VORWORT
IDEAL IN DEN ZEITEN DES UKRAINE-KRIEGS, DES KLIMAWANDELS – DIESE WORTE GEBEN KRAFT UND HOFFNUNG!
VERKÜNDIGUNG VON GOTTES WORT DURCH DIE PREDIGTEN DES HOFFNUNG GEBENDEN PFARRERS ELMAR GRUBER
Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C – seit dem 1. Advent 2025 (30. November 2025) ist Lesejahr A.
Immer die aktuelle Predigt!
Inspiration für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!
Auch als Predigt-Vorlagen!
Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.
Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.
Danke, Helga! Ohne Dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!
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4. Fastensonntag A –
15. März 2026
Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 25.03.1990
1. Lesung:1 Sam 16, 1b, 6-7. 10-13b
2. Lesung: Eph 5, 8-14
Evangelium: Joh 9, 1- 41 „Der Blinde ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.“
Der 4. Fastensonntag ist der Sonntag “Laetare”, und das heißt ‚FREUE DICH!‘ So wird das Fasten heute ein wenig unterbrochen, damit wir die Freude spüren, die uns gerade auch das Fasten bringt.
Im heutigen Evangelium zeigt sich uns Jesus Christus als das Licht der Welt; wir selbst sind immer Finsternis.
Und in der Lesung aus dem Epheser-Brief meditiert das Paulus bereits: „Wir sind Finsternis, und durch IHN werden wir Licht.“
Predigt:
Liebe Schwestern und Brüder!
An den letzten drei Fastensonntagen wurde uns Jesus ganz praktisch gezeigt als der Erlöser unseres jetzigen Menschseins. Am letzten Sonntag hörten wir beim Evangelium, dass Jesus zur samaritischen Frau sagte: “Gib mir zu trinken! Wer von diesem Wasser trinkt, wird nicht mehr durstig sein.“ Jesus, das Wasser! Es ist das Wasser, das den Menschen zur Quelle macht.
Heute wird uns Jesus gezeigt als das „Licht“ – das Licht, das uns sehend macht, das unseren Körper fähig macht, das Ewige mit den Sinnen zu erfassen.
Nächsten Sonntag werden wir die Erzählung von der Erweckung des Lazarus hören, von Jesus, der lebendig macht. ER öffnet unsere Sinne. Das ist die Antwort auf die Frage, die heute so viele Menschen quält und lebensunfähig macht: “Was hat denn das Leben für einen Sinn?” Mit dem Sinn des Sehens wird es uns im heutigen Evangelium ganz einfach gezeigt. Wir haben diese irdischen Augen, damit wir so lange sehen lernen, bis wir Jesus als unseren Erlöser sehen. Der Blinde ist erst dann sehend, nicht bloß, wenn er die irdischen Dinge wieder sehen kann, sondern wenn er Jesus, den Gesandten, als den Messias sieht und erkennt. Wir können das in wissenschaftlicher Sprache gar nicht ausdrücken, was Erlösung für uns ist. Wir brauchen diese großen Hauptsymbole „Wasser“ – „Licht“ – „Wort“.
Jesus öffnet die Ohren, damit wir hören können, IHN hören können.
Jesus löst die Zunge, damit wir sprechen können, SEIN Wort sprechen können.
ER bringt uns das Licht, ER öffnet uns die Augen, damit wir sehen können.
Und es kommt noch etwas hinzu: ER macht uns selbst zum Licht.
Wenn wir es nochmal vergleichen mit dem Evangelium vom letzten Sonntag: ER bringt uns nicht nur das Wasser, von dem wir nie mehr durstig werden, ER macht uns selbst zur Quelle. ER macht uns zum Licht, dass wir in dieser Welt leuchten und Licht sind für die Menschen, die noch nicht sehen können. In SEINEM Licht können wir erkennen.
