Jahreskreis! In der Lesung weist uns der Apostel Paulus darauf hin, dass wir alle  E I N E R  sind, der Leib Christi, jeder mit seinen Fähigkeiten, mit seinen Gaben, die Aufgaben sind.

Im Evangelium zeigt uns Lukas sein Anliegen, warum er das Evangelium geschrieben hat und auch, was die Sendung Jesu eigentlich ist.

 

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Das Evangelium heute greift eine schwierige Situation auf, die wir gerade in unserer Zeit wieder vorfinden:

Woher bekommen wir die Gewissheiten unseres Glaubens? Wo finden wir sie? Wir werden feststellen, dass wir, die wir noch Vorstellungen haben wie vor fünfzig Jahren, umdenken müssen, um die eigentliche Botschaft, das Eigentliche, was Jesus gebracht hat, nicht zu verlieren.

Es geht hier um die historische Zuverlässigkeit der Berichte über das Leben Jesu. Da sagt uns die heutige Wissenschaft, dass wir über die praktisch historische Zuverlässigkeit im Neuen Testament nichts finden. Wie ich im Studium war, da war die große Problematik, ob es Jesus überhaupt gegeben hat, ob wir nicht nur den Jesus des Glaubens, den literarischen Jesus haben; das ist überwunden. An der historischen Wirklichkeit Jesu zweifelt heute niemand.

 

Aber, wer war dieser Jesus?

Historisch gesehen war ER wohl mehr als nur dieser Ausschnitt, den uns die Evangelien zeigen.

Die Sprachforscher, die aramäisch, jüdisch, hebräisch beherrschen, die sagen, das Thomasevangelium ist eines der ältesten Schriften, es zeigt uns Jesus als Weisheitslehrer, der in Sequenzen, in Versen gesprochen hat, die man auswendig lernen kann, damit SEINE Jünger SEINE Lehre weitergeben können.

Als ich vor ca. dreißig Jahren den Auftrag bekam, diese neuen biblischen Ergebnisse der Lehrerschaft, die Religionsunterricht geben, zu vermitteln, war das äußerst schwierig.

„Ja, wenn das alles nicht mehr stimmt, wenn das Jesus nicht wortwörtlich gesagt hat, ja dann geben wir keinen Religionsunterricht, keinen Bibelunterricht mehr.

In meiner Kinderzeit hat man noch gelernt, dass den Jonas der Walfisch gefressen und dann wieder ausgespuckt hat. Das ist mir zum Verhängnis geworden, weil ich das so nicht glauben konnte, dass Jonas, der im Bauch des Walfisches war, das Beten angefangen hat. Doch mir hat der Religionslehrer – ich habe ihm längst verziehen – gesagt: „Das musst Du glauben, das ist Wort Gottes. Wenn Du das nicht glaubst, dass der Walfisch den Jonas gefressen hat und dass der im Bauch gebetet hat und dann nach drei Tagen wieder ans Land kam, dann hast Du eine Todsünde.“

Ich habe es immer wieder gebeichtet, weil ich den Jonas nicht glauben konnte. Dann habe ich im Lexikon auch noch gelesen, dass der Walfisch so einen engen Schlund hat wie ein Mensch, dass da kleine Krebse durchgehen können, aber nie ein unzerkleinerter Prophet.

Und der Beichtvater hat gesagt: „Wenn Du das nicht glaubst, kann ich Dir nicht mehr die Absolution erteilen“ (in welchen Zwängen muss der gewesen sein). Das war für mich Verdammung; ich habe den Jonas nicht glauben können.

Dass das eine Lehrgeschichte ist, wo man sagen muss: Stell dir das mal vor, da musste ein Prophet lernen, dass Gott die Leviten auch mag, dass ER jeden mag, der sich bekehrt und liebend wird, bildlich gesprochen, dass er einen Prozess durchmacht, verschlungen wird, dann in die Finsternis, ins Unheil kommt, bis er dann geläutert durch diese Prozesse kapiert, dass Gott die Liebe ist – eine wunderbare Geschichte.

