Strahlkraft

Lebendiges Gedankengut von Pfarrer Elmar Gruber e.V.

DAS VERMÄCHTNIS VON ELMAR GRUBER

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 ABSCHIEDSBRIEF VON PFARRER ELMAR GRUBER AN SEINE FREUNDE UND GEMEINDE

(Um den Brief besser lesen zu können – bitte auf den Brieftext klicken!)


ELMAR GRUBERS GRAB

Aufgenommen 24.03.2018

Aufgenommen 24.03.2018

DAS „AUFERSTEHUNGSGRAB“

Waldfriedhof München, Gräberfeld 123 (aufgenommen am 23. Juni 2012) 

„Auferstehung bedeutet Entgrenzung,

Aufhebung der körperlichen Daseinsgrenze.

Der Auferstandene kann jetzt auf vielerlei Weise

in Erscheinung treten und Menschen begegnen.“

Elmar Gruber

 

 


 

BIOGRAFIE VON PFARRER ELMAR GRUBER

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Elmar Gruber – sein Leben

Aktuell August 2013 435

Elmar Gruber wurde am 24.5.1931 in Prien am Chiemsee geboren. Ab 1932 wohnte er in München, wo er auch das Abitur am Theresien-Gymnasium machte. Anschließend studierte Gruber Philosophie und Theologie in Freising.

1957 wurde er zum Priester geweiht. Seine Kaplanszeit verbrachte er in Feldkirchen, Glonn und Gräfelfing. Dann folgte seine Zeit als Spiritual im Kloster Beuerberg, bevor er als Religionslehrer an verschiedenen Gymnasien in Freising und München wirkte. (Adams-Gymnasium, Ludwigs-Gymnasium, Klenze-Oberrealschule).

Seit 1964 war Elmar Gruber Fachbereichsleiter im Schulreferat der Erzdiözese München und Freising. Er wirkte als Referent für religionspädagogische Ausbildung und Fortbildung der Erzieher, Lehrer, Pastoral- und Gemeindereferenten und Priester. Außerdem war Elmar Gruber in der Erwachsenenbildung und Lehrerseelsorge tätig und leitete Exerzitienkurse und Beratungen.

  Eine der LEITSAETZE GRUBERS IN SEINEM LEBEN:

Jeder Mensch steht in seinem Leben vor der Aufgabe, einen tragenden Sinn zu finden. Für eine christliche Identität beinhaltet dies die Selbst- und Gottfindung.

Diesem Ziel diente Elmar Gruber in seiner praktischen und literarischen Tätigkeit. Dabei versuchte er, Leben und Gott meditierend zu entdecken und aufeinander zu beziehen. Es geht ihm vorrangig um Lebensbeziehungen- zu sich selbst, zum Du und zu Gott, der die Urbeziehung ist.

Elmar Grubers Bücher fordern heraus. Seine Art, theologische Zusammenhänge aufzuspalten und vorzudenken, lässt keine distanzierte Haltung beim Leser zu. Seine spürbare Begeisterung für die immer neu zu erfahrende Zuwendung Gottes bricht in allen Schriften durch. Gruber versteht es dabei, sowohl den jungen Menschen als auch den Erwachsenen mit dieser immer aktuellen Botschaft anzusprechen.

Die Antwort muss der Leser selbst geben: Grubers Gedankengut führt in die Entscheidung.

 

Elmar Gruber in seiner Arbeit mit Symbolen

Elmar Gruber in seiner Arbeit mit Symbolen

ELMAR GRUBERS PREDIGT ZUM NÄCHSTEN SONNTAG ODER FEIERTAG – IMMER AKTUELL!

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VORWORT

IDEAL IN DEN ZEITEN DES UKRAINE-KRIEGS, DES KLIMAWANDELS  – DIESE WORTE GEBEN KRAFT UND HOFFNUNG!

