Strahlkraft

Lebendiges Gedankengut von Pfarrer Elmar Gruber e.V.

ELMAR GRUBERS PREDIGTEN

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: Predigten durch das Kirchenjahr)

VORWORT

Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  - seit dem 1. Advent 2019 (1. Dezember 2019) ist Lesejahr A.

Immer die aktuelle Predigt!

Inspiration für alle Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!

Auch als Predigt-Vorlagen!

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.

Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.

Danke, Helga! Ohne dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!

 

*   *   *

 

2. Advents-Sonntag A –

08. Dezember 2019

 

Predigt von Pfr. Elmar Gruber am 05.Dezember 2004

 

1. Lesung: Jes 11, 1-10 „ER entscheidet für die Armen, wie es recht ist.“                

2. Lesung: Röm 15, 4-9 „Christus rettet alle Menschen.“                                        

Evangelium: Mt 3, 1-12 „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“

 

Ich begrüße Sie herzlich zum heutigen 2. Advents-Sonntag!

Die heiligen Texte haben wieder eine Fülle von adventlichen Anregungen. Es kommt darauf an, dass Gott in uns ankommt – da ist ER ja immer, aber wann spüren wir, dass SEINE Nähe uns Kraft gibt?

Wir bitten den Herrn um SEIN Erbarmen, dass ER uns öffnet für SEIN Kommen.

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Aus dieser Fülle von Anregungen in den heutigen Texten wollen wir ver­suchen, einiges deutlicher ins Leben zu stellen. Schon die Stelle bei Jesaja 11 lässt uns aufhorchen, die Einheit der Gegensätze: „Wenn Wolf und Schaf mitsammen in dir wohnen, wenn der Löwe Stroh frisst“, so wird der Friede, das Reich Gottes dargestellt – die Einheit der Gegensätze, und darin liegt auch die Zumutung, dass wir immer wieder heraus­gefordert werden durch die Gegensätze.

In jedem Menschenleben ist es so, dass wir immer wieder konfrontiert werden mit Wirklichkeiten, die wir in unserer Bequemlichkeit nicht wollen. Ich denke da an viele Ehe­-Beratungen: Ja, warum muss diese Frau gerade diesen Mann bekommen, warum muss dieser Mann gerade diese Frau bekommen? Das Gegenteil brauche ich, das mich herausfordert, so wie Hammer und Amboss. Wenn Menschen zusam­menkommen, die ganz gleich sind, dann ist das langweilig, da bewegt sich nichts. Oder wenn zwei Menschen beide aktiv sind, da wächst auch nichts, plus und minus müssen zusammenkommen. Wenn ein Mensch das allmählich einsieht, dann wird das, was zunächst als Zumutung empfunden wird, als selig empfunden werden. Also, haben wir keine Angst, wenn wir herausgefordert werden!

„Lass Wolf und Schaf“, diese beiden Kräfte, diese aktiven und passiven Kräfte, „mitsammen in dir woh­nen. (Diese Gedanken haben mich so bewegt, dass es ein Buchtitel geworden ist.)

Dann die vielen wichtigen Impulse im Evan­gelium: Dass ein Mensch, der Gott kennt und uns zuschaut, wie wir uns daneben benehmen, dass unsere ganze Gesellschaft in existenzielle Gefahr gebracht wird, dass da einer, der Gott kennt, auftritt und sagt: „Kehrt um!“ So geht es nicht weiter! Wo sind heute die Propheten, die sa­gen, so geht es nicht weiter? Die Autofahrer werden auch schon einmal bemerkt haben, wie man erschrickt, wenn man nicht aufgepasst hat, und plötzlich ist man in einer Sackgasse oder in einer Einbahnstraße. Nur gut, wenn ihn jemand darauf aufmerksam macht, bevor etwas passiert ist. Wir brauchen im Leben einen Regelverkehr.

Der Herr ist nahe,
ER ist in der Nähe!

Du läufst IHM ja dauernd davon. Ein Mensch rennt dauernd Gott davon, und Gott rennt ihm dauernd nach, und ER erreicht ihn nicht.

Umkehren, denn ER ist da, Begegnung kann stattfinden! Bereitet IHM den Weg!

Was auch verdient, um viel bedacht zu werden, ist: Der Herr, das Reich Gottes, ist nahe, ist in der Nähe. ER ist da, wo du in deinem Leben Nähe, Haut-Nähe erfährst; das sind die gott-haltigen Stellen.

