Strahlkraft

Lebendiges Gedankengut von Pfarrer Elmar Gruber e.V.

ELMAR GRUBERS PREDIGT ZUM NÄCHSTEN SONNTAG ODER FEIERTAG – IMMER AKTUELL!

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: PREDIGTEN DURCH DAS KIRCHENJAHR)

VORWORT

IDEAL IN DEN ZEITEN DES UKRAINE-KRIEGS, DES KLIMAWANDELS  – DIESE WORTE GEBEN KRAFT UND HOFFNUNG!

VERKÜNDIGUNG VON GOTTES WORT DURCH DIE PREDIGTEN DES HOFFNUNG GEBENDEN PFARRERS ELMAR GRUBER

Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  – seit dem 1. Advent 2025 (30. November 2025) ist Lesejahr A.

Immer die aktuelle Predigt!

Inspiration für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!

Auch als Predigt-Vorlagen!

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.

Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.

Danke, Helga! Ohne Dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!

 

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19. Sonntag A

09. August 2026

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 8. August 1993

 

  1. Lesung: 1 Kön 19, 9a.11 -13a  
  2. Lesung: Röm 9, 1-5                                                                                                                                                                                                                                                                     Evangelium: Mt 14, 22-33

 

 

Ich begrüße Sie herzlich zur Feier des 19. Sonntags im Jahreskreis! Der heutige Sonntag schenkt uns kostbare Texte des Vertrauens und der Ermutigung.

Wir bitten den Herrn, dass ER unser Herz öffnet, damit die Kraft dieser Texte uns erreicht. Wir werden immer wieder feststellen, dass wir selbst daran schuld sind, wenn uns die Frohe Botschaft nicht froh macht.

Herr Jesus Christus, unsere Angst und unser Zweifel sind oft größer als unser Vertrauen. Wir klammern uns immer wieder an falsche Sicherheiten, die nicht tragen. Wir können oft nicht glauben, dass Du uns auch in den Stürmen des Lebens begegnest und nahe bist.

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Immer wieder hören wir diese ergreifenden Geschichten. Man kann Gott immer und überall begegnen, und Gott begegnet uns immer und überall. Das ist sozusagen die Einleitung aus dem Buch der Könige in der Erzählung des Propheten Elija. Er findet Gott im „Säuseln des Windes“, also nicht im Sturm, nicht im Erdbeben, nicht im Feuer, also nicht in den großen, gewaltigen, elementaren Zeichen, sondern in dem ganz Sachten, Sanften, Stillen, das auch zum Leben gehört. Das soll uns einmal ermutigen, wenn wir Gott suchen, dass wir IHN da suchen, wo wir gerade sind – ob es im Sturm ist oder im Säuseln des Windes.

Diese Thematik „Gott begegnen“ wird nun im Evangelium verdichtet. In dieser großartigen Geschichte, wo Gott uns in Jesus begegnet, scheint es, dass Jesus diese Begegnung vorbereitet, in dem ER die Jünger wegschickt. ER will ihnen einmal auf ganz andere, ungewöhnliche, ja gerade gespenstische Weise begegnen. Und so geschieht es. Sie sind allein, sie haben die Gegenwart Jesu nicht im Gespür und kommen in Seenot. Sie werden hin und her geschüttelt. Das kann man übrigens mit Kindern gut spielen, zeigen, wie das ist, wenn man hin und her gebeutelt wird. Da kommt man drauf, dass so das Leben ist. Man möchte steuern, und es geht auf einmal nichts mehr. Da kommen stärkere Mächte, und es beutelt einen, und man bekommt Angst, weil man das Leben nicht mehr im Griff hat. Und da geschieht es, dass etwas von außen her sich ereignet – genau da, wo es drunter und drüber geht. Das Wasser ist hier Symbol des Unheils, der Vernichtung. Und gerade da, wo die Vernichtung droht, da kommt etwas Anderes vor, etwas so Ungewöhnliches, dass man meint, es ist ein Gespenst. Und das macht die Angst noch größer. Wir können daraus lernen, wenn wir im Leben einmal ganz große Angst haben, dass das dann die unmittelbare Vorstufe sein kann, dass dann das Wort ergeht: „Hab Vertrauen, ich bin es!“ Wir brauchen keine Angst vor der Angst haben, denn in der Angst offenbart sich das Entgegenkommen Gottes.