VERKÜNDIGUNG VON GOTTES WORT DURCH DIE PREDIGTEN DES HOFFNUNG GEBENDEN PFARRERS ELMAR GRUBER

Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  – seit dem 1. Advent 2025 (30. November 2025) ist Lesejahr A.

Immer die aktuelle Predigt!

Inspiration für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!

Auch als Predigt-Vorlagen!

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.

Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.

Danke, Helga! Ohne Dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!

 

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Christi Himmelfahrt A – 14. Mai 2026

Predigt Pfarrer Elmar Gruber vom 24. Mai 1990

 

1. Lesung: Apg 1, 1-11 „Während sie unverwandt zum Himmel schauten, wie ER fortging, da standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht Ihr da und schaut zum Himmel? Dieser Jesus, der von Euch weg in den Himmel auf­genommen wurde, wird ebenso wiederkommen wie ihr IHN habt hingehen sehen zum Himmel.“

2. Lesung: Eph 1, 17-23

Evangelium: Mt 28, 16-20 „… Und ich bin bei Euch alle Tage bis zur Vollendung der Welt.“

 

Wir feiern das Fest „Christi Himmelfahrt“, das Fest der Vollendung des Menschen in Gott.

Es will uns wieder zur Besinnung führen, dass die Vollendung unseres Lebens schon hier auf Erden beginnt.

Diese Vollendung geschieht nicht von der Welt aus, sondern von oben her.

 

Wir bitten den Herrn um SEIN Erbarmen, dass wir wieder einen Schritt weiter tun dürfen in diesem Vollendungsprozess.

 

Predigt

 

Liebe Schwestern und Brüder,

unser Blick wird heute wieder ganz stark nach oben gelenkt, dass wir auf-schauen und auf-sehen. So wie es an Weihnachten der Stern ist, der aufgeht, an Ostern die Sonne, die aufgeht und unseren Blick nach oben zieht, so ist es heute der Herr selbst, der in die Vollendung des Vaters geht, der auffährt und unseren Blick nach oben lenkt.

Wir haben eben in der Apostelgeschichte die Erzählung gehört, wie die Jünger dastehen und hinaufschauen und wie die Boten ihre Blicke wieder herunterholen und sagen: „Ihr Männer, was steht Ihr da und schaut zum Himmel?“ Wenn Sie dieses Spiel betrachten, dann entsteht daraus ein Blickwinkel: Der eine Blick ist nach oben gerichtet, der andere ist aufs Irdische gerichtet. Das ist der richtige Blickwinkel, in dem wir unser Leben und all unsere Probleme betrachten können, das ist der Blickwinkel, den wir brauchen, wenn wir einen Einblick – Ausblick –und Durchblick in die letzten Wahrheiten gewinnen wollen. Ein Vers in der Liturgie lautet: „Der Herr fährt auf beim Schalle der Posaunen.“ Lorenz Wachinger, der. bekannte Münchner J3sychoanalytiker,und Theologe, hat in der Zeitschrift „Christ in der Gegenwert“ einen Artikel geschrieben mit der Überschrift „DER
KOMMENDE“. Er macht hier deutlich, dass alles im Leben Jesu in diesen Worten zusammengefasst ist: „ER, der ‚Kommende“. Wenn. ER geht, dann ist das auch immer eine Komponente SEINES Kommens. ER ist gekommen als Mensch und in SEINEM Tod gegangen als Mensch. ER ist gekommen in der Aufer­stehung als der Verklärte, und in der Himmelfahrt geht ER als der Verklärte, der in den drei Boten neben uns steht, um neu zu kommen im Geiste, im großen Pfingstfest und im Pfingstfest jedes einzelnen Menschen, um im Menschen zu wohnen.