Bereitet IHM den Weg! ER muss in die vielen Beziehungen, Gemeinschaften, Ar­beitsgemeinschaften, Wohngemeinschaften hinein.

Gott ist die Liebe, die auch den lieben kann, der mir auf die Nerven geht. Wenn wir mitsammen wieder weitermachen wollen, wo wir in der Gemeinschaft, in der wir leben, wieder gut weiterleben wollen, dann brauchen wir IHN. ER ist unsere Mitte, die uns verbindet, die unser Ziel ist und die Quelle aller Beziehungen. Bei Jesaja 41 ist die Kontraststelle zu lesen, wo nicht ich IHM den Weg bereite, sondern, wo ER in der Wüste den Weg bereitet, zu mir. Das ist eine Gegenbewegung. Ich muss mich auf IHN hin aufmachen, und ER ist unterwegs und legt den Weg, wie Jesaja sagt, dass wir uns begegnen können. Wie wir das machen, darüber müssen wir nachdenken. Johannes tauft in der Wüste, es kommen alle Menschen zu ihm, und er wird unruhig. Ihr meint, ihr könnt, wenn ihr euch schnell taufen lasst, dem Gericht entkommen. Ihr müsst gerichtet, geändert, repariert werden!

Man kann sich selber betrügen und immer wieder den Aufgaben des Lebens entgehen, sodass man wieder vorbeigeht und es nicht zur Begegnung kommt mit Gott.

So möchten wir mit diesen Worten wieder erinnern: Kehrt um! Bereitet dem Herrn den Weg! Das Reich Gottes ist nahe, es ist da!

ER weist uns den Weg.

Der Höhepunkt ist: Ich bin der Weg! ER ist schließ­lich der Weg. Diesen Weg müssen wir gehen, dass wir SEIN Prinzip, das Prinzip der Liebe, wieder neu in unserem Leben ver­wirklichen.

 

3. Adventsonntag A –

15. Dezember 2019

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 13. Dezember 1992

 

1. Lesung: Jes 35,1-6a.10 „Gott selbst wird kommen und euch erretten.“

2. Lesung Jak 5, 7-10 „Macht euer Herz stark, denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor.“

Evangelium: Mt 11,2-11Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“

 

Ich begrüße Sie herzlich zum 3. Advents-Sonntag! Es ist der Sonntag Gaudete, der unter dem Zeichen der Freude steht. Am letzten Sonntag hat uns der Prophet gesagt, „bereitet den Weg des Herrn in der Wüste.“ Heute sagt er uns, „die Wüste soll sich freuen, denn sie wird blühen.“

Wenn wir daran denken, was wir der Freude und der Liebe der vergangenen Woche wieder Steine in den Weg gelegt haben, dann werden wir wieder Grund haben, den Herrn um SEIN Erbarmen zu bitten, und das tun wir jetzt im Kyrie.

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Die Texte des heutigen dritten Advents-Sonntags führen uns tiefer hinein in die Wirklichkeit des Wartens. Und so wollen wir uns diese Frage stellen, auf wen, auf was, warten wir und müssen dazu sagen, auf was warten wir eigentlich noch?

Der Jesaja-Text macht uns voll Freude, wenn die Wüste blüht.

„Die Augen der Blinden werden geöffnet, die Tauben hören wieder, der Lahme springt wie ein Hirsch, ….“ Die ewige Freude ruht auf den Häuptern.

Wenn man die Nachrichten am Fernseher anschaut, dann sagt man, ist doch alles Unsinn, das gibt es doch nicht. Wo blüht denn die Wüste?

Und nun diese konkrete Frage: Hat denn Jesus etwas geändert in unserem Leben? Man sieht, wie der Hass überall auflodert und wie die friedensgewillte Menschheit und Völkergemeinschaft ohnmächtig ist, den Hass politisch zu beenden.

(In Syrien, Mali – vielleicht gelingt da etwas?)

 

Auf was .warten wir eigentlich?

Ja, auf den Frieden, auf das Paradies. Aber wie soll das kommen, wer bringt es uns? Die gläubigen Juden warten heute noch auf den Messias, der die Macht von außen her verwirklicht und durchsetzt, was sie ersehnen.