Wir sprechen auch in unserer Sprache in Metaphern: „Das Licht des Glaubens“ – „Das Licht der Vernunft“ – „Das Licht der Wahrheit“. Unsere sündige Natur verhindert, dass wir aus uns selbst heraus erkennen können. Wir haben das Licht nicht aus uns, wir müssen es uns schenken lassen. Wir müssen erst ans Licht kommen und zum Sehen gelangen. Das ist heute die Not der Menschen, dass sie nicht wissen oder wahrhaben wollen, dass wir das Licht, in dem wir den Sinn unseres Lebens erkennen können, nicht aus uns haben. Darin besteht die Erlösung, dass es dieses Licht gibt in dieser Welt und dass Christus dieses Licht ist, das Licht, in dem wir sehend werden. Und so wird unser irdisches Dasein – mit unserem ganzen körperlichen Befund – sinn-voll. Und wenn wir wieder die Frage stellen, worin denn dieses Licht besteht, wo uns die Augen aufgehen, wo wir erkennen, dann kommen wir wieder auf das Wesen des ganzen Jesus-Geschehens: Das Offenbar-Werden der Liebe Gottes zu den Menschen und zu SEINER Schöpfung.
Darin bestünde jetzt die praktische Aufgabe für uns, dass dieses Licht, das uns Jesus bringt, auch wirklich spürbar wird. Da müssen wir unsere alltäglichen Probleme in dieses Licht stellen. Auch wenn wir Vieles mit unserem Verstand nicht begreifen, wir können es trotzdem wagen, diese Unbegreiflichkeiten in SEIN Licht zu stellen. ER liebt uns, auch wenn wir das Leid nicht verstehen, auch wenn wir selbst uns gegenseitig oft nicht verstehen, wir stehen in SEINER Liebe. Von daher könnte dann in unsere Probleme Licht hineinkommen.
Wenn ich mit Menschen beisammen bin, die sich nicht verstehen, dann versuche ich ganz praktisch, nur einmal zu denken, ER liebt diesen Menschen (diesen Menschen, den ich jetzt ganz und gar nicht verstehe, ob es Kinder sind, die die Eltern nicht verstehen, oder umgekehrt, oder Partner, die sich einander nicht verstehen). Gott führt jeden Menschen auf seinem eigenen Weg; dann bringen solche Gedanken eine andere Einstellung zueinander. Diese Einstellung, das Sehen, das Hören, kann und muss man üben.
Im Evangelium sehen wir: Der Blinde muss selbst auch etwas tun. Jesus streicht ihm den Teig auf die Augen. Dann macht ER ihn zunächst einmal noch blinder. Dann muss er an den Teich gehen und sich waschen. Er muss auch das Seinige dazu tun, damit Christus, das Licht, ihn sehend machen kann. Das ist die Herausforderung an uns: Gott kann uns nicht ohne uns erlösen. Wir müssen auch das Unsere dazu tun, damit die Erlösung, die ER uns gebracht hat, in unserem Leben greift.
Die Frage ist: Haben wir Zeit für IHN, Zeit zur Betrachtung, Zeit, die Augen zu schließen, um in SEINEM Licht sehend zu werden? Oder machen wir unsere Sinne, die für das Ewige bestimmt sind, selbst kaputt, durch Konsum, Fernsehen, Video, Digitalisierung, usw.? Wir beobachten, dass der Mensch überhaupt keine Zeit mehr hat für sich selbst und dass er seine Sinne zerstört durch diese Konsumeinrichtungen. So wird auch da. das Fasten die Voraussetzung sein, dass uns Christus erleuchten kann.
So möge uns das heutige Evangelium ermuntern und ermutigen, dass wir in dieser Welt schon Sinn finden, Erlösung finden. Und zum Anderen soll es auch eine Ermutigung sein, das zu machen und zu tun, was machbar ist, dass wir uns Zeit für das Licht nehmen, damit wir entzündet werden können und selbst zum Licht werden für die Menschen, die noch mehr in Finsternis leben müssen, weil sie IHN noch nicht kennen.
- Lesung: Nehemia 8, 2-4.5-6.8-10
- Lesung: 1 Korinther 12, 12-30
Evangelium: Lukas 1, 1-4;4, 14-21
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Ich begrüße Sie herzlich zum 3. Sonntag im Jahreskreis! In der Lesung weist uns der Apostel Paulus darauf hin, dass wir alle E I N E R sind, der Leib Christi, jeder mit seinen Fähigkeiten, mit seinen Gaben, die Aufgaben sind.