So ist „Himmelfahrt“ das Fortgehen des Herrn, ein notwendiges Los-lassen, um IHN ganz in sich neu empfangen zu können in der Vollendung SEINES Kommens, das ein unverlierbares Dasein bedeutet. Im Wort des Evangeliums ist es ja auch angedeutet. Da sagt der Scheidende: „Ich bin bei Euch alle Tage bis zur Vollendung der Welt.“ Diese Spannung ist uns aufgetragen, immer wieder zu meditieren, damit uns immer wieder aufgeht, dass Gott kommen muss, dass wir IHN nicht aus uns haben, dass ER immer wieder neu in unser Leben eintreten muss, damit unser Leben immer mehr nach IHM und von IHM her bestimmt wird.

Noch ein Letztes, in dem vielleicht alles zusammengefasst ist, wie wir es im Credo bekennen in den Worten „Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten“:  Da ist nicht erst und nur gedacht das Ende dieser zeitlichen Welt, sondern das ist gedacht als eine prinzipielle, also eine grundsätzliche, Aussage: ER wird von oben her, vom Vater her, kommen, um uns zu richten – und zwar als Lebende und als Tote. Um den Sinn dieser Worte zu erfassen, müssen wir unser „Richten“ reparieren, richtig machen. Unser kaputtes Leben will ER richten von oben her. Schon jetzt in dieser Welt ist ER der Richter, und von dort erwarten wir IHN aus der Vollendung, immer wieder. Das mag uns ermuntern aufzublicken, wenn wir, in unserem Leben feststellen, dass so Vieles mehr oder weniger kaputt ist. Die Rettung, das Gerichtet-Werden, kommt nicht von unseren Techniken, nicht vom Irdischen, sondern allein von SEINEM Geist.

Wenn wir in dieser Welt auch etwas loslassen, hergeben müssen, vielleicht wenn uns der Tod liebgewordene Menschen nimmt, liebgewordene Gedanken, Vorstellungen, das ist das Entscheidende, dass wir wissen, wohin wir das alles geben – nämlich in die Vollendung Gottes, damit wir es von IHM her wieder neu empfangen, vergeistigt, verewigt und unverlierbar.

So gibt uns das Fest „Christi Himmelfahrt“ einen Impuls zur Hoffnung und einen Impuls, bewusst auf unser Leben in diesem Blickwinkel zu schauen und es zu erfassen und von IHM her das Heil zu erlangen, schon jetzt in den Problemen unseres irdischen Daseins.‘

 

7. Sonntag nach Ostern A

17. Mai 2026

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 23. Mai 1993

 

1. Lesung: Apg 1, 12-14 „Sie alle verharrten einmütig im Gebet.“

2. Lesung: 1 Petr 4, 13-16 „Freut Euch, dass Ihr Anteil am Leiden Christi habt!“

Evangelium: Joh 17, 1-11a „Vater, verherrliche Deinen Sohn!“

 

Ich begrüße Sie herzlich zum 7. österlichen Sonntag! In unserer Kirche wird immer für die Erstkommunionfeier geschmückt. Es ist auch das Anliegen der ganzen Gemeinde, dass wir die Kinder in unser Gebet einschließen wollen, dass ihnen das „wahre Licht“ aufgeht, dass sie Gott erkennen. Und das ist auch das Anliegen des heutigen Evangeliums.

Wir tun uns immer wieder schwer, Gott zu erkennen, weil wir unsere Vorstellungen zu Grunde legen und danach Gott beurteilen wollen.

 

