VORWORT
IDEAL IN DEN ZEITEN DES UKRAINE-KRIEGS, DES KLIMAWANDELS – DIESE WORTE GEBEN KRAFT UND HOFFNUNG!
VERKÜNDIGUNG VON GOTTES WORT DURCH DIE PREDIGTEN DES HOFFNUNG GEBENDEN PFARRERS ELMAR GRUBER
Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C – seit dem 1. Advent 2025 (30. November 2025) ist Lesejahr A.
Immer die aktuelle Predigt!
Inspiration für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!
Auch als Predigt-Vorlagen!
Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.
Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.
Danke, Helga! Ohne Dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!
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5. Sonntag in der Osterzeit A –
03. Mai 2026
Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 13.05.1990
1. Lesung: Apg 6, 1-7„Sie wählten sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit.“
2. Lesung: 1 Petr 2, 4-9 „Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft.“
Evangelium: Joh 14, 1-12 „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“
Das Johannes-Evangelium führt uns heute, am 5. Sonntag in der Osterzeit, in das Zentrum der Botschaft Jesu: „ICH BIN DER WEG, DIE WAHRHEIT UND DAS LEBEN“.
Wir wollen versuchen, ein wenig einzudringen in die Tiefe dieses Wortes: „I c h b i n d a s L e b e n“ – CHRISTUS, unser Leben!
Predigt:
Liebe Schwestern und Brüder!
In diesem Evangelium ist uns der Sinn des Lebens geschenkt. Und es ist uns eine Antwort gegeben auf die drängenden Fragen der Sinnkrisen unseres Lebens und unserer Zeit. Der Selbstmord greift immer mehr um sich. Bei uns ist die Zahl der Selbstmörder viel höher als etwa die Zahl der Verkehrstoten. In Österreich, im Pinzgau, hatte vor Jahren das Erwachsenen-Bildungswerk eine eigene Aktion unternommen, weil dort die Selbstmordrate am größten war – alle vierzehn Tage ein Selbstmord. Aber nicht nur die extreme Form des Selbstmords zeigt die Not unserer Zeit, sondern auch die vielen Depressionen und Lebensunfähigkeiten. Da meine ich jetzt nicht die Depressionen im psychiatrischen Sinn, also endogene, reaktive und neurotische Depressionen, sondern ganz einfach die Verzweiflungen, die in unserer Wohlstandsgesellschaft ausbrechen. Der bekannte Wiener Selbstmord-Forscher, Universitäts-Professor Erwin Ringel, hat schon 1948 diesen Weltverband zur Lebenshilfe gegründet. Er kann angeben, was die Situation und der Grund des Selbstmords ist: Mangelndes Selbstwertgefühl – also das Unwert-Gefühl, dass ich keine Freude mehr habe, dass es mich gibt, dann die Sinnkrise: Dass mein Leben keinen Sinn hat.
Sie begegneten sicher auch schon Menschen, und oft gehören wir selbst dazu, die fragen: „Ja, war das alles? Was hat das alles für einen Sinn?“ Auch viele junge Menschen begehen Selbstmord aus lächerlichen Auslösern heraus – vielleicht ein Kratzer am Auto oder wenn kleine Dinge nicht da sind, dass dann das Leben auf einmal keinen Sinn mehr hat. Man kann zwar schon einiges angeben, was hilfreich ist, um das abzuwenden. Professor Ringel weiß es auch zu nennen, damit der Mensch aus diesen Situationen herauskommt: Es geht meistens um Beziehungen und um Gemeinschaft. Aber letztlich bleiben diese Analysen und Diagnosen in der Frage nach der Sinnlosigkeit stecken. Man kann auch sagen, dass in der früheren, gesellschaftlichen Situation weniger Selbstmorde waren, weil die gesellschaftlichen Kräfte viel stärker waren, die den Einzelnen zu einem bestimmten Lebensvollzug angehalten und gehalten haben. Und heute, in unserer permissiven Gesellschaft, sind keine stabilisierenden Kräfte mehr da. Es darf jeder selbst leben, ja, es muss jeder selbst leben! Es muss sich jeder um die Sinnhaftigkeit seines eigenen Lebens selbst bemühen. Und da scheinen eben Viele überfordert zu sein.