Nun ist es Petrus, der uns in den Geschichten des Neuen Testamentes als der Emotionsgeladene gezeigt wird, der sofort begreift: „Ja, das ist der HERR, und wenn ich wittere, es ist ER, dann gibt es nichts Anders mehr als hin zu IHM!“ An sich ist das die Lösung aller Lebensprobleme: Herr, wenn DU es bist, dann mach, dass ich zu DIR kommen kann!“

Und dann kommt das erlösende Wort, das auch uns in den Stürmen erlöst, wenn wir es hören können: „KOMM!“ Petrus steigt aus. Er verlässt das Boot, alle menschlichen Sicherheiten, die ein Boot im Sturm bieten kann. Er wagt es, auf das Wasser, mitten ins Unheil, in den Sturm, hineinzugehen, weil er ahnt, ER ist drin, und da muss ich hin. Aber wie es dann so zugeht, Zweifel überkommt ihn (wenn man so sieht, wie es zugeht in der Kirche, kriegen manche auch Zweifel), schreit er: „Herr, wenn DU es bist, rette mich!“ Und ER streckt SEINE Hand aus und rettet ihn. Und wie sie im Schiff sind, wie ER wieder da ist, kehrt die Ruhe wieder ein.

Wir brauchen halt den Mut zu glauben, dass uns Gott überall begegnen kann und dass uns Christus rettet – nicht an den Turbulenzen unseres Lebens vorbei, sondern durch die Turbulenzen unseres Lebens hindurch. Wir, weil wir bequem sind, wollen immer außen herumschwimmen. Doch SEINE Kraft erweist sich ja gerade dort, wo alles das, was uns tragend erscheint, zusammenbricht.

Nun kann diese Geschichte gerade die Menschen ermutigen und trösten, die in turbulenten Lebenssituationen sind, die hin und her gerissen werden. Man hat immer schon die Bootsgeschichten im Neuen Testament als die Symbole für die Kirche erachtet. Und da müssen wir diese Geschichte, wo Petrus aussteigt, um zu Jesus zu kommen, als Kontrast-Geschichte sehen zu der anderen Seesturm-Geschichte, wo Jesus im Boot schon drinnen ist, wo man es bloß nicht merkt, wo ER schläft. Wenn wir diese zwei Geschichten nehmen, dann kann es sein, dass ich einmal aussteigen muss, um bei IHM zu sein und ein andermal drinnen bleiben muss, um bei IHM zu sein und IHN nicht zu verlieren. Was jetzt in meiner Lebenssituation notwendig ist, auszusteigen oder drinnen zu bleiben, das kann nur der Einzelne selbst, in seinem Hunger nach Gott, in seiner Sehnsucht nach Jesus, entscheiden.

Und so ist es auch die Kirche, die immer gebeutelt wird. Es wird auch an mich die Frage oft gestellt, die man nur ganz persönlich beantworten kann. Und diese Frage heißt: „Kann man in dieser Kirche, die so ist wie sie ist, Jesus heute noch begegnen? Kann man IHN finden? Muss man aussteigen? Muss man drinbleiben?“ Diese Fragen muss jeder für sich beantworten. Wenn mich jemand so fragt, nämlich, ob man kann, ­muss ich die Gegenfrage stellen: „Können Sie…?“ Dann kommt sofort die nächste Frage: „Ja, können Sie Christus in der Kirche finden?“ Darauf antworte ich: „Ja, natürlich, sonst wäre ich nicht drin. Ich brauche ja nicht immer auf die Zeichen schauen, in denen Christus nicht sichtbar wird, sondern ich kann auf die Persönlichkeiten schauen, auf die großen und kleinen Gestalten, die SEINE Liebe verwirklichen. Ich denke da an den Heiligen Franziskus, Vinzenz von Paul und als Religionslehrer ganz besonders an Don Bosco. Und ich denke auch an die vielen Menschen in Deutschland, das sind eine halbe Million, die ehrenamtlich aus Liebe im Sozialdienst arbeiten und viele kleine Dienste verrichten.“ Ein evangelischer Bischof hat über die ehemalige DDR gesagt, dass die Gesellschaft und der Staat die Krankenhäuser, Kindergärten, Altenheime, alles, der Kirche zugeschoben haben, aber nicht wegen des Geldes, sondern weil es da Menschen gibt, die noch aus Idealismus, aus Liebe, pflegen und nicht nur als bezahltes Pflegepersonal. Und wenn ich sage, dass ich an die Kirche glaube, dann heißt das nicht, dass ich an eine Kirche glaube mit einer turbulenzfreien Institution, sondern dass ich sehe und erlebe, dass dieser Jesus immer Menschen eint und zusammenführt, eine Gemeinschaft bildet, in der ER lebt, in der ER die Ruhe ist. Aber der Trost und das, was mich trägt, ist nicht die Institution, sondern das, was mich trägt, ist Christus.

