Strahlkraft

Lebendiges Gedankengut von Pfarrer Elmar Gruber e.V.

ELMAR GRUBERS PREDIGT ZUM NÄCHSTEN SONNTAG ODER FEIERTAG – IMMER AKTUELL!

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: PREDIGTEN DURCH DAS KIRCHENJAHR)

VORWORT

IDEAL IN DEN ZEITEN DES UKRAINE-KRIEGS, DES KLIMAWANDELS  – DIESE WORTE GEBEN KRAFT UND HOFFNUNG!

VERKÜNDIGUNG VON GOTTES WORT DURCH DIE PREDIGTEN DES HOFFNUNG GEBENDEN PFARRERS ELMAR GRUBER

Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  – seit dem 1. Advent 2025 (30. November 2025) ist Lesejahr A.

Immer die aktuelle Predigt!

Inspiration für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!

Auch als Predigt-Vorlagen!

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.

Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.

Danke, Helga! Ohne Dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!

 

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Dreifaltigkeitssonntag A

31. Mai 2026

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber  am  29. Mai 1999

 

1. Lesung: Ex 14, 5-6.8-9

2. Lesung: 2 Kor 13, 11-13

Evangelium: Joh 3,16-18

 

Ich begrüße Sie herzlich zum Dreifaltigkeitsfest, dem Fest unseres Gottes! Immer wieder muss unser Glaube gestärkt werden, damit wir aus der Kraft des Glaubens leben können.

 

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Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Auch in einer materiell gelenkten Welt lässt sich die Gottesfrage nicht unterdrücken. Woher kommt das? Weil Gott, ob man glaubt oder nicht glaubt, tatsächlich unumgänglich ist, weil jeder Mensch, auch der Ungläubige, irgendetwas glauben muss, weil er mit dem, was er im Hirn hat, die Lebensprobleme mit der Vernunft nicht lösen kann und letztlich auf Dauer nicht zurechtkommt.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Auch der Unglaube ist ein Glaube. Zu mir hat einmal Einer gesagt: „Ich glaube, was ich sehe.“ Und dann habe ich gesagt: „Das glauben Sie. Ich glaube auch, was ich sehe, aber nicht in der Draufsicht der materiellen Welt, sondern in der Durchsicht durch die materielle Welt, wo alles dann als die Realisierung ewiger Liebe in Erscheinung tritt.“                                                Ein weiteres Problem ist, dass Menschen, motiviert durch ihren Glauben, diese Schrecklichkeiten hervorbringen, Kriege und ähnliche Grausamkeiten, dass sie im Namen Gottes meinen zu handeln, wenn sie ihre Feinde oder die vermeintlichen Feinde Gottes einfach umbringen. Das rührt daher, dass der Mensch immer wieder seine Sünde, also sein Bedürfnis nach Vergeltung, nach Rache, hineinprojiziert in das Gottesbild und damit das Gottesbild, das wir durch Jesus Christus haben oder hätten, verdunkelt, ich möchte sagen, verteufelt, es kriegt teuflische Züge, der Rachegott, usw. Aber das liegt nicht an Gott, sondern am Menschen, der zwar glauben will, aber sich schwertut, weil er seine Prinzipien verlassen muss, verlassen müsste. Und so schleppt er sie immer wieder ins Gottesbild mit hinein.

Nun zum „Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit“: Es wird so theoretisch, wenn es theologisch wird, dass am Schluss kein Mensch mehr weiß, was gemeint ist. Und da entsteht ja diese Feindseligkeit. Denn wenn ich den Glauben habe und davon lebe, dann muss er wahr sein. Und der Mensch versucht, die Wirklichkeiten, die der Glaube hat, immer wieder ins Begriffliche zu übersetzen. Und damit macht er sich fest und hängt sich an Begrifflichkeiten an; und da kommen dann die Unstimmigkeiten zustande, die dann diese Aggressionen hervorrufen, die dann zu dem heiligen Krieg führen im Großen wie im Kleinen, dass man sich gegenseitig verteufelt; angehen tut es ja schon in der Beziehung zwischen zwei Menschen.

