VORWORT
IDEAL IN DEN ZEITEN DES UKRAINE-KRIEGS, DES KLIMAWANDELS – DIESE WORTE GEBEN KRAFT UND HOFFNUNG!
VERKÜNDIGUNG VON GOTTES WORT DURCH DIE PREDIGTEN DES HOFFNUNG GEBENDEN PFARRERS ELMAR GRUBER
Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C – seit dem 1. Advent 2025 (30. November 2025) ist Lesejahr A.
Immer die aktuelle Predigt!
Inspiration für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!
Auch als Predigt-Vorlagen!
Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.
Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.
Danke, Helga! Ohne Dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!
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18. Sonntag im Jahreskreis A –
02. August 2026
Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 05.06.1990
1. Lesung: Jes. 55, 1- 3„Kommt und esst“
2. Lesung: Röm 8, 35.37- 39„Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes.“
Evangelium: Mt 14, 13-21 „Alle aßen und wurden satt.“
Ich begrüße Sie herzlich zu unserer Eucharistiefeier am 18. Sonntag im Jahreskreis! Während wir die letzten zwei Sonntage den Himmel auf Erden betrachtet haben, zeigen uns die heiligen Texte heute, was den Himmel auf dieser Erde ausmacht, woher er kommt und wo es auch an uns liegt, damit uns dieses irdische Dasein zum Himmel werden kann und wird. Paulus sagt uns: „Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes.“ Und im Evangelium wird uns die Geschichte von der Brotvermehrung erzählt.
Predigt:
Liebe Schwestern und Brüder!
Ich glaube, es ist etwas ganz Wichtiges, was die heiligen Texte uns heute sagen. Das Erste, was uns Paulus direkt einhämmern möchte, ist in der Frage eingefangen: „Was kann uns trennen von der Liebe Christi?“ Das heißt, mach es Dir immer wieder bewusst, Tag für Tag: Von der Liebe Gottes, die in Jesus auf den Menschen zukommt, kann Dich nichts und auch gar nichts trennen.
Der Kernpunkt unserer Betrachtung ist: Das Geliebt-Sein von Gott ist die Quelle, aus der ein ganz neuer Mensch kommt. Die Bibel weiß es in vielen Ausdrücken darzustellen: Der „Neue Mensch“, die „Neue Schöpfung“, der „Neue Adam“. Gemeint ist immer das Gleiche: Wenn Dir bewusst ist, dass Du unter allen Umständen unverlierbar geliebt bist und Dir das nie verloren geht, dann wirst Du automatisch ein ganz neuer Mensch, und zwar ein Mensch, der im Prinzip auch nur lieben kann, wie es ja auch im 1. Johannes-Brief steht: „Wenn uns Gott so liebt, dann müssen wir auch lieben.“ Dieses „Müssen“ ist nicht ein moralisches Müssen, sondern es ist ein Müssen der Konsequenz, dann geht es einfach nicht anders. So lassen wir uns diesen Impuls sagen: Es kann mich nichts trennen von SEINER Liebe! Wenn wir meinen, wir sind getrennt von SEINER Liebe, weil es uns schlecht geht, weil wir krank sind, weil wir das nicht haben, was wir haben möchten, wagen wir es trotzdem und trauen wir uns zu, was Paulus sagt, zu uns selbst zu sagen: „DU BIST GELIEBT!“
Nicht einmal die Sünde kann uns von Gott trennen. Sie können sagen, dass das ja das Wesen der Sünde ist, die Trennung von Gott. Ja, ich kann mich zwar von Gott trennen. Und jetzt kommt das Paradoxe: ER trennt sich aber nicht von mir. ER liebt auch den Sünder, ER hört nie auf, den Menschen zu lieben, wie auch gute Eltern die Kinder immer lieben, auch wenn sie „böse“ sind.
Wenn ich Gott nicht spüre, SEINE Liebe nicht spüre, dann muss der Fehler auf meiner Seite liegen. Ich habe mich vielleicht in meinem allzu irdischen, materialistischen Denken irgendwie abgesondert von SEINER Liebe.
