VORWORT
IDEAL IN DEN ZEITEN DES UKRAINE-KRIEGS, DES KLIMAWANDELS – DIESE WORTE GEBEN KRAFT UND HOFFNUNG!
VERKÜNDIGUNG VON GOTTES WORT DURCH DIE PREDIGTEN DES HOFFNUNG GEBENDEN PFARRERS ELMAR GRUBER
Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C – seit dem 1. Advent 2025 (30. November 2025) ist Lesejahr A.
Immer die aktuelle Predigt!
Inspiration für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!
Auch als Predigt-Vorlagen!
Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.
Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.
Danke, Helga! Ohne Dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!
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16. Sonntag A – 19. Juli 2026
Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 22.07.1990
1. Lesung: Weish 12, 13.16-19
2. Lesung: Röm 8, 26-27
Evangelium: Mt 13, 24-43
Ich begrüße Sie herzlich zu unserer Eucharistiefeier, heute am 16. Sonntag im Jahreskreis! Wir hören im Evangelium das „Gleichnis vom Unkraut und Weizen“. Das ist ein ganz starker Impuls zur Barmherzigkeit. Wir können aber nur barmherzig sein, weil uns Gott SEINE Barmherzigkeit immer wieder neu schenkt.
Predigt:
Liebe Schwestern und Brüder!
Auch für den, der Ohren hat, ist es nicht so leicht, bei diesem Evangelium wirklich zu hören. Wenn ich zu diesem Evangelium etwas sagen soll, komme ich mir vor, wie wenn ich in einer riesigen Ausstellung gewesen bin und in 10 Minuten sagen soll, was ich alles gesehen habe. Was ich versuche, jetzt zu sagen, kann also nichts Vollständiges sein, sondern es sind nur Andeutungen. Vielleicht bekommen Sie aber doch ein bisschen Durst nach dieser Ausstellung.
Zum ersten „Gleichnis vom Unkraut und Weizen“: Das ist wie bei einem großartigen Bild. Man wird immer wieder hinschauen – ein Leben lang. Man wird immer wieder Neues sehen und entdecken können. Wir machen die Feststellung, dass wenn man das Leben spürt, wenn das Leben aufgeht, wenn der Same, das Wort Gottes, wenn das aufgeht, dass dann immer sofort eine Doppelstruktur da ist: GUT und BÖSE. Es ist, wie wenn man das Licht anmacht. Man sieht die Dinge sofort – auch den Schatten. Immer ist beides da. Und der Mensch möchte das in Reinkultur haben, was er als gut sieht – man muss betonen, das, was der Mensch als gut sieht. So auch hier im Evangelium: Der Mensch möchte die Vollkommenheit haben. Sollen wir hingehen und das Böse ausmerzen? Ich denke da noch an meinen Religionsunterricht, wo uns der Kampf gegen das Böse schmackhaft gemacht wurde: Das Böse ausrotten, ausreißen! Im Evangelium hören wir etwas ganz Anderes: „Lasst beides wachsen!“ Das heißt: Stehen lassen, stehen lassen, Du reißt sonst alles aus! Wenn Menschen das Ausgrasen anfangen, dann geht immer alles mit. Vom biblischen Text her sind zwei Dinge bedeutsam: Einmal können wir allgemein einsehen, dass die Verwurzelung von Gut und Böse so dicht ist, dass wir es gar nicht auseinanderbringen. Das Andere ist: Die Exegeten weisen darauf hin, dass es in der Zeit, als dieses Gleichnis entstanden ist, ein Unkraut gab, den Lorch, der ganz weizenähnlich aussah und erst beim Reifen der Ähren erkannt wurde. So konnte man erst bei der Ernte das Unkraut vom Weizen unterscheiden. Darauf soll das Gleichnis auch hinweisen: Bilde Dir doch nicht ein, dass Du es bestimmen kannst, was Unkraut und Weizen in den Augen Gottes sind, dass das, was Du „gut“ und „böse“ nennst, auch in den Augen Gottes gut und böse ist und Du mit Deinem Urteil richtig liegst!