Was machen die Menschen, wie gehen sie damit um? Man könnte eigentlich sagen: Die Erb-Schuld liegt darin, dass der Mensch auf diese Welt kommt und den Sinn seines Lebens nicht hat; den muss er erst bekommen. Und wo versucht der Mensch, den Sinn seines Lebens zu bekommen? Allgemein scheint es, dass zunächst die allermeisten, ja, vielleicht jeder, einen Irrweg geht. Er sucht den Sinn des Lebens im Vergänglichen, im Konsum. Der eine Mensch meint, wenn er das und das hat, dann sei das der Sinn des Lebens. Der eine Mensch entschließt sich zu heiraten und eine Frau/einen Mann zu haben, Kinder zu haben. Und das müsste doch der Sinn des Lebens sein. Und dann hat er das, was er möchte, dann hat er es. Probleme, Probleme! Aber das Leben hat keinen Sinn! Wie viele Menschen erreichen das, was sie wollen auf dieser Welt. Und dann stehen sie vor der Sinnlosigkeit, obwohl sie alles haben. Ein anderer Mensch entschließt sich zur Ehelosigkeit – vielleicht um mehr konsumieren zu können, Aber auch bei dem, der sich aus geistigen Überlegungen zur Ehelosigkeit entschließt, bei Priestern und Ordensleuten, ist es erschütternd, wie Sinnlosigkeit, Resignation und Verzweiflung sich breitmachen. Dann können wir noch die sogenannte Midlife-Crisis, die mittleren Lebenskrisen, nennen. Im Grunde genommen ist nichts anderes gemeint als, dass der Mensch heute an den Punkt kommt, wo er irdisch gesehen alles hat (und woran er früher gestorben ist, da lebt er heute noch weiter), und dann ist diese Frage eben da: Ja, was jetzt? Lassen Sie mich diese Gedanken zusammenfassen. Wir müssen zu der praktischen Erkenntnis kommen (manche führt das vielleicht bis hin zur Verzweiflung): DAS LEBEN HAT KEINEN SINN.
Lassen Sie mich das einmal so sagen: „Das Leben hat keinen Sinn.“ Aber, damit wir keine Begriffsverwirrung bekommen, lassen Sie mich das so formulieren: „Das irdische, vergängliche Dasein hätte eigentlich einen Sinn, und zwar, dass der Sinn des vergänglichen Daseins das Leben ist. Das Leben hat keinen Sinn, nämlich, es ist selbst der Sinn! Wenn Menschen sagen, dass ihr Leben keinen Sinn hat, dann sage ich: „Ja, Du bist überhaupt noch nicht ins Leben gekommen, denn wenn Du mit Deinem vergänglichen Dasein ins Leben gekommen wärest, würdest Du nicht mehr fragen, was für einen Sinn das alles hat – dann würdest Du Dir diese Frage nicht mehr stellen.“
Da merken Sie das tiefe Anliegen des ganzen Johannes-Evangeliums: Hinübergehen ins Leben in unserem vergänglichen Dasein, jetzt schon, vor unserem Tod! Und wenn wir da hinübergehen, dann haben da auch das Irdische, das Vergängliche, ja sogar Krankheit, Leid und Tod, einen Sinn – nämlich den Sinn: das Leben. Jetzt spüren Sie, wie der Evangelist Johannes Erlösung schildern möchte.
Wir müssen anknüpfen beim letzten Wort des Evangeliums vom vorigen Sonntag: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ Das heutige Evangelium setzt dazu den Schluss-Stein: „Ich bin das Leben.“ Und damit zeigt es den Sinn für jeden Menschen. Es gibt die Sinne, mit denen wir den eigentlichen Sinn erfassen können. Dieses Leben hat keinen Sinn, es ist der Sinn, und es gibt nur den einen Sinn. Und wenn ein Mensch sagt, dass sein Leben sinnvoll ist, dass er aber ein Atheist ist, dann ist in seinem Leben dieser Jesus wirksam – nur ist es dem Betreffenden nicht bewusst. Wenn Jesus der Sinn des Lebens ist, dann ist Jesus in jedem sinnvollen Leben – ganz gleich, welcher Religion, welcher Konfession oder welchem Bekenntnis der Betreffende auch angehört. Das wäre die Chance, Jesus als den Sinn des Lebens aller Menschen zu erkennen und dazu eine Einheit aller Religionen und aller Menschen zu finden, die sich um den Sinn des Lebens bemühen.
Noch die letzte praktische Frage: „Wie komme ich zum Sinn des Lebens?“ Die Antwort lautet: „Ja, so wie ich zu Jesus komme.“ ER kommt! Aber damit SEIN Kommen immer wieder gelingt, wenigstens so viel gelingt, dass wir einen Funken vom Sinn des Lebens spüren, der wieder weiterhilft, müssen wir diese Doppelheit in Augenschein nehmen: ER ist gekommen als Kind von Bethlehem, als der, der sich den Menschen hingibt, hingibt bis ans Kreuz, als der Hirte, der nicht wie ein Räuber und Dieb gekommen ist. Aber auch wir müssen kommen. Es verlangt auch von unserer Seite, dass wir immer wieder aufbrechen und kommen, aufbrechen zu IHM, damit wir zusammenkommen.
