Strahlkraft

Lebendiges Gedankengut von Pfarrer Elmar Gruber e.V.

DAS VERMÄCHTNIS VON ELMAR GRUBER

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: Pfarrer Elmar Gruber)

 ABSCHIEDSBRIEF VON PFARRER ELMAR GRUBER AN SEINE FREUNDE UND GEMEINDE

(Um den Brief besser lesen zu können – bitte auf den Brieftext klicken!)


ELMAR GRUBERS GRAB

Aufgenommen 24.03.2018

Aufgenommen 24.03.2018

DAS „AUFERSTEHUNGSGRAB“

Waldfriedhof München, Gräberfeld 123 (aufgenommen am 23. Juni 2012) 

„Auferstehung bedeutet Entgrenzung,

Aufhebung der körperlichen Daseinsgrenze.

Der Auferstandene kann jetzt auf vielerlei Weise

in Erscheinung treten und Menschen begegnen.“

Elmar Gruber

 

 


 

BIOGRAFIE VON PFARRER ELMAR GRUBER

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Elmar Gruber – sein Leben

Aktuell August 2013 435

Elmar Gruber wurde am 24.5.1931 in Prien am Chiemsee geboren. Ab 1932 wohnte er in München, wo er auch das Abitur am Theresien-Gymnasium machte. Anschließend studierte Gruber Philosophie und Theologie in Freising.

1957 wurde er zum Priester geweiht. Seine Kaplanszeit verbrachte er in Feldkirchen, Glonn und Gräfelfing. Dann folgte seine Zeit als Spiritual im Kloster Beuerberg, bevor er als Religionslehrer an verschiedenen Gymnasien in Freising und München wirkte. (Adams-Gymnasium, Ludwigs-Gymnasium, Klenze-Oberrealschule).

Seit 1964 war Elmar Gruber Fachbereichsleiter im Schulreferat der Erzdiözese München und Freising. Er wirkte als Referent für religionspädagogische Ausbildung und Fortbildung der Erzieher, Lehrer, Pastoral- und Gemeindereferenten und Priester. Außerdem war Elmar Gruber in der Erwachsenenbildung und Lehrerseelsorge tätig und leitete Exerzitienkurse und Beratungen.

  Eine der LEITSAETZE GRUBERS IN SEINEM LEBEN:

Jeder Mensch steht in seinem Leben vor der Aufgabe, einen tragenden Sinn zu finden. Für eine christliche Identität beinhaltet dies die Selbst- und Gottfindung.

Diesem Ziel diente Elmar Gruber in seiner praktischen und literarischen Tätigkeit. Dabei versuchte er, Leben und Gott meditierend zu entdecken und aufeinander zu beziehen. Es geht ihm vorrangig um Lebensbeziehungen- zu sich selbst, zum Du und zu Gott, der die Urbeziehung ist.

Elmar Grubers Bücher fordern heraus. Seine Art, theologische Zusammenhänge aufzuspalten und vorzudenken, lässt keine distanzierte Haltung beim Leser zu. Seine spürbare Begeisterung für die immer neu zu erfahrende Zuwendung Gottes bricht in allen Schriften durch. Gruber versteht es dabei, sowohl den jungen Menschen als auch den Erwachsenen mit dieser immer aktuellen Botschaft anzusprechen.

Die Antwort muss der Leser selbst geben: Grubers Gedankengut führt in die Entscheidung.

 

Elmar Gruber in seiner Arbeit mit Symbolen

Elmar Gruber in seiner Arbeit mit Symbolen

ELMAR GRUBERS PREDIGT ZUM NÄCHSTEN SONNTAG ODER FEIERTAG – IMMER AKTUELL!

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: PREDIGTEN DURCH DAS KIRCHENJAHR)

VORWORT

IDEAL IN DEN ZEITEN DES UKRAINE-KRIEGS, DES KLIMAWANDELS  – DIESE WORTE GEBEN KRAFT UND HOFFNUNG!