Das ist mal so ein Hauptimpuls: „Lass Beides stehen!“ Und jetzt gehen wir ins praktische Leben hinein. Und da spüren wir, wie akut und aktuell es wird. Mein Spiritual im Priesterseminar hat einmal gesagt: „Du musst jedem Menschen drei Fehler zugestehen. Dann wirst Du feststellen, dass jeder Mensch ein netter Mensch ist.“ Das müssen Sie einmal ausprobieren- aber nicht drei Fehler, sondern jedem Menschen bloß einen Fehler! Und das sollten Sie dem Menschen zugestehen, aber in liebenswürdiger Kritik, dass er spürt, er darf ihn haben. Wenn Sie ihm diese Schwäche lassen können, dann können Sie erst sehen, dass er auch ein netter Mensch ist. Wenn ich an dem Anderen nichts Böses mehr lassen kann und will, dann kann ich an ihm auch nichts Gutes mehr lassen.
Wir teilen die Menschen immer ein in GUTE und BÖSE. Sicher gibt es eine Grundentscheidung: Die Einen, die sich an Gott orientieren, und die Anderen, die sich an der Welt, am Konsum, orientieren. Aber wenn wir auf die Praxis schauen, dann sind die Menschen immer von beidem angesteckt. Denken wir nur an die Geschichte der Kirche: Da entstanden die heiligen Kriege, weil man mit Gewalt das Reich Gottes ausbreiten wollte. Wenn der Mensch anfängt auszureißen, dann kommt gerade das eigentlich Böse hervor. Wenn ich bei anderen Menschen anfange, das Böse auszureißen, dann mache ich sie kaputt – mich dabei auch. Auch bei mir muss ich Unkraut und Weizen stehen lassen.
Es ist doch so befreiend, wenn ich zugeben kann, dass ich meine Fehler habe, sie ohne Beschönigung feststelle und bejahe. Das ist ja eigentlich die Gewissenserforschung. Und dann brauche ich mir auf mich nichts mehr einzubilden, ich brauche nicht mehr so fehlerlos dastehen und kann es wirklich aushalten, wenn mich jemand kritisiert und zum Beispiel sagt: „Also, heute hast Du richtig Mist gebaut.“ Lass Dir Deine Fehler, lass dem Anderen seine Fehler! Das Auseinanderklauben wird am Ende Gott machen, denn nur ER weiß, was gut ist.
Ein weiterer Impuls, das „Gericht“: Das Unkraut wird verbrannt werden. Man könnte denken, Gott ist die große Müllverbrennungsanlage am Ende. Kinder haben einmal gesagt: „Gott verbrennt alles Böse in uns.“ Jeder Mensch ist gut und böse. Und jeder Mensch ist darauf angewiesen, dass ihn jemand von diesem Spannungsverhältnis befreit – zur Harmonie. Und das wird Gott machen – ER allein weiß es.
Das Wort brennen ist auch doppeldeutig. Denken wir an die Kriegszeit zurück. Ich weiß noch, welche Seligkeit es war, einen warmen Ofen zu haben. Das, was verbrannt worden ist, ist zugrunde gegangen und in behagliche Wärme, Licht und Energie verwandelt worden. So können wir auch immer heraushören, dass das Böse in uns Brennmaterial ist für das Gute; dass es nur in diesen Verwandlungsprozess hinein muss. Also brauchen wir das Böse, weil es das Material ist für das Gute? So könnte man denken. Aber das „Gericht Gottes“ heißt: ER wird richten, ER wird alles verwandeln, ER kann alles verwandeln. Darin steckt eben die Frohe Botschaft.
Mein letzter Gedanke zu diesem und allen Gleichnissen: Jeder muss schließlich selbst, ganz persönlich, die Gleichnisse und alle biblischen Bilder deuten. Dann werden sie ihn auch selbst, ganz persönlich, immer wieder neu ansprechen. Hier ist zwar eine Deutung aus dem Munde Jesu beigegeben, doch die Bibelwissenschaftler sagen, dass Jesus SEINE Gleichnisse nicht gedeutet hat, sondern dies eine Deutung der Urkirche ist. Das Gleichnis deutet sich nicht selbst, es spricht Dich an und fordert Dich heraus. Ich kann sagen: Ich kann das Gleichnis nur richtig deuten, wenn ich es in jedem Fall im Sinne des unendlichen Erbarmens Gottes deute, wenn die Grundentscheidung die Liebe Gottes ist. Diese Grundentscheidung kann uns das ganze Evangelium erschließen in seinem tiefen Reichtum des Erbarmens Gottes. Wenn ich aber selbst nicht erbarmend bin und erbarmend sein will, dann bleibt mir auch das Erbarmen Gottes in der Heiligen Schrift, gerade in diesen großartigen Gleichnissen verborgen.