Nun dürfen wir fragen: Ja, was will uns denn die Lehre von der heiligsten Dreifaltigkeit als Wirklichkeit Gottes in unserem Leben zeigen? Im heutigen Johannes-Evangelium ist diese Dreifaltigkeit schon etwas praktischer dargestellt. Hier ist von Gott, vom Sohn Gottes und von der rettenden Kraft der Liebe die Rede. Man könnte es ganz einfach sagen, wie es Martin Buber herausgearbeitet hat in seinem Lebenswerk, dass die Lehre der heiligsten Dreifaltigkeit besagen möchte, dass unser Gott ein lebendiger Gott ist, dass unser Gott der Ursprung der Liebe ist, und noch einfacher: Dass unser Gott selbst Beziehung ist.

Wir haben ja schon so oft das Dreieck meditiert, dass das Beziehungssymbol der Menschheit ist. Da muss ein Ursprung da sein, und dann ein Gegenüber. Der Sohn Gottes ist das Gegenüber Gottes, das ER nicht macht, sondern aus sich heraussetzt, der theologische Fachausdruck heißt Zeugen. Ich glaube, man könnte heute sogar das Klonen als ein Bild dafür gebrauchen. Und dann stehen sie sich nicht gegenüber, sondern in der Kraft der Beziehung, die vom Vater und vom Sohn ausgeht, so sagt es das Dogma. Und darüber ist ein Schisma entstanden. Dieses „UND“ soll bedeuten, dass die Kraft vom Vater und von den Liebenden ausgeht. Aber eine eigenständige Größe ist die Liebe, Gott ist die Liebe. Und so kommen wir eigentlich schon an die Grenzen unserer Vernunft.

Ich habe eben versucht deutlich zu machen: Gott ist lebendig, ER ist die Liebe, ER ist die Beziehung in sich selber, die sich dann auch in Beziehung setzt nach außen. Die Viktoriner Schule – Richard von St. Viktor – hat in der Theologiegeschichte versucht, das herauszustellen, dass Gott sich in der ganzen Schöpfung auswirkt, realisiert, in Beziehung setzt, die Schöpfung in sich und zu sich hat.

Ja, nun aber zum Praktischen: „ER hat SEINEN Sohn in die Welt gesandt, damit jeder, der an IHN glaubt, nicht mehr zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ Wir müssen immer wieder denken, dass Gott Mensch geworden ist, damit wir den Sinn dieses Lebens erkennen, damit wir die Herrlichkeit dieser Welt erfassen im Glauben. Wenn wir „Ewiges Leben“ hören, denken wir immer nach unserem Tod, ja, da auch, selbstverständlich. Aber es geht darum, dass wir das ewige Leben, das eigentliche Leben, die Kraft der Freude, die Kraft des Glücks, als Gottesgeschenk hier erfassen, dass wir mit den glaubenden Augen die Welt betrachten und dann in jeder Blume, in jedem Sonnenstrahl bis hin zu den Sakramenten die Liebe Gottes entdecken und erfahren können. Gott will durch die Menschwerdung, dadurch dass ER SEINEN Sohn in die Welt gesandt hat, die Welt retten vor uns und für uns, vor unseren materialistischen, zerstörerischen Zugriff. ER will, dass sie uns als Garten, als SEIN Garten, erhalten bleibt, indem ER uns Gärtneraufträge gegeben hat, dass wir in dieser Welt die ewige Freude schon erlangen, dass also wir gerettet werden für die Freude, dass die Welt gerettet wird für die Freude, für das ewige Leben. Dann wird der Satz auch verständlich: „ER will die Welt nicht richten, nicht bestrafen, sondern richten im Sinn von Rettung, für die jetzige Situation.“ Und wer nicht glaubt, dass Gott die Liebe ist, der ist in dem Sinn schon gerichtet, (der hat halt die ganzen Scheußlichkeiten dieser Welt), der kann Gott nicht mehr sehen in der Blume, im Sonnenstrahl, der sieht dann eben das Schreckliche, das er selber in seinem Unglauben produziert. Wer glaubt, der wird gerettet in dieser Welt und für den wird die Welt gerettet – eben schon jetzt.

Und so wird schließlich auch wichtig, welches Gottesbild wir haben. Dass Gott SEINEN Sohn in die Welt gesandt hat, das ist wohl das Großartigste. Was wollte Gott? ER wollte uns befreien von der Vorstellung des zornigen, beleidigten, strafenden, rächenden Gottes, von diesen Vergiftungen des Gottesbildes. Baal, den Gott dieser Welt, haben wir in Gott hineinprojiziert.