VERKÜNDIGUNG VON GOTTES WORT DURCH DIE PREDIGTEN DES HOFFNUNG GEBENDEN PFARRERS ELMAR GRUBER

Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  – seit dem 1. Advent 2025 (30. November 2025) ist Lesejahr A.

Immer die aktuelle Predigt!

Inspiration für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!

Auch als Predigt-Vorlagen!

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.

Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.

Danke, Helga! Ohne Dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!

 

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1. FASTENSONNTAG A – 22. Februar 2026

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 25. Februar 1996

 

1. Lesung: Gen 2, 7-9;3, 1-7

2. Lesung: Röm 5, 12-19

Evangelium: Mt 4, 1-11 „Jesus fastete vierzig Tage und wurde in Versuchung geführt.“

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Ich begrüße Sie herzlich zur Feier des ersten Fastensonntags! Das Altarbild vom Abendmahl ist verhüllt. Wir sollen in uns hineinschauen, damit wir mit neuen Augen das Bild vomAbendmahl, die erlösende Wirklichkeit Gottes, entdecken. Die heiligen Texte heute geben uns Antwort auf die Fragen der Menschheit, die sie schon von Anfang an bewegt: Was ist der Teufel? Was ist Sünde? Was ist Erlösung? Wir brauchen auch einen Bereich des offenen Herzens, um diese Antworten, die uns schon geschenkt sind, wahrzunehmen und anzunehmen.

 

P r e d i g t

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Wir haben Fragen, die nie zur Ruhe kommen, wo wir immer wieder eine neue Tiefe der Antwort suchen: Woher kommt das Böse? Was ist der Teufel? Gibt es den Teufel? Wie oft werde ich danach gefragt, Wie viele teuflische Diskussionen haben sich daraus schon ergeben? Martin Luther sagte einmal (ich weiß das Zitat nicht mehr ganz genau): „Wer an den Teufel glaubt, ist ein Narr, und wer ihn leugnet, ist ein Esel.“ In diesen heutigen Texten ist die Antwort ganz einfach gegeben, aber so, dass man mit ihnen leben muss, damit sie sich immer mehr entfalten.

Das heißt, es gibt den Teufel, aber was die Menschen daraus machen, das ist er nicht. Wenn wir in die Bibel schauen, sehen wir, wie uns da der Satan gezeigt wird. Die Antwort ist klar: Es ist der Versucher, der Prüfer. Aber der Teufel – ganz gleich, was man sich darunter vorstellt – ist auch ein Geschöpf Gottes. Der Heilige Augustinus sagte einmal: „Wenn es nicht gut wäre, dass es das Böse gibt, dann gäbe es das Böse nicht.“ Und so hat – von der Schöpfung her gesehen – auch der Satan seine Funktion. Auch die mittelalterlichen Künstler und die Kirchenväter haben es dargestellt, dass der Satan letztlich Gott dient. Im Buch Hiob wird uns der Satan das erste Mal gezeigt als der Versucher, der Prüfer. Im zweiten Buch der Könige kommt eine Stelle vor, da wird Gott selbst sogar mit Satan bezeichnet. Man könnte sogar sagen, Satan ist die ‚göttliche Prüfungskommission‘, ‚der Herausforderer‘. Bei der Versuchungsgeschichte wird das schon klar. Da tritt der Teufel auch wieder auf als der Versucher, der Prüfer, der Zweifel. Ich würde am liebsten sagen: „Der Teufel ist der personifizierte Zweifel.“ Und in der Paradiesgeschichte ist es ja auch wieder der Versucher, der den Zweifel setzt im Menschen. Und dann kann man verstehen, dass die Freiheit des Menschen sich erst in der Prüfung als Freiheit erweist.