Im Evangelium zeigt uns Lukas sein Anliegen, warum er das Evangelium geschrieben hat und auch, was die Sendung Jesu eigentlich ist.
Predigt:
Liebe Schwestern und Brüder!
Das Evangelium heute greift eine schwierige Situation auf, die wir gerade in unserer Zeit wieder vorfinden:
Woher bekommen wir die Gewissheiten unseres Glaubens? Wo finden wir sie? Wir werden feststellen, dass wir, die wir noch Vorstellungen haben wie vor fünfzig Jahren, umdenken müssen, um die eigentliche Botschaft, das Eigentliche, was Jesus gebracht hat, nicht zu verlieren.
Es geht hier um die historische Zuverlässigkeit der Berichte über das Leben Jesu. Da sagt uns die heutige Wissenschaft, dass wir über die praktisch historische Zuverlässigkeit im Neuen Testament nichts finden. Wie ich im Studium war, da war die große Problematik, ob es Jesus überhaupt gegeben hat, ob wir nicht nur den Jesus des Glaubens, den literarischen Jesus haben; das ist überwunden. An der historischen Wirklichkeit Jesu zweifelt heute niemand.
Aber, wer war dieser Jesus?
Historisch gesehen war ER wohl mehr als nur dieser Ausschnitt, den uns die Evangelien zeigen.
Die Sprachforscher, die aramäisch, jüdisch, hebräisch beherrschen, die sagen, das Thomasevangelium ist eines der ältesten Schriften, es zeigt uns Jesus als Weisheitslehrer, der in Sequenzen, in Versen gesprochen hat, die man auswendig lernen kann, damit SEINE Jünger SEINE Lehre weitergeben können.
Als ich vor ca. dreißig Jahren den Auftrag bekam, diese neuen biblischen Ergebnisse der Lehrerschaft, die Religionsunterricht geben, zu vermitteln, war das äußerst schwierig.
„Ja, wenn das alles nicht mehr stimmt, wenn das Jesus nicht wortwörtlich gesagt hat, ja dann geben wir keinen Religionsunterricht, keinen Bibelunterricht mehr. “
In meiner Kinderzeit hat man noch gelernt, dass den Jonas der Walfisch gefressen und dann wieder ausgespuckt hat. Das ist mir zum Verhängnis geworden, weil ich das so nicht glauben konnte, dass Jonas, der im Bauch des Walfisches war, das Beten angefangen hat. Doch mir hat der Religionslehrer – ich habe ihm längst verziehen – gesagt: „Das musst Du glauben, das ist Wort Gottes. Wenn Du das nicht glaubst, dass der Walfisch den Jonas gefressen hat und dass der im Bauch gebetet hat und dann nach drei Tagen wieder ans Land kam, dann hast Du eine Todsünde.“
Ich habe es immer wieder gebeichtet, weil ich den Jonas nicht glauben konnte. Dann habe ich im Lexikon auch noch gelesen, dass der Walfisch so einen engen Schlund hat wie ein Mensch, dass da kleine Krebse durchgehen können, aber nie ein unzerkleinerter Prophet.
Und der Beichtvater hat gesagt: „Wenn Du das nicht glaubst, kann ich Dir nicht mehr die Absolution erteilen“ (in welchen Zwängen muss der gewesen sein). Das war für mich Verdammung; ich habe den Jonas nicht glauben können.
Dass das eine Lehrgeschichte ist, wo man sagen muss: Stell dir das mal vor, da musste ein Prophet lernen, dass Gott die Leviten auch mag, dass ER jeden mag, der sich bekehrt und liebend wird, bildlich gesprochen, dass er einen Prozess durchmacht, verschlungen wird, dann in die Finsternis, ins Unheil kommt, bis er dann geläutert durch diese Prozesse kapiert, dass Gott die Liebe ist – eine wunderbare Geschichte.