Und so wird man heute sagen müssen: Wer der Kirche seinen Dienst erweist, Priester werden will, ins Ordensleben eintreten will, der braucht eine ganz starke Christus-Beziehung, die ihn trägt. Und dann wird auch alles Andere sich daraus ergeben und wird sich auch der äußere Bereich wandeln im Sinne der Liebe Christi. Und das ist ja unsere Hoffnung.

Also: Keine Angst vor den Stürmen und vor den Turbulenzen! Habt Vertrauen, ICH bin es, immer noch und immer wieder!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Lesung: Nehemia 8, 2-4.5-6.8-10
  2. Lesung: 1 Korinther 12, 12-30

Evangelium: Lukas 1, 1-4;4, 14-21

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Ich begrüße Sie herzlich zum 3. Sonntag im Jahreskreis! In der Lesung weist uns der Apostel Paulus darauf hin, dass wir alle  E I N E R  sind, der Leib Christi, jeder mit seinen Fähigkeiten, mit seinen Gaben, die Aufgaben sind.

Im Evangelium zeigt uns Lukas sein Anliegen, warum er das Evangelium geschrieben hat und auch, was die Sendung Jesu eigentlich ist.

 

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Das Evangelium heute greift eine schwierige Situation auf, die wir gerade in unserer Zeit wieder vorfinden:

Woher bekommen wir die Gewissheiten unseres Glaubens? Wo finden wir sie? Wir werden feststellen, dass wir, die wir noch Vorstellungen haben wie vor fünfzig Jahren, umdenken müssen, um die eigentliche Botschaft, das Eigentliche, was Jesus gebracht hat, nicht zu verlieren.

Es geht hier um die historische Zuverlässigkeit der Berichte über das Leben Jesu. Da sagt uns die heutige Wissenschaft, dass wir über die praktisch historische Zuverlässigkeit im Neuen Testament nichts finden. Wie ich im Studium war, da war die große Problematik, ob es Jesus überhaupt gegeben hat, ob wir nicht nur den Jesus des Glaubens, den literarischen Jesus haben; das ist überwunden. An der historischen Wirklichkeit Jesu zweifelt heute niemand.

 

Aber, wer war dieser Jesus?

Historisch gesehen war ER wohl mehr als nur dieser Ausschnitt, den uns die Evangelien zeigen.

Die Sprachforscher, die aramäisch, jüdisch, hebräisch beherrschen, die sagen, das Thomasevangelium ist eines der ältesten Schriften, es zeigt uns Jesus als Weisheitslehrer, der in Sequenzen, in Versen gesprochen hat, die man auswendig lernen kann, damit SEINE Jünger SEINE Lehre weitergeben können.

Als ich vor ca. dreißig Jahren den Auftrag bekam, diese neuen biblischen Ergebnisse der Lehrerschaft, die Religionsunterricht geben, zu vermitteln, war das äußerst schwierig.

„Ja, wenn das alles nicht mehr stimmt, wenn das Jesus nicht wortwörtlich gesagt hat, ja dann geben wir keinen Religionsunterricht, keinen Bibelunterricht mehr.

In meiner Kinderzeit hat man noch gelernt, dass den Jonas der Walfisch gefressen und dann wieder ausgespuckt hat. Das ist mir zum Verhängnis geworden, weil ich das so nicht glauben konnte, dass Jonas, der im Bauch des Walfisches war, das Beten angefangen hat. Doch mir hat der Religionslehrer – ich habe ihm längst verziehen – gesagt: „Das musst Du glauben, das ist Wort Gottes. Wenn Du das nicht glaubst, dass der Walfisch den Jonas gefressen hat und dass der im Bauch gebetet hat und dann nach drei Tagen wieder ans Land kam, dann hast Du eine Todsünde.“

Ich habe es immer wieder gebeichtet, weil ich den Jonas nicht glauben konnte. Dann habe ich im Lexikon auch noch gelesen, dass der Walfisch so einen engen Schlund hat wie ein Mensch, dass da kleine Krebse durchgehen können, aber nie ein unzerkleinerter Prophet.

Und der Beichtvater hat gesagt: „Wenn Du das nicht glaubst, kann ich Dir nicht mehr die Absolution erteilen“ (in welchen Zwängen muss der gewesen sein). Das war für mich Verdammung; ich habe den Jonas nicht glauben können.