Beim Sportler kann man erst sagen, ob er Weltmeister ist, wenn er gelaufen ist; es muss sich eben erst herausstellen. Und so wird die Freiheit des Menschen erst dadurch sichtbar, indem sie herausgefordert wird – und wenn auch die Möglichkeit für ein Nein zu Gott sichtbar wird. Und wenn sich viele Menschen den Teufel als Person vorstellen, dann wohl aus der Erfahrung, dass der Zweifel im Menschen auftritt als eine spontane Kraft, als eine Stimme, die nicht vom Menschen selbst kommt, sondern die auf den Menschen zugeht: „Mach’s doch! Tu’s doch! Du kannst ja ganz etwas Anderes machen aus Deinem Leben. Warum lebst Du immer so brav dahin?“ Wir sehen, was dieser Zweifel im Menschen bewirkt. Das Erste, was dieser Zweifel, diese Stimm,e bewirkt, ist die Unzufriedenheit. Der Mensch im Paradies, im Urvertrauen, ist glücklich mit dem, was er hat, mit dem, was er ist – mit Gott und mit der Welt. Und jetzt kommt der Zweifel, der aus dem einen Ganzen zwei macht. Und da ist er nicht mehr zufrieden, und da entsteht die Angst. Ich sage: „Die Angst ist die Großmutter vom Teufel“. Die Angst ist eine Macht, aus der alles Andere entsteht, zum Beispiel die Verlustangst: Ich könnte nicht mehr wichtig sein; ich könnte ganzetwas Anderes haben. Der Mensch ist nicht mehr zufrieden mit dem, was er hat an Begabungen, an geistigen und körperlichen Fähigkeiten. Er ist nicht mehr zufrieden mit der Welt, was sie ihm bietet. Er ist nicht mehr zufrieden mit Gott und fängt überall an zu nörgeln und einzugreifen. Und dann werden diese Kräfte alle freigesetzt. Wir nennen sie Dämonen, diese unheimlichen Kräfte, die sofort im Menschen da sind und sich auswirken, wenn die Geborgenheit und das Urvertrauen nicht mehr da sind. Diese Kräfte sind die Wurzelsünden: Hass, Neid, Eifersucht, Streitsucht und das alles. Wenn die Wut in Hass umschlägt und Missgunst aufkommt und all diese furchtbaren Kräfte, dann zerstören sie den Menschen mit sich selbst, mit den Mitmenschen und mit der ganzen Welt. Beobachten wir doch wie furchtbar sich diese Kräfte auswirken in der Welt, wenn der Mensch nicht mehr Gott dient und wenn der Mensch sozusagen seine Vernunft absolut setzt und sich durchsetzen möchte mit dem, was er für richtig hält. Und man sieht doch, dass mit Gewalt die Gewalt des Bösen nicht besiegt werden kann.

Und jetzt die Fragen:

Wie wird der Mensch wieder zufrieden? Wie geschieht Erlösung?

Gott hat den Menschen die Freiheit gegeben, und ER stellt diese Freiheit in die Prüfung. ER hat es in Kauf genommen, dass der Mensch in der Prüfung versagt; und diese Folgen hebt Gott nicht auf; da haben wir ein zu schmales Gottesbild. Wir meinen immer, mit Gewalt müsste ER das alles aufheben, was der Mensch anstellt. Aber ich meine: Wenn man ein bisschen nachdenkt, dann könnte man einsehen, dass die Erlösung nie darin bestehen kann, dass Gott die Folgen der Sünde aufhebt, sondern dass ER die Sünde selbst aufhebt, das Misstrauen, die Unzufriedenheit des Menschen, aus der alles Böse kommt. Und das heißt dann ganz einfach, dass ER den Menschen zurückholt ins Urvertrauen, dass ER etwas tut, dass der Mensch wieder zufrieden ist mit sich selbst, mit dem, was er hat, mit dem, was er ist, mit der Schöpfung und mit Gott. Gott greift nicht ein, indem ER die Freiheit des Menschen aufhebt, sondern ER greift über die Freiheit des Menschen ein, indem ER etwas tut, indem ER ihn wieder einlädt und sagt: „Du Mensch, Du Zweifler, Du Unzufriedener, schau doch her: Ich, Gott, bin die Liebe. Ich liebe Dich!“

Und das hat ER eben am Kreuz geoffenbart – und nichts Anderes, dass es die Liebe gibt, die stärker ist als der Hass. Und würden die Menschen wieder an diese absolute Liebe glauben, wir hätten das Paradies, das Reich Gottes auf Erden.

