Strahlkraft

Lebendiges Gedankengut von Pfarrer Elmar Gruber e.V.

ELMAR GRUBERS PREDIGT ZUM NÄCHSTEN SONNTAG ODER FEIERTAG – IMMER AKTUELL!

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: PREDIGTEN DURCH DAS KIRCHENJAHR)

VORWORT

IDEAL IN DEN ZEITEN DES UKRAINE-KRIEGS, DES KLIMAWANDELS  – DIESE WORTE GEBEN KRAFT UND HOFFNUNG!

VERKÜNDIGUNG VON GOTTES WORT DURCH DIE PREDIGTEN DES HOFFNUNG GEBENDEN PFARRERS ELMAR GRUBER

Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  – seit dem 1. Advent 2025 (30. November 2025) ist Lesejahr A.

Immer die aktuelle Predigt!

Inspiration für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!

Auch als Predigt-Vorlagen!

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.

Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.

Danke, Helga! Ohne Dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!

 

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14. Sonntag im Jahreskreis A

05. Juli 2026

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 04. Juli 1993

 

1. Lesung: Sach 9, 9-10

2. Lesung: Röm 8, 9.11-13

Evangelium: Mt 11, 25-30

 

Ich begrüße Sie herzlich zum 14. Sonntag im Jahreskreis! Die heiligen Texte sind heute sehr hilfreich zur Verwirklichung unseres christlichen Lebens, zu einem Leben aus dem Glauben.

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Ein paar Gedanken als Vorbemerkung: In dem sogenannten „Messianischen Jubelruf“, wie ihn Exegeten nennen, kann man einstimmen. Es ist großartig, dass die Frohe Botschaft so einfach ist, man braucht nicht studiert haben.                                                                                                                                                                                                                                                              Von Paulus hören wir: „Ihr seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt.“ Man muss wissen, dass das Wort Fleisch im Hebräischen mehr bedeutet als in unserem Sprachgebrauch. Mit Fleisch ist biblisch gesprochen der ‚ganze Mensch‘ gemeint, der hilflos und abhängig ist. Und da sagt Paulus sinngemäß, dass Ihr doch nicht Eurer Hilflosigkeit und Eurer Angst ausgeliefert seid, sondern dass Ihr doch ein anderes Lebensprinzip habt – und zwar den Geist.

Und jetzt kommt die ganz einfache Frohe Botschaft des Evangeliums, wo die Freude drinsteckt, und das wollen wir aufspüren. Da muss man oft die Sätze auf der Zunge zergehen lassen und immer wieder anders betonen. „Kommt alle zu mir!“ Jesus kommt zu allen Menschen. Und dann kommt noch eine andere Botschaft in der Betonung „Kommt alle zu mir!“ Damit sagt Jesus, dass ER uns Ruhe verschaffen wird. Im Grunde sagt ER: „Kommt zu mir, die Ihr Euch plagt, unter Lasten steht, bedrückt seid, unter Druck, unter Stress steht!“ Damit dieses Wort ankommt, wo wir es brauchen, müssen wir halt jetzt einmal darüber nachdenken, wo wir alle unter Druck sind, unter Stress, unter Angst, gehetzt und ruhelos. Ganz konkret – warum kann ich oft nicht schlafen? Warum brauche ich eine Beruhigungstablette? Weil ich nicht mehr zur Ruhe komme und keine Ruhe mehr finde. Oft sagen wir doch zueinander: „Jetzt gib halt mal Ruhe!“ Wie soll ein Mensch Ruhe geben, wenn er keine hat? Und da beobachten wir in unserer Gesellschaft Eigenartiges; die Menschen sehnen sich nach Stille und Ruhe und tun alles, um Ruhe und Stille zu finden, aber gleichzeitig haben sie genau vor dem Angst, was sie suchen – sie haben Angst vor der Ruhe. Denken Sie nur an den Lärm aus einem Musikabspielgerät, mp3-Player, über Kopfhörer, von früh bis abends stampfende Rhythmen. Ich war kürzlich in Memmingen. Und an einer Kreuzung steht neben mir ein offenes Cabriolet, ein junger Mann sitzt drin und zuckt nach diesen Rhythmen. Keine Ruhe mehr haben, die Not unserer Zeit! Wo gibt es Ruhe? Die Antwort haben wir schon gehört. Jetzt fragen wir nochmal. Was ist das, was jedem Menschen Ruhe gibt, und zwar in jeder Unruhe, in der er sich befinden mag? Bei Jesus darf jeder erleben (jetzt kommt wieder ein Satz, den man nicht oft genug meditieren kann), dass er bedingungslos, so wie er ist, ohne Wenn und Aber,, willkommen ist und da sein kann. Das nimmt allen Druck, wenn ich einmal irgendwo das spüren darf: „Ich muss nicht, ich darf.“