 

Ein Kurskollege von mir hat seine Probekatechese gehalten über den Jonas und hat in diesem Sinn gesprochen, und das war vor 40 Jahren. Dann haben die Professoren einen Rat abgehalten, ob man ihn als Ungläubigen entlassen müsste. Aber er ist heute noch ein sehr aufgeschlossener Priester und Pfarrer.

Und so ist es heute das Eigentliche, das Tiefe, das Innere, das Unvergängliche, das uns in diesen Sinngestalten nahegebracht wird. Wenn uns das aufgeht, dann ist es nicht mehr wichtig, ob es genauso historisch geschehen ist wie es da steht.

 

Und jetzt kommt Einer und sagt, bei Lukas steht doch genau: „Ich habe mich entschlossen, allem von Anfang an nachzuforschen, um es der Reihe nach aufzuschreiben, und so kannst du dich auf mich verlassen.“ Es waren Überlieferungsstücke, Erzählungen, Erinnerungen, und jeder, der ein Buch schreibt, der braucht eine Gliederung, wie er alles zusammenbaut, damit der Leser möglichst gut auf das Eigentliche kommt.

 

 

 

 

Und was aber Lukas zeigen möchte, geschieht im Innern des Sprachlichen, wo der Prophet sagt: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den  Gefangenen (das sind die Eingesperrten, die mit sich und anderen innerlich und äußerlich Eingesperrten) die Freiheit zu bringen, den Blinden das Augenlicht (der Durchblicke eröffnet, der Zusammenhänge vermittelt, der möglich macht, alles einzuordnen, der es möglich macht, mit seinem Leben mit den vielen Rätseln zu leben und umzugehen und einfach, der die Zerschlagenen, die Kaputten wieder richtet, repariert).“  Das will er zeigen.

Man hat auch zur Zeit Jesu gedacht, der Messias müsste politisch sein, wie David, so wie David es für kurze Zeit fertiggebracht hat, ein Friedensreich aufzubauen. Jesus soll die Römer vertreiben, ER soll die Herrschaft, das Etablissement der Schriftgelehrten und Pharisäer, durchbrechen. Auf dieser Ebene, irdisch gesehen, ist Jesus total gescheitert. Und nun sagen heute auch die Wissenschaftler, wollte man die Glaubensgewissheit auf historische Daten festlegen, dann würde das Christentum das dritte Jahrtausend nicht überstehen. Würde man nicht sozusagen die inneren Wirklichkeiten, das, was Jesus uns bedeutet, das Unvergängliche in die Gegenwart bringen, dann könnte es uns im Leben auch nicht mehr tragen. Dann sind wir dauernd mit unserem Glauben dem Streit der Wissenschaftler ausgesetzt, die heute das reden und morgen was Anderes, dann muss man sich in einem Jahr ein paarmal umstellen.

 

So kommt jetzt ein Wort – da ist das Entscheidende drin, wenn Lukas schreibt:

„Jesus kehrte von der Kraft des Geistes erfüllt zurück.“

Das ist SEINE innere Erfüllung mit Gott, mit der Botschaft von der Liebe Gottes. Und so zeigt uns gerade Lukas Jesus als den Heiland der Armen, der in der Kraft der Liebe verbindet und offenbar macht, wie die Menschen befreit und erlöst werden können.

Wenn wir die frohe Botschaft als Lebenskraft erfahren wollen, als eine Kraft, die uns im Leben trägt, auch wenn äußerlich alles schiefgeht, die uns trägt in der Krankheit, durch die Krankheit, in der Armut und in unserer Schuld, in unserer Zerrissenheit, unserer Schwachheit, wenn das aufgeht, in unserem ganzen Bewusstsein aufgeht, dann trägt es unser Leben.

 

Nun kommen wir wieder auf das, worum wir uns ja dauernd bemühen:

Gott liebt dich immer, bedingungslos, unverlierbar, und die Anderen auch.

Und das ist die Fülle der Zeit, die Erfüllung unserer Sehnsucht, die auch, wie Augustinus sagt, als unerfüllte Sehnsucht in jedem Menschen verborgen ist. Das, wonach du dich sehnst, das gab es immer und das gibt es, und darum ist Gott Mensch geworden, damit das ganz menschlich sichtbar und erfahrbar wird.

