VORWORT
IDEAL IN DEN ZEITEN DES UKRAINE-KRIEGS, DES KLIMAWANDELS – DIESE WORTE GEBEN KRAFT UND HOFFNUNG!
VERKÜNDIGUNG VON GOTTES WORT DURCH DIE PREDIGTEN DES HOFFNUNG GEBENDEN PFARRERS ELMAR GRUBER
Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C – ab dem 1. Advent 2025 (30. November 2025) ist Lesejahr A.
Immer die aktuelle Predigt!
Inspiration für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!
Auch als Predigt-Vorlagen!
Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.
Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.
Danke, Helga! Ohne Dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!
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1. Advent-Sonntag A –
30. November 2025
Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 02. Dezember 2001
1. Lesung: Jes 2,1-5 „Der Herr führt alle Völker zusammen in den ewigen Frieden des Reiches Gottes.“
2. Lesung: Röm 13, 11-14 a „Jetzt ist das Heil uns näher.“
Evangelium: Mt 24,37-44 „Seid wachsam und haltet Euch bereit!“
Ich begrüße Sie herzlich am Morgen des neuen Kirchenjahres, am 1. Advent-Sonntag!
Wir Menschen wollen immer um unsere Zukunft wissen, wissen, was kommen wird. Heute ist es uns in ganz klaren Zeichen, Bildern und Vergleichen gesagt und gezeigt, was unsere Zukunft ist, und diese Zukunft bestimmt auch unsere Gegenwart.
Wir bitten den Herrn um SEIN Erbarmen, dass ER unser Herz öffnet für SEINE frohe Botschaft. Wir bitten im Kyrie.
Predigt:
Liebe Schwestern und Brüder!
Am letzten Sonntag, am Christkönigsfest, haben wir Jesus als den König der Herrlichkeit betrachtet. Und am vorletzten Sonntag hatten wir auch ein Evangelium vom Ende gehört. Daran knüpft das heutige Evangelium an. Aber es sprengt die ganzen Vorstellungen, die wir vor vierzehn Tagen betrachtet haben. Wir können sagen, das Wesentliche am Ende sind nicht die Katastrophen, das sind Zeichen. Das Entscheidende am Ende ist nicht, dass etwas zu Ende geht, sondern dass etwas Neues kommt. Heute werden wir darauf hingewiesen durch diese paradoxen Vergleiche. Wenn all das Schreckliche geschieht, dann sollte dies das Frühlingszeichen werden, dass das Eigentliche jetzt kommt, das, worauf wir alle warten. Und das, worauf wir alle warten, kommt paradoxerweise ganz unerwartet. Und das ist die Herrlichkeit des Herrn, die offenbar werden wird für alle Menschen, alle Völker, alle Geschöpfe. Einige, die darauf eingestellt sind, die wird es auch überraschen, aber anders als die, die überhaupt nicht mit Gott in ihrem Leben gerechnet haben. Aber ER wird kommen für alle, für jeden. Und das Ende wird sein, dass wir die Herrlichkeit Gottes unverhüllt von Angesicht zu Angesicht erfahren, dass wir die Unendlichkeit SEINER grenzenlosen, absoluten Liebe erleben und die Unmittelbarkeit in der Begegnung mit Gott erfahren – ohne alle Bilder. ER wird auf den Wolken des Himmels kommen. In der Wolke verhüllt haben wir IHN schon in unserem Glauben erschaut. Und nun wird für alle offenbar, was wir im Glauben schon erkannt haben: Unser ganzes Leben ist ein Entgegengehen und ein Offenbarwerden der Herrlichkeit des Herrn, damit ER uns in unserem Leben von allen Ängsten befreit, die eben aus dem Irdischen kommen. Wenn wir immer meinen, die letzte Erfüllung müsste im Irdisch-Vergänglichen liegen, dann müssen wir darauf verzichten. Nun wird uns hier gesagt, dass der Herr plötzlich kommen wird, augenblicklich, wie der Dieb in der Nacht. Da fällt auch wieder das Paradoxe auf, dass Gott kommen wird wie ein Einbrecher. Aber Gott ist kein Einbrecher. Doch für den, der nur irdisch eingestellt ist, für den wird ER kommen wie ein Einbrecher. Für den, der gemeint hat, dass das Irdische der Sinn seines Lebens sein müsste (Konsum, Besitz und Macht usw.), wird die Sinnlosigkeit offenbar werden. Und dann ist auch dieser Hinweis interessant: „Wenn zwei auf dem Felde arbeiten, wird Einer weggerafft und der Andere wird übrig bleiben.“ Es ist von den Männern die Rede. Bei den Frauen heißt es: „Wenn zwei in derselben Hütte arbeiten, wird die Eine hinweggerafft, und die Andere wird übrig bleiben.“ Das sind Anspielungen auf den plötzlichen Tod, der uns überraschen kann in diesem Leben, wie wir es ja alle kennen, wenn Einer plötzlich tot umfällt, der Sekundentod. Und auch wenn Einer langsam stirbt nach langer schwerer Krankheit, der Tod wird immer augenblicklich sein, trotzdem er erwartet wird. Das ist kein Gegensatz.