Viele Menschen möchten, dass man sie nur anhört. Immer wieder wird aber gleich gesagt: „Ja, Du musst halt….“ oder „Ich habe es doch gleich gesagt…“ oder „Hättest Du meinen Rat befolgt, dann wäre es nicht so weit gekommen….“. Mit solchen Äußerungen kommt keine Ruhe auf. Wenn aber jemand da ist und sagt, dass es ihm schlecht geht und der andere Mensch das annimmt und dem Anderen zustimmt – das wäre es! Das ist auch ein Grund, warum die kirchlichen Verlautbarungen so wenig ankommen oder zu wenig hilfreich sind, weil soviel Druck drin ist. Ich habe unserem Bischof einmal gesagt, dass in seinem Hirtenbrief siebenundzwanzigmal vorgekommen ist „Du musst …“„Wir müssen …“„Du sollst …“. Dann hat er gesagt: „Das stimmt aber alles.“ Freilich müssen wir Ausländer lieben, müssen, müssen wir, aber da ist der Druck. Aber wenn ich sage „Du darfst“, da tut man noch viel mehr als wenn man muss. Man tut mehr, weil man eben darf. Da kann Gutes-Tun ein Bedürfnis werden.

Gott gibt uns SEINE Gebote. Aber SEINE Liebe ist nicht davon abhängig, ob wir SEINE Gebote halten oder nicht.  ER liebt uns auch, wenn wir SEINE Gebote nicht halten. Dann merken wir auf einmal, wir müssen sie nicht halten, weil wir sonst Liebesentzug bekommen, sondern wir dürfen sie halten, es sind Hilfen. Interessant ist, dass im Französischen die Gebote rein sprachlich als Verheißungen dargestellt werden. Da heißt es nicht „Du musst …, Du sollst …, Du sollst nicht …“, sondern „Du wirst doch nicht …“ . Du wirst doch nicht töten!“ „Du wirst doch nicht stehlen!“ „Du wirst doch nicht ehebrechen!“ . „Weil ich Dich liebe, wirst Du anders leben.“

Der Staat muss natürlich ein bestimmtes Maß an Strafandrohung erzwingen, weil es sonst nicht umgeht, weil sonst Mord und Totschlag noch mehr um sich greifen. Aber das ist nur der äußere Zwang und nicht das Leben als göttliche Erlösung. Mir ist einmal so bewusst geworden, wie furchtbar es ist, wenn jemand unter einem Zwang steht; zum Beispiel unter dem Zwang, sich töten zu müssen. Ich habe zu so einem Menschen einmal gesagt: „Sie werden einmal erfahren, ganz gleich, was Sie jetzt tun, dass Sie unendlich und bedingungslos geliebt sind; und irgendwann werden Sie das annehmen können.“ Dann fragte die Betreffende: „Ja, dann darf ich mich töten?“ Darauf antwortete ich ihr: „Ja, Sie dürfen alles tun, Gott wird SEINE Liebe von Ihnen nie zurückziehen.“ Und auf einmal ist ihr das aufgegangen: „Ja, dann muss ich mich ja nicht mehr töten.“ Ich sagte: „Ja, Sie müssen nicht, Sie dürfen.“ Und dann kam es: „Ja, jetzt kann ich wieder leben.“ Sie hat die Ruhe gefunden. Das habe nun nicht ich gemacht. Ich habe ihr nur erzählt von diesem Gott, der sich in Jesus uns offenbart hat. Das hier war eine Tat Gottes, bei der ich dabei sein durfte, indem ich von diesem Gott erzählt hatte. Wenn uns das aufginge, dann könnten wir über uns selbst hinauswachsen, dann würde Vieles, was sonst drückt, wenn diese Gotteserfahrung nicht da ist, nicht mehr drücken. Da würde sogar der Tod nicht mehr drücken und die Nöte, die wir miteinander haben.