Ein Kurskollege von mir hat seine Probekatechese gehalten über den Jonas und hat in diesem Sinn gesprochen, und das war vor 40 Jahren. Dann haben die Professoren einen Rat abgehalten, ob man ihn als Ungläubigen entlassen müsste. Aber er ist heute noch ein sehr aufgeschlossener Priester und Pfarrer.
Und so ist es heute das Eigentliche, das Tiefe, das Innere, das Unvergängliche, das uns in diesen Sinngestalten nahegebracht wird. Wenn uns das aufgeht, dann ist es nicht mehr wichtig, ob es genauso historisch geschehen ist wie es da steht.
Und jetzt kommt Einer und sagt, bei Lukas steht doch genau: „Ich habe mich entschlossen, allem von Anfang an nachzuforschen, um es der Reihe nach aufzuschreiben, und so kannst du dich auf mich verlassen.“ Es waren Überlieferungsstücke, Erzählungen, Erinnerungen, und jeder, der ein Buch schreibt, der braucht eine Gliederung, wie er alles zusammenbaut, damit der Leser möglichst gut auf das Eigentliche kommt.
Und was aber Lukas zeigen möchte, geschieht im Innern des Sprachlichen, wo der Prophet sagt: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den Gefangenen (das sind die Eingesperrten, die mit sich und anderen innerlich und äußerlich Eingesperrten) die Freiheit zu bringen, den Blinden das Augenlicht (der Durchblicke eröffnet, der Zusammenhänge vermittelt, der möglich macht, alles einzuordnen, der es möglich macht, mit seinem Leben mit den vielen Rätseln zu leben und umzugehen und einfach, der die Zerschlagenen, die Kaputten wieder richtet, repariert).“ Das will er zeigen.
Man hat auch zur Zeit Jesu gedacht, der Messias müsste politisch sein, wie David, so wie David es für kurze Zeit fertiggebracht hat, ein Friedensreich aufzubauen. Jesus soll die Römer vertreiben, ER soll die Herrschaft, das Etablissement der Schriftgelehrten und Pharisäer, durchbrechen. Auf dieser Ebene, irdisch gesehen, ist Jesus total gescheitert. Und nun sagen heute auch die Wissenschaftler, wollte man die Glaubensgewissheit auf historische Daten festlegen, dann würde das Christentum das dritte Jahrtausend nicht überstehen. Würde man nicht sozusagen die inneren Wirklichkeiten, das, was Jesus uns bedeutet, das Unvergängliche in die Gegenwart bringen, dann könnte es uns im Leben auch nicht mehr tragen. Dann sind wir dauernd mit unserem Glauben dem Streit der Wissenschaftler ausgesetzt, die heute das reden und morgen was Anderes, dann muss man sich in einem Jahr ein paarmal umstellen.
So kommt jetzt ein Wort – da ist das Entscheidende drin, wenn Lukas schreibt:
„Jesus kehrte von der Kraft des Geistes erfüllt zurück.“
Das ist SEINE innere Erfüllung mit Gott, mit der Botschaft von der Liebe Gottes. Und so zeigt uns gerade Lukas Jesus als den Heiland der Armen, der in der Kraft der Liebe verbindet und offenbar macht, wie die Menschen befreit und erlöst werden können.
Wenn wir die frohe Botschaft als Lebenskraft erfahren wollen, als eine Kraft, die uns im Leben trägt, auch wenn äußerlich alles schiefgeht, die uns trägt in der Krankheit, durch die Krankheit, in der Armut und in unserer Schuld, in unserer Zerrissenheit, unserer Schwachheit, wenn das aufgeht, in unserem ganzen Bewusstsein aufgeht, dann trägt es unser Leben.
Nun kommen wir wieder auf das, worum wir uns ja dauernd bemühen:
Gott liebt dich immer, bedingungslos, unverlierbar, und die Anderen auch.
Und das ist die Fülle der Zeit, die Erfüllung unserer Sehnsucht, die auch, wie Augustinus sagt, als unerfüllte Sehnsucht in jedem Menschen verborgen ist. Das, wonach du dich sehnst, das gab es immer und das gibt es, und darum ist Gott Mensch geworden, damit das ganz menschlich sichtbar und erfahrbar wird.