Ich bin unzufrieden mit den Religionen. Sie alle haben ja diese Botschaft von der absoluten Liebe; sie wird zu wenig den Menschen gezeigt. Eingreiftruppen können vielleicht noch Schlimmeres verhüten. Frieden bringen kann nur die Bekehrung zu Gott, dem Schöpfer, der alles recht gemacht hat und alles recht macht. Gott sagt Dir: „Eines sollst Du wissen, ich höre nie auf, Dich zu lieben.“ Aber vielleicht muss zuerst das totale Scheitern kommen, wie beim „Verlorenen Sohn“, dass den Menschen das aufgehen kann, was Gott nie zurücknimmt, die Liebe.

Und wenn man dann schließlich sagt, dass Jesus durch SEIN Erlösungswerk Tod und Teufel besiegt, hat, dann heißt das, dass bei allem Zweifel und bei aller Unzufriedenheit des Menschen und bei allem, was der Mensch an Grausamem und Dämonischem anstellt, was in den mittelalterlichen Gemälden bei den Höllenvisionen dargestellt ist, am Ende der liebende Schöpfer dasteht, der auch aus einem menschlich gesehen zerstörten Leben das Heil schafft in SEINER unendlichen Macht dieser Liebe, die nie aufhört. Diese Betrachtung soll uns dahin wieder führen, das zu begreifen, dass wir dann wieder zufriedener und damit glücklicher werden in dem Vertrauen: Gott macht schon alles recht. Du brauchst nicht zweifeln. So wie Du bist, ist es recht. Und so, wie der Andere ist und wie die Welt ist, ist es recht. Und das würde eben den Menschen verändern.

Ich werde nie vergessen, wie mal ein Kind gesagt hat: „Gott liebt die Guten, damit sie gut bleiben, und die Bösen, damit sie gut werden, und mich liebt ER immer.“ Wenn ein Mensch schon ein bisschen gut ist, dann braucht der nicht mehr so viel Liebe. Aber diese Liebe hat er gerade deswegen, damit er sie den Anderen, die sie brauchen, geben kann. Das wäre eben der Auftrag der Christen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Lesung: Nehemia 8, 2-4.5-6.8-10
  2. Lesung: 1 Korinther 12, 12-30

Evangelium: Lukas 1, 1-4;4, 14-21

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Ich begrüße Sie herzlich zum 3. Sonntag im Jahreskreis! In der Lesung weist uns der Apostel Paulus darauf hin, dass wir alle  E I N E R  sind, der Leib Christi, jeder mit seinen Fähigkeiten, mit seinen Gaben, die Aufgaben sind.

Im Evangelium zeigt uns Lukas sein Anliegen, warum er das Evangelium geschrieben hat und auch, was die Sendung Jesu eigentlich ist.

 

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Das Evangelium heute greift eine schwierige Situation auf, die wir gerade in unserer Zeit wieder vorfinden:

Woher bekommen wir die Gewissheiten unseres Glaubens? Wo finden wir sie? Wir werden feststellen, dass wir, die wir noch Vorstellungen haben wie vor fünfzig Jahren, umdenken müssen, um die eigentliche Botschaft, das Eigentliche, was Jesus gebracht hat, nicht zu verlieren.

Es geht hier um die historische Zuverlässigkeit der Berichte über das Leben Jesu. Da sagt uns die heutige Wissenschaft, dass wir über die praktisch historische Zuverlässigkeit im Neuen Testament nichts finden. Wie ich im Studium war, da war die große Problematik, ob es Jesus überhaupt gegeben hat, ob wir nicht nur den Jesus des Glaubens, den literarischen Jesus haben; das ist überwunden. An der historischen Wirklichkeit Jesu zweifelt heute niemand.