Es gibt Leute, die haben den Zwang, den Anderen ärgern zu müssen. Ich habe einmal beobachtet, dass eine Frau in einem Mietshaus Blumen so stark gegossen hat, dass es heruntergetropft ist. Die Frau unter ihr ist hinaufgegangen und hat gesagt, dass sie ihre Wäsche nicht aufhängen könnte, weil das  Wasser heruntertropft. Dann hat die obere Frau mit Absicht noch einen Kübel Wasser ausgeschüttet, um die Andere zu ärgern. Das ist doch ein furchtbarer Zwang! Manche Menschen müssen so böse sein. Wie wird ein solcher Zwang aufgehoben? Wenn ein Mensch Liebe spürt, die ihm sagt, dass wenn er böse sein muss, dass er dann halt böse ist, aber trotzdem weiter geliebt wird, dann kann es sein, dass der Andere nicht mehr böse sein muss. Im Grunde ist jeder Mensch froh, wenn er nicht mehr böse sein muss. Und das bringt uns ER. Wenn wir uns heute versammelt haben, sind wir wieder an der Quelle der Ruhe – wo wir in Ruhe ge-lassen werden können und auch in Ruhe lassen, los-lassen können. Denken wir an unser Patrozinium, was den Apostel ausmacht: Dass er von IHM in SEINE Ruhe, SEINEN Frieden, SEINE Nähe gerufen wird, um dann Ruhe zu haben. Und diese Ruhe, die aus der Geborgenheit in Gott kommt, haben wir dann den Menschen zu bringen. Aus dieser Ruhe findet man dann auch wieder das richtige Wort, um zu trösten.

Wir als Gemeinde haben doch vielleicht auch alle einen besonderen apostolischen Auftrag. All denen, die sich in ihrem Beruf ganz diesem Dienst zur Verfügung stellen, die ihren Beruf als Berufung sehen, sei herzlich gedankt. Wenn ich denke, was Krankenschwestern schon in unseren Gemeinden in schwierigsten Situationen an Ruhe und Frieden gebracht haben!

So sind wir dankbar, dass wir als Gemeinde vielleicht besonders in SEINE Nähe gerufen sind und dass wir immer wieder, jetzt wirklich nicht, weil wir müssen, sondern weil wir dürfen, in die Kirche gehen. Wir sind hier immer wieder an der Quelle. Und jeden Sonntag oder vielleicht auch noch öfter hören wir: „Kommt alle zu mir, die Ihr geplagt und beladen seid! Ich werde Euch ausruhen lassen.“

Damit meint ER uns,

  • die wir unter schweren Lasten stöhnen,
  • mit unseren Neurosen,
  • mit unseren Zwängen,
  • mit unseren Schlaflosigkeiten,
  • mit unseren Süchten.

ER wird uns Ruhe verschaffen, damit auch wir Ruhe geben können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Lesung: Nehemia 8, 2-4.5-6.8-10
  2. Lesung: 1 Korinther 12, 12-30

Evangelium: Lukas 1, 1-4;4, 14-21

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Ich begrüße Sie herzlich zum 3. Sonntag im Jahreskreis! In der Lesung weist uns der Apostel Paulus darauf hin, dass wir alle  E I N E R  sind, der Leib Christi, jeder mit seinen Fähigkeiten, mit seinen Gaben, die Aufgaben sind.

Im Evangelium zeigt uns Lukas sein Anliegen, warum er das Evangelium geschrieben hat und auch, was die Sendung Jesu eigentlich ist.

