Strahlkraft

Lebendiges Gedankengut von Pfarrer Elmar Gruber e.V.

DAS VERMÄCHTNIS VON ELMAR GRUBER

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 ABSCHIEDSBRIEF VON PFARRER ELMAR GRUBER AN SEINE FREUNDE UND GEMEINDE

(Um den Brief besser lesen zu können – bitte auf den Brieftext klicken!)


ELMAR GRUBERS GRAB

Aufgenommen 24.03.2018

Aufgenommen 24.03.2018

DAS „AUFERSTEHUNGSGRAB“

Waldfriedhof München, Gräberfeld 123 (aufgenommen am 23. Juni 2012) 

„Auferstehung bedeutet Entgrenzung,

Aufhebung der körperlichen Daseinsgrenze.

Der Auferstandene kann jetzt auf vielerlei Weise

in Erscheinung treten und Menschen begegnen.“

Elmar Gruber

 

 


 

BIOGRAFIE VON PFARRER ELMAR GRUBER

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Elmar Gruber – sein Leben

Aktuell August 2013 435

Elmar Gruber wurde am 24.5.1931 in Prien am Chiemsee geboren. Ab 1932 wohnte er in München, wo er auch das Abitur am Theresien-Gymnasium machte. Anschließend studierte Gruber Philosophie und Theologie in Freising.

1957 wurde er zum Priester geweiht. Seine Kaplanszeit verbrachte er in Feldkirchen, Glonn und Gräfelfing. Dann folgte seine Zeit als Spiritual im Kloster Beuerberg, bevor er als Religionslehrer an verschiedenen Gymnasien in Freising und München wirkte. (Adams-Gymnasium, Ludwigs-Gymnasium, Klenze-Oberrealschule).

Seit 1964 war Elmar Gruber Fachbereichsleiter im Schulreferat der Erzdiözese München und Freising. Er wirkte als Referent für religionspädagogische Ausbildung und Fortbildung der Erzieher, Lehrer, Pastoral- und Gemeindereferenten und Priester. Außerdem war Elmar Gruber in der Erwachsenenbildung und Lehrerseelsorge tätig und leitete Exerzitienkurse und Beratungen.

  Eine der LEITSAETZE GRUBERS IN SEINEM LEBEN:

Jeder Mensch steht in seinem Leben vor der Aufgabe, einen tragenden Sinn zu finden. Für eine christliche Identität beinhaltet dies die Selbst- und Gottfindung.

Diesem Ziel diente Elmar Gruber in seiner praktischen und literarischen Tätigkeit. Dabei versuchte er, Leben und Gott meditierend zu entdecken und aufeinander zu beziehen. Es geht ihm vorrangig um Lebensbeziehungen- zu sich selbst, zum Du und zu Gott, der die Urbeziehung ist.

Elmar Grubers Bücher fordern heraus. Seine Art, theologische Zusammenhänge aufzuspalten und vorzudenken, lässt keine distanzierte Haltung beim Leser zu. Seine spürbare Begeisterung für die immer neu zu erfahrende Zuwendung Gottes bricht in allen Schriften durch. Gruber versteht es dabei, sowohl den jungen Menschen als auch den Erwachsenen mit dieser immer aktuellen Botschaft anzusprechen.

Die Antwort muss der Leser selbst geben: Grubers Gedankengut führt in die Entscheidung.

 

Elmar Gruber in seiner Arbeit mit Symbolen

Elmar Gruber in seiner Arbeit mit Symbolen

ELMAR GRUBERS PREDIGT ZUM NÄCHSTEN SONNTAG ODER FEIERTAG – IMMER AKTUELL!

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VORWORT

IDEAL IN DEN ZEITEN DES UKRAINE-KRIEGS, DES KLIMAWANDELS  – DIESE WORTE GEBEN KRAFT UND HOFFNUNG!

VERKÜNDIGUNG VON GOTTES WORT DURCH DIE PREDIGTEN DES HOFFNUNG GEBENDEN PFARRERS ELMAR GRUBER

Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  – seit dem 1. Advent 2025 (30. November 2025) ist Lesejahr A.