Das wäre mal so die Basis unserer ganzen christlichen Existenz, die mir dieses Leben zum Himmel machen kann – aus SEINEM Geliebt-Sein zu leben. Die Brotvermehrungsgeschichte ist dann die Praxis. Wollen wir uns zwei Momente Anschauen – einmal das „ESSEN“. Es ist ER, der Dich im Essen und Trinken ganz praktisch am Leben erhält. In den ganz irdischen Vorgängen ist es SEINE Liebe, die Du spüren kannst, wenn Du Dich darauf einlässt. Du sollst ja nicht nur denken, dass ER Dich liebt, Du sollst es mit jedem Bissen hineinessen. Die Lust beim Essen und Trinken soll Dir zeigen: Ich liebe Dich, spüre doch, wie schön das Leben ist, wie ich Dich will, und wie gut es ist, dass es Dich gibt. Das schöne deutsche Wort Vermählung klammert ja zwei Sinnbereiche zusammen. Ver m ä h l ung – das Essen und Trinken, das uns verbindet mit Gott und untereinander im Mahl des Lebens. Vermählung ist der ganze Bereich der geschlechtlichen Begegnung, wo es die Liebe Gottes ist, die ganz praktisch in allen sinnenhaften Vorgängen körperlich erfahren wird.
Dann kommt nun das Dichteste, die Eucharistie, wo ER sich selbst in der konkreten Gestalt des Jesus von Nazareth, in dieser Mensch gewordenen Liebe, sich uns gibt, damit wir SEINE Liebe uns einverleiben können und ein Leib werden, mit IHM und miteinander. Das wäre also das Zweite, das wir in den praktischen Lebensvorgängen nicht materialistisch, konsumhaft abkoppeln von der Liebe Gottes, sondern im Gegenteil erleben, dass alles Irdische im weitesten Sinn Sakrament werden kann, wo wir die Liebe Gottes sehen, hören, riechen, schmecken. Dann kann auch ein positives Lebensgefühl zustandekommen.
Ich denke mir immer, wie arm Menschen dran sind, die diese Liebe nicht haben, die so materialistisch von einem Konsumfest, von einem Sommerfest zum anderen rennen und bloß Konsumartikel herbeischleppen können und aufnehmen können. Aber die Freude kommt nicht auf. Man ist mehr oder weniger übersättigt, aber die Freude ist nicht da. ER ist die Wurzel der Freude!
Und zum Letzten, was das ganze Sozialprogramm des Glaubenden darstellt, es ist in einem Wort ausgedrückt: „TEILEN“. „Gebt Ihr ihnen zu essen!“ Gott gibt nicht unmittelbar, dass ER jedem das Seine zuteilt, sondern ER erwartet, dass der, der mehr hat, dem gibt, der weniger hat, weil ER alle liebt. „Was hast Du, das Du nicht empfangen hättest?“ Das geht uns schon auf den Nerv, weil wir gesellschaftlich und wirtschaftlich gesehen ein Anrecht haben auf das, was wir uns erwirtschaftet haben. Das ist einmal die juristische, soziale Ordnung, ohne die man nicht existieren kann. Aber nun kommt das eigentliche, existenzielle Problem. Obwohl ich wirtschaftlich gesehen ein Anrecht habe, weiß ich letztlich aber: Von Gott her habe ich kein Anrecht, alles ist SEINE Gabe. Wenn ich diese Anspruchslosigkeit im Teilen realisiere, dann reicht es für alle. Wie schwer sich Menschen im Prinzip dabei tun, erleben wir ja weltweit mit dem Hunger auf der Welt. Das erleben wir aber auch in unserer politischen Situation. Mich ärgert es auch, wenn ich in den Nachrichten höre, dass Milliarden gefordert werden und gefordert und wieder gefordert werden. Da sehen wir genau das Konsumprinzip – Geiz und Neid. Aber haben wir ein Anrecht drauf? Wie werden wir den Ausgleich schaffen, damit der soziale Friede erhalten bleibt und wir in unserer Habsucht nicht innerlich böse werden, wenn da nicht das Christliche reinkommt? Letztlich sind wir alle Kinder des einen Vaters. Da wird es eben ganz persönlich, ob wir von unseren Milliarden leben oder von SEINER Liebe, die wir vielleicht am dichtesten erfahren, wenn wir es fertigbringen zu teilen – im Kleinen wie im Großen. Sie haben nichts zu essen. Sie haben keinen Lebensstandard, es fehlen die Millionen! Lassen wir uns von IHM sagen: „GEBT IHR IHNEN ZU ESSEN!“
Amen.