 

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Das Evangelium heute greift eine schwierige Situation auf, die wir gerade in unserer Zeit wieder vorfinden:

Woher bekommen wir die Gewissheiten unseres Glaubens? Wo finden wir sie? Wir werden feststellen, dass wir, die wir noch Vorstellungen haben wie vor fünfzig Jahren, umdenken müssen, um die eigentliche Botschaft, das Eigentliche, was Jesus gebracht hat, nicht zu verlieren.

Es geht hier um die historische Zuverlässigkeit der Berichte über das Leben Jesu. Da sagt uns die heutige Wissenschaft, dass wir über die praktisch historische Zuverlässigkeit im Neuen Testament nichts finden. Wie ich im Studium war, da war die große Problematik, ob es Jesus überhaupt gegeben hat, ob wir nicht nur den Jesus des Glaubens, den literarischen Jesus haben; das ist überwunden. An der historischen Wirklichkeit Jesu zweifelt heute niemand.

 

Aber, wer war dieser Jesus?

Historisch gesehen war ER wohl mehr als nur dieser Ausschnitt, den uns die Evangelien zeigen.

Die Sprachforscher, die aramäisch, jüdisch, hebräisch beherrschen, die sagen, das Thomasevangelium ist eines der ältesten Schriften, es zeigt uns Jesus als Weisheitslehrer, der in Sequenzen, in Versen gesprochen hat, die man auswendig lernen kann, damit SEINE Jünger SEINE Lehre weitergeben können.

Als ich vor ca. dreißig Jahren den Auftrag bekam, diese neuen biblischen Ergebnisse der Lehrerschaft, die Religionsunterricht geben, zu vermitteln, war das äußerst schwierig.

„Ja, wenn das alles nicht mehr stimmt, wenn das Jesus nicht wortwörtlich gesagt hat, ja dann geben wir keinen Religionsunterricht, keinen Bibelunterricht mehr.

In meiner Kinderzeit hat man noch gelernt, dass den Jonas der Walfisch gefressen und dann wieder ausgespuckt hat. Das ist mir zum Verhängnis geworden, weil ich das so nicht glauben konnte, dass Jonas, der im Bauch des Walfisches war, das Beten angefangen hat. Doch mir hat der Religionslehrer – ich habe ihm längst verziehen – gesagt: „Das musst Du glauben, das ist Wort Gottes. Wenn Du das nicht glaubst, dass der Walfisch den Jonas gefressen hat und dass der im Bauch gebetet hat und dann nach drei Tagen wieder ans Land kam, dann hast Du eine Todsünde.“

Ich habe es immer wieder gebeichtet, weil ich den Jonas nicht glauben konnte. Dann habe ich im Lexikon auch noch gelesen, dass der Walfisch so einen engen Schlund hat wie ein Mensch, dass da kleine Krebse durchgehen können, aber nie ein unzerkleinerter Prophet.

Und der Beichtvater hat gesagt: „Wenn Du das nicht glaubst, kann ich Dir nicht mehr die Absolution erteilen“ (in welchen Zwängen muss der gewesen sein). Das war für mich Verdammung; ich habe den Jonas nicht glauben können.

Dass das eine Lehrgeschichte ist, wo man sagen muss: Stell dir das mal vor, da musste ein Prophet lernen, dass Gott die Leviten auch mag, dass ER jeden mag, der sich bekehrt und liebend wird, bildlich gesprochen, dass er einen Prozess durchmacht, verschlungen wird, dann in die Finsternis, ins Unheil kommt, bis er dann geläutert durch diese Prozesse kapiert, dass Gott die Liebe ist – eine wunderbare Geschichte.

 

Ein Kurskollege von mir hat seine Probekatechese gehalten über den Jonas und hat in diesem Sinn gesprochen, und das war vor 40 Jahren. Dann haben die Professoren einen Rat abgehalten, ob man ihn als Ungläubigen entlassen müsste. Aber er ist heute noch ein sehr aufgeschlossener Priester und Pfarrer.