Predigt

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Der heutige Text ist nicht ganz einfach. Er führt uns in die Tiefe der Johannes-Mystik und in die christliche Gnosis hinein. Man muss sich diesem Text immer wieder aussetzen, und es wird einem immer wieder Neues und Tieferes aufgehen, das uns beglücken kann. Vielleicht nur ein paar kleine Ansatzpunkte zu diesem unerschöpflichen Text: „Vater, verherrliche Deinen Sohn, damit der Sohn Dich verherrlicht!“ Das Wort Herrlichkeit, das Wort herrlich, kommt von der alten Wortwurzel erhaben, großartig. Und Verherrlichung heißt ‚offenbar machen‘, ‚die Erhabenheit‘, ‚das Großartige‘, ‚das Eigentliche‘. „Vater, verherrliche Deinen Sohn!“ Das heißt: Mach die Herrlichkeit, die in dieser Welt in Jesus erschienen ist, dass das Großartige offenbar wird und durch Jesus Christus die Großartigkeit Gottes offenbar wird! Die erste Bitte Jesu ist im Hohen Priesterlichen Gebet, dass Gott offenbar wird in Jesus und auch, dass die Herrlichkeit Jesu als die Herrlichkeit Gottes offenbar wird. Und Jesus ist gesandt, um den Menschen das ewige Leben zu schenken. Was ist dieses „ewige Leben“? Die Antwort darauf lautet: Den einzigen wahren Gott und Jesus Christus zu erkennen. Das ewige Leben, das uns Jesus schenkt (und das ist das Schwierige), ist die Erkenntnis (das Wesen christlicher Gnosis und eben auch überhaupt der Gnosis), dass der Mensch das Leben dann erfährt, wenn ihm alles aufgeht. Auch bei Paulus steht: „Wir werden einmal erkennen, wie wir erkannt sind.“ Schon im Alten Testament tritt der Prophet Hosea auf und sagt: „Es ist keine Liebe, weil die Menschen Gott nicht erkennen.“ Und darum das ganze Schlamassel, Blutschuld reiht sich an Blutschuld, und Ehebruch und, und, und! Und was ist das „Erkennen Gottes“? Ein Ereignis, das kein Katechismus und kein Weltkatechismus vermitteln kann – es ist ein lebendiges Geschehen. Wenn einem das aufgeht, was das ganze Johannes-Evangelium dem Menschen aufgehen lassen möchte, ist es wieder die alte, ganz einfache Erkenntnis: Gott ist die Liebe.“

Man muss es immer wieder neu meditieren: Gott ist die Liebe. Also: Wo Du Liebe erfährst, auch mit den ganzen Egoismen, die damit verknüpft sind, ist das Eigentliche, was Dich glücklich macht, wenn Du Liebe erfährst, ganz gleich in welcher Art, Gott.

Und dann kommt die zweite Betonung: Gott ist die Liebe. Das ist das Wesen Gottes, die bedingungslose Liebe zu allen Menschen. Wenn das einem Menschen aufgeht, dann hat er eine andere Lebensgrundlage als wenn er nur vom Irdischen, von dem vom Tod Vergänglichen, bestimmt wird. Denken Sie auch an die Stellen bei Johannes, wo es heißt, dass wir vor unserem irdischen Tod jetzt schon hinübergehen zum Leben. Wenn einem das aufgeht, dann ist der Körpertod nicht mehr schrecklich. Und so kann Jesus sagen: „Wer an mich glaubt, der wird den Tod nicht schauen in Ewigkeit.“ Der Körpertod ist nur das Ende einer Phase, die Phase unserer jetzigen Existenz, das Ende der vergänglichen Sinne. Aber wo das Eigentliche jetzt schon geschehen ist in der Erkenntnis Gottes, ist eine andere Lebensgrundlage da. Was da so schwierig erscheint, kann Menschen, wenn sie Lebenserfahrung haben und vom Glauben her immer das Leben durchleuchten, ganz einfach aufgehen.

Mir ist immer noch in Erinnerung, wie ich als Anfänger in Glonn so mit den Bauersleuten ins Gespräch kam. Da habe ich mit einer alten Bäuerin geredet. Das war ein ganz einfaches und tiefes Gespräch. Und dann sagte die Frau: „Wissen Sie, wenn Menschen keinen Herrgott mehr kennen, bringen sie einander um.“ Das ist diese tiefe Lebensweisheit, ganz einfach aus dem Glauben. Gott zu erkennen ist ja nicht etwas, was man nur mit dem Verstand erkennt, sondern das ist etwas, was einem aufgeht und das ganze Leben verändert.           Wenn ich bei Leuten, die in ihren Beziehungen scheitern, mal da ansetze und sage, dass sie falsch leben, dass sie vom Konsumismus leben, dass alles vom Äußeren ausgeht, dann wird jeder Mensch erfahren, dass das irgendwann einmal zusammenbricht und nicht trägt.

