Strahlkraft

Lebendiges Gedankengut von Pfarrer Elmar Gruber e.V.

ELMAR GRUBERS PREDIGT ZUM NÄCHSTEN SONNTAG ODER FEIERTAG – IMMER AKTUELL!

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: PREDIGTEN DURCH DAS KIRCHENJAHR)

VORWORT

IDEAL IN DEN ZEITEN DES UKRAINE-KRIEGS, DES KLIMAWANDELS  – DIESE WORTE GEBEN KRAFT UND HOFFNUNG!

VERKÜNDIGUNG VON GOTTES WORT DURCH DIE PREDIGTEN DES HOFFNUNG GEBENDEN PFARRERS ELMAR GRUBER

Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  – seit dem 1. Advent 2025 (30. November 2025) ist Lesejahr A.

Immer die aktuelle Predigt!

Inspiration für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!

Auch als Predigt-Vorlagen!

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.

Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.

Danke, Helga! Ohne Dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!

 

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15. Sonntag A – 12. Juli 2026

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber vom 11. Juli 1993

 

1. Lesung: Jes 55, 10-11

2. Lesung: Röm 8, 18-23

Evangelium: Mt 13, 1-23

 

 

Ich begrüße Sie herzlich zur Feier des 15. Sonntags im Jahreskreis! Heute ist es von den heiligen Texten her mal angebracht nachzusinnen, wie das Wort Gottes wirkt und dass es eben im Menschen wirkt und von innen nach außen strahlt und von innen nach außen blinkt.

Wenn wir nachdenken, dann werden wir auch zugeben müssen, dass wir selber immer wieder schuld sind, wenn das Wort Gottes in uns nicht ankommt und in uns nicht aufgeht und fruchtbar wird und nach außen wirkt.

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Die heutigen heiligen Texte halten uns an, einmal gründlich nachzudenken über das Wort Gottes und über den Vorgang und die Wirkung des Wortes Gottes, um daraus auch dann für uns die Folgerung zu ziehen, was wir tun können und tun müssen und wie wir mit dem Wort Gottes umgehen müssen, damit es fruchtbar wird in unserem Leben.

Schon der Jesaja-Text fordert uns methodisch heraus mit dem Bild vom „Regen“. Das Wort Gottes ist wie Regen, der auf die Erde kommt und wirkt, in die Pflanzen eingeht, die Blumen zum Blühen bringt, die Erde fruchtbar macht und erst dann, wenn er das alles bewirkt hat, wieder verdunstet und zurückkehrt. Das Wort Gottes verbraucht sich nicht, es ist immer frisch, es ist immer lebendig, und es wirkt, wo es ankommt. Und dann kommt die große Jesus-Katechese aus dem Matthäus-Evangelium: „Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen.“ Hier wird uns gesagt, dass das Wort Gottes etwas Lebendiges ist. Das Wort Gottes ist etwas, was aufgehen will, alles Leben geheimnisvoll in sich schließt. Aber es braucht die entsprechende Situation. Es wirkt aus sich selber, wie jeder Samen das Leben in sich hat. Aber es muss auch der Mensch dazu kommen, der das Wort richtig aufnimmt und in dem das Wort aufgehen kann und in dem es fruchtbar wird. Und da stellen wir einmal fest, dass das Wort oft auf den Weg fällt, dass wir Menschen oder wir Rationalisten das Wort Gottes oft rationalisieren, ja, es war sogar theologische Methode, dass man theologische Lehrsätze aufgestellt und dann im sogenannten Schriftbeweis gefragt hat: „Wo kann ich jetzt ein Wort der Schrift brauchen, um das zu beweisen?“ Und da geht das Wort nicht mehr auf, da ist der steinige Weg.