Und so ist es heute das Eigentliche, das Tiefe, das Innere, das Unvergängliche, das uns in diesen Sinngestalten nahegebracht wird. Wenn uns das aufgeht, dann ist es nicht mehr wichtig, ob es genauso historisch geschehen ist wie es da steht.

 

Und jetzt kommt Einer und sagt, bei Lukas steht doch genau: „Ich habe mich entschlossen, allem von Anfang an nachzuforschen, um es der Reihe nach aufzuschreiben, und so kannst du dich auf mich verlassen.“ Es waren Überlieferungsstücke, Erzählungen, Erinnerungen, und jeder, der ein Buch schreibt, der braucht eine Gliederung, wie er alles zusammenbaut, damit der Leser möglichst gut auf das Eigentliche kommt.

 

 

 

 

Und was aber Lukas zeigen möchte, geschieht im Innern des Sprachlichen, wo der Prophet sagt: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den  Gefangenen (das sind die Eingesperrten, die mit sich und anderen innerlich und äußerlich Eingesperrten) die Freiheit zu bringen, den Blinden das Augenlicht (der Durchblicke eröffnet, der Zusammenhänge vermittelt, der möglich macht, alles einzuordnen, der es möglich macht, mit seinem Leben mit den vielen Rätseln zu leben und umzugehen und einfach, der die Zerschlagenen, die Kaputten wieder richtet, repariert).“  Das will er zeigen.

Man hat auch zur Zeit Jesu gedacht, der Messias müsste politisch sein, wie David, so wie David es für kurze Zeit fertiggebracht hat, ein Friedensreich aufzubauen. Jesus soll die Römer vertreiben, ER soll die Herrschaft, das Etablissement der Schriftgelehrten und Pharisäer, durchbrechen. Auf dieser Ebene, irdisch gesehen, ist Jesus total gescheitert. Und nun sagen heute auch die Wissenschaftler, wollte man die Glaubensgewissheit auf historische Daten festlegen, dann würde das Christentum das dritte Jahrtausend nicht überstehen. Würde man nicht sozusagen die inneren Wirklichkeiten, das, was Jesus uns bedeutet, das Unvergängliche in die Gegenwart bringen, dann könnte es uns im Leben auch nicht mehr tragen. Dann sind wir dauernd mit unserem Glauben dem Streit der Wissenschaftler ausgesetzt, die heute das reden und morgen was Anderes, dann muss man sich in einem Jahr ein paarmal umstellen.

 

So kommt jetzt ein Wort – da ist das Entscheidende drin, wenn Lukas schreibt:

„Jesus kehrte von der Kraft des Geistes erfüllt zurück.“

Das ist SEINE innere Erfüllung mit Gott, mit der Botschaft von der Liebe Gottes. Und so zeigt uns gerade Lukas Jesus als den Heiland der Armen, der in der Kraft der Liebe verbindet und offenbar macht, wie die Menschen befreit und erlöst werden können.

Wenn wir die frohe Botschaft als Lebenskraft erfahren wollen, als eine Kraft, die uns im Leben trägt, auch wenn äußerlich alles schiefgeht, die uns trägt in der Krankheit, durch die Krankheit, in der Armut und in unserer Schuld, in unserer Zerrissenheit, unserer Schwachheit, wenn das aufgeht, in unserem ganzen Bewusstsein aufgeht, dann trägt es unser Leben.

 

Nun kommen wir wieder auf das, worum wir uns ja dauernd bemühen:

Gott liebt dich immer, bedingungslos, unverlierbar, und die Anderen auch.

Und das ist die Fülle der Zeit, die Erfüllung unserer Sehnsucht, die auch, wie Augustinus sagt, als unerfüllte Sehnsucht in jedem Menschen verborgen ist. Das, wonach du dich sehnst, das gab es immer und das gibt es, und darum ist Gott Mensch geworden, damit das ganz menschlich sichtbar und erfahrbar wird.