Dass das eine Lehrgeschichte ist, wo man sagen muss: Stell dir das mal vor, da musste ein Prophet lernen, dass Gott die Leviten auch mag, dass ER jeden mag, der sich bekehrt und liebend wird, bildlich gesprochen, dass er einen Prozess durchmacht, verschlungen wird, dann in die Finsternis, ins Unheil kommt, bis er dann geläutert durch diese Prozesse kapiert, dass Gott die Liebe ist – eine wunderbare Geschichte.

 

Ein Kurskollege von mir hat seine Probekatechese gehalten über den Jonas und hat in diesem Sinn gesprochen, und das war vor 40 Jahren. Dann haben die Professoren einen Rat abgehalten, ob man ihn als Ungläubigen entlassen müsste. Aber er ist heute noch ein sehr aufgeschlossener Priester und Pfarrer.

Und so ist es heute das Eigentliche, das Tiefe, das Innere, das Unvergängliche, das uns in diesen Sinngestalten nahegebracht wird. Wenn uns das aufgeht, dann ist es nicht mehr wichtig, ob es genauso historisch geschehen ist wie es da steht.

 

Und jetzt kommt Einer und sagt, bei Lukas steht doch genau: „Ich habe mich entschlossen, allem von Anfang an nachzuforschen, um es der Reihe nach aufzuschreiben, und so kannst du dich auf mich verlassen.“ Es waren Überlieferungsstücke, Erzählungen, Erinnerungen, und jeder, der ein Buch schreibt, der braucht eine Gliederung, wie er alles zusammenbaut, damit der Leser möglichst gut auf das Eigentliche kommt.

 

 

 

 

Und was aber Lukas zeigen möchte, geschieht im Innern des Sprachlichen, wo der Prophet sagt: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den  Gefangenen (das sind die Eingesperrten, die mit sich und anderen innerlich und äußerlich Eingesperrten) die Freiheit zu bringen, den Blinden das Augenlicht (der Durchblicke eröffnet, der Zusammenhänge vermittelt, der möglich macht, alles einzuordnen, der es möglich macht, mit seinem Leben mit den vielen Rätseln zu leben und umzugehen und einfach, der die Zerschlagenen, die Kaputten wieder richtet, repariert).“  Das will er zeigen.

Man hat auch zur Zeit Jesu gedacht, der Messias müsste politisch sein, wie David, so wie David es für kurze Zeit fertiggebracht hat, ein Friedensreich aufzubauen. Jesus soll die Römer vertreiben, ER soll die Herrschaft, das Etablissement der Schriftgelehrten und Pharisäer, durchbrechen. Auf dieser Ebene, irdisch gesehen, ist Jesus total gescheitert. Und nun sagen heute auch die Wissenschaftler, wollte man die Glaubensgewissheit auf historische Daten festlegen, dann würde das Christentum das dritte Jahrtausend nicht überstehen. Würde man nicht sozusagen die inneren Wirklichkeiten, das, was Jesus uns bedeutet, das Unvergängliche in die Gegenwart bringen, dann könnte es uns im Leben auch nicht mehr tragen. Dann sind wir dauernd mit unserem Glauben dem Streit der Wissenschaftler ausgesetzt, die heute das reden und morgen was Anderes, dann muss man sich in einem Jahr ein paarmal umstellen.

 

So kommt jetzt ein Wort – da ist das Entscheidende drin, wenn Lukas schreibt:

„Jesus kehrte von der Kraft des Geistes erfüllt zurück.“

Das ist SEINE innere Erfüllung mit Gott, mit der Botschaft von der Liebe Gottes. Und so zeigt uns gerade Lukas Jesus als den Heiland der Armen, der in der Kraft der Liebe verbindet und offenbar macht, wie die Menschen befreit und erlöst werden können.

Wenn wir die frohe Botschaft als Lebenskraft erfahren wollen, als eine Kraft, die uns im Leben trägt, auch wenn äußerlich alles schiefgeht, die uns trägt in der Krankheit, durch die Krankheit, in der Armut und in unserer Schuld, in unserer Zerrissenheit, unserer Schwachheit, wenn das aufgeht, in unserem ganzen Bewusstsein aufgeht, dann trägt es unser Leben.

 

Nun kommen wir wieder auf das, worum wir uns ja dauernd bemühen:

Gott liebt dich immer, bedingungslos, unverlierbar, und die Anderen auch.