- Lesung: Nehemia 8, 2-4.5-6.8-10
- Lesung: 1 Korinther 12, 12-30
Evangelium: Lukas 1, 1-4;4, 14-21
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Ich begrüße Sie herzlich zum 3. Sonntag im Jahreskreis! In der Lesung weist uns der Apostel Paulus darauf hin, dass wir alle E I N E R sind, der Leib Christi, jeder mit seinen Fähigkeiten, mit seinen Gaben, die Aufgaben sind.
Im Evangelium zeigt uns Lukas sein Anliegen, warum er das Evangelium geschrieben hat und auch, was die Sendung Jesu eigentlich ist.
Predigt:
Liebe Schwestern und Brüder!
Das Evangelium heute greift eine schwierige Situation auf, die wir gerade in unserer Zeit wieder vorfinden:
Woher bekommen wir die Gewissheiten unseres Glaubens? Wo finden wir sie? Wir werden feststellen, dass wir, die wir noch Vorstellungen haben wie vor fünfzig Jahren, umdenken müssen, um die eigentliche Botschaft, das Eigentliche, was Jesus gebracht hat, nicht zu verlieren.
Es geht hier um die historische Zuverlässigkeit der Berichte über das Leben Jesu. Da sagt uns die heutige Wissenschaft, dass wir über die praktisch historische Zuverlässigkeit im Neuen Testament nichts finden. Wie ich im Studium war, da war die große Problematik, ob es Jesus überhaupt gegeben hat, ob wir nicht nur den Jesus des Glaubens, den literarischen Jesus haben; das ist überwunden. An der historischen Wirklichkeit Jesu zweifelt heute niemand.
Aber, wer war dieser Jesus?
Historisch gesehen war ER wohl mehr als nur dieser Ausschnitt, den uns die Evangelien zeigen.
Die Sprachforscher, die aramäisch, jüdisch, hebräisch beherrschen, die sagen, das Thomasevangelium ist eines der ältesten Schriften, es zeigt uns Jesus als Weisheitslehrer, der in Sequenzen, in Versen gesprochen hat, die man auswendig lernen kann, damit SEINE Jünger SEINE Lehre weitergeben können.
Als ich vor ca. dreißig Jahren den Auftrag bekam, diese neuen biblischen Ergebnisse der Lehrerschaft, die Religionsunterricht geben, zu vermitteln, war das äußerst schwierig.
„Ja, wenn das alles nicht mehr stimmt, wenn das Jesus nicht wortwörtlich gesagt hat, ja dann geben wir keinen Religionsunterricht, keinen Bibelunterricht mehr. “
In meiner Kinderzeit hat man noch gelernt, dass den Jonas der Walfisch gefressen und dann wieder ausgespuckt hat. Das ist mir zum Verhängnis geworden, weil ich das so nicht glauben konnte, dass Jonas, der im Bauch des Walfisches war, das Beten angefangen hat. Doch mir hat der Religionslehrer – ich habe ihm längst verziehen – gesagt: „Das musst Du glauben, das ist Wort Gottes. Wenn Du das nicht glaubst, dass der Walfisch den Jonas gefressen hat und dass der im Bauch gebetet hat und dann nach drei Tagen wieder ans Land kam, dann hast Du eine Todsünde.“
Ich habe es immer wieder gebeichtet, weil ich den Jonas nicht glauben konnte. Dann habe ich im Lexikon auch noch gelesen, dass der Walfisch so einen engen Schlund hat wie ein Mensch, dass da kleine Krebse durchgehen können, aber nie ein unzerkleinerter Prophet.
Und der Beichtvater hat gesagt: „Wenn Du das nicht glaubst, kann ich Dir nicht mehr die Absolution erteilen“ (in welchen Zwängen muss der gewesen sein). Das war für mich Verdammung; ich habe den Jonas nicht glauben können.
Dass das eine Lehrgeschichte ist, wo man sagen muss: Stell dir das mal vor, da musste ein Prophet lernen, dass Gott die Leviten auch mag, dass ER jeden mag, der sich bekehrt und liebend wird, bildlich gesprochen, dass er einen Prozess durchmacht, verschlungen wird, dann in die Finsternis, ins Unheil kommt, bis er dann geläutert durch diese Prozesse kapiert, dass Gott die Liebe ist – eine wunderbare Geschichte.