Ich kann das Wort Gottes nur mit den Sinnen zunächst aufnehmen, denn Jesus redet in Bildern und in Gleichnissen oder, wie man auch sagt, in „Sinn-Gestalt“. Die Fachleute sprechen von den „Sprachtaten Gottes“. Was Gott, was Jesus sagt, sind keine Informationen, sondern es ist die Kraft, die uns verändert.  Da brauchen wir unsere Augen und unsere Ohren, denn es sind Gleichnisse, es sind Bilder, es ist etwas zum Anschauen und etwas zum Anhören. Und das, was uns hier vorgestellt wird, das müssen wir dann in unsere innere Sehkraft und Hörkraft hereinnehmen, die Augen schließen, damit die Bilder in uns sind – und das ist Mystik. Wir fragen oft, wenn wir ein Evangelium hören: „Ja, ist das so gewesen?“ Zum Beispiel bei der Erweckung des Lazarus fragen wir: „Ja, ist das so gewesen, dass er schon verwest war und dann wieder auferweckt worden ist?“ Und da kann das Wort nicht aufgehen. Es heißt aber eigentlich: „Stelle Dir doch das einmal vor – der Freund von Jesus ist gestorben. Und dann kommt Jesus. Und dann erlebst Du (wenn du dir das vorstellst, um bei diesem Beispiel zu bleiben), dass Jesus Tote, Verwesende anspricht.“ Da kann aufgehen, dass es für Jesus, für Gott, keine Toten mehr gibt. An anderer Stelle sagt Jesus, dass für IHN alle lebendig sind. Und gerade bei diesem Beispiel aus dem Johannes-Evangelium sagt Jesus: „Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, der wird in Ewigkeit nicht sterben.“ Mit dieser Geschichte soll aufgehen: Wenn ich Jesus habe, dann brauche ich vor dem Tod keine Angst mehr haben, dann werden diese Ängste abgebaut, dann erkennen wir, dass der Tod, der Körpertod, zum Leben gehört und dass es eben ein Hinübergang ist in eine andere Welt. Das geht auf, wenn ich es mit den Sinnen aufnehme und mit einem offenen Herzen. Und dann kann es geschehen, dass ich ganz persönlich von Gott angesprochen bin. Das Wort Gottes ist für alle da. ER sät aus, gleichgültig, auf welchen Boden es fällt. Es fällt.  Aber dort, wo es aufgeht, ist der Mensch ganz persönlich angesprochen von seinem Gott. Und das gibt dann die Sicherheit des Glaubens und die Sicherheit der Gottesverbindung, die im Leben trägt.

Dann kommt noch der letzte Schritt: Wenn das Wort in mir aufgeht, dann wird es auch immer fruchtbar, dann bewirkt es etwas. Um bei diesem Beispiel von der Auferweckung des Lazarus zu bleiben – es bewirkt die Angstlosigkeit. Dann strahlt das auch noch aus, dann spüren auch die anderen Menschen: Der ist geprägt von einer Wirklichkeit, die er nicht aus sich hat. Hier ist Gott angekommen im Menschen durch SEIN Wort.

Ich darf noch einmal diese drei Phasen zusammenfassen.

– Ich habe zunächst die Sinngestalt vor mir, das Bild, das Gleichnis.

– Und dann kommt das Zweite: Ich nehme es in mich herein, schließe dabei die Augen, nehme mir Zeit, dass es wirken und aufgehen kann.

– Und wenn ich das Bild in mir habe, dann kann es geschehen, dass auf einmal ich im Bilde bin. Wenn der Mensch sagt, dass er es verstanden hat, jetzt im Bilde ist, dann spricht ER mich im Bilde ganz persönlich an. Und dann wird es fruchtbar in mir. Ich baue Ängste ab, ich gewinne Hoffnung, ich gewinne wieder Freude, ich kann loslassen. Und das wirkt dann nach außen.

Die heutigen Texte sollen uns ermuntern, dass wir das tun, was man tun kann, damit wir nicht Weg sind, sondern ein guter Ackerboden sind für das Wort Gottes. Die Künstler sind eigentlich die Künder, weil sie das Wort der Bibel verwandeln in Sinngestalten, in Bilder und auch in Kunstwerke der Tonkunst, damit es uns leichter eingeht. Aber es liegt an uns, dass wir uns Zeit nehmen und auch unsere Sinne üben durch meditative Übungen. Bei unserer hektischen Konsumzeit werden die Sinne getötet, sind sie stumpf geworden.