Noch ein Wort zum heutigen– Evangelium: „Ich gehe hin, um Euch einen Platz zu bereiten“. Wir haben einen Platz bei IHM. Aber auch umgekehrt müssen wir IHM einen Platz in unserem Leben geben, sonst können wir nicht zusammen Platz finden.
Mir tut es wohl, wenn man in der U-Bahn solche Plakate lesen kann: „Jesus das Leben!“ „Ohne Gott ist alles sinnlos.“ „Christus – der Weg, die Wahrheit und das Leben!“ Vielleicht macht es den einen oder anderen Menschen doch nachdenklich.
Ich darf zusammenfassen und Sie bitten, noch einmal nachzudenken: Das Leben hat keinen Sinn, es ist sein eigener Sinn. „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben. Ich bin das Leben“. Wenn wir darüber viel nachsinnen, kann uns viel aufgehen und uns innerlich froher machen.
- Lesung: Nehemia 8, 2-4.5-6.8-10
- Lesung: 1 Korinther 12, 12-30
Evangelium: Lukas 1, 1-4;4, 14-21
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Ich begrüße Sie herzlich zum 3. Sonntag im Jahreskreis! In der Lesung weist uns der Apostel Paulus darauf hin, dass wir alle E I N E R sind, der Leib Christi, jeder mit seinen Fähigkeiten, mit seinen Gaben, die Aufgaben sind.
Im Evangelium zeigt uns Lukas sein Anliegen, warum er das Evangelium geschrieben hat und auch, was die Sendung Jesu eigentlich ist.
Predigt:
Liebe Schwestern und Brüder!
Das Evangelium heute greift eine schwierige Situation auf, die wir gerade in unserer Zeit wieder vorfinden:
Woher bekommen wir die Gewissheiten unseres Glaubens? Wo finden wir sie? Wir werden feststellen, dass wir, die wir noch Vorstellungen haben wie vor fünfzig Jahren, umdenken müssen, um die eigentliche Botschaft, das Eigentliche, was Jesus gebracht hat, nicht zu verlieren.
Es geht hier um die historische Zuverlässigkeit der Berichte über das Leben Jesu. Da sagt uns die heutige Wissenschaft, dass wir über die praktisch historische Zuverlässigkeit im Neuen Testament nichts finden. Wie ich im Studium war, da war die große Problematik, ob es Jesus überhaupt gegeben hat, ob wir nicht nur den Jesus des Glaubens, den literarischen Jesus haben; das ist überwunden. An der historischen Wirklichkeit Jesu zweifelt heute niemand.
Aber, wer war dieser Jesus?
Historisch gesehen war ER wohl mehr als nur dieser Ausschnitt, den uns die Evangelien zeigen.
Die Sprachforscher, die aramäisch, jüdisch, hebräisch beherrschen, die sagen, das Thomasevangelium ist eines der ältesten Schriften, es zeigt uns Jesus als Weisheitslehrer, der in Sequenzen, in Versen gesprochen hat, die man auswendig lernen kann, damit SEINE Jünger SEINE Lehre weitergeben können.
Als ich vor ca. dreißig Jahren den Auftrag bekam, diese neuen biblischen Ergebnisse der Lehrerschaft, die Religionsunterricht geben, zu vermitteln, war das äußerst schwierig.
„Ja, wenn das alles nicht mehr stimmt, wenn das Jesus nicht wortwörtlich gesagt hat, ja dann geben wir keinen Religionsunterricht, keinen Bibelunterricht mehr. “
In meiner Kinderzeit hat man noch gelernt, dass den Jonas der Walfisch gefressen und dann wieder ausgespuckt hat. Das ist mir zum Verhängnis geworden, weil ich das so nicht glauben konnte, dass Jonas, der im Bauch des Walfisches war, das Beten angefangen hat. Doch mir hat der Religionslehrer – ich habe ihm längst verziehen – gesagt: „Das musst Du glauben, das ist Wort Gottes. Wenn Du das nicht glaubst, dass der Walfisch den Jonas gefressen hat und dass der im Bauch gebetet hat und dann nach drei Tagen wieder ans Land kam, dann hast Du eine Todsünde.“
Ich habe es immer wieder gebeichtet, weil ich den Jonas nicht glauben konnte. Dann habe ich im Lexikon auch noch gelesen, dass der Walfisch so einen engen Schlund hat wie ein Mensch, dass da kleine Krebse durchgehen können, aber nie ein unzerkleinerter Prophet.