Immer die aktuelle Predigt!

Inspiration für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!

Auch als Predigt-Vorlagen!

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.

Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.

Danke, Helga! Ohne Dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!

 

*   *   *

Hochfest Erscheinung des Herrn A

06. Januar 2026

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 06. Januar 1997

 

1. Lesung: Jes 60, 1-6

2. Lesung: Eph 3, 2-3a.5-6

Evangelium: Matthäus 2, 1-12

 

Ich darf Sie herzlich begrüßen zum Fest der „Erscheinung des Herrn“! Das ist das Fest, an dem Gott anscheinend unscheinbar als Mensch in Erscheinung tritt, das Fest, an dem Menschen ganz menschlich Gott entdecken.

Wir bitten den Herrn um SEIN Erbarmen, dass auch uns immer wieder neu SEIN Stern aufgeht!

Wir bitten im Kyrie.

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder,

 

wir in unseren Breiten leben heute in einer Zeit ähnlich wie am Anfang des Christentums. Wir können heute einfach nicht mehr in der Tradition den Glauben weiter übernehmen. Wir sind heute darauf angewiesen, dass jeder Mensch ganz persönlich glauben lernen muss, dass ein Mensch ganz persönlich Gott selbst finden muss. Und von daher kommt vielleicht auch wieder eine Erneuerung in unsere Glaubensgeschich­te. Aber wie geht das, wie trägt sich das zu? Und da ist uns die Magier-Geschichte immer eine große Hilfe. Es geht darum, Gott zu finden, ganz persönlich Gott zu finden. Und da sind diese 3 Stationen:

  • Es muss ein Stern aufgehen
  • SEIN Stern muss aufgehen
  • Wir müssen aufbrechen und suchen, bis wir hinkommen, bis wir ankommen und IHN finden.

Wenn wir sagen, dass SEIN Stern uns aufgehen muss, ist das heute auch nicht ganz un­problematisch, denn wie viele Sterne gibt es? Wie weiß man, wo der richtige Stern ist? Denken wir nur an die Reklame, wo überall ein Stern ist, oder in der Politik, der rote Stern mit Hammer und Sichel oder mit der Maschinenpistole in der Mitte bei linksradikalen Gruppierungen! Überall Sterne, die wollen alle etwas vom Men­schen haben, ihn wohin führen! Aber – wo ist SEIN Stern zu finden? Und die Geschichte zeigt uns, es waren Sterndeuter, oder wie es in anderen Übersetzungen heißt, es waren Weise. Das sind diese zwei Momente, wo der Stern zu finden ist: Sterndeuter, Astrologen. Es gibt eine ernstzunehmende Astrologie und eine abergläubische Astrologie. Die­ser Unfug ist ja weithin bekannt. Die ernstzunehmende Astrologie kommt aus der Erkenntnis, dass die ganze Schöpfung, der ganze Kosmos, eine Einheit ist, wo nicht die einzelnen Momente nebeneinanderstehen, sondern wo alles in Bezie­hung steht, wo also auch der einzelne Mensch in Beziehung steht zur ganzen Schöpfung, zum Kosmos, so dass also jetzt auch die Betrachtung des Kosmos, der Einheit des Kosmischen, dazu führen kann, dass dieser Stern aufgeht, Gott der Schöpfer aller Dinge, der Schöpfer des Alls, sichtbar wird, in dem alles und jeder Mensch sei­nen Platz hat. Das kann einem jetzt aufgehen in der Betrachtung kosmischer Be­troffenheit.