Wir sollen auch wissen: Das Erste ist nicht der Verstand, sondern das Herz. Ich kann oft Leute hören, die kritisierend sagen: „Ja, ist bei Ihnen alles nur ein Bild?“ Dann sag ich. „Lassen Sie doch bitte das nur weg.“ Wenn man sagt, dass das ein Bild ist, dann ist da viel mehr drin als ich mit dem Verstand ausdrücken kann, denn da kann ich Paradoxe und Wirklichkeiten ausdrücken, die man verstandesmäßig gar nicht mehr erfassen kann, auf die es aber ankommt. Und die Ur-Wirklichkeit, die in allen Bildern und Worten Jesu zum Ausdruck kommt, die allem, was Jesus sagt, zu Grunde liegt, ist ja die Botschaft, dass das Reich Gottes nahe ist. Das heißt eben praktisch: Der Bereich Gottes ist die Nähe, die Wirklichkeit Gottes ist Dir ganz nahe. An IHM liegt es nicht. Es liegt an Dir, dass es in Dir aufgeht und Du dadurch erlöst bist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Lesung: Nehemia 8, 2-4.5-6.8-10
  2. Lesung: 1 Korinther 12, 12-30

Evangelium: Lukas 1, 1-4;4, 14-21

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Ich begrüße Sie herzlich zum 3. Sonntag im Jahreskreis! In der Lesung weist uns der Apostel Paulus darauf hin, dass wir alle  E I N E R  sind, der Leib Christi, jeder mit seinen Fähigkeiten, mit seinen Gaben, die Aufgaben sind.

Im Evangelium zeigt uns Lukas sein Anliegen, warum er das Evangelium geschrieben hat und auch, was die Sendung Jesu eigentlich ist.

 

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Das Evangelium heute greift eine schwierige Situation auf, die wir gerade in unserer Zeit wieder vorfinden:

Woher bekommen wir die Gewissheiten unseres Glaubens? Wo finden wir sie? Wir werden feststellen, dass wir, die wir noch Vorstellungen haben wie vor fünfzig Jahren, umdenken müssen, um die eigentliche Botschaft, das Eigentliche, was Jesus gebracht hat, nicht zu verlieren.

Es geht hier um die historische Zuverlässigkeit der Berichte über das Leben Jesu. Da sagt uns die heutige Wissenschaft, dass wir über die praktisch historische Zuverlässigkeit im Neuen Testament nichts finden. Wie ich im Studium war, da war die große Problematik, ob es Jesus überhaupt gegeben hat, ob wir nicht nur den Jesus des Glaubens, den literarischen Jesus haben; das ist überwunden. An der historischen Wirklichkeit Jesu zweifelt heute niemand.

 

Aber, wer war dieser Jesus?

Historisch gesehen war ER wohl mehr als nur dieser Ausschnitt, den uns die Evangelien zeigen.

Die Sprachforscher, die aramäisch, jüdisch, hebräisch beherrschen, die sagen, das Thomasevangelium ist eines der ältesten Schriften, es zeigt uns Jesus als Weisheitslehrer, der in Sequenzen, in Versen gesprochen hat, die man auswendig lernen kann, damit SEINE Jünger SEINE Lehre weitergeben können.

Als ich vor ca. dreißig Jahren den Auftrag bekam, diese neuen biblischen Ergebnisse der Lehrerschaft, die Religionsunterricht geben, zu vermitteln, war das äußerst schwierig.

„Ja, wenn das alles nicht mehr stimmt, wenn das Jesus nicht wortwörtlich gesagt hat, ja dann geben wir keinen Religionsunterricht, keinen Bibelunterricht mehr.

In meiner Kinderzeit hat man noch gelernt, dass den Jonas der Walfisch gefressen und dann wieder ausgespuckt hat. Das ist mir zum Verhängnis geworden, weil ich das so nicht glauben konnte, dass Jonas, der im Bauch des Walfisches war, das Beten angefangen hat. Doch mir hat der Religionslehrer – ich habe ihm längst verziehen – gesagt: „Das musst Du glauben, das ist Wort Gottes. Wenn Du das nicht glaubst, dass der Walfisch den Jonas gefressen hat und dass der im Bauch gebetet hat und dann nach drei Tagen wieder ans Land kam, dann hast Du eine Todsünde.“

Ich habe es immer wieder gebeichtet, weil ich den Jonas nicht glauben konnte. Dann habe ich im Lexikon auch noch gelesen, dass der Walfisch so einen engen Schlund hat wie ein Mensch, dass da kleine Krebse durchgehen können, aber nie ein unzerkleinerter Prophet.

Und der Beichtvater hat gesagt: „Wenn Du das nicht glaubst, kann ich Dir nicht mehr die Absolution erteilen“ (in welchen Zwängen muss der gewesen sein). Das war für mich Verdammung; ich habe den Jonas nicht glauben können.