 

 

Hängt euch doch nicht fest an dem Äußeren, das sind Vorstellungshilfen, damit das Innere aufgehen kann und euch tragen kann; das ist eben Mystik. Und das meint das viel zitierte Wort von Karl Rahner: „Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein.“

So versteht es auch Jesus, er zitiert Jesaja: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen.“ Und wenn Jesus sagt, das ist heute in Erfüllung gegangen, das mag vielleicht anmaßend klingen, aber es heißt, IHM ist bewusst, das, was ER zu bringen hat, ist kein menschliches Fabrikat, sondern das ist IHM gegeben, das ist die Kraft des Geistes.

„Der Geist des Herrn ruht auf IHM“, d.h., was ich euch sage, das ist mein Auftrag. Und so müsste eigentlich jedem Religionslehrer, Priester, Pfarrer bewusst sein, dass er nicht seine eigenen Aggressionen oder Probleme auszuschütten hat, wenn er von Gott redet, sondern dass er das, was der Geist durch Jesus geoffenbart hat, zu vermitteln hat so gut es geht, so dass ich ganz ehrlich sagen müsste, ich will ja nicht meine Weisheit vortragen, sondern das, wovon ich sagen kann, das trägt mein Leben, ich bin davon überzeugt. Dann kommt der Einzelne dazu, der aus seiner Lebenserfahrung heraus sagen kann, so wie Paulus einfach sagt: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe“ – es ist nicht mein Gebilde, was ich weitergebe.

 

Dass das sichtbar wird, dass es nicht so schwierig ist, ein kleines Beispiel:

Es ist ein Beispiel, wie eine Legende tiefste Wahrheit enthält. Mir hat bei einer Tagung jemand erzählt von einer Weihnachtspredigt. Eine ganz kurze Geschichte, in der alles gesagt ist, was Jesus bringt. Das ist die Geschichte, die Geschichte vom Wolf, der das Jesuskind fressen wollte:

Es ist die Heilige Nacht auf den Fluren von Bethlehem: Die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf sie, und der Wolf kommt wie jede Nacht zur Herde und holt sich ein Lämmlein, so als Nachtessen. Und dann ist der Wolf jetzt da auf den Fluren von Bethlehem, und dann fragt er sich, was ist denn da heute los? Was ist da für eine Aufregung, und er horcht und er horcht, bis er hört von einem Kind, von einem neugeborenen Kind. Er denkt, uih, ein neugeborenes Kind, das wäre mal was Anderes als immer die langweiligen Lämmer. Das Kind im Stall hole ich mir. Und dann schleicht er sich wieder zurück, und wie es finster und ruhig ist, schleicht er sich an den Stall heran und alle schnarchen und schlafen schon. Nur vom Kind hört er noch einen Krächzer, das Kind ist also noch wach. Er wartet noch ein bisschen, und dann geht er an die Krippe hin und denkt: Ah, jetzt hab‘ ich’s! Er streckt seinen Kopf und macht sein Maul auf, und dann

streichelt das Kind seine Schnauze und krault ihn hinten am Kopf. Und auf einmal kann er das Kind nicht mehr fressen.

 

 

 

 

 

Und noch etwas geht in ihm vor, er merkt auf einmal wie sein Fell aufspringt, sein Wolfsfell zerreißt. Dann fällt ihm das ganze Fell ab, und dann steht da -der Mensch.

Der Pfarrer hat diese Geschichte als Weihnachtslegende gebracht, und die, die dabei war, hat mir erzählt, die Leute waren mäuschenstill. Kein Wort hat er sonst gesagt, weil jeder sieht in diesem Bild die tiefe Wahrheit, wie das Wolfshafte, die Aggressionen und das alles abfällt und wie durch diese Liebe, durch die bedingungslose Liebe, der Mensch zum Menschen wird.

So gibt es diese vielen, vielen Möglichkeiten zum Aufmerksam-Machen auf das Eigentliche, was sich in Jesus erfüllt hat, in der Geschichte, weil gerade das, was IHN erfüllt hat, der Geist Gottes durch IHN in unsere Welt unverlierbar über historische Vergänglichkeiten eingegangen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!