Und der Beichtvater hat gesagt: „Wenn Du das nicht glaubst, kann ich Dir nicht mehr die Absolution erteilen“ (in welchen Zwängen muss der gewesen sein). Das war für mich Verdammung; ich habe den Jonas nicht glauben können.
Dass das eine Lehrgeschichte ist, wo man sagen muss: Stell dir das mal vor, da musste ein Prophet lernen, dass Gott die Leviten auch mag, dass ER jeden mag, der sich bekehrt und liebend wird, bildlich gesprochen, dass er einen Prozess durchmacht, verschlungen wird, dann in die Finsternis, ins Unheil kommt, bis er dann geläutert durch diese Prozesse kapiert, dass Gott die Liebe ist – eine wunderbare Geschichte.
Ein Kurskollege von mir hat seine Probekatechese gehalten über den Jonas und hat in diesem Sinn gesprochen, und das war vor 40 Jahren. Dann haben die Professoren einen Rat abgehalten, ob man ihn als Ungläubigen entlassen müsste. Aber er ist heute noch ein sehr aufgeschlossener Priester und Pfarrer.
Und so ist es heute das Eigentliche, das Tiefe, das Innere, das Unvergängliche, das uns in diesen Sinngestalten nahegebracht wird. Wenn uns das aufgeht, dann ist es nicht mehr wichtig, ob es genauso historisch geschehen ist wie es da steht.
Und jetzt kommt Einer und sagt, bei Lukas steht doch genau: „Ich habe mich entschlossen, allem von Anfang an nachzuforschen, um es der Reihe nach aufzuschreiben, und so kannst du dich auf mich verlassen.“ Es waren Überlieferungsstücke, Erzählungen, Erinnerungen, und jeder, der ein Buch schreibt, der braucht eine Gliederung, wie er alles zusammenbaut, damit der Leser möglichst gut auf das Eigentliche kommt.
Und was aber Lukas zeigen möchte, geschieht im Innern des Sprachlichen, wo der Prophet sagt: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den Gefangenen (das sind die Eingesperrten, die mit sich und anderen innerlich und äußerlich Eingesperrten) die Freiheit zu bringen, den Blinden das Augenlicht (der Durchblicke eröffnet, der Zusammenhänge vermittelt, der möglich macht, alles einzuordnen, der es möglich macht, mit seinem Leben mit den vielen Rätseln zu leben und umzugehen und einfach, der die Zerschlagenen, die Kaputten wieder richtet, repariert).“ Das will er zeigen.
Man hat auch zur Zeit Jesu gedacht, der Messias müsste politisch sein, wie David, so wie David es für kurze Zeit fertiggebracht hat, ein Friedensreich aufzubauen. Jesus soll die Römer vertreiben, ER soll die Herrschaft, das Etablissement der Schriftgelehrten und Pharisäer, durchbrechen. Auf dieser Ebene, irdisch gesehen, ist Jesus total gescheitert. Und nun sagen heute auch die Wissenschaftler, wollte man die Glaubensgewissheit auf historische Daten festlegen, dann würde das Christentum das dritte Jahrtausend nicht überstehen. Würde man nicht sozusagen die inneren Wirklichkeiten, das, was Jesus uns bedeutet, das Unvergängliche in die Gegenwart bringen, dann könnte es uns im Leben auch nicht mehr tragen. Dann sind wir dauernd mit unserem Glauben dem Streit der Wissenschaftler ausgesetzt, die heute das reden und morgen was Anderes, dann muss man sich in einem Jahr ein paarmal umstellen.
So kommt jetzt ein Wort – da ist das Entscheidende drin, wenn Lukas schreibt:
„Jesus kehrte von der Kraft des Geistes erfüllt zurück.“
Das ist SEINE innere Erfüllung mit Gott, mit der Botschaft von der Liebe Gottes. Und so zeigt uns gerade Lukas Jesus als den Heiland der Armen, der in der Kraft der Liebe verbindet und offenbar macht, wie die Menschen befreit und erlöst werden können.
Wenn wir die frohe Botschaft als Lebenskraft erfahren wollen, als eine Kraft, die uns im Leben trägt, auch wenn äußerlich alles schiefgeht, die uns trägt in der Krankheit, durch die Krankheit, in der Armut und in unserer Schuld, in unserer Zerrissenheit, unserer Schwachheit, wenn das aufgeht, in unserem ganzen Bewusstsein aufgeht, dann trägt es unser Leben.