Dass das eine Lehrgeschichte ist, wo man sagen muss: Stell dir das mal vor, da musste ein Prophet lernen, dass Gott die Leviten auch mag, dass ER jeden mag, der sich bekehrt und liebend wird, bildlich gesprochen, dass er einen Prozess durchmacht, verschlungen wird, dann in die Finsternis, ins Unheil kommt, bis er dann geläutert durch diese Prozesse kapiert, dass Gott die Liebe ist – eine wunderbare Geschichte.

 

Ein Kurskollege von mir hat seine Probekatechese gehalten über den Jonas und hat in diesem Sinn gesprochen, und das war vor 40 Jahren. Dann haben die Professoren einen Rat abgehalten, ob man ihn als Ungläubigen entlassen müsste. Aber er ist heute noch ein sehr aufgeschlossener Priester und Pfarrer.

Und so ist es heute das Eigentliche, das Tiefe, das Innere, das Unvergängliche, das uns in diesen Sinngestalten nahegebracht wird. Wenn uns das aufgeht, dann ist es nicht mehr wichtig, ob es genauso historisch geschehen ist wie es da steht.

 

Und jetzt kommt Einer und sagt, bei Lukas steht doch genau: „Ich habe mich entschlossen, allem von Anfang an nachzuforschen, um es der Reihe nach aufzuschreiben, und so kannst du dich auf mich verlassen.“ Es waren Überlieferungsstücke, Erzählungen, Erinnerungen, und jeder, der ein Buch schreibt, der braucht eine Gliederung, wie er alles zusammenbaut, damit der Leser möglichst gut auf das Eigentliche kommt.

 

 

 

 

Und was aber Lukas zeigen möchte, geschieht im Innern des Sprachlichen, wo der Prophet sagt: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den  Gefangenen (das sind die Eingesperrten, die mit sich und anderen innerlich und äußerlich Eingesperrten) die Freiheit zu bringen, den Blinden das Augenlicht (der Durchblicke eröffnet, der Zusammenhänge vermittelt, der möglich macht, alles einzuordnen, der es möglich macht, mit seinem Leben mit den vielen Rätseln zu leben und umzugehen und einfach, der die Zerschlagenen, die Kaputten wieder richtet, repariert).“  Das will er zeigen.

Man hat auch zur Zeit Jesu gedacht, der Messias müsste politisch sein, wie David, so wie David es für kurze Zeit fertiggebracht hat, ein Friedensreich aufzubauen. Jesus soll die Römer vertreiben, ER soll die Herrschaft, das Etablissement der Schriftgelehrten und Pharisäer, durchbrechen. Auf dieser Ebene, irdisch gesehen, ist Jesus total gescheitert. Und nun sagen heute auch die Wissenschaftler, wollte man die Glaubensgewissheit auf historische Daten festlegen, dann würde das Christentum das dritte Jahrtausend nicht überstehen. Würde man nicht sozusagen die inneren Wirklichkeiten, das, was Jesus uns bedeutet, das Unvergängliche in die Gegenwart bringen, dann könnte es uns im Leben auch nicht mehr tragen. Dann sind wir dauernd mit unserem Glauben dem Streit der Wissenschaftler ausgesetzt, die heute das reden und morgen was Anderes, dann muss man sich in einem Jahr ein paarmal umstellen.

 

So kommt jetzt ein Wort – da ist das Entscheidende drin, wenn Lukas schreibt:

„Jesus kehrte von der Kraft des Geistes erfüllt zurück.“

Das ist SEINE innere Erfüllung mit Gott, mit der Botschaft von der Liebe Gottes. Und so zeigt uns gerade Lukas Jesus als den Heiland der Armen, der in der Kraft der Liebe verbindet und offenbar macht, wie die Menschen befreit und erlöst werden können.

Wenn wir die frohe Botschaft als Lebenskraft erfahren wollen, als eine Kraft, die uns im Leben trägt, auch wenn äußerlich alles schiefgeht, die uns trägt in der Krankheit, durch die Krankheit, in der Armut und in unserer Schuld, in unserer Zerrissenheit, unserer Schwachheit, wenn das aufgeht, in unserem ganzen Bewusstsein aufgeht, dann trägt es unser Leben.

 

Nun kommen wir wieder auf das, worum wir uns ja dauernd bemühen:

Gott liebt dich immer, bedingungslos, unverlierbar, und die Anderen auch.