- Lesung: Nehemia 8, 2-4.5-6.8-10
- Lesung: 1 Korinther 12, 12-30
Evangelium: Lukas 1, 1-4;4, 14-21
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Ich begrüße Sie herzlich zum 3. Sonntag im Jahreskreis! In der Lesung weist uns der Apostel Paulus darauf hin, dass wir alle E I N E R sind, der Leib Christi, jeder mit seinen Fähigkeiten, mit seinen Gaben, die Aufgaben sind.
Im Evangelium zeigt uns Lukas sein Anliegen, warum er das Evangelium geschrieben hat und auch, was die Sendung Jesu eigentlich ist.
Predigt:
Liebe Schwestern und Brüder!
Das Evangelium heute greift eine schwierige Situation auf, die wir gerade in unserer Zeit wieder vorfinden:
Woher bekommen wir die Gewissheiten unseres Glaubens? Wo finden wir sie? Wir werden feststellen, dass wir, die wir noch Vorstellungen haben wie vor fünfzig Jahren, umdenken müssen, um die eigentliche Botschaft, das Eigentliche, was Jesus gebracht hat, nicht zu verlieren.
Es geht hier um die historische Zuverlässigkeit der Berichte über das Leben Jesu. Da sagt uns die heutige Wissenschaft, dass wir über die praktisch historische Zuverlässigkeit im Neuen Testament nichts finden. Wie ich im Studium war, da war die große Problematik, ob es Jesus überhaupt gegeben hat, ob wir nicht nur den Jesus des Glaubens, den literarischen Jesus haben; das ist überwunden. An der historischen Wirklichkeit Jesu zweifelt heute niemand.
Aber, wer war dieser Jesus?
Historisch gesehen war ER wohl mehr als nur dieser Ausschnitt, den uns die Evangelien zeigen.
Die Sprachforscher, die aramäisch, jüdisch, hebräisch beherrschen, die sagen, das Thomasevangelium ist eines der ältesten Schriften, es zeigt uns Jesus als Weisheitslehrer, der in Sequenzen, in Versen gesprochen hat, die man auswendig lernen kann, damit SEINE Jünger SEINE Lehre weitergeben können.
Als ich vor ca. dreißig Jahren den Auftrag bekam, diese neuen biblischen Ergebnisse der Lehrerschaft, die Religionsunterricht geben, zu vermitteln, war das äußerst schwierig.
„Ja, wenn das alles nicht mehr stimmt, wenn das Jesus nicht wortwörtlich gesagt hat, ja dann geben wir keinen Religionsunterricht, keinen Bibelunterricht mehr. “
In meiner Kinderzeit hat man noch gelernt, dass den Jonas der Walfisch gefressen und dann wieder ausgespuckt hat. Das ist mir zum Verhängnis geworden, weil ich das so nicht glauben konnte, dass Jonas, der im Bauch des Walfisches war, das Beten angefangen hat. Doch mir hat der Religionslehrer – ich habe ihm längst verziehen – gesagt: „Das musst Du glauben, das ist Wort Gottes. Wenn Du das nicht glaubst, dass der Walfisch den Jonas gefressen hat und dass der im Bauch gebetet hat und dann nach drei Tagen wieder ans Land kam, dann hast Du eine Todsünde.“
Ich habe es immer wieder gebeichtet, weil ich den Jonas nicht glauben konnte. Dann habe ich im Lexikon auch noch gelesen, dass der Walfisch so einen engen Schlund hat wie ein Mensch, dass da kleine Krebse durchgehen können, aber nie ein unzerkleinerter Prophet.
Und der Beichtvater hat gesagt: „Wenn Du das nicht glaubst, kann ich Dir nicht mehr die Absolution erteilen“ (in welchen Zwängen muss der gewesen sein). Das war für mich Verdammung; ich habe den Jonas nicht glauben können.