Und dann die Weisheit: Die Erkenntnisse, die aus der Weisheit stammen, kom­men aus der Erfahrung. Man kann Gott eigentlich nicht finden durch ein Theologie­studium. Wie viele sind schon durch das Theologiestudium von Gott weit weg ge­kommen? Man muss Gott schon gefunden haben, dann hat das Theologiestudium seinen Sinn und ist sogar unbedingt notwendig. Ich denke immer noch an das Wort von unserem Theologielehrer, dem jungen Ratzinger, von dem wir so be­geistert waren, wie er in seiner allerersten Vorlesung gesagt hat: „Für mich ist Theo­logie der Versuch, den Geliebten näher kennen zu lernen.“ Also: Man muss Gott gefunden haben, IHN lieben, dann führt ER in die ganze Tiefe hinein. Und so ist eigentlich jeder Mensch in der Lage, dass ihm dieser Stern aufgehen kann, wenn er weisheitlich, meditativ, universal und universell versucht zu denken. Dann kann ihm aufgehen, es muss doch diesen Gott geben oder diese Wirklichkeit ge­ben, die die Erfüllung unseres Menschseins bedeutet. Und dann kommen wir wieder auf die alte Weisheit: Wenn es einen Gott gibt, kann es nur der Gott der Liebe sein. Pater Rupert Mayer sagt: „Die christliche Religion ist eine Religion der Liebe. Und wer etwas Anderes sagt, der verfälscht die christliche Religion.“ Also: Wenn es einen Gott gibt, kann es nur der sein, der bedingungslos alle Men­schen liebt, auch die Heiden. Und das kann auch den Heiden schon aufgehen, al­so denen, die nicht zu Jerusalem, zur Geschichte des auserwählten Volkes gehören. Und in der Hoffnung dieses Urglaubens, dass es diesen Gott gibt, machen sie sich auf den Weg unter der Führung dieses Sterns. Von oben her suchen sie diesen Gott in dieser Welt. Und dann gehen sie zunächst dahin, wo man meint, menschlich meint, dass man den Herrn der Welt finden müsste, im Palast des Königs. Und es ist das erste, was man lernen muss: Dort findet man ihn nicht, obwohl Jerusalem der Ort ist, wo das Volk sich konzentriert, das bekennt und bezeugt, dass es Gott in der Geschichte erfahren hat. Aber diesem Volk ist der Stern nicht aufgegangen. Und sie finden ihn nicht im Alten Testament. Aber sie bekommen dort den entscheidenden Hinweis, wo zu suchen ist, wo man ihn dann ganz persönlich finden kann.

So wie die Weihnachtserzählungen bei Lukas sind auch die Weihnachtserzählungen bei Matthäus umwoben von vielen kostbaren Legenden und Erzählun­gen. Mich bewegt seit meiner Kindheit an die Geschichte vom „Vierten Heiligen Drei König“, der zu spät kommt, der sich dauernd verläuft. Und dann kommt er schließlich an und findet Gott nicht mehr als Kind, sondern als den Gekreuzigten – eine Legende mit einem ganz tiefen Sinn.

Und nun die dritte Station: Sie kommen an und entdecken selber diesen Gott, der im Kind in Erscheinung tritt, und sie huldigen IHM, das heißt, sie erkennen IHN voll und ganz an. Und die Geschenke Gold, Weihrauch und Myrrhe sind ja auch Symbole, die das ganze irdische Leben und unser irdisches Menschsein beinhalten. Das Gold, die ‚Kostbarkeit des irdischen Lebens‘, der Weihrauch, die ‚Göttlichkeit des irdischen Lebens‘, das ja auch von Gott kommt, und die Myrrhe, die ‚Bitterkeit des irdischen Lebens‘. Und das bringen sie IHM. Und da ist dieser Tausch. Die meisten Darstellungen der Epiphanie zei­gen, wie Maria ihr Kind den Weisen hinreicht.

Im Münchner Dom gibt es ein Bild mit einer seltenen Darstellung, wo einer dieser Weisen das Kind in die Hand nimmt. Er nimmt Gott in die Hand, Gott gibt sich in die Hand der Menschen, aller Menschen. Das Kind streckt die Hand aus, Gott be-handelt den Menschen, und ER begibt sich in die Hand des Menschen und lässt sich von den Menschen behandeln, ER riskiert dabei das, was ER eben dann erlebt, dass ER von den Menschen misshandelt wird am Kreuz. Gott gibt sich den Menschen so nah, dass es nicht mehr näher sein kann.