Hängt euch doch nicht fest an dem Äußeren, das sind Vorstellungshilfen, damit das Innere aufgehen kann und euch tragen kann; das ist eben Mystik. Und das meint das viel zitierte Wort von Karl Rahner: „Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein.“
So versteht es auch Jesus, er zitiert Jesaja: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen.“ Und wenn Jesus sagt, das ist heute in Erfüllung gegangen, das mag vielleicht anmaßend klingen, aber es heißt, IHM ist bewusst, das, was ER zu bringen hat, ist kein menschliches Fabrikat, sondern das ist IHM gegeben, das ist die Kraft des Geistes.
„Der Geist des Herrn ruht auf IHM“, d.h., was ich euch sage, das ist mein Auftrag. Und so müsste eigentlich jedem Religionslehrer, Priester, Pfarrer bewusst sein, dass er nicht seine eigenen Aggressionen oder Probleme auszuschütten hat, wenn er von Gott redet, sondern dass er das, was der Geist durch Jesus geoffenbart hat, zu vermitteln hat so gut es geht, so dass ich ganz ehrlich sagen müsste, ich will ja nicht meine Weisheit vortragen, sondern das, wovon ich sagen kann, das trägt mein Leben, ich bin davon überzeugt. Dann kommt der Einzelne dazu, der aus seiner Lebenserfahrung heraus sagen kann, so wie Paulus einfach sagt: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe“ – es ist nicht mein Gebilde, was ich weitergebe.
Dass das sichtbar wird, dass es nicht so schwierig ist, ein kleines Beispiel:
Es ist ein Beispiel, wie eine Legende tiefste Wahrheit enthält. Mir hat bei einer Tagung jemand erzählt von einer Weihnachtspredigt. Eine ganz kurze Geschichte, in der alles gesagt ist, was Jesus bringt. Das ist die Geschichte, die Geschichte vom Wolf, der das Jesuskind fressen wollte:
Es ist die Heilige Nacht auf den Fluren von Bethlehem: Die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf sie, und der Wolf kommt wie jede Nacht zur Herde und holt sich ein Lämmlein, so als Nachtessen. Und dann ist der Wolf jetzt da auf den Fluren von Bethlehem, und dann fragt er sich, was ist denn da heute los? Was ist da für eine Aufregung, und er horcht und er horcht, bis er hört von einem Kind, von einem neugeborenen Kind. Er denkt, uih, ein neugeborenes Kind, das wäre mal was Anderes als immer die langweiligen Lämmer. Das Kind im Stall hole ich mir. Und dann schleicht er sich wieder zurück, und wie es finster und ruhig ist, schleicht er sich an den Stall heran und alle schnarchen und schlafen schon. Nur vom Kind hört er noch einen Krächzer, das Kind ist also noch wach. Er wartet noch ein bisschen, und dann geht er an die Krippe hin und denkt: Ah, jetzt hab‘ ich’s! Er streckt seinen Kopf und macht sein Maul auf, und dann –
streichelt das Kind seine Schnauze und krault ihn hinten am Kopf. Und auf einmal kann er das Kind nicht mehr fressen.
Und noch etwas geht in ihm vor, er merkt auf einmal wie sein Fell aufspringt, sein Wolfsfell zerreißt. Dann fällt ihm das ganze Fell ab, und dann steht da -der Mensch.
Der Pfarrer hat diese Geschichte als Weihnachtslegende gebracht, und die, die dabei war, hat mir erzählt, die Leute waren mäuschenstill. Kein Wort hat er sonst gesagt, weil jeder sieht in diesem Bild die tiefe Wahrheit, wie das Wolfshafte, die Aggressionen und das alles abfällt und wie durch diese Liebe, durch die bedingungslose Liebe, der Mensch zum Menschen wird.
So gibt es diese vielen, vielen Möglichkeiten zum Aufmerksam-Machen auf das Eigentliche, was sich in Jesus erfüllt hat, in der Geschichte, weil gerade das, was IHN erfüllt hat, der Geist Gottes durch IHN in unsere Welt unverlierbar über historische Vergänglichkeiten eingegangen ist.
GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!