 

Lassen wir diese Frage mal offen und schauen wir, was Jesus uns im Evangelium sagt. Zunächst ist es Johannes der Täufer, der diese Frage stellt: „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“

Und Jesus antwortet mit einem Zitat des Jesaja und sagt: „Ich bin der, von dem Jesaja träumt, ich bin der, von dem die Menschheit träumt.“  Und dann, wie die Boten des Johannes weg waren, redet Jesus über diesen Johannes den Täufer und nennt ihn den größten der Propheten, weil Johannes der Täufer der größte Bußprediger ist, auf alle Fälle im damaligen Erfahrungsbereich, und den Menschen so eindringlich sagt, was die Voraussetzung ist, damit der Messias überhaupt kommen kann. Und, was die Voraussetzung ist, dass man IHN überhaupt erkennen, IHN akzeptieren kann, das ist die Umkehr.

Ich habe letzten Sonntag darüber geredet.

Im Welt-Denken, im Bereich politischer Macht, gesellschaftlicher Macht, im Bereich des Wohlstandes wird der Messias nicht kommen, werden wir IHN nicht finden und nicht sehen können.

Aber wem Gott, der in Jesus offenbar geworden ist, nur ein wenig aufgegangen ist, was Gott ist, der ist größer als der Prophet, der zur Umkehr mahnt.

Umkehr und Buße sind die Voraussetzungen, aber das Eigentliche, was alles verändert, das kommt durch den Menschen, dem die Wirklichkeit Gottes aufgegangen ist, in dem sie ein wenig lebt.

Und so sind wir schließlich beim Ziel angelangt. Was ist das, was die Welt in dieser Richtung verändert, damit alle Belastungen nicht mehr belasten, der Hass in Liebe verwandelt wird, kurzum, die Wüste und die Wüsten unseres Lebens zu blühen beginnen?

Das ist der Mensch, durch den die radikale Liebe Gottes aufgeht und erfahrbar wird.Und wer sich dem zuwendet und bei wem die Macht Gottes einbricht in der ohnmächtigen, überwältigenden Macht der Liebe, dem wird aufgehen, dass Jesus der Messias ist.

Da haben wir auch wieder die Gegensätze, dass die stärkste Macht die Ohnmacht der Liebe ist. Aber sie kann nur dort die Wüsten zum Blühen bringen, wo der Mensch sich dieser ohnmächtigen, überwältigenden Macht der Liebe aussetzt.

 

Wir meinen immer, es müsste ohne uns gehen, dass die Welt erlöst wird, die Menschen erlöst werden, es geht nur mit uns, in dem wir auf diese Liebe eingehen.

Wir haben die Hoffnung, dass wir, die wir jetzt schon Christus erkennen dürfen, die wir jetzt schon wenigstens versuchen, auf SEINE Liebe einzugehen, dass wir wissen, am Ende, wenn im Tod alle der überwältigenden Macht der Liebe begegnen, dass dann alles vollendet sein wird.

 

Aber kehren wir wieder zurück in unsere Gegenwart:

Wenn einer überwältigt wird von dieser Ohnmacht der Liebe, vom Erlöser, bei dem fängt dann auch die Wüste zum Blühen an.

Wir haben die großen Beispiele in der Geschichte, die Heiligen. Wir haben große Menschen, die darauf eingegangen sind, wie zum Beispiel Mutter Theresa. Was ist das, was sie geschaffen hat? Sie sagt ganz einfach, ich habe nur versucht, die Bergpredigt zu tun. Es gibt auch in unserer Diözese Menschen, die das besondere Charisma haben, die erlösende Macht sichtbar zu machen.

Eine Mitarbeiterin, eine Katechetin aus unserer Diözese, hat dreieinhalb Jahre ihres Lebens mit Indios in Bolivien geteilt und hat mit ihnen in der Straße im Dreck gelebt. Jetzt war sie sechs Wochen in Kolumbien. Sie hat viel Grausames und Furchtbares erlebt.

Wir haben nicht alle dieses Charisma, die Wüste zum Blühen zu bringen. Doch wenn überall die kleinen „Wüsten“ unseres Lebens zu blühen beginnen, könnte man sich vorstellen, dass am Schluss die ganze Erde blüht.

Man kann es sich vorstellen. Ob das in dieser Weltzeit geschieht oder nicht, wissen wir nicht. Diese Frage bleibt offen.

Auf alle Fälle, die Zeichen der blühenden Wüste gibt es überall dort, wo wahrhaft liebende Menschen sind. Und das erfüllt uns mit der Hoffnung, dass am Ende alle Wüsten blühen.

 

 

 

 

 GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!