Wir haben das ja auch im Symbol der Eucharistie, wo ER in Erscheinung tritt in den Zeichen von Brot und Wein und sich uns hingibt.

Es ist tragisch, daß über die eucharistische Symbolik ein Streit entbrannt ist, der zu Gehässigkeiten geführt hat. Der Streit, ob Handkommunion oder Mundkommunion richtig ist, Gott sei Dank ist er wieder überwunden. Was da alles für Ge­schichten erzählt worden sind: „Kardinal Döpfner muss in der Hölle büßen, weil er die Handkommunion eingeführt hat.“ Und noch anderer Unsinn wurde geredet. Das sind zwei Symbole, die man nicht gegeneinander ausspielen kann:

  • Mundkommunion, die Einverleibung
  • Handkommunion, das Sich-In-Die-Handgeben-Gottes, der uns handlungsfähig macht.

Das Eine wie das Andere hat einen ganz, ganz tiefen Sinn, wo man nicht richtig und falsch sagen kann. In der Vielzahl der Symbole liegt der ganze Reichtum.

Noch ein Letztes: Wer Gott annimmt, der wird selber ein Stern. Wir haben am Neujahrstag betrachtet, Maria, die jungfräuliche Mutter, als Wegweiserin und Weg­weisung für unser Leben, die uns auffordert, für Gott offen zu sein, Gott zur Welt zu bringen. Das wird heute noch einmal verdichtet: Wer IHN annimmt, der wird selbst zum Stern für Andere. Andere Menschen zu Gott führen zu dürfen, nicht aufzuzwingen, aufzudrücken, sondern zu begleiten, dass der Andere auch Gott selbst entdecken kann! Das ist heute das große Thema in der Religionspädagogik: Die entdeckende Seelsorge, der entdeckende Religionsunterricht, wo ich nicht sage, dass Du das glauben musst, sondern sage: „Komm, schau her, geh mit mir, geh mit mir den Weg da weiter!“ Dann geht die Schülerin/der Schüler den Weg vielleicht selbst weiter. Und das ist die tiefste Erfüllung unseres Lebens, Stern sein zu dürfen. Man muss nicht hauptberuflich als Religionslehrer tätig sein, denn überall, wo wir leben, sind Menschen, die warten, dass ihnen ein Stern aufgeht. Und das ist eben auch das Beruhigende, dass der Stern die Leuchtkraft in sich hat und dass er sie auch nicht verliert, auch wenn man den Stern nicht sieht, wenn man den Stern vielleicht auch gar nicht sehen will. Der Stern leuchtet im­mer in der Finsternis.

So soll uns das auch heute wieder ermutigen, dass wir da, wo wir stehen, unseren Glauben mit der Strahlkraft der unzerstörbaren Freude und Hoffnung bewahren für uns und für die Anderen, auch wenn sie den Stern jetzt vielleicht nicht, noch nicht sehen können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Lesung: Nehemia 8, 2-4.5-6.8-10
  2. Lesung: 1 Korinther 12, 12-30

Evangelium: Lukas 1, 1-4;4, 14-21

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Ich begrüße Sie herzlich zum 3. Sonntag im Jahreskreis! In der Lesung weist uns der Apostel Paulus darauf hin, dass wir alle  E I N E R  sind, der Leib Christi, jeder mit seinen Fähigkeiten, mit seinen Gaben, die Aufgaben sind.

Im Evangelium zeigt uns Lukas sein Anliegen, warum er das Evangelium geschrieben hat und auch, was die Sendung Jesu eigentlich ist.

 

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Das Evangelium heute greift eine schwierige Situation auf, die wir gerade in unserer Zeit wieder vorfinden:

Woher bekommen wir die Gewissheiten unseres Glaubens? Wo finden wir sie? Wir werden feststellen, dass wir, die wir noch Vorstellungen haben wie vor fünfzig Jahren, umdenken müssen, um die eigentliche Botschaft, das Eigentliche, was Jesus gebracht hat, nicht zu verlieren.