Und so wird auch gezeigt und hingewiesen, dass unser Tod einmal für uns der Augenblick ist, in dem der Herr kommt in SEINER Herrlichkeit und uns herausruft aus der Vergänglichkeit in das ewige Licht SEINER Liebe.
Wir fragen uns oft: Was ist der Jüngste Tag, wann kommt der Jüngste Tag? Und da müssen wir sagen, es gibt eine doppelte Antwort auf diese Frage. Der Jüngste Tag, äußerlich betrachtet, ist ‚der Tag, an dem der letzte Mensch gestorben ist‘. Aber entscheidend ist ja, dass wir den Jüngsten Tag in unserem Leben erkennen. Und da ist der Jüngste Tag an dem ‚Tag, an dem der Herr kommt‘ – ganz persönlich – zu uns, das ist unser letzter Tag, unser Todestag, und dem gehen wir entgegen. Wir brauchen keine Angst haben. Das ist der Tag, an dem der Herr zu jedem ganz persönlich kommt, und das bestimmt die Gottesliebe. Das wird uns auch noch gesagt: Der Tod kommt augenblicklich. Wir sollen wach sein, wir sollen IHN erwarten. Auf IHN warten, das ist der Sinn unseres irdischen Lebens, damit ER unerwartet immer wieder kommen kann. Das ist der Gedanke, der vielleicht unser ganzes Leben bestimmt, dass wir uns einstellen auf die glücklichen Augenblicke unseres Lebens und die nicht verpassen und nicht verschlafen, dass wir uns aber auch einstellen auf die Augenblicke des Leids, in denen Gott in unser Leben hier und jetzt eintritt. Wenn wir wach sind, können wir IHN erkennen.
Im Augenblick des Glücks ist ER der Ursprung unseres Glücks.
Im Augenblick des Leids werden wir darauf hingewiesen, dass ER uns die Kraft gibt, das Leid zu ertragen, dass ER auch im Leid in unser Leben kommt, damit wir es bestehen bis hin zu unserem Tod, durch den Tod hindurch und sensibel werden für die Zufälle unseres Lebens.
In den Zufällen werden wir beschenkt vom Leben selbst. Es kann sein (wir haben es oft meditiert, und wir müssen uns immer wieder darauf einstellen), dass eine unscheinbare Begegnung mit einer Blume, mit einem Tier, mit einem lieben Menschen, dass das der Augenblick sein kann, wo es durchschlägt, dass ER da ist, dafür sollen wir uns sensibilisieren. Ich glaube, ich habe es schon erzählt. Ich hatte in aller Frühe schon mal eine Gotteserfahrung beim Kämmen. Da habe ich auf einmal ein Haar von meinen wenigen in der Hand gehabt. Ob Sie es glauben oder nicht, ob Sie lachen oder nicht, auf einmal geht mir das auf, was dieser Satz sagt: „Sogar die Haare Eures Hauptes sind gezählt.“ Das sagt, dass nichts in meinem Leben aus der Fürsorge Gottes herausfallen kann. Das kann ich nicht beweisen, ich kann nur erzählen, dass es einem aufgehen kann. Haar des Hauptes ist die Sinngestalt, da kann es sein, dass mir das aufgeht, dass mein Leben in SEINEN Händen steht. „Es wird Euch kein Haar Eures Hauptes gekrümmt werden.“ Da brauchst Du auch gar keine Haare mehr haben. Dann wissen die Leute, was alles geschehen ist.
Und so können diese kleinen Zeichen des Alltags große Augenblicke sein, wo mir das immer wieder bewusstwird, dass die Ewigkeit ja bereits uns schon aufgenommen hat, wo unser irdisches, vergängliches Leben noch ein Warten auf die Vollendung ist.