Dass das eine Lehrgeschichte ist, wo man sagen muss: Stell dir das mal vor, da musste ein Prophet lernen, dass Gott die Leviten auch mag, dass ER jeden mag, der sich bekehrt und liebend wird, bildlich gesprochen, dass er einen Prozess durchmacht, verschlungen wird, dann in die Finsternis, ins Unheil kommt, bis er dann geläutert durch diese Prozesse kapiert, dass Gott die Liebe ist – eine wunderbare Geschichte.
Ein Kurskollege von mir hat seine Probekatechese gehalten über den Jonas und hat in diesem Sinn gesprochen, und das war vor 40 Jahren. Dann haben die Professoren einen Rat abgehalten, ob man ihn als Ungläubigen entlassen müsste. Aber er ist heute noch ein sehr aufgeschlossener Priester und Pfarrer.
Und so ist es heute das Eigentliche, das Tiefe, das Innere, das Unvergängliche, das uns in diesen Sinngestalten nahegebracht wird. Wenn uns das aufgeht, dann ist es nicht mehr wichtig, ob es genauso historisch geschehen ist wie es da steht.
Und jetzt kommt Einer und sagt, bei Lukas steht doch genau: „Ich habe mich entschlossen, allem von Anfang an nachzuforschen, um es der Reihe nach aufzuschreiben, und so kannst du dich auf mich verlassen.“ Es waren Überlieferungsstücke, Erzählungen, Erinnerungen, und jeder, der ein Buch schreibt, der braucht eine Gliederung, wie er alles zusammenbaut, damit der Leser möglichst gut auf das Eigentliche kommt.
Und was aber Lukas zeigen möchte, geschieht im Innern des Sprachlichen, wo der Prophet sagt: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den Gefangenen (das sind die Eingesperrten, die mit sich und anderen innerlich und äußerlich Eingesperrten) die Freiheit zu bringen, den Blinden das Augenlicht (der Durchblicke eröffnet, der Zusammenhänge vermittelt, der möglich macht, alles einzuordnen, der es möglich macht, mit seinem Leben mit den vielen Rätseln zu leben und umzugehen und einfach, der die Zerschlagenen, die Kaputten wieder richtet, repariert).“ Das will er zeigen.
Man hat auch zur Zeit Jesu gedacht, der Messias müsste politisch sein, wie David, so wie David es für kurze Zeit fertiggebracht hat, ein Friedensreich aufzubauen. Jesus soll die Römer vertreiben, ER soll die Herrschaft, das Etablissement der Schriftgelehrten und Pharisäer, durchbrechen. Auf dieser Ebene, irdisch gesehen, ist Jesus total gescheitert. Und nun sagen heute auch die Wissenschaftler, wollte man die Glaubensgewissheit auf historische Daten festlegen, dann würde das Christentum das dritte Jahrtausend nicht überstehen. Würde man nicht sozusagen die inneren Wirklichkeiten, das, was Jesus uns bedeutet, das Unvergängliche in die Gegenwart bringen, dann könnte es uns im Leben auch nicht mehr tragen. Dann sind wir dauernd mit unserem Glauben dem Streit der Wissenschaftler ausgesetzt, die heute das reden und morgen was Anderes, dann muss man sich in einem Jahr ein paarmal umstellen.
So kommt jetzt ein Wort – da ist das Entscheidende drin, wenn Lukas schreibt:
„Jesus kehrte von der Kraft des Geistes erfüllt zurück.“
Das ist SEINE innere Erfüllung mit Gott, mit der Botschaft von der Liebe Gottes. Und so zeigt uns gerade Lukas Jesus als den Heiland der Armen, der in der Kraft der Liebe verbindet und offenbar macht, wie die Menschen befreit und erlöst werden können.
Wenn wir die frohe Botschaft als Lebenskraft erfahren wollen, als eine Kraft, die uns im Leben trägt, auch wenn äußerlich alles schiefgeht, die uns trägt in der Krankheit, durch die Krankheit, in der Armut und in unserer Schuld, in unserer Zerrissenheit, unserer Schwachheit, wenn das aufgeht, in unserem ganzen Bewusstsein aufgeht, dann trägt es unser Leben.
Nun kommen wir wieder auf das, worum wir uns ja dauernd bemühen:
Gott liebt dich immer, bedingungslos, unverlierbar, und die Anderen auch.