Nun kommen wir wieder auf das, worum wir uns ja dauernd bemühen:
Gott liebt dich immer, bedingungslos, unverlierbar, und die Anderen auch.
Und das ist die Fülle der Zeit, die Erfüllung unserer Sehnsucht, die auch, wie Augustinus sagt, als unerfüllte Sehnsucht in jedem Menschen verborgen ist. Das, wonach du dich sehnst, das gab es immer und das gibt es, und darum ist Gott Mensch geworden, damit das ganz menschlich sichtbar und erfahrbar wird.
Hängt euch doch nicht fest an dem Äußeren, das sind Vorstellungshilfen, damit das Innere aufgehen kann und euch tragen kann; das ist eben Mystik. Und das meint das viel zitierte Wort von Karl Rahner: „Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein.“
So versteht es auch Jesus, er zitiert Jesaja: „Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen.“ Und wenn Jesus sagt, das ist heute in Erfüllung gegangen, das mag vielleicht anmaßend klingen, aber es heißt, IHM ist bewusst, das, was ER zu bringen hat, ist kein menschliches Fabrikat, sondern das ist IHM gegeben, das ist die Kraft des Geistes.
„Der Geist des Herrn ruht auf IHM“, d.h., was ich euch sage, das ist mein Auftrag. Und so müsste eigentlich jedem Religionslehrer, Priester, Pfarrer bewusst sein, dass er nicht seine eigenen Aggressionen oder Probleme auszuschütten hat, wenn er von Gott redet, sondern dass er das, was der Geist durch Jesus geoffenbart hat, zu vermitteln hat so gut es geht, so dass ich ganz ehrlich sagen müsste, ich will ja nicht meine Weisheit vortragen, sondern das, wovon ich sagen kann, das trägt mein Leben, ich bin davon überzeugt. Dann kommt der Einzelne dazu, der aus seiner Lebenserfahrung heraus sagen kann, so wie Paulus einfach sagt: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe“ – es ist nicht mein Gebilde, was ich weitergebe.
Dass das sichtbar wird, dass es nicht so schwierig ist, ein kleines Beispiel:
Es ist ein Beispiel, wie eine Legende tiefste Wahrheit enthält. Mir hat bei einer Tagung jemand erzählt von einer Weihnachtspredigt. Eine ganz kurze Geschichte, in der alles gesagt ist, was Jesus bringt. Das ist die Geschichte, die Geschichte vom Wolf, der das Jesuskind fressen wollte:
Es ist die Heilige Nacht auf den Fluren von Bethlehem: Die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf sie, und der Wolf kommt wie jede Nacht zur Herde und holt sich ein Lämmlein, so als Nachtessen. Und dann ist der Wolf jetzt da auf den Fluren von Bethlehem, und dann fragt er sich, was ist denn da heute los? Was ist da für eine Aufregung, und er horcht und er horcht, bis er hört von einem Kind, von einem neugeborenen Kind. Er denkt, uih, ein neugeborenes Kind, das wäre mal was Anderes als immer die langweiligen Lämmer. Das Kind im Stall hole ich mir. Und dann schleicht er sich wieder zurück, und wie es finster und ruhig ist, schleicht er sich an den Stall heran und alle schnarchen und schlafen schon. Nur vom Kind hört er noch einen Krächzer, das Kind ist also noch wach. Er wartet noch ein bisschen, und dann geht er an die Krippe hin und denkt: Ah, jetzt hab‘ ich’s! Er streckt seinen Kopf und macht sein Maul auf, und dann –
streichelt das Kind seine Schnauze und krault ihn hinten am Kopf. Und auf einmal kann er das Kind nicht mehr fressen.
Und noch etwas geht in ihm vor, er merkt auf einmal wie sein Fell aufspringt, sein Wolfsfell zerreißt. Dann fällt ihm das ganze Fell ab, und dann steht da -der Mensch.
Der Pfarrer hat diese Geschichte als Weihnachtslegende gebracht, und die, die dabei war, hat mir erzählt, die Leute waren mäuschenstill. Kein Wort hat er sonst gesagt, weil jeder sieht in diesem Bild die tiefe Wahrheit, wie das Wolfshafte, die Aggressionen und das alles abfällt und wie durch diese Liebe, durch die bedingungslose Liebe, der Mensch zum Menschen wird.
So gibt es diese vielen, vielen Möglichkeiten zum Aufmerksam-Machen auf das Eigentliche, was sich in Jesus erfüllt hat, in der Geschichte, weil gerade das, was IHN erfüllt hat, der Geist Gottes durch IHN in unsere Welt unverlierbar über historische Vergänglichkeiten eingegangen ist.
GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!