Dann kommt die Frage: Was ist denn das Eigentliche? Und die Antwort lautet: Ja, das sind diese Tiefen, die Dir sagen, dass Gott die Liebe ist, dass Du Dich an IHM festhalten sollst, dass ER es ist, der trägt. Manchmal spürt man, dass der Leidensdruck vielleicht noch zu gering ist, dass der Mensch so schwer beweglich ist, sich zu ändern oder die Veränderungen anzunehmen und auf sich zu nehmen, die die Gotteserkenntnis beinhaltet. Gott ist dauernd da, gibt sich in Jesus Christus zu erkennen, offenbart SEINE Herrlichkeit, und der Mensch ist so träge, so verschlossen.

Und trotzdem gibt es keinen Akt, wo alles auf einmal geschieht, denn die Gotteserkenntnis ist ein lebensfüllender Prozess, wo wir halt Tag für Tag immer tiefer hineinwachsen, wenn wir uns darauf einlassen.

Wir können Tag für Tag, Jahr für Jahr, wenigstens ein bisschen mehr, Gott erkennen und darin auch die Geborgenheit, das ewige Leben, finden. Und in dem Maße können wir auch die Angst vor dem Körpertod und vor der irdischen Zukunft überwinden. In dem Satz kommt es zum Ausdruck: „In ihnen bin ich verherrlicht.“

ER bittet nicht für die Welt (in diesem Sinne ist die Welt ein negatives Wort, die ‚böse Welt‘), sondern ER bittet für die Menschen in der Welt, die Jesus gehören, die SEIN Wort angenommen haben. Und in ihnen kommt die Herrlichkeit Gottes zum Ausdruck.

Und da finden wir nun wieder unseren Platz in dieser Welt, dass wir die Herrlichkeit Gottes verwirklichen und so gut wir eben können immer mehr der Liebe dienen, an der die Welt erkennen kann, dass Gott die Welt liebt.

„Jesus wird verherrlicht durch Gott,

Gott wird verherrlicht durch Jesus.

Und Jesus wird verherrlicht durch uns,

die wir an IHN glauben und SEINE Herrlichkeit erkennen.“

Das ist so der tiefe Zusammenhang.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Lesung: Nehemia 8, 2-4.5-6.8-10
  2. Lesung: 1 Korinther 12, 12-30

Evangelium: Lukas 1, 1-4;4, 14-21

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Ich begrüße Sie herzlich zum 3. Sonntag im Jahreskreis! In der Lesung weist uns der Apostel Paulus darauf hin, dass wir alle  E I N E R  sind, der Leib Christi, jeder mit seinen Fähigkeiten, mit seinen Gaben, die Aufgaben sind.

Im Evangelium zeigt uns Lukas sein Anliegen, warum er das Evangelium geschrieben hat und auch, was die Sendung Jesu eigentlich ist.

 

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Das Evangelium heute greift eine schwierige Situation auf, die wir gerade in unserer Zeit wieder vorfinden:

Woher bekommen wir die Gewissheiten unseres Glaubens? Wo finden wir sie? Wir werden feststellen, dass wir, die wir noch Vorstellungen haben wie vor fünfzig Jahren, umdenken müssen, um die eigentliche Botschaft, das Eigentliche, was Jesus gebracht hat, nicht zu verlieren.

Es geht hier um die historische Zuverlässigkeit der Berichte über das Leben Jesu. Da sagt uns die heutige Wissenschaft, dass wir über die praktisch historische Zuverlässigkeit im Neuen Testament nichts finden. Wie ich im Studium war, da war die große Problematik, ob es Jesus überhaupt gegeben hat, ob wir nicht nur den Jesus des Glaubens, den literarischen Jesus haben; das ist überwunden. An der historischen Wirklichkeit Jesu zweifelt heute niemand.