Der Mensch möchte immer Sensationen haben, Gott immer festlegen in Sensationen. Das sagt auch Jesus: „Wer sagt, hier ist Jesus, oder dort ist Christus – glaubt es ihnen nicht!“ Wo erkenne ich denn, dass es Christus ist, der in mein Leben tritt? Ja, in den Augenblicken, die im Alltag geschehen können.
Und so sollen wir uns auch nicht nach Sensationen ausstrecken, sondern wir sollen uns gerade die Adventszeit hernehmen als eine Vorbereitung auf das, dass uns der Augenblick nicht verloren geht, dass wir den Augenblicken in unserem Leben eine Chance geben, die mit dem Zeichen der Weihnacht gestaltet sind, in dem wir uns wieder neu bewusstwerden, dass unser Leben einen Sinn hat als ein Warten auf die Vollendung, wenn der Herr kommt in SEINER ganzen Herrlichkeit – in unser persönliches Leben an unserem irdischen Ende, und dann am gesamten Ende der Schöpfung, wenn alle Menschen eben dieses irdische Leben verlassen.
- Lesung: Nehemia 8, 2-4.5-6.8-10
- Lesung: 1 Korinther 12, 12-30
Evangelium: Lukas 1, 1-4;4, 14-21
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Ich begrüße Sie herzlich zum 3. Sonntag im Jahreskreis! In der Lesung weist uns der Apostel Paulus darauf hin, dass wir alle E I N E R sind, der Leib Christi, jeder mit seinen Fähigkeiten, mit seinen Gaben, die Aufgaben sind.
Im Evangelium zeigt uns Lukas sein Anliegen, warum er das Evangelium geschrieben hat und auch, was die Sendung Jesu eigentlich ist.
Predigt:
Liebe Schwestern und Brüder!
Das Evangelium heute greift eine schwierige Situation auf, die wir gerade in unserer Zeit wieder vorfinden:
Woher bekommen wir die Gewissheiten unseres Glaubens? Wo finden wir sie? Wir werden feststellen, dass wir, die wir noch Vorstellungen haben wie vor fünfzig Jahren, umdenken müssen, um die eigentliche Botschaft, das Eigentliche, was Jesus gebracht hat, nicht zu verlieren.
Es geht hier um die historische Zuverlässigkeit der Berichte über das Leben Jesu. Da sagt uns die heutige Wissenschaft, dass wir über die praktisch historische Zuverlässigkeit im Neuen Testament nichts finden. Wie ich im Studium war, da war die große Problematik, ob es Jesus überhaupt gegeben hat, ob wir nicht nur den Jesus des Glaubens, den literarischen Jesus haben; das ist überwunden. An der historischen Wirklichkeit Jesu zweifelt heute niemand.
Aber, wer war dieser Jesus?
Historisch gesehen war ER wohl mehr als nur dieser Ausschnitt, den uns die Evangelien zeigen.
Die Sprachforscher, die aramäisch, jüdisch, hebräisch beherrschen, die sagen, das Thomasevangelium ist eines der ältesten Schriften, es zeigt uns Jesus als Weisheitslehrer, der in Sequenzen, in Versen gesprochen hat, die man auswendig lernen kann, damit SEINE Jünger SEINE Lehre weitergeben können.
Als ich vor ca. dreißig Jahren den Auftrag bekam, diese neuen biblischen Ergebnisse der Lehrerschaft, die Religionsunterricht geben, zu vermitteln, war das äußerst schwierig.
„Ja, wenn das alles nicht mehr stimmt, wenn das Jesus nicht wortwörtlich gesagt hat, ja dann geben wir keinen Religionsunterricht, keinen Bibelunterricht mehr. “
In meiner Kinderzeit hat man noch gelernt, dass den Jonas der Walfisch gefressen und dann wieder ausgespuckt hat. Das ist mir zum Verhängnis geworden, weil ich das so nicht glauben konnte, dass Jonas, der im Bauch des Walfisches war, das Beten angefangen hat. Doch mir hat der Religionslehrer – ich habe ihm längst verziehen – gesagt: „Das musst Du glauben, das ist Wort Gottes. Wenn Du das nicht glaubst, dass der Walfisch den Jonas gefressen hat und dass der im Bauch gebetet hat und dann nach drei Tagen wieder ans Land kam, dann hast Du eine Todsünde.“
Ich habe es immer wieder gebeichtet, weil ich den Jonas nicht glauben konnte. Dann habe ich im Lexikon auch noch gelesen, dass der Walfisch so einen engen Schlund hat wie ein Mensch, dass da kleine Krebse durchgehen können, aber nie ein unzerkleinerter Prophet.