Und das ist die Fülle der Zeit, die Erfüllung unserer Sehnsucht, die auch, wie Augustinus sagt, als unerfüllte Sehnsucht in jedem Menschen verborgen ist. Das, wonach du dich sehnst, das gab es immer und das gibt es, und darum ist Gott Mensch geworden, damit das ganz menschlich sichtbar und erfahrbar wird.

 

 

Hängt euch doch nicht fest an dem Äußeren, das sind Vorstellungshilfen, damit das Innere aufgehen kann und euch tragen kann; das ist eben Mystik. Und das meint das viel zitierte Wort von Karl Rahner: „Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein.“

So versteht es auch Jesus, er zitiert Jesaja: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen.“ Und wenn Jesus sagt, das ist heute in Erfüllung gegangen, das mag vielleicht anmaßend klingen, aber es heißt, IHM ist bewusst, das, was ER zu bringen hat, ist kein menschliches Fabrikat, sondern das ist IHM gegeben, das ist die Kraft des Geistes.

„Der Geist des Herrn ruht auf IHM“, d.h., was ich euch sage, das ist mein Auftrag. Und so müsste eigentlich jedem Religionslehrer, Priester, Pfarrer bewusst sein, dass er nicht seine eigenen Aggressionen oder Probleme auszuschütten hat, wenn er von Gott redet, sondern dass er das, was der Geist durch Jesus geoffenbart hat, zu vermitteln hat so gut es geht, so dass ich ganz ehrlich sagen müsste, ich will ja nicht meine Weisheit vortragen, sondern das, wovon ich sagen kann, das trägt mein Leben, ich bin davon überzeugt. Dann kommt der Einzelne dazu, der aus seiner Lebenserfahrung heraus sagen kann, so wie Paulus einfach sagt: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe“ – es ist nicht mein Gebilde, was ich weitergebe.

 

Dass das sichtbar wird, dass es nicht so schwierig ist, ein kleines Beispiel:

Es ist ein Beispiel, wie eine Legende tiefste Wahrheit enthält. Mir hat bei einer Tagung jemand erzählt von einer Weihnachtspredigt. Eine ganz kurze Geschichte, in der alles gesagt ist, was Jesus bringt. Das ist die Geschichte, die Geschichte vom Wolf, der das Jesuskind fressen wollte:

Es ist die Heilige Nacht auf den Fluren von Bethlehem: Die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf sie, und der Wolf kommt wie jede Nacht zur Herde und holt sich ein Lämmlein, so als Nachtessen. Und dann ist der Wolf jetzt da auf den Fluren von Bethlehem, und dann fragt er sich, was ist denn da heute los? Was ist da für eine Aufregung, und er horcht und er horcht, bis er hört von einem Kind, von einem neugeborenen Kind. Er denkt, uih, ein neugeborenes Kind, das wäre mal was Anderes als immer die langweiligen Lämmer. Das Kind im Stall hole ich mir. Und dann schleicht er sich wieder zurück, und wie es finster und ruhig ist, schleicht er sich an den Stall heran und alle schnarchen und schlafen schon. Nur vom Kind hört er noch einen Krächzer, das Kind ist also noch wach. Er wartet noch ein bisschen, und dann geht er an die Krippe hin und denkt: Ah, jetzt hab‘ ich’s! Er streckt seinen Kopf und macht sein Maul auf, und dann

streichelt das Kind seine Schnauze und krault ihn hinten am Kopf. Und auf einmal kann er das Kind nicht mehr fressen.

 

 

 

 

 

Und noch etwas geht in ihm vor, er merkt auf einmal wie sein Fell aufspringt, sein Wolfsfell zerreißt. Dann fällt ihm das ganze Fell ab, und dann steht da -der Mensch.

Der Pfarrer hat diese Geschichte als Weihnachtslegende gebracht, und die, die dabei war, hat mir erzählt, die Leute waren mäuschenstill. Kein Wort hat er sonst gesagt, weil jeder sieht in diesem Bild die tiefe Wahrheit, wie das Wolfshafte, die Aggressionen und das alles abfällt und wie durch diese Liebe, durch die bedingungslose Liebe, der Mensch zum Menschen wird.

So gibt es diese vielen, vielen Möglichkeiten zum Aufmerksam-Machen auf das Eigentliche, was sich in Jesus erfüllt hat, in der Geschichte, weil gerade das, was IHN erfüllt hat, der Geist Gottes durch IHN in unsere Welt unverlierbar über historische Vergänglichkeiten eingegangen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!