 

Aber, wer war dieser Jesus?

Historisch gesehen war ER wohl mehr als nur dieser Ausschnitt, den uns die Evangelien zeigen.

Die Sprachforscher, die aramäisch, jüdisch, hebräisch beherrschen, die sagen, das Thomasevangelium ist eines der ältesten Schriften, es zeigt uns Jesus als Weisheitslehrer, der in Sequenzen, in Versen gesprochen hat, die man auswendig lernen kann, damit SEINE Jünger SEINE Lehre weitergeben können.

Als ich vor ca. dreißig Jahren den Auftrag bekam, diese neuen biblischen Ergebnisse der Lehrerschaft, die Religionsunterricht geben, zu vermitteln, war das äußerst schwierig.

„Ja, wenn das alles nicht mehr stimmt, wenn das Jesus nicht wortwörtlich gesagt hat, ja dann geben wir keinen Religionsunterricht, keinen Bibelunterricht mehr.

In meiner Kinderzeit hat man noch gelernt, dass den Jonas der Walfisch gefressen und dann wieder ausgespuckt hat. Das ist mir zum Verhängnis geworden, weil ich das so nicht glauben konnte, dass Jonas, der im Bauch des Walfisches war, das Beten angefangen hat. Doch mir hat der Religionslehrer – ich habe ihm längst verziehen – gesagt: „Das musst Du glauben, das ist Wort Gottes. Wenn Du das nicht glaubst, dass der Walfisch den Jonas gefressen hat und dass der im Bauch gebetet hat und dann nach drei Tagen wieder ans Land kam, dann hast Du eine Todsünde.“

Ich habe es immer wieder gebeichtet, weil ich den Jonas nicht glauben konnte. Dann habe ich im Lexikon auch noch gelesen, dass der Walfisch so einen engen Schlund hat wie ein Mensch, dass da kleine Krebse durchgehen können, aber nie ein unzerkleinerter Prophet.

Und der Beichtvater hat gesagt: „Wenn Du das nicht glaubst, kann ich Dir nicht mehr die Absolution erteilen“ (in welchen Zwängen muss der gewesen sein). Das war für mich Verdammung; ich habe den Jonas nicht glauben können.

Dass das eine Lehrgeschichte ist, wo man sagen muss: Stell dir das mal vor, da musste ein Prophet lernen, dass Gott die Leviten auch mag, dass ER jeden mag, der sich bekehrt und liebend wird, bildlich gesprochen, dass er einen Prozess durchmacht, verschlungen wird, dann in die Finsternis, ins Unheil kommt, bis er dann geläutert durch diese Prozesse kapiert, dass Gott die Liebe ist – eine wunderbare Geschichte.

 

Ein Kurskollege von mir hat seine Probekatechese gehalten über den Jonas und hat in diesem Sinn gesprochen, und das war vor 40 Jahren. Dann haben die Professoren einen Rat abgehalten, ob man ihn als Ungläubigen entlassen müsste. Aber er ist heute noch ein sehr aufgeschlossener Priester und Pfarrer.

Und so ist es heute das Eigentliche, das Tiefe, das Innere, das Unvergängliche, das uns in diesen Sinngestalten nahegebracht wird. Wenn uns das aufgeht, dann ist es nicht mehr wichtig, ob es genauso historisch geschehen ist wie es da steht.

 

Und jetzt kommt Einer und sagt, bei Lukas steht doch genau: „Ich habe mich entschlossen, allem von Anfang an nachzuforschen, um es der Reihe nach aufzuschreiben, und so kannst du dich auf mich verlassen.“ Es waren Überlieferungsstücke, Erzählungen, Erinnerungen, und jeder, der ein Buch schreibt, der braucht eine Gliederung, wie er alles zusammenbaut, damit der Leser möglichst gut auf das Eigentliche kommt.