GOTT schafft den Raum, wo Heilung möglich ist. Das ist der Raum, wo nicht verurteilt und bestraft wird,  wo auch das NICHT-SEIN-SOLLENDE als solches sein darf, wo wir als Schuldige sein dürfen und nicht abgewürgt, nicht vernichtet werden, sondern umgeben werden von Liebe, die uns zu dem führt, was sein soll – zur FREIHEIT.

Gott ist die Liebe, ER hat SEINEN Sohn in die Welt gesandt, dass wir durch diese Welt hindurch die ewige Liebe finden, und dazu Geborgenheit finden, zur Befreiung von allen Ängsten, zur ewigen Freude, schon jetzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Lesung: Nehemia 8, 2-4.5-6.8-10
  2. Lesung: 1 Korinther 12, 12-30

Evangelium: Lukas 1, 1-4;4, 14-21

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Ich begrüße Sie herzlich zum 3. Sonntag im Jahreskreis! In der Lesung weist uns der Apostel Paulus darauf hin, dass wir alle  E I N E R  sind, der Leib Christi, jeder mit seinen Fähigkeiten, mit seinen Gaben, die Aufgaben sind.

Im Evangelium zeigt uns Lukas sein Anliegen, warum er das Evangelium geschrieben hat und auch, was die Sendung Jesu eigentlich ist.

 

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Das Evangelium heute greift eine schwierige Situation auf, die wir gerade in unserer Zeit wieder vorfinden:

Woher bekommen wir die Gewissheiten unseres Glaubens? Wo finden wir sie? Wir werden feststellen, dass wir, die wir noch Vorstellungen haben wie vor fünfzig Jahren, umdenken müssen, um die eigentliche Botschaft, das Eigentliche, was Jesus gebracht hat, nicht zu verlieren.

Es geht hier um die historische Zuverlässigkeit der Berichte über das Leben Jesu. Da sagt uns die heutige Wissenschaft, dass wir über die praktisch historische Zuverlässigkeit im Neuen Testament nichts finden. Wie ich im Studium war, da war die große Problematik, ob es Jesus überhaupt gegeben hat, ob wir nicht nur den Jesus des Glaubens, den literarischen Jesus haben; das ist überwunden. An der historischen Wirklichkeit Jesu zweifelt heute niemand.

 

Aber, wer war dieser Jesus?

Historisch gesehen war ER wohl mehr als nur dieser Ausschnitt, den uns die Evangelien zeigen.

Die Sprachforscher, die aramäisch, jüdisch, hebräisch beherrschen, die sagen, das Thomasevangelium ist eines der ältesten Schriften, es zeigt uns Jesus als Weisheitslehrer, der in Sequenzen, in Versen gesprochen hat, die man auswendig lernen kann, damit SEINE Jünger SEINE Lehre weitergeben können.

Als ich vor ca. dreißig Jahren den Auftrag bekam, diese neuen biblischen Ergebnisse der Lehrerschaft, die Religionsunterricht geben, zu vermitteln, war das äußerst schwierig.

„Ja, wenn das alles nicht mehr stimmt, wenn das Jesus nicht wortwörtlich gesagt hat, ja dann geben wir keinen Religionsunterricht, keinen Bibelunterricht mehr.

In meiner Kinderzeit hat man noch gelernt, dass den Jonas der Walfisch gefressen und dann wieder ausgespuckt hat. Das ist mir zum Verhängnis geworden, weil ich das so nicht glauben konnte, dass Jonas, der im Bauch des Walfisches war, das Beten angefangen hat. Doch mir hat der Religionslehrer – ich habe ihm längst verziehen – gesagt: „Das musst Du glauben, das ist Wort Gottes. Wenn Du das nicht glaubst, dass der Walfisch den Jonas gefressen hat und dass der im Bauch gebetet hat und dann nach drei Tagen wieder ans Land kam, dann hast Du eine Todsünde.“

Ich habe es immer wieder gebeichtet, weil ich den Jonas nicht glauben konnte. Dann habe ich im Lexikon auch noch gelesen, dass der Walfisch so einen engen Schlund hat wie ein Mensch, dass da kleine Krebse durchgehen können, aber nie ein unzerkleinerter Prophet.

Und der Beichtvater hat gesagt: „Wenn Du das nicht glaubst, kann ich Dir nicht mehr die Absolution erteilen“ (in welchen Zwängen muss der gewesen sein). Das war für mich Verdammung; ich habe den Jonas nicht glauben können.