 

Aber, wer war dieser Jesus?

Historisch gesehen war ER wohl mehr als nur dieser Ausschnitt, den uns die Evangelien zeigen.

Die Sprachforscher, die aramäisch, jüdisch, hebräisch beherrschen, die sagen, das Thomasevangelium ist eines der ältesten Schriften, es zeigt uns Jesus als Weisheitslehrer, der in Sequenzen, in Versen gesprochen hat, die man auswendig lernen kann, damit SEINE Jünger SEINE Lehre weitergeben können.

Als ich vor ca. dreißig Jahren den Auftrag bekam, diese neuen biblischen Ergebnisse der Lehrerschaft, die Religionsunterricht geben, zu vermitteln, war das äußerst schwierig.

„Ja, wenn das alles nicht mehr stimmt, wenn das Jesus nicht wortwörtlich gesagt hat, ja dann geben wir keinen Religionsunterricht, keinen Bibelunterricht mehr.

In meiner Kinderzeit hat man noch gelernt, dass den Jonas der Walfisch gefressen und dann wieder ausgespuckt hat. Das ist mir zum Verhängnis geworden, weil ich das so nicht glauben konnte, dass Jonas, der im Bauch des Walfisches war, das Beten angefangen hat. Doch mir hat der Religionslehrer – ich habe ihm längst verziehen – gesagt: „Das musst Du glauben, das ist Wort Gottes. Wenn Du das nicht glaubst, dass der Walfisch den Jonas gefressen hat und dass der im Bauch gebetet hat und dann nach drei Tagen wieder ans Land kam, dann hast Du eine Todsünde.“

Ich habe es immer wieder gebeichtet, weil ich den Jonas nicht glauben konnte. Dann habe ich im Lexikon auch noch gelesen, dass der Walfisch so einen engen Schlund hat wie ein Mensch, dass da kleine Krebse durchgehen können, aber nie ein unzerkleinerter Prophet.

Und der Beichtvater hat gesagt: „Wenn Du das nicht glaubst, kann ich Dir nicht mehr die Absolution erteilen“ (in welchen Zwängen muss der gewesen sein). Das war für mich Verdammung; ich habe den Jonas nicht glauben können.

Dass das eine Lehrgeschichte ist, wo man sagen muss: Stell dir das mal vor, da musste ein Prophet lernen, dass Gott die Leviten auch mag, dass ER jeden mag, der sich bekehrt und liebend wird, bildlich gesprochen, dass er einen Prozess durchmacht, verschlungen wird, dann in die Finsternis, ins Unheil kommt, bis er dann geläutert durch diese Prozesse kapiert, dass Gott die Liebe ist – eine wunderbare Geschichte.

 

Ein Kurskollege von mir hat seine Probekatechese gehalten über den Jonas und hat in diesem Sinn gesprochen, und das war vor 40 Jahren. Dann haben die Professoren einen Rat abgehalten, ob man ihn als Ungläubigen entlassen müsste. Aber er ist heute noch ein sehr aufgeschlossener Priester und Pfarrer.

Und so ist es heute das Eigentliche, das Tiefe, das Innere, das Unvergängliche, das uns in diesen Sinngestalten nahegebracht wird. Wenn uns das aufgeht, dann ist es nicht mehr wichtig, ob es genauso historisch geschehen ist wie es da steht.

 

Und jetzt kommt Einer und sagt, bei Lukas steht doch genau: „Ich habe mich entschlossen, allem von Anfang an nachzuforschen, um es der Reihe nach aufzuschreiben, und so kannst du dich auf mich verlassen.“ Es waren Überlieferungsstücke, Erzählungen, Erinnerungen, und jeder, der ein Buch schreibt, der braucht eine Gliederung, wie er alles zusammenbaut, damit der Leser möglichst gut auf das Eigentliche kommt.