Es geht hier um die historische Zuverlässigkeit der Berichte über das Leben Jesu. Da sagt uns die heutige Wissenschaft, dass wir über die praktisch historische Zuverlässigkeit im Neuen Testament nichts finden. Wie ich im Studium war, da war die große Problematik, ob es Jesus überhaupt gegeben hat, ob wir nicht nur den Jesus des Glaubens, den literarischen Jesus haben; das ist überwunden. An der historischen Wirklichkeit Jesu zweifelt heute niemand.

 

Aber, wer war dieser Jesus?

Historisch gesehen war ER wohl mehr als nur dieser Ausschnitt, den uns die Evangelien zeigen.

Die Sprachforscher, die aramäisch, jüdisch, hebräisch beherrschen, die sagen, das Thomasevangelium ist eines der ältesten Schriften, es zeigt uns Jesus als Weisheitslehrer, der in Sequenzen, in Versen gesprochen hat, die man auswendig lernen kann, damit SEINE Jünger SEINE Lehre weitergeben können.

Als ich vor ca. dreißig Jahren den Auftrag bekam, diese neuen biblischen Ergebnisse der Lehrerschaft, die Religionsunterricht geben, zu vermitteln, war das äußerst schwierig.

„Ja, wenn das alles nicht mehr stimmt, wenn das Jesus nicht wortwörtlich gesagt hat, ja dann geben wir keinen Religionsunterricht, keinen Bibelunterricht mehr.

In meiner Kinderzeit hat man noch gelernt, dass den Jonas der Walfisch gefressen und dann wieder ausgespuckt hat. Das ist mir zum Verhängnis geworden, weil ich das so nicht glauben konnte, dass Jonas, der im Bauch des Walfisches war, das Beten angefangen hat. Doch mir hat der Religionslehrer – ich habe ihm längst verziehen – gesagt: „Das musst Du glauben, das ist Wort Gottes. Wenn Du das nicht glaubst, dass der Walfisch den Jonas gefressen hat und dass der im Bauch gebetet hat und dann nach drei Tagen wieder ans Land kam, dann hast Du eine Todsünde.“

Ich habe es immer wieder gebeichtet, weil ich den Jonas nicht glauben konnte. Dann habe ich im Lexikon auch noch gelesen, dass der Walfisch so einen engen Schlund hat wie ein Mensch, dass da kleine Krebse durchgehen können, aber nie ein unzerkleinerter Prophet.

Und der Beichtvater hat gesagt: „Wenn Du das nicht glaubst, kann ich Dir nicht mehr die Absolution erteilen“ (in welchen Zwängen muss der gewesen sein). Das war für mich Verdammung; ich habe den Jonas nicht glauben können.

Dass das eine Lehrgeschichte ist, wo man sagen muss: Stell dir das mal vor, da musste ein Prophet lernen, dass Gott die Leviten auch mag, dass ER jeden mag, der sich bekehrt und liebend wird, bildlich gesprochen, dass er einen Prozess durchmacht, verschlungen wird, dann in die Finsternis, ins Unheil kommt, bis er dann geläutert durch diese Prozesse kapiert, dass Gott die Liebe ist – eine wunderbare Geschichte.

 

Ein Kurskollege von mir hat seine Probekatechese gehalten über den Jonas und hat in diesem Sinn gesprochen, und das war vor 40 Jahren. Dann haben die Professoren einen Rat abgehalten, ob man ihn als Ungläubigen entlassen müsste. Aber er ist heute noch ein sehr aufgeschlossener Priester und Pfarrer.

Und so ist es heute das Eigentliche, das Tiefe, das Innere, das Unvergängliche, das uns in diesen Sinngestalten nahegebracht wird. Wenn uns das aufgeht, dann ist es nicht mehr wichtig, ob es genauso historisch geschehen ist wie es da steht.

 

Und jetzt kommt Einer und sagt, bei Lukas steht doch genau: „Ich habe mich entschlossen, allem von Anfang an nachzuforschen, um es der Reihe nach aufzuschreiben, und so kannst du dich auf mich verlassen.“ Es waren Überlieferungsstücke, Erzählungen, Erinnerungen, und jeder, der ein Buch schreibt, der braucht eine Gliederung, wie er alles zusammenbaut, damit der Leser möglichst gut auf das Eigentliche kommt.