 

 

Hängt euch doch nicht fest an dem Äußeren, das sind Vorstellungshilfen, damit das Innere aufgehen kann und euch tragen kann; das ist eben Mystik. Und das meint das viel zitierte Wort von Karl Rahner: „Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein.“

So versteht es auch Jesus, er zitiert Jesaja: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen.“ Und wenn Jesus sagt, das ist heute in Erfüllung gegangen, das mag vielleicht anmaßend klingen, aber es heißt, IHM ist bewusst, das, was ER zu bringen hat, ist kein menschliches Fabrikat, sondern das ist IHM gegeben, das ist die Kraft des Geistes.

„Der Geist des Herrn ruht auf IHM“, d.h., was ich euch sage, das ist mein Auftrag. Und so müsste eigentlich jedem Religionslehrer, Priester, Pfarrer bewusst sein, dass er nicht seine eigenen Aggressionen oder Probleme auszuschütten hat, wenn er von Gott redet, sondern dass er das, was der Geist durch Jesus geoffenbart hat, zu vermitteln hat so gut es geht, so dass ich ganz ehrlich sagen müsste, ich will ja nicht meine Weisheit vortragen, sondern das, wovon ich sagen kann, das trägt mein Leben, ich bin davon überzeugt. Dann kommt der Einzelne dazu, der aus seiner Lebenserfahrung heraus sagen kann, so wie Paulus einfach sagt: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe“ – es ist nicht mein Gebilde, was ich weitergebe.

 

Dass das sichtbar wird, dass es nicht so schwierig ist, ein kleines Beispiel:

Es ist ein Beispiel, wie eine Legende tiefste Wahrheit enthält. Mir hat bei einer Tagung jemand erzählt von einer Weihnachtspredigt. Eine ganz kurze Geschichte, in der alles gesagt ist, was Jesus bringt. Das ist die Geschichte, die Geschichte vom Wolf, der das Jesuskind fressen wollte:

Es ist die Heilige Nacht auf den Fluren von Bethlehem: Die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf sie, und der Wolf kommt wie jede Nacht zur Herde und holt sich ein Lämmlein, so als Nachtessen. Und dann ist der Wolf jetzt da auf den Fluren von Bethlehem, und dann fragt er sich, was ist denn da heute los? Was ist da für eine Aufregung, und er horcht und er horcht, bis er hört von einem Kind, von einem neugeborenen Kind. Er denkt, uih, ein neugeborenes Kind, das wäre mal was Anderes als immer die langweiligen Lämmer. Das Kind im Stall hole ich mir. Und dann schleicht er sich wieder zurück, und wie es finster und ruhig ist, schleicht er sich an den Stall heran und alle schnarchen und schlafen schon. Nur vom Kind hört er noch einen Krächzer, das Kind ist also noch wach. Er wartet noch ein bisschen, und dann geht er an die Krippe hin und denkt: Ah, jetzt hab‘ ich’s! Er streckt seinen Kopf und macht sein Maul auf, und dann

streichelt das Kind seine Schnauze und krault ihn hinten am Kopf. Und auf einmal kann er das Kind nicht mehr fressen.

 

 

 

 

 

Und noch etwas geht in ihm vor, er merkt auf einmal wie sein Fell aufspringt, sein Wolfsfell zerreißt. Dann fällt ihm das ganze Fell ab, und dann steht da -der Mensch.

Der Pfarrer hat diese Geschichte als Weihnachtslegende gebracht, und die, die dabei war, hat mir erzählt, die Leute waren mäuschenstill. Kein Wort hat er sonst gesagt, weil jeder sieht in diesem Bild die tiefe Wahrheit, wie das Wolfshafte, die Aggressionen und das alles abfällt und wie durch diese Liebe, durch die bedingungslose Liebe, der Mensch zum Menschen wird.

So gibt es diese vielen, vielen Möglichkeiten zum Aufmerksam-Machen auf das Eigentliche, was sich in Jesus erfüllt hat, in der Geschichte, weil gerade das, was IHN erfüllt hat, der Geist Gottes durch IHN in unsere Welt unverlierbar über historische Vergänglichkeiten eingegangen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!