 

 

 

 

Und was aber Lukas zeigen möchte, geschieht im Innern des Sprachlichen, wo der Prophet sagt: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den  Gefangenen (das sind die Eingesperrten, die mit sich und anderen innerlich und äußerlich Eingesperrten) die Freiheit zu bringen, den Blinden das Augenlicht (der Durchblicke eröffnet, der Zusammenhänge vermittelt, der möglich macht, alles einzuordnen, der es möglich macht, mit seinem Leben mit den vielen Rätseln zu leben und umzugehen und einfach, der die Zerschlagenen, die Kaputten wieder richtet, repariert).“  Das will er zeigen.

Man hat auch zur Zeit Jesu gedacht, der Messias müsste politisch sein, wie David, so wie David es für kurze Zeit fertiggebracht hat, ein Friedensreich aufzubauen. Jesus soll die Römer vertreiben, ER soll die Herrschaft, das Etablissement der Schriftgelehrten und Pharisäer, durchbrechen. Auf dieser Ebene, irdisch gesehen, ist Jesus total gescheitert. Und nun sagen heute auch die Wissenschaftler, wollte man die Glaubensgewissheit auf historische Daten festlegen, dann würde das Christentum das dritte Jahrtausend nicht überstehen. Würde man nicht sozusagen die inneren Wirklichkeiten, das, was Jesus uns bedeutet, das Unvergängliche in die Gegenwart bringen, dann könnte es uns im Leben auch nicht mehr tragen. Dann sind wir dauernd mit unserem Glauben dem Streit der Wissenschaftler ausgesetzt, die heute das reden und morgen was Anderes, dann muss man sich in einem Jahr ein paarmal umstellen.

 

So kommt jetzt ein Wort – da ist das Entscheidende drin, wenn Lukas schreibt:

„Jesus kehrte von der Kraft des Geistes erfüllt zurück.“

Das ist SEINE innere Erfüllung mit Gott, mit der Botschaft von der Liebe Gottes. Und so zeigt uns gerade Lukas Jesus als den Heiland der Armen, der in der Kraft der Liebe verbindet und offenbar macht, wie die Menschen befreit und erlöst werden können.

Wenn wir die frohe Botschaft als Lebenskraft erfahren wollen, als eine Kraft, die uns im Leben trägt, auch wenn äußerlich alles schiefgeht, die uns trägt in der Krankheit, durch die Krankheit, in der Armut und in unserer Schuld, in unserer Zerrissenheit, unserer Schwachheit, wenn das aufgeht, in unserem ganzen Bewusstsein aufgeht, dann trägt es unser Leben.

 

Nun kommen wir wieder auf das, worum wir uns ja dauernd bemühen:

Gott liebt dich immer, bedingungslos, unverlierbar, und die Anderen auch.

Und das ist die Fülle der Zeit, die Erfüllung unserer Sehnsucht, die auch, wie Augustinus sagt, als unerfüllte Sehnsucht in jedem Menschen verborgen ist. Das, wonach du dich sehnst, das gab es immer und das gibt es, und darum ist Gott Mensch geworden, damit das ganz menschlich sichtbar und erfahrbar wird.

 

 

Hängt euch doch nicht fest an dem Äußeren, das sind Vorstellungshilfen, damit das Innere aufgehen kann und euch tragen kann; das ist eben Mystik. Und das meint das viel zitierte Wort von Karl Rahner: „Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein.“

So versteht es auch Jesus, er zitiert Jesaja: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen.“ Und wenn Jesus sagt, das ist heute in Erfüllung gegangen, das mag vielleicht anmaßend klingen, aber es heißt, IHM ist bewusst, das, was ER zu bringen hat, ist kein menschliches Fabrikat, sondern das ist IHM gegeben, das ist die Kraft des Geistes.