 

 

 

 

Und was aber Lukas zeigen möchte, geschieht im Innern des Sprachlichen, wo der Prophet sagt: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den  Gefangenen (das sind die Eingesperrten, die mit sich und anderen innerlich und äußerlich Eingesperrten) die Freiheit zu bringen, den Blinden das Augenlicht (der Durchblicke eröffnet, der Zusammenhänge vermittelt, der möglich macht, alles einzuordnen, der es möglich macht, mit seinem Leben mit den vielen Rätseln zu leben und umzugehen und einfach, der die Zerschlagenen, die Kaputten wieder richtet, repariert).“  Das will er zeigen.

Man hat auch zur Zeit Jesu gedacht, der Messias müsste politisch sein, wie David, so wie David es für kurze Zeit fertiggebracht hat, ein Friedensreich aufzubauen. Jesus soll die Römer vertreiben, ER soll die Herrschaft, das Etablissement der Schriftgelehrten und Pharisäer, durchbrechen. Auf dieser Ebene, irdisch gesehen, ist Jesus total gescheitert. Und nun sagen heute auch die Wissenschaftler, wollte man die Glaubensgewissheit auf historische Daten festlegen, dann würde das Christentum das dritte Jahrtausend nicht überstehen. Würde man nicht sozusagen die inneren Wirklichkeiten, das, was Jesus uns bedeutet, das Unvergängliche in die Gegenwart bringen, dann könnte es uns im Leben auch nicht mehr tragen. Dann sind wir dauernd mit unserem Glauben dem Streit der Wissenschaftler ausgesetzt, die heute das reden und morgen was Anderes, dann muss man sich in einem Jahr ein paarmal umstellen.

 

So kommt jetzt ein Wort – da ist das Entscheidende drin, wenn Lukas schreibt:

„Jesus kehrte von der Kraft des Geistes erfüllt zurück.“

Das ist SEINE innere Erfüllung mit Gott, mit der Botschaft von der Liebe Gottes. Und so zeigt uns gerade Lukas Jesus als den Heiland der Armen, der in der Kraft der Liebe verbindet und offenbar macht, wie die Menschen befreit und erlöst werden können.

Wenn wir die frohe Botschaft als Lebenskraft erfahren wollen, als eine Kraft, die uns im Leben trägt, auch wenn äußerlich alles schiefgeht, die uns trägt in der Krankheit, durch die Krankheit, in der Armut und in unserer Schuld, in unserer Zerrissenheit, unserer Schwachheit, wenn das aufgeht, in unserem ganzen Bewusstsein aufgeht, dann trägt es unser Leben.

 

Nun kommen wir wieder auf das, worum wir uns ja dauernd bemühen:

Gott liebt dich immer, bedingungslos, unverlierbar, und die Anderen auch.

Und das ist die Fülle der Zeit, die Erfüllung unserer Sehnsucht, die auch, wie Augustinus sagt, als unerfüllte Sehnsucht in jedem Menschen verborgen ist. Das, wonach du dich sehnst, das gab es immer und das gibt es, und darum ist Gott Mensch geworden, damit das ganz menschlich sichtbar und erfahrbar wird.

 

 

Hängt euch doch nicht fest an dem Äußeren, das sind Vorstellungshilfen, damit das Innere aufgehen kann und euch tragen kann; das ist eben Mystik. Und das meint das viel zitierte Wort von Karl Rahner: „Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein.“

So versteht es auch Jesus, er zitiert Jesaja: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen.“ Und wenn Jesus sagt, das ist heute in Erfüllung gegangen, das mag vielleicht anmaßend klingen, aber es heißt, IHM ist bewusst, das, was ER zu bringen hat, ist kein menschliches Fabrikat, sondern das ist IHM gegeben, das ist die Kraft des Geistes.