Ein Kurskollege von mir hat seine Probekatechese gehalten über den Jonas und hat in diesem Sinn gesprochen, und das war vor 40 Jahren. Dann haben die Professoren einen Rat abgehalten, ob man ihn als Ungläubigen entlassen müsste. Aber er ist heute noch ein sehr aufgeschlossener Priester und Pfarrer.
Und so ist es heute das Eigentliche, das Tiefe, das Innere, das Unvergängliche, das uns in diesen Sinngestalten nahegebracht wird. Wenn uns das aufgeht, dann ist es nicht mehr wichtig, ob es genauso historisch geschehen ist wie es da steht.
Und jetzt kommt Einer und sagt, bei Lukas steht doch genau: „Ich habe mich entschlossen, allem von Anfang an nachzuforschen, um es der Reihe nach aufzuschreiben, und so kannst du dich auf mich verlassen.“ Es waren Überlieferungsstücke, Erzählungen, Erinnerungen, und jeder, der ein Buch schreibt, der braucht eine Gliederung, wie er alles zusammenbaut, damit der Leser möglichst gut auf das Eigentliche kommt.
Und was aber Lukas zeigen möchte, geschieht im Innern des Sprachlichen, wo der Prophet sagt: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den Gefangenen (das sind die Eingesperrten, die mit sich und anderen innerlich und äußerlich Eingesperrten) die Freiheit zu bringen, den Blinden das Augenlicht (der Durchblicke eröffnet, der Zusammenhänge vermittelt, der möglich macht, alles einzuordnen, der es möglich macht, mit seinem Leben mit den vielen Rätseln zu leben und umzugehen und einfach, der die Zerschlagenen, die Kaputten wieder richtet, repariert).“ Das will er zeigen.
Man hat auch zur Zeit Jesu gedacht, der Messias müsste politisch sein, wie David, so wie David es für kurze Zeit fertiggebracht hat, ein Friedensreich aufzubauen. Jesus soll die Römer vertreiben, ER soll die Herrschaft, das Etablissement der Schriftgelehrten und Pharisäer, durchbrechen. Auf dieser Ebene, irdisch gesehen, ist Jesus total gescheitert. Und nun sagen heute auch die Wissenschaftler, wollte man die Glaubensgewissheit auf historische Daten festlegen, dann würde das Christentum das dritte Jahrtausend nicht überstehen. Würde man nicht sozusagen die inneren Wirklichkeiten, das, was Jesus uns bedeutet, das Unvergängliche in die Gegenwart bringen, dann könnte es uns im Leben auch nicht mehr tragen. Dann sind wir dauernd mit unserem Glauben dem Streit der Wissenschaftler ausgesetzt, die heute das reden und morgen was Anderes, dann muss man sich in einem Jahr ein paarmal umstellen.
So kommt jetzt ein Wort – da ist das Entscheidende drin, wenn Lukas schreibt:
„Jesus kehrte von der Kraft des Geistes erfüllt zurück.“
Das ist SEINE innere Erfüllung mit Gott, mit der Botschaft von der Liebe Gottes. Und so zeigt uns gerade Lukas Jesus als den Heiland der Armen, der in der Kraft der Liebe verbindet und offenbar macht, wie die Menschen befreit und erlöst werden können.
Wenn wir die frohe Botschaft als Lebenskraft erfahren wollen, als eine Kraft, die uns im Leben trägt, auch wenn äußerlich alles schiefgeht, die uns trägt in der Krankheit, durch die Krankheit, in der Armut und in unserer Schuld, in unserer Zerrissenheit, unserer Schwachheit, wenn das aufgeht, in unserem ganzen Bewusstsein aufgeht, dann trägt es unser Leben.
Nun kommen wir wieder auf das, worum wir uns ja dauernd bemühen:
Gott liebt dich immer, bedingungslos, unverlierbar, und die Anderen auch.
Und das ist die Fülle der Zeit, die Erfüllung unserer Sehnsucht, die auch, wie Augustinus sagt, als unerfüllte Sehnsucht in jedem Menschen verborgen ist. Das, wonach du dich sehnst, das gab es immer und das gibt es, und darum ist Gott Mensch geworden, damit das ganz menschlich sichtbar und erfahrbar wird.