 

 

 

 

Und was aber Lukas zeigen möchte, geschieht im Innern des Sprachlichen, wo der Prophet sagt: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den  Gefangenen (das sind die Eingesperrten, die mit sich und anderen innerlich und äußerlich Eingesperrten) die Freiheit zu bringen, den Blinden das Augenlicht (der Durchblicke eröffnet, der Zusammenhänge vermittelt, der möglich macht, alles einzuordnen, der es möglich macht, mit seinem Leben mit den vielen Rätseln zu leben und umzugehen und einfach, der die Zerschlagenen, die Kaputten wieder richtet, repariert).“  Das will er zeigen.

Man hat auch zur Zeit Jesu gedacht, der Messias müsste politisch sein, wie David, so wie David es für kurze Zeit fertiggebracht hat, ein Friedensreich aufzubauen. Jesus soll die Römer vertreiben, ER soll die Herrschaft, das Etablissement der Schriftgelehrten und Pharisäer, durchbrechen. Auf dieser Ebene, irdisch gesehen, ist Jesus total gescheitert. Und nun sagen heute auch die Wissenschaftler, wollte man die Glaubensgewissheit auf historische Daten festlegen, dann würde das Christentum das dritte Jahrtausend nicht überstehen. Würde man nicht sozusagen die inneren Wirklichkeiten, das, was Jesus uns bedeutet, das Unvergängliche in die Gegenwart bringen, dann könnte es uns im Leben auch nicht mehr tragen. Dann sind wir dauernd mit unserem Glauben dem Streit der Wissenschaftler ausgesetzt, die heute das reden und morgen was Anderes, dann muss man sich in einem Jahr ein paarmal umstellen.

 

So kommt jetzt ein Wort – da ist das Entscheidende drin, wenn Lukas schreibt:

„Jesus kehrte von der Kraft des Geistes erfüllt zurück.“

Das ist SEINE innere Erfüllung mit Gott, mit der Botschaft von der Liebe Gottes. Und so zeigt uns gerade Lukas Jesus als den Heiland der Armen, der in der Kraft der Liebe verbindet und offenbar macht, wie die Menschen befreit und erlöst werden können.

Wenn wir die frohe Botschaft als Lebenskraft erfahren wollen, als eine Kraft, die uns im Leben trägt, auch wenn äußerlich alles schiefgeht, die uns trägt in der Krankheit, durch die Krankheit, in der Armut und in unserer Schuld, in unserer Zerrissenheit, unserer Schwachheit, wenn das aufgeht, in unserem ganzen Bewusstsein aufgeht, dann trägt es unser Leben.

 

Nun kommen wir wieder auf das, worum wir uns ja dauernd bemühen:

Gott liebt dich immer, bedingungslos, unverlierbar, und die Anderen auch.

Und das ist die Fülle der Zeit, die Erfüllung unserer Sehnsucht, die auch, wie Augustinus sagt, als unerfüllte Sehnsucht in jedem Menschen verborgen ist. Das, wonach du dich sehnst, das gab es immer und das gibt es, und darum ist Gott Mensch geworden, damit das ganz menschlich sichtbar und erfahrbar wird.

 

 

Hängt euch doch nicht fest an dem Äußeren, das sind Vorstellungshilfen, damit das Innere aufgehen kann und euch tragen kann; das ist eben Mystik. Und das meint das viel zitierte Wort von Karl Rahner: „Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein.“

So versteht es auch Jesus, er zitiert Jesaja: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen.“ Und wenn Jesus sagt, das ist heute in Erfüllung gegangen, das mag vielleicht anmaßend klingen, aber es heißt, IHM ist bewusst, das, was ER zu bringen hat, ist kein menschliches Fabrikat, sondern das ist IHM gegeben, das ist die Kraft des Geistes.