„Der Geist des Herrn ruht auf IHM“, d.h., was ich euch sage, das ist mein Auftrag. Und so müsste eigentlich jedem Religionslehrer, Priester, Pfarrer bewusst sein, dass er nicht seine eigenen Aggressionen oder Probleme auszuschütten hat, wenn er von Gott redet, sondern dass er das, was der Geist durch Jesus geoffenbart hat, zu vermitteln hat so gut es geht, so dass ich ganz ehrlich sagen müsste, ich will ja nicht meine Weisheit vortragen, sondern das, wovon ich sagen kann, das trägt mein Leben, ich bin davon überzeugt. Dann kommt der Einzelne dazu, der aus seiner Lebenserfahrung heraus sagen kann, so wie Paulus einfach sagt: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe“ – es ist nicht mein Gebilde, was ich weitergebe.

 

Dass das sichtbar wird, dass es nicht so schwierig ist, ein kleines Beispiel:

Es ist ein Beispiel, wie eine Legende tiefste Wahrheit enthält. Mir hat bei einer Tagung jemand erzählt von einer Weihnachtspredigt. Eine ganz kurze Geschichte, in der alles gesagt ist, was Jesus bringt. Das ist die Geschichte, die Geschichte vom Wolf, der das Jesuskind fressen wollte:

Es ist die Heilige Nacht auf den Fluren von Bethlehem: Die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf sie, und der Wolf kommt wie jede Nacht zur Herde und holt sich ein Lämmlein, so als Nachtessen. Und dann ist der Wolf jetzt da auf den Fluren von Bethlehem, und dann fragt er sich, was ist denn da heute los? Was ist da für eine Aufregung, und er horcht und er horcht, bis er hört von einem Kind, von einem neugeborenen Kind. Er denkt, uih, ein neugeborenes Kind, das wäre mal was Anderes als immer die langweiligen Lämmer. Das Kind im Stall hole ich mir. Und dann schleicht er sich wieder zurück, und wie es finster und ruhig ist, schleicht er sich an den Stall heran und alle schnarchen und schlafen schon. Nur vom Kind hört er noch einen Krächzer, das Kind ist also noch wach. Er wartet noch ein bisschen, und dann geht er an die Krippe hin und denkt: Ah, jetzt hab‘ ich’s! Er streckt seinen Kopf und macht sein Maul auf, und dann

streichelt das Kind seine Schnauze und krault ihn hinten am Kopf. Und auf einmal kann er das Kind nicht mehr fressen.

 

 

 

 

 

Und noch etwas geht in ihm vor, er merkt auf einmal wie sein Fell aufspringt, sein Wolfsfell zerreißt. Dann fällt ihm das ganze Fell ab, und dann steht da -der Mensch.

Der Pfarrer hat diese Geschichte als Weihnachtslegende gebracht, und die, die dabei war, hat mir erzählt, die Leute waren mäuschenstill. Kein Wort hat er sonst gesagt, weil jeder sieht in diesem Bild die tiefe Wahrheit, wie das Wolfshafte, die Aggressionen und das alles abfällt und wie durch diese Liebe, durch die bedingungslose Liebe, der Mensch zum Menschen wird.

So gibt es diese vielen, vielen Möglichkeiten zum Aufmerksam-Machen auf das Eigentliche, was sich in Jesus erfüllt hat, in der Geschichte, weil gerade das, was IHN erfüllt hat, der Geist Gottes durch IHN in unsere Welt unverlierbar über historische Vergänglichkeiten eingegangen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!

 

Näheres zu Elmar Grubers Predigten

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: PREDIGTEN DURCH DAS KIRCHENJAHR)

VORWORT – Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  –  Seit 1. Dezember 2014 ist Lesejahr B.

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen. Bevor er ans Ambo trat, hatte er sich ein Grundkonzept überlegt; die Worte, die er dann sprach, waren „von oben“ eingegeben, inspiriert.

Der Text der Predigten wurde mit Erlaubnis Elmar Grubers von einer gläubigen Christin während des Gottesdienstes privat auf einem Cassettenrecorder aufgenommen und danach geschrieben. Wir danken dieser Frau, die anonym bleiben will, von ganzem Herzen, denn durch sie haben wir jede Woche einen unschätzbaren Wert!