Hängt euch doch nicht fest an dem Äußeren, das sind Vorstellungshilfen, damit das Innere aufgehen kann und euch tragen kann; das ist eben Mystik. Und das meint das viel zitierte Wort von Karl Rahner: „Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein.“
So versteht es auch Jesus, er zitiert Jesaja: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen.“ Und wenn Jesus sagt, das ist heute in Erfüllung gegangen, das mag vielleicht anmaßend klingen, aber es heißt, IHM ist bewusst, das, was ER zu bringen hat, ist kein menschliches Fabrikat, sondern das ist IHM gegeben, das ist die Kraft des Geistes.
„Der Geist des Herrn ruht auf IHM“, d.h., was ich euch sage, das ist mein Auftrag. Und so müsste eigentlich jedem Religionslehrer, Priester, Pfarrer bewusst sein, dass er nicht seine eigenen Aggressionen oder Probleme auszuschütten hat, wenn er von Gott redet, sondern dass er das, was der Geist durch Jesus geoffenbart hat, zu vermitteln hat so gut es geht, so dass ich ganz ehrlich sagen müsste, ich will ja nicht meine Weisheit vortragen, sondern das, wovon ich sagen kann, das trägt mein Leben, ich bin davon überzeugt. Dann kommt der Einzelne dazu, der aus seiner Lebenserfahrung heraus sagen kann, so wie Paulus einfach sagt: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe“ – es ist nicht mein Gebilde, was ich weitergebe.
Dass das sichtbar wird, dass es nicht so schwierig ist, ein kleines Beispiel:
Es ist ein Beispiel, wie eine Legende tiefste Wahrheit enthält. Mir hat bei einer Tagung jemand erzählt von einer Weihnachtspredigt. Eine ganz kurze Geschichte, in der alles gesagt ist, was Jesus bringt. Das ist die Geschichte, die Geschichte vom Wolf, der das Jesuskind fressen wollte:
Es ist die Heilige Nacht auf den Fluren von Bethlehem: Die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf sie, und der Wolf kommt wie jede Nacht zur Herde und holt sich ein Lämmlein, so als Nachtessen. Und dann ist der Wolf jetzt da auf den Fluren von Bethlehem, und dann fragt er sich, was ist denn da heute los? Was ist da für eine Aufregung, und er horcht und er horcht, bis er hört von einem Kind, von einem neugeborenen Kind. Er denkt, uih, ein neugeborenes Kind, das wäre mal was Anderes als immer die langweiligen Lämmer. Das Kind im Stall hole ich mir. Und dann schleicht er sich wieder zurück, und wie es finster und ruhig ist, schleicht er sich an den Stall heran und alle schnarchen und schlafen schon. Nur vom Kind hört er noch einen Krächzer, das Kind ist also noch wach. Er wartet noch ein bisschen, und dann geht er an die Krippe hin und denkt: Ah, jetzt hab‘ ich’s! Er streckt seinen Kopf und macht sein Maul auf, und dann –
streichelt das Kind seine Schnauze und krault ihn hinten am Kopf. Und auf einmal kann er das Kind nicht mehr fressen.
Und noch etwas geht in ihm vor, er merkt auf einmal wie sein Fell aufspringt, sein Wolfsfell zerreißt. Dann fällt ihm das ganze Fell ab, und dann steht da -der Mensch.
Der Pfarrer hat diese Geschichte als Weihnachtslegende gebracht, und die, die dabei war, hat mir erzählt, die Leute waren mäuschenstill. Kein Wort hat er sonst gesagt, weil jeder sieht in diesem Bild die tiefe Wahrheit, wie das Wolfshafte, die Aggressionen und das alles abfällt und wie durch diese Liebe, durch die bedingungslose Liebe, der Mensch zum Menschen wird.
So gibt es diese vielen, vielen Möglichkeiten zum Aufmerksam-Machen auf das Eigentliche, was sich in Jesus erfüllt hat, in der Geschichte, weil gerade das, was IHN erfüllt hat, der Geist Gottes durch IHN in unsere Welt unverlierbar über historische Vergänglichkeiten eingegangen ist.
GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!