Und das ist die Fülle der Zeit, die Erfüllung unserer Sehnsucht, die auch, wie Augustinus sagt, als unerfüllte Sehnsucht in jedem Menschen verborgen ist. Das, wonach du dich sehnst, das gab es immer und das gibt es, und darum ist Gott Mensch geworden, damit das ganz menschlich sichtbar und erfahrbar wird.
Hängt euch doch nicht fest an dem Äußeren, das sind Vorstellungshilfen, damit das Innere aufgehen kann und euch tragen kann; das ist eben Mystik. Und das meint das viel zitierte Wort von Karl Rahner: „Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein.“
So versteht es auch Jesus, er zitiert Jesaja: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen.“ Und wenn Jesus sagt, das ist heute in Erfüllung gegangen, das mag vielleicht anmaßend klingen, aber es heißt, IHM ist bewusst, das, was ER zu bringen hat, ist kein menschliches Fabrikat, sondern das ist IHM gegeben, das ist die Kraft des Geistes.
„Der Geist des Herrn ruht auf IHM“, d.h., was ich euch sage, das ist mein Auftrag. Und so müsste eigentlich jedem Religionslehrer, Priester, Pfarrer bewusst sein, dass er nicht seine eigenen Aggressionen oder Probleme auszuschütten hat, wenn er von Gott redet, sondern dass er das, was der Geist durch Jesus geoffenbart hat, zu vermitteln hat so gut es geht, so dass ich ganz ehrlich sagen müsste, ich will ja nicht meine Weisheit vortragen, sondern das, wovon ich sagen kann, das trägt mein Leben, ich bin davon überzeugt. Dann kommt der Einzelne dazu, der aus seiner Lebenserfahrung heraus sagen kann, so wie Paulus einfach sagt: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe“ – es ist nicht mein Gebilde, was ich weitergebe.
Dass das sichtbar wird, dass es nicht so schwierig ist, ein kleines Beispiel:
Es ist ein Beispiel, wie eine Legende tiefste Wahrheit enthält. Mir hat bei einer Tagung jemand erzählt von einer Weihnachtspredigt. Eine ganz kurze Geschichte, in der alles gesagt ist, was Jesus bringt. Das ist die Geschichte, die Geschichte vom Wolf, der das Jesuskind fressen wollte:
Es ist die Heilige Nacht auf den Fluren von Bethlehem: Die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf sie, und der Wolf kommt wie jede Nacht zur Herde und holt sich ein Lämmlein, so als Nachtessen. Und dann ist der Wolf jetzt da auf den Fluren von Bethlehem, und dann fragt er sich, was ist denn da heute los? Was ist da für eine Aufregung, und er horcht und er horcht, bis er hört von einem Kind, von einem neugeborenen Kind. Er denkt, uih, ein neugeborenes Kind, das wäre mal was Anderes als immer die langweiligen Lämmer. Das Kind im Stall hole ich mir. Und dann schleicht er sich wieder zurück, und wie es finster und ruhig ist, schleicht er sich an den Stall heran und alle schnarchen und schlafen schon. Nur vom Kind hört er noch einen Krächzer, das Kind ist also noch wach. Er wartet noch ein bisschen, und dann geht er an die Krippe hin und denkt: Ah, jetzt hab‘ ich’s! Er streckt seinen Kopf und macht sein Maul auf, und dann –
streichelt das Kind seine Schnauze und krault ihn hinten am Kopf. Und auf einmal kann er das Kind nicht mehr fressen.
Und noch etwas geht in ihm vor, er merkt auf einmal wie sein Fell aufspringt, sein Wolfsfell zerreißt. Dann fällt ihm das ganze Fell ab, und dann steht da -der Mensch.
Der Pfarrer hat diese Geschichte als Weihnachtslegende gebracht, und die, die dabei war, hat mir erzählt, die Leute waren mäuschenstill. Kein Wort hat er sonst gesagt, weil jeder sieht in diesem Bild die tiefe Wahrheit, wie das Wolfshafte, die Aggressionen und das alles abfällt und wie durch diese Liebe, durch die bedingungslose Liebe, der Mensch zum Menschen wird.
So gibt es diese vielen, vielen Möglichkeiten zum Aufmerksam-Machen auf das Eigentliche, was sich in Jesus erfüllt hat, in der Geschichte, weil gerade das, was IHN erfüllt hat, der Geist Gottes durch IHN in unsere Welt unverlierbar über historische Vergänglichkeiten eingegangen ist.
GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!