Dass das eine Lehrgeschichte ist, wo man sagen muss: Stell dir das mal vor, da musste ein Prophet lernen, dass Gott die Leviten auch mag, dass ER jeden mag, der sich bekehrt und liebend wird, bildlich gesprochen, dass er einen Prozess durchmacht, verschlungen wird, dann in die Finsternis, ins Unheil kommt, bis er dann geläutert durch diese Prozesse kapiert, dass Gott die Liebe ist – eine wunderbare Geschichte.

 

Ein Kurskollege von mir hat seine Probekatechese gehalten über den Jonas und hat in diesem Sinn gesprochen, und das war vor 40 Jahren. Dann haben die Professoren einen Rat abgehalten, ob man ihn als Ungläubigen entlassen müsste. Aber er ist heute noch ein sehr aufgeschlossener Priester und Pfarrer.

Und so ist es heute das Eigentliche, das Tiefe, das Innere, das Unvergängliche, das uns in diesen Sinngestalten nahegebracht wird. Wenn uns das aufgeht, dann ist es nicht mehr wichtig, ob es genauso historisch geschehen ist wie es da steht.

 

Und jetzt kommt Einer und sagt, bei Lukas steht doch genau: „Ich habe mich entschlossen, allem von Anfang an nachzuforschen, um es der Reihe nach aufzuschreiben, und so kannst du dich auf mich verlassen.“ Es waren Überlieferungsstücke, Erzählungen, Erinnerungen, und jeder, der ein Buch schreibt, der braucht eine Gliederung, wie er alles zusammenbaut, damit der Leser möglichst gut auf das Eigentliche kommt.

 

 

 

 

Und was aber Lukas zeigen möchte, geschieht im Innern des Sprachlichen, wo der Prophet sagt: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den  Gefangenen (das sind die Eingesperrten, die mit sich und anderen innerlich und äußerlich Eingesperrten) die Freiheit zu bringen, den Blinden das Augenlicht (der Durchblicke eröffnet, der Zusammenhänge vermittelt, der möglich macht, alles einzuordnen, der es möglich macht, mit seinem Leben mit den vielen Rätseln zu leben und umzugehen und einfach, der die Zerschlagenen, die Kaputten wieder richtet, repariert).“  Das will er zeigen.

Man hat auch zur Zeit Jesu gedacht, der Messias müsste politisch sein, wie David, so wie David es für kurze Zeit fertiggebracht hat, ein Friedensreich aufzubauen. Jesus soll die Römer vertreiben, ER soll die Herrschaft, das Etablissement der Schriftgelehrten und Pharisäer, durchbrechen. Auf dieser Ebene, irdisch gesehen, ist Jesus total gescheitert. Und nun sagen heute auch die Wissenschaftler, wollte man die Glaubensgewissheit auf historische Daten festlegen, dann würde das Christentum das dritte Jahrtausend nicht überstehen. Würde man nicht sozusagen die inneren Wirklichkeiten, das, was Jesus uns bedeutet, das Unvergängliche in die Gegenwart bringen, dann könnte es uns im Leben auch nicht mehr tragen. Dann sind wir dauernd mit unserem Glauben dem Streit der Wissenschaftler ausgesetzt, die heute das reden und morgen was Anderes, dann muss man sich in einem Jahr ein paarmal umstellen.

 

So kommt jetzt ein Wort – da ist das Entscheidende drin, wenn Lukas schreibt:

„Jesus kehrte von der Kraft des Geistes erfüllt zurück.“

Das ist SEINE innere Erfüllung mit Gott, mit der Botschaft von der Liebe Gottes. Und so zeigt uns gerade Lukas Jesus als den Heiland der Armen, der in der Kraft der Liebe verbindet und offenbar macht, wie die Menschen befreit und erlöst werden können.

Wenn wir die frohe Botschaft als Lebenskraft erfahren wollen, als eine Kraft, die uns im Leben trägt, auch wenn äußerlich alles schiefgeht, die uns trägt in der Krankheit, durch die Krankheit, in der Armut und in unserer Schuld, in unserer Zerrissenheit, unserer Schwachheit, wenn das aufgeht, in unserem ganzen Bewusstsein aufgeht, dann trägt es unser Leben.

 

Nun kommen wir wieder auf das, worum wir uns ja dauernd bemühen:

Gott liebt dich immer, bedingungslos, unverlierbar, und die Anderen auch.