„Der Geist des Herrn ruht auf IHM“, d.h., was ich euch sage, das ist mein Auftrag. Und so müsste eigentlich jedem Religionslehrer, Priester, Pfarrer bewusst sein, dass er nicht seine eigenen Aggressionen oder Probleme auszuschütten hat, wenn er von Gott redet, sondern dass er das, was der Geist durch Jesus geoffenbart hat, zu vermitteln hat so gut es geht, so dass ich ganz ehrlich sagen müsste, ich will ja nicht meine Weisheit vortragen, sondern das, wovon ich sagen kann, das trägt mein Leben, ich bin davon überzeugt. Dann kommt der Einzelne dazu, der aus seiner Lebenserfahrung heraus sagen kann, so wie Paulus einfach sagt: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe“ – es ist nicht mein Gebilde, was ich weitergebe.

 

Dass das sichtbar wird, dass es nicht so schwierig ist, ein kleines Beispiel:

Es ist ein Beispiel, wie eine Legende tiefste Wahrheit enthält. Mir hat bei einer Tagung jemand erzählt von einer Weihnachtspredigt. Eine ganz kurze Geschichte, in der alles gesagt ist, was Jesus bringt. Das ist die Geschichte, die Geschichte vom Wolf, der das Jesuskind fressen wollte:

Es ist die Heilige Nacht auf den Fluren von Bethlehem: Die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf sie, und der Wolf kommt wie jede Nacht zur Herde und holt sich ein Lämmlein, so als Nachtessen. Und dann ist der Wolf jetzt da auf den Fluren von Bethlehem, und dann fragt er sich, was ist denn da heute los? Was ist da für eine Aufregung, und er horcht und er horcht, bis er hört von einem Kind, von einem neugeborenen Kind. Er denkt, uih, ein neugeborenes Kind, das wäre mal was Anderes als immer die langweiligen Lämmer. Das Kind im Stall hole ich mir. Und dann schleicht er sich wieder zurück, und wie es finster und ruhig ist, schleicht er sich an den Stall heran und alle schnarchen und schlafen schon. Nur vom Kind hört er noch einen Krächzer, das Kind ist also noch wach. Er wartet noch ein bisschen, und dann geht er an die Krippe hin und denkt: Ah, jetzt hab‘ ich’s! Er streckt seinen Kopf und macht sein Maul auf, und dann

streichelt das Kind seine Schnauze und krault ihn hinten am Kopf. Und auf einmal kann er das Kind nicht mehr fressen.

 

 

 

 

 

Und noch etwas geht in ihm vor, er merkt auf einmal wie sein Fell aufspringt, sein Wolfsfell zerreißt. Dann fällt ihm das ganze Fell ab, und dann steht da -der Mensch.

Der Pfarrer hat diese Geschichte als Weihnachtslegende gebracht, und die, die dabei war, hat mir erzählt, die Leute waren mäuschenstill. Kein Wort hat er sonst gesagt, weil jeder sieht in diesem Bild die tiefe Wahrheit, wie das Wolfshafte, die Aggressionen und das alles abfällt und wie durch diese Liebe, durch die bedingungslose Liebe, der Mensch zum Menschen wird.

So gibt es diese vielen, vielen Möglichkeiten zum Aufmerksam-Machen auf das Eigentliche, was sich in Jesus erfüllt hat, in der Geschichte, weil gerade das, was IHN erfüllt hat, der Geist Gottes durch IHN in unsere Welt unverlierbar über historische Vergänglichkeiten eingegangen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!

 

Näheres zu Elmar Grubers Predigten

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: PREDIGTEN DURCH DAS KIRCHENJAHR)

VORWORT – Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  –  Seit 1. Dezember 2014 ist Lesejahr B.

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen. Bevor er ans Ambo trat, hatte er sich ein Grundkonzept überlegt; die Worte, die er dann sprach, waren „von oben“ eingegeben, inspiriert.

Der Text der Predigten wurde mit Erlaubnis Elmar Grubers von einer gläubigen Christin während des Gottesdienstes privat auf einem Cassettenrecorder aufgenommen und danach geschrieben. Wir danken dieser Frau, die anonym bleiben will, von ganzem Herzen, denn durch sie haben wir jede Woche einen unschätzbaren Wert!