Und das ist die Fülle der Zeit, die Erfüllung unserer Sehnsucht, die auch, wie Augustinus sagt, als unerfüllte Sehnsucht in jedem Menschen verborgen ist. Das, wonach du dich sehnst, das gab es immer und das gibt es, und darum ist Gott Mensch geworden, damit das ganz menschlich sichtbar und erfahrbar wird.

 

 

Hängt euch doch nicht fest an dem Äußeren, das sind Vorstellungshilfen, damit das Innere aufgehen kann und euch tragen kann; das ist eben Mystik. Und das meint das viel zitierte Wort von Karl Rahner: „Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein.“

So versteht es auch Jesus, er zitiert Jesaja: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen.“ Und wenn Jesus sagt, das ist heute in Erfüllung gegangen, das mag vielleicht anmaßend klingen, aber es heißt, IHM ist bewusst, das, was ER zu bringen hat, ist kein menschliches Fabrikat, sondern das ist IHM gegeben, das ist die Kraft des Geistes.

„Der Geist des Herrn ruht auf IHM“, d.h., was ich euch sage, das ist mein Auftrag. Und so müsste eigentlich jedem Religionslehrer, Priester, Pfarrer bewusst sein, dass er nicht seine eigenen Aggressionen oder Probleme auszuschütten hat, wenn er von Gott redet, sondern dass er das, was der Geist durch Jesus geoffenbart hat, zu vermitteln hat so gut es geht, so dass ich ganz ehrlich sagen müsste, ich will ja nicht meine Weisheit vortragen, sondern das, wovon ich sagen kann, das trägt mein Leben, ich bin davon überzeugt. Dann kommt der Einzelne dazu, der aus seiner Lebenserfahrung heraus sagen kann, so wie Paulus einfach sagt: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe“ – es ist nicht mein Gebilde, was ich weitergebe.

 

Dass das sichtbar wird, dass es nicht so schwierig ist, ein kleines Beispiel:

Es ist ein Beispiel, wie eine Legende tiefste Wahrheit enthält. Mir hat bei einer Tagung jemand erzählt von einer Weihnachtspredigt. Eine ganz kurze Geschichte, in der alles gesagt ist, was Jesus bringt. Das ist die Geschichte, die Geschichte vom Wolf, der das Jesuskind fressen wollte:

Es ist die Heilige Nacht auf den Fluren von Bethlehem: Die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf sie, und der Wolf kommt wie jede Nacht zur Herde und holt sich ein Lämmlein, so als Nachtessen. Und dann ist der Wolf jetzt da auf den Fluren von Bethlehem, und dann fragt er sich, was ist denn da heute los? Was ist da für eine Aufregung, und er horcht und er horcht, bis er hört von einem Kind, von einem neugeborenen Kind. Er denkt, uih, ein neugeborenes Kind, das wäre mal was Anderes als immer die langweiligen Lämmer. Das Kind im Stall hole ich mir. Und dann schleicht er sich wieder zurück, und wie es finster und ruhig ist, schleicht er sich an den Stall heran und alle schnarchen und schlafen schon. Nur vom Kind hört er noch einen Krächzer, das Kind ist also noch wach. Er wartet noch ein bisschen, und dann geht er an die Krippe hin und denkt: Ah, jetzt hab‘ ich’s! Er streckt seinen Kopf und macht sein Maul auf, und dann

streichelt das Kind seine Schnauze und krault ihn hinten am Kopf. Und auf einmal kann er das Kind nicht mehr fressen.

 

 

 

 

 

Und noch etwas geht in ihm vor, er merkt auf einmal wie sein Fell aufspringt, sein Wolfsfell zerreißt. Dann fällt ihm das ganze Fell ab, und dann steht da -der Mensch.

Der Pfarrer hat diese Geschichte als Weihnachtslegende gebracht, und die, die dabei war, hat mir erzählt, die Leute waren mäuschenstill. Kein Wort hat er sonst gesagt, weil jeder sieht in diesem Bild die tiefe Wahrheit, wie das Wolfshafte, die Aggressionen und das alles abfällt und wie durch diese Liebe, durch die bedingungslose Liebe, der Mensch zum Menschen wird.

So gibt es diese vielen, vielen Möglichkeiten zum Aufmerksam-Machen auf das Eigentliche, was sich in Jesus erfüllt hat, in der Geschichte, weil gerade das, was IHN erfüllt hat, der Geist Gottes durch IHN in unsere Welt unverlierbar über historische Vergänglichkeiten eingegangen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!