Und der Beichtvater hat gesagt: „Wenn Du das nicht glaubst, kann ich Dir nicht mehr die Absolution erteilen“ (in welchen Zwängen muss der gewesen sein). Das war für mich Verdammung; ich habe den Jonas nicht glauben können.
Dass das eine Lehrgeschichte ist, wo man sagen muss: Stell dir das mal vor, da musste ein Prophet lernen, dass Gott die Leviten auch mag, dass ER jeden mag, der sich bekehrt und liebend wird, bildlich gesprochen, dass er einen Prozess durchmacht, verschlungen wird, dann in die Finsternis, ins Unheil kommt, bis er dann geläutert durch diese Prozesse kapiert, dass Gott die Liebe ist – eine wunderbare Geschichte.
Ein Kurskollege von mir hat seine Probekatechese gehalten über den Jonas und hat in diesem Sinn gesprochen, und das war vor 40 Jahren. Dann haben die Professoren einen Rat abgehalten, ob man ihn als Ungläubigen entlassen müsste. Aber er ist heute noch ein sehr aufgeschlossener Priester und Pfarrer.
Und so ist es heute das Eigentliche, das Tiefe, das Innere, das Unvergängliche, das uns in diesen Sinngestalten nahegebracht wird. Wenn uns das aufgeht, dann ist es nicht mehr wichtig, ob es genauso historisch geschehen ist wie es da steht.
Und jetzt kommt Einer und sagt, bei Lukas steht doch genau: „Ich habe mich entschlossen, allem von Anfang an nachzuforschen, um es der Reihe nach aufzuschreiben, und so kannst du dich auf mich verlassen.“ Es waren Überlieferungsstücke, Erzählungen, Erinnerungen, und jeder, der ein Buch schreibt, der braucht eine Gliederung, wie er alles zusammenbaut, damit der Leser möglichst gut auf das Eigentliche kommt.
Und was aber Lukas zeigen möchte, geschieht im Innern des Sprachlichen, wo der Prophet sagt: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den Gefangenen (das sind die Eingesperrten, die mit sich und anderen innerlich und äußerlich Eingesperrten) die Freiheit zu bringen, den Blinden das Augenlicht (der Durchblicke eröffnet, der Zusammenhänge vermittelt, der möglich macht, alles einzuordnen, der es möglich macht, mit seinem Leben mit den vielen Rätseln zu leben und umzugehen und einfach, der die Zerschlagenen, die Kaputten wieder richtet, repariert).“ Das will er zeigen.
Man hat auch zur Zeit Jesu gedacht, der Messias müsste politisch sein, wie David, so wie David es für kurze Zeit fertiggebracht hat, ein Friedensreich aufzubauen. Jesus soll die Römer vertreiben, ER soll die Herrschaft, das Etablissement der Schriftgelehrten und Pharisäer, durchbrechen. Auf dieser Ebene, irdisch gesehen, ist Jesus total gescheitert. Und nun sagen heute auch die Wissenschaftler, wollte man die Glaubensgewissheit auf historische Daten festlegen, dann würde das Christentum das dritte Jahrtausend nicht überstehen. Würde man nicht sozusagen die inneren Wirklichkeiten, das, was Jesus uns bedeutet, das Unvergängliche in die Gegenwart bringen, dann könnte es uns im Leben auch nicht mehr tragen. Dann sind wir dauernd mit unserem Glauben dem Streit der Wissenschaftler ausgesetzt, die heute das reden und morgen was Anderes, dann muss man sich in einem Jahr ein paarmal umstellen.
So kommt jetzt ein Wort – da ist das Entscheidende drin, wenn Lukas schreibt:
„Jesus kehrte von der Kraft des Geistes erfüllt zurück.“
Das ist SEINE innere Erfüllung mit Gott, mit der Botschaft von der Liebe Gottes. Und so zeigt uns gerade Lukas Jesus als den Heiland der Armen, der in der Kraft der Liebe verbindet und offenbar macht, wie die Menschen befreit und erlöst werden können.
Wenn wir die frohe Botschaft als Lebenskraft erfahren wollen, als eine Kraft, die uns im Leben trägt, auch wenn äußerlich alles schiefgeht, die uns trägt in der Krankheit, durch die Krankheit, in der Armut und in unserer Schuld, in unserer Zerrissenheit, unserer Schwachheit, wenn das aufgeht, in unserem ganzen Bewusstsein aufgeht, dann trägt es unser Leben.
Nun kommen wir wieder auf das, worum wir uns ja dauernd bemühen:
Gott liebt dich immer, bedingungslos, unverlierbar, und die Anderen auch.
