Strahlkraft

Lebendiges Gedankengut von Pfarrer Elmar Gruber e.V.

ELMAR GRUBERS PREDIGTEN

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: Predigten durch das Kirchenjahr)

VORWORT

IDEAL IN DEN ZEITEN DER CORONA-KRISE!

VERKÜNDIGUNG VON GOTTES WORT DURCH DIE PREDIGTEN DES HOFFNUNG GEBENDEN PFARRERS ELMAR GRUBER

Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  - seit dem 1. Advent 2019 (1. Dezember 2019) ist Lesejahr A.

Immer die aktuelle Predigt!

Inspiration für alle Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!

Auch als Predigt-Vorlagen!

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.

Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.

Danke, Helga! Ohne dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!

 

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16. Sonntag im Jahreskreis  A  - 

19. Juli 2020

 

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 22.07.1990

 

1. Lesung: Weisheit 12, 13, 16-19

2. Lesung: Römer 9, 26-27

Evangelium: Matthäus 13, 24-43

 

Ich begrüße Sie herzlich zu unserer Eucharistiefeier, heute am 16. Sonntag im Jahreskreis!

Wir hören im Evangelium das Gleichnis vom Unkraut und Weizen – das ist ein ganz starker Impuls zur Barmherzigkeit. Wir können aber nur barmherzig sein, weil uns Gott SEINE Barmherzig­keit immer wieder neu schenkt.

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Auch für den, der Ohren hat, ist es nicht so leicht, bei diesem Evangelium wirklich zu hören.

Wenn ich zu diesem Evangelium etwas sagen soll, komme ich mir vor, wie wenn ich in einer riesigen Ausstellung war und in zehn Minuten sagen soll, was ich alles gesehen habe. Was ich versuche, jetzt zu sagen, kann also nichts Vollständiges

sein, sondern es sind nur Andeutungen. Vielleicht bekommen Sie aber doch ein bisschen Durst für diese Ausstellung.

 

Zum ersten Gleichnis vom UNKRAUT UND WEIZEN:

Das ist wie bei einem großartigen Bild. Man wird immer wieder hinschauen, ein Leben

lang. Man wird immer wieder Neues sehen und entdecken können.

Wir machen die Feststellung, wenn man das Leben spürt, wenn das Leben aufgeht, wenn der Same, das Wort Gottes, aufgeht, dann ist immer sofort eine Doppelstruktur da: GUT und BÖSE.

Es ist, wie wenn man das Licht anmacht, man sieht die Dinge sofort, auch den Schatten – immer ist beides da. Und der Mensch möchte das in Reinkultur haben, was er als gut sieht – man muss betonen, das, was der Mensch als gut sieht. So auch hier im Evangelium: Der Mensch möchte die Vollkommenheit haben. Sollen wir hingehen und das Böse ausmerzen? Ich denke da noch an meinen Religionsunterricht, wo uns der Kampf gegen das Böse schmackhaft gemacht wurde: Das Böse ausrotten, ausreißen! Im Evangelium hören wir etwas ganz anderes: “Lasst beides wachsen!” Das heißt, stehen lassen, stehen lassen, Du reißt sonst alles aus!! Wenn Menschen das Ausgrasen anfangen, dann geht immer alles mit. Vom biblischen Text her sind einmal zwei Dinge bedeutsam: Einmal können wir allgemein einsehen, dass die Verwurzelung von gut und böse so dicht ist, dass wir es gar nicht auseinanderbringen. Das andere: Die Exegeten weisen darauf hin, dass es in der Zeit, als dieses Gleichnis entstanden ist, ein Unkraut gab, den Lorch, der ganz weizenähnlich aussah und erst beim Reifen der Ähren erkannt wurde. So konnte man erst bei der Ernte das Unkraut vom Weizen unterscheiden. Darauf soll das Gleichnis auch hinweisen: Bilde Dir doch nicht ein, dass Du es bestimmen kannst, was Unkraut und Weizen in den Augen Gottes ist; dass das, was Du „gut und böse“ nennst, auch in den Augen Gottes gut und böse ist und Du mit deinem Urteil richtig liegst.

Das ist mal so ein Hauptimpuls: Lass beides stehen!