Und das ist die Fülle der Zeit, die Erfüllung unserer Sehnsucht, die auch, wie Augustinus sagt, als unerfüllte Sehnsucht in jedem Menschen verborgen ist. Das, wonach du dich sehnst, das gab es immer und das gibt es, und darum ist Gott Mensch geworden, damit das ganz menschlich sichtbar und erfahrbar wird.

 

 

Hängt euch doch nicht fest an dem Äußeren, das sind Vorstellungshilfen, damit das Innere aufgehen kann und euch tragen kann; das ist eben Mystik. Und das meint das viel zitierte Wort von Karl Rahner: „Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein.“

So versteht es auch Jesus, er zitiert Jesaja: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen.“ Und wenn Jesus sagt, das ist heute in Erfüllung gegangen, das mag vielleicht anmaßend klingen, aber es heißt, IHM ist bewusst, das, was ER zu bringen hat, ist kein menschliches Fabrikat, sondern das ist IHM gegeben, das ist die Kraft des Geistes.

„Der Geist des Herrn ruht auf IHM“, d.h., was ich euch sage, das ist mein Auftrag. Und so müsste eigentlich jedem Religionslehrer, Priester, Pfarrer bewusst sein, dass er nicht seine eigenen Aggressionen oder Probleme auszuschütten hat, wenn er von Gott redet, sondern dass er das, was der Geist durch Jesus geoffenbart hat, zu vermitteln hat so gut es geht, so dass ich ganz ehrlich sagen müsste, ich will ja nicht meine Weisheit vortragen, sondern das, wovon ich sagen kann, das trägt mein Leben, ich bin davon überzeugt. Dann kommt der Einzelne dazu, der aus seiner Lebenserfahrung heraus sagen kann, so wie Paulus einfach sagt: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe“ – es ist nicht mein Gebilde, was ich weitergebe.

 

Dass das sichtbar wird, dass es nicht so schwierig ist, ein kleines Beispiel:

Es ist ein Beispiel, wie eine Legende tiefste Wahrheit enthält. Mir hat bei einer Tagung jemand erzählt von einer Weihnachtspredigt. Eine ganz kurze Geschichte, in der alles gesagt ist, was Jesus bringt. Das ist die Geschichte, die Geschichte vom Wolf, der das Jesuskind fressen wollte:

Es ist die Heilige Nacht auf den Fluren von Bethlehem: Die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf sie, und der Wolf kommt wie jede Nacht zur Herde und holt sich ein Lämmlein, so als Nachtessen. Und dann ist der Wolf jetzt da auf den Fluren von Bethlehem, und dann fragt er sich, was ist denn da heute los? Was ist da für eine Aufregung, und er horcht und er horcht, bis er hört von einem Kind, von einem neugeborenen Kind. Er denkt, uih, ein neugeborenes Kind, das wäre mal was Anderes als immer die langweiligen Lämmer. Das Kind im Stall hole ich mir. Und dann schleicht er sich wieder zurück, und wie es finster und ruhig ist, schleicht er sich an den Stall heran und alle schnarchen und schlafen schon. Nur vom Kind hört er noch einen Krächzer, das Kind ist also noch wach. Er wartet noch ein bisschen, und dann geht er an die Krippe hin und denkt: Ah, jetzt hab‘ ich’s! Er streckt seinen Kopf und macht sein Maul auf, und dann

streichelt das Kind seine Schnauze und krault ihn hinten am Kopf. Und auf einmal kann er das Kind nicht mehr fressen.

 

 

 

 

 

Und noch etwas geht in ihm vor, er merkt auf einmal wie sein Fell aufspringt, sein Wolfsfell zerreißt. Dann fällt ihm das ganze Fell ab, und dann steht da -der Mensch.

Der Pfarrer hat diese Geschichte als Weihnachtslegende gebracht, und die, die dabei war, hat mir erzählt, die Leute waren mäuschenstill. Kein Wort hat er sonst gesagt, weil jeder sieht in diesem Bild die tiefe Wahrheit, wie das Wolfshafte, die Aggressionen und das alles abfällt und wie durch diese Liebe, durch die bedingungslose Liebe, der Mensch zum Menschen wird.

So gibt es diese vielen, vielen Möglichkeiten zum Aufmerksam-Machen auf das Eigentliche, was sich in Jesus erfüllt hat, in der Geschichte, weil gerade das, was IHN erfüllt hat, der Geist Gottes durch IHN in unsere Welt unverlierbar über historische Vergänglichkeiten eingegangen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!