Und das ist die Fülle der Zeit, die Erfüllung unserer Sehnsucht, die auch, wie Augustinus sagt, als unerfüllte Sehnsucht in jedem Menschen verborgen ist. Das, wonach du dich sehnst, das gab es immer und das gibt es, und darum ist Gott Mensch geworden, damit das ganz menschlich sichtbar und erfahrbar wird.
Hängt euch doch nicht fest an dem Äußeren, das sind Vorstellungshilfen, damit das Innere aufgehen kann und euch tragen kann; das ist eben Mystik. Und das meint das viel zitierte Wort von Karl Rahner: „Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein.“
So versteht es auch Jesus, er zitiert Jesaja: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen.“ Und wenn Jesus sagt, das ist heute in Erfüllung gegangen, das mag vielleicht anmaßend klingen, aber es heißt, IHM ist bewusst, das, was ER zu bringen hat, ist kein menschliches Fabrikat, sondern das ist IHM gegeben, das ist die Kraft des Geistes.
„Der Geist des Herrn ruht auf IHM“, d.h., was ich euch sage, das ist mein Auftrag. Und so müsste eigentlich jedem Religionslehrer, Priester, Pfarrer bewusst sein, dass er nicht seine eigenen Aggressionen oder Probleme auszuschütten hat, wenn er von Gott redet, sondern dass er das, was der Geist durch Jesus geoffenbart hat, zu vermitteln hat so gut es geht, so dass ich ganz ehrlich sagen müsste, ich will ja nicht meine Weisheit vortragen, sondern das, wovon ich sagen kann, das trägt mein Leben, ich bin davon überzeugt. Dann kommt der Einzelne dazu, der aus seiner Lebenserfahrung heraus sagen kann, so wie Paulus einfach sagt: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe“ – es ist nicht mein Gebilde, was ich weitergebe.
Dass das sichtbar wird, dass es nicht so schwierig ist, ein kleines Beispiel:
Es ist ein Beispiel, wie eine Legende tiefste Wahrheit enthält. Mir hat bei einer Tagung jemand erzählt von einer Weihnachtspredigt. Eine ganz kurze Geschichte, in der alles gesagt ist, was Jesus bringt. Das ist die Geschichte, die Geschichte vom Wolf, der das Jesuskind fressen wollte:
Es ist die Heilige Nacht auf den Fluren von Bethlehem: Die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf sie, und der Wolf kommt wie jede Nacht zur Herde und holt sich ein Lämmlein, so als Nachtessen. Und dann ist der Wolf jetzt da auf den Fluren von Bethlehem, und dann fragt er sich, was ist denn da heute los? Was ist da für eine Aufregung, und er horcht und er horcht, bis er hört von einem Kind, von einem neugeborenen Kind. Er denkt, uih, ein neugeborenes Kind, das wäre mal was Anderes als immer die langweiligen Lämmer. Das Kind im Stall hole ich mir. Und dann schleicht er sich wieder zurück, und wie es finster und ruhig ist, schleicht er sich an den Stall heran und alle schnarchen und schlafen schon. Nur vom Kind hört er noch einen Krächzer, das Kind ist also noch wach. Er wartet noch ein bisschen, und dann geht er an die Krippe hin und denkt: Ah, jetzt hab‘ ich’s! Er streckt seinen Kopf und macht sein Maul auf, und dann –
streichelt das Kind seine Schnauze und krault ihn hinten am Kopf. Und auf einmal kann er das Kind nicht mehr fressen.
Und noch etwas geht in ihm vor, er merkt auf einmal wie sein Fell aufspringt, sein Wolfsfell zerreißt. Dann fällt ihm das ganze Fell ab, und dann steht da -der Mensch.
Der Pfarrer hat diese Geschichte als Weihnachtslegende gebracht, und die, die dabei war, hat mir erzählt, die Leute waren mäuschenstill. Kein Wort hat er sonst gesagt, weil jeder sieht in diesem Bild die tiefe Wahrheit, wie das Wolfshafte, die Aggressionen und das alles abfällt und wie durch diese Liebe, durch die bedingungslose Liebe, der Mensch zum Menschen wird.
So gibt es diese vielen, vielen Möglichkeiten zum Aufmerksam-Machen auf das Eigentliche, was sich in Jesus erfüllt hat, in der Geschichte, weil gerade das, was IHN erfüllt hat, der Geist Gottes durch IHN in unsere Welt unverlierbar über historische Vergänglichkeiten eingegangen ist.
GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!