„Der Geist des Herrn ruht auf IHM“, d.h., was ich euch sage, das ist mein Auftrag. Und so müsste eigentlich jedem Religionslehrer, Priester, Pfarrer bewusst sein, dass er nicht seine eigenen Aggressionen oder Probleme auszuschütten hat, wenn er von Gott redet, sondern dass er das, was der Geist durch Jesus geoffenbart hat, zu vermitteln hat so gut es geht, so dass ich ganz ehrlich sagen müsste, ich will ja nicht meine Weisheit vortragen, sondern das, wovon ich sagen kann, das trägt mein Leben, ich bin davon überzeugt. Dann kommt der Einzelne dazu, der aus seiner Lebenserfahrung heraus sagen kann, so wie Paulus einfach sagt: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe“ – es ist nicht mein Gebilde, was ich weitergebe.

 

Dass das sichtbar wird, dass es nicht so schwierig ist, ein kleines Beispiel:

Es ist ein Beispiel, wie eine Legende tiefste Wahrheit enthält. Mir hat bei einer Tagung jemand erzählt von einer Weihnachtspredigt. Eine ganz kurze Geschichte, in der alles gesagt ist, was Jesus bringt. Das ist die Geschichte, die Geschichte vom Wolf, der das Jesuskind fressen wollte:

Es ist die Heilige Nacht auf den Fluren von Bethlehem: Die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf sie, und der Wolf kommt wie jede Nacht zur Herde und holt sich ein Lämmlein, so als Nachtessen. Und dann ist der Wolf jetzt da auf den Fluren von Bethlehem, und dann fragt er sich, was ist denn da heute los? Was ist da für eine Aufregung, und er horcht und er horcht, bis er hört von einem Kind, von einem neugeborenen Kind. Er denkt, uih, ein neugeborenes Kind, das wäre mal was Anderes als immer die langweiligen Lämmer. Das Kind im Stall hole ich mir. Und dann schleicht er sich wieder zurück, und wie es finster und ruhig ist, schleicht er sich an den Stall heran und alle schnarchen und schlafen schon. Nur vom Kind hört er noch einen Krächzer, das Kind ist also noch wach. Er wartet noch ein bisschen, und dann geht er an die Krippe hin und denkt: Ah, jetzt hab‘ ich’s! Er streckt seinen Kopf und macht sein Maul auf, und dann

streichelt das Kind seine Schnauze und krault ihn hinten am Kopf. Und auf einmal kann er das Kind nicht mehr fressen.

 

 

 

 

 

Und noch etwas geht in ihm vor, er merkt auf einmal wie sein Fell aufspringt, sein Wolfsfell zerreißt. Dann fällt ihm das ganze Fell ab, und dann steht da -der Mensch.

Der Pfarrer hat diese Geschichte als Weihnachtslegende gebracht, und die, die dabei war, hat mir erzählt, die Leute waren mäuschenstill. Kein Wort hat er sonst gesagt, weil jeder sieht in diesem Bild die tiefe Wahrheit, wie das Wolfshafte, die Aggressionen und das alles abfällt und wie durch diese Liebe, durch die bedingungslose Liebe, der Mensch zum Menschen wird.

So gibt es diese vielen, vielen Möglichkeiten zum Aufmerksam-Machen auf das Eigentliche, was sich in Jesus erfüllt hat, in der Geschichte, weil gerade das, was IHN erfüllt hat, der Geist Gottes durch IHN in unsere Welt unverlierbar über historische Vergänglichkeiten eingegangen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!

 

Näheres zu Elmar Grubers Predigten

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: PREDIGTEN DURCH DAS KIRCHENJAHR)

VORWORT – Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  –  Seit 1. Dezember 2014 ist Lesejahr B.

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen. Bevor er ans Ambo trat, hatte er sich ein Grundkonzept überlegt; die Worte, die er dann sprach, waren „von oben“ eingegeben, inspiriert.

Der Text der Predigten wurde mit Erlaubnis Elmar Grubers von einer gläubigen Christin während des Gottesdienstes privat auf einem Cassettenrecorder aufgenommen und danach geschrieben. Wir danken dieser Frau, die anonym bleiben will, von ganzem Herzen, denn durch sie haben wir jede Woche einen unschätzbaren Wert!