Und jetzt gehen wir ins praktische Leben rein, und da spüren wir, wie akut und aktuell es wird. Mein Spiritual im Priesterseminar hat ein­mal gesagt: Du musst jedem Menschen drei Fehler zugestehen, dann wirst Du feststellen, dass jeder Mensch ein netter Mensch ist. Das müssen Sie einmal ausprobieren – aber nicht drei Fehler, sondern jedem Menschen bloß einen Fehler – und das dem Menschen zuge­stehen, aber in liebenswürdiger Kritik, dass er spürt, er darf ihn haben. Wenn Sie ihm diese Schwäche lassen können, dann können Sie erst sehen, dass er auch ein netter Mensch ist. Wenn ich an dem Anderen nichts Böses mehr lassen kann und will, dann kann ich an ihm auch nichts Gutes mehr lassen. So teilen wir die Menschen immer ein in GUTE und BÖSE. Sicher gibt es eine Grund­entscheidung: Die einen, die sich an Gott orientie­ren, und die a0nderen, die sich an der Welt, am Konsum orientieren. Aber wenn wir auf die Praxis schauen, dann sind die Menschen immer von beiden angesteckt. Denken wir nur an die Geschichte der Kirche: Da entstanden die heiligen Kriege, weil man mit Gewalt das Reich Gottes ausbreiten wollte. Wenn der Mensch anfängt auszureißen, dann kommt gerade das eigentlich Böse vor. Wenn ich bei anderen Menschen anfange, das Böse auszureißen, dann mache ich ihn kaputt; mich dabei auch. Auch bei mir muss ich Unkraut und Weizen stehen lassen. Es ist doch so befreiend, wenn ich zugeben kann, dass ich meine Fehler habe, sie ohne Beschönigung feststelle und bejahe – das ist ja eigentlich die Gewissenserforschung. Und dann brauche ich mir auf mich nichts mehr einzubilden, ich brauche nicht mehr so fehlerlos dastehen und kann es wirklich aushalten, wenn mich jemand kritisiert und zum Beispiel sagt: Also, heute hast Du Unsinn gemacht..

Lass Dir Deine Fehler, lass dem Anderen seine Fehler! Das Auseinander-Klauben wird am Ende Gott machen, denn nur E R weiß, was g u t ist.

Ein weiterer Impuls: Das Gericht: Das Unkraut wird verbrannt werden. Man könnte denken, Gott, die große Müllverbrennungsanlage am Ende. (Kinder haben einmal gesagt: Wo Gott alles Böse in uns verbrennt). Jeder Mensch ist gut und böse, und ER ist darauf angewiesen, dass ihn jemand von diesem Spannungsverhältnis befreit, zur Harmonie; und das wird Gott machen – ER allein weiß es. Das Wort “brennen” ist auch doppeldeutig. Denken wir an die Kriegs­zeit zurück. Ich weiß noch, welche Seligkeit es war, einen warmen Ofen zu haben. Das, was verbrannt worden ist, ist zugrunde gegangen und in behagliche Wärme, Licht und Energie verwandelt worden. So können wir auch immer heraushören, dass das Böse in uns Brennmaterial ist für das Gute; dass es nur in diesen Verwandlungsprozess hinein muss. Also brauchen wir das “Böse”, weil es das Material ist für das Gute; so könnte man denken.

Das Gericht Gottes heißt: ER wird richten, ER wird alles verwandeln, ER kann alles verwandeln. Darin steckt eben die frohe Botschaft.

Mein letzter Gedanke zu diesem und allen Gleichnissen: Jeder muss schließlich selber, ganz persönlich, die Gleichnisse und alle biblischen Bilder, deuten, dann werden sie ihn auch selber, ganz persönlich, immer wieder neu ansprechen. Hier ist zwar eine Deutung aus dem Munde Jesu beigegeben, doch die Bibelwissenschaftler sagen, dass Jesus SEINE Gleichnisse nicht gedeutet hat, sondern dies ist eine Deutung der Urkirche. Das Gleichnis deutet sich nicht selbst, es spricht Dich an und fordert Dich heraus. Ich kann sagen: Ich kann das Gleichnis nur richtig deuten, wenn ich es in jedem Fall im Sinne des unendlichen Erbarmens Gottes deute, wenn die Grundentscheidung die Liebe Gottes ist.

Diese Grundentscheidung kann uns das ganze Evangelium erschließen in seinem tiefen Reichtum vom Erbarmen Gottes. Wenn ich aber selber nicht erbarmend bin und erbarmend sein will, dann bleibt mir auch das Er­barmen Gottes in der Heiligen Schrift, gerade in diesen großartigen Gleich­nissen verborgen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!

 

Näheres zu Elmar Grubers Predigten

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VORWORT – Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  -  Seit 1. Dezember 2014 ist Lesejahr B.

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen. Bevor er ans Ambo trat, hatte er sich ein Grundkonzept überlegt; die Worte, die er dann sprach, waren “von oben” eingegeben, inspiriert.

Der Text der Predigten wurde mit Erlaubnis Elmar Grubers von einer gläubigen Christin während des Gottesdienstes privat auf einem Cassettenrecorder aufgenommen und danach geschrieben. Wir danken dieser Frau, die anonym bleiben will, von ganzem Herzen, denn durch sie haben wir jede Woche einen unschätzbaren Wert!