Strahlkraft

Lebendiges Gedankengut von Pfarrer Elmar Gruber e.V.

ELMAR GRUBERS PREDIGTEN

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: Predigten durch das Kirchenjahr)

VORWORT

IDEAL IN DEN ZEITEN DER CORONA-KRISE!

VERKÜNDIGUNG VON GOTTES WORT DURCH DIE PREDIGTEN DES HOFFNUNG GEBENDEN PFARRERS ELMAR GRUBER

Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  - seit dem 1. Advent 2019 (1. Dezember 2019) ist Lesejahr A.

Immer die aktuelle Predigt!

Inspiration für alle Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!

Auch als Predigt-Vorlagen!

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.

Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.

Danke, Helga! Ohne dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!

 

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26. Sonntag im Jahreskreis A –

27. September 2020                         

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 26. September 1993

  1. Lesung: Ez 18, 25-28
  2. Lesung: Phil  2,1-11

       Evangelium: Mt 21, 28-32

 

Ich begrüße Sie herzlich zur Feier des 26. Sonntags im Jahres­kreis!

Die große Linie vom ERBARMEN wird heute wieder weitergeführt – genauer gesagt, sie wird wieder in besonderer Weise konkretisiert. Man spürt in dem Evangelium die Sorge Jesu um uns Menschen. ER will, dass wir da hinkommen, worauf es eigentlich ankommt. Und in einem ganz einfachen Beispiel fordert uns Jesus zum Nachdenken heraus. Wir wollen uns dieser Herausforderung stel­len.

 

Predigt:

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Im Philipper-Brief haben wir eine ganz entscheidende Stelle gehört, wo das ganze Erlösungswerk Jesu in einigen Sätzen dargelegt ist. Gott erniedrigt sich, wird Mensch, um als Mensch gehorsam zu sein, das heißt, den Willen Gottes zu tun bis zum Tod am Kreuz, also bis zum Letz­ten. Gott wird Mensch, um ganz menschlich erfahrbar zu machen, dass Gott bedingungslose Liebe ist, die stärker ist als der Tod und stärker ist als alle Bosheiten der Menschen. Und im Evangelium haben wir wieder an vielen Stellen gehört, wie Jesus sich bemüht, die Menschen (und im heutigen Text gerade die Hohenpriester und Ältesten des Volkes) dahin zu bringen, was ER den Menschen auf Erden bringt, nämlich den Him­mel, das Reich Gottes, den Bereich Gottes, das, worauf es eigent­lich ankommt. Diese ganz einfache Katechese ist ein Impuls zum Nachdenken, hier ist die Führungsschicht des Volkes in besonderer Weise gefährdet bzw. gehindert, die Botschaft anzuhören und anzunehmen – darum diese einfache Szene: Ein Mann hatte zwei Söhne, und beide lädt er ein: Kommt in meinen Weinberg und arbeitet im Reich Gottes, kommt zu mir! Gott redet alle Menschen an – alle, aber es gibt da die Einen, das sind die Selbstgerechten (an einer anderen Stelle sagt Jesus, die der Umkehr nicht bedürfen, die gar nicht sehen, dass sie eigentlich auch anders leben müssten) und die Anderen, das sind die Sünder, man könnte auch sagen „die Guten und die Bösen“, „die Anständigen und die Unanständigen“. ER spricht beide an, und dieser Anspruch bewirkt etwas. Bei dem Einem geht er wieder unter, das heißt, wenn Gott uns anspricht, dann löst das immer einen Prozess aus, und wenn dann etwas untergeht, dann ist das auch ein Prozess des Hinausdrängens, um wieder sozusagen in den alten Teil der Selbstgerechtigkeit zurückzukehren und zu sagen: „Ja, wir sind schon richtig.“ Das ist die Sünde der pharisäisch Frommen, die überall die Bestätigung haben: „Wir sind ja wer, wir haben die wahre Lehre, wir haben die wahre Moral, wir brauchen uns ja nicht bekehren“.Wenn einer nie aneckt, weil er vielleicht einen Beruf hat, bei dem er Bestätigung bekommt, gerade in Führungsschichten, wo einer das Gefühl bekommt, mir kann niemand etwas sagen, gerade die verhalten sich dann häufig pharisäisch.

Ich brauche das Bewusstsein absoluter Wahrheit. Ich brau­che aber den Dialog, weil ich mich sonst selbst betrüge! Die Unfehlbarkeit ist im Dialog der Gemeinde. Der Geist Christi ist der Kirche als Gan­zes, als Welt-Kirche, zugesprochen. Wenn der Geist Christi fehlt, dann kommt es zu dieser Gefahr, die im Evangelium angesprochen ist. Auch für uns ist das die Gefahr, wenn wir meinen, wir liegen richtig, dass wir dann für das Erbarmen Gottes verschlossen bleiben. Wenn wir wissen wollen, wie weit wir im Erbarmen Gottes sind, können wir uns selber prüfen, nämlich daran, wie weit wir uns über Andere ärgern, wie weit wir über Andere schimpfen, wie weit wir Andere beschuldigen. Da zeigt sich dann, wie wenig uns noch das Evangelium erreicht hat, positiv ausgedrückt, wie sehr wir unterwegs sind. Ich hatte erst eine bedrückende Begegnung mit fundamentalistischen Gruppen. Man urteilt, verurteilt, und es kommen Hassausbrüche über die alte Kirche. Sie sagen, wir sind die Richtigen, wir verkünden die wahre Botschaft. Und das ist die Herausforderung: ER sagt zu a l l e n: „Kommt in meinen Weinberg.“ Dann kommen die Anderen, die zuerst sagen „NEIN, wir wollen nicht!“ Aber dann löst das Wort doch etwas aus, und zwar bei den Menschen, bei denen nicht mehr alles stimmt, die sich nicht mehr auf die Schulter klop­fen können, die gesellschaftlich vielleicht nicht mehr in Ordnung sind, die keine Bestätigung mehr haben, denn die können sich selber nichts mehr vormachen. Da ist halt so vieles zerbrochen im Leben, und die sind irgendwie offen für das Reich Gottes, die sind mehr offen für das Erbarmen Gottes als die Anderen, bei denen immer alles stimmt. Ich denke, dass Sie bestätigen können, dass Menschen, die viel durchgemacht haben, viel erbarmender und verständnisvoller sind als Menschen, bei denen immer alles perfekt und korrekt ist.

Mir ist bei einem Gespräch mit einem evangelischen Kollegen der Sinn der Schuldgefühle und des Schuldbewusstseins so bewusst gewor­den. Der Kollege hat gesagt, wir müssen doch vermeiden, dass die Menschen Schuldgefühle haben. Ich habe gerade das Gegenteil ge­sagt: „Schuldgefühle, Schuldbewusstsein sind notwendig, weil sie aufschließen für das ERBARMEN.“ Wenn ich Schuld und Schuldbewusstsein verdränge, dann kann mir das EIGENTLICHE gar nicht aufgehen. Ich denke an meine Praxis als Beicht-Priester – so wie man es frü­her auch uns Kindern gesagt hat: Bei der BEICHTE ist es so, als ob nichts gewesen wäre, also eine Rückkehr zum Alten, als ob Vergeben heißt Vergessen  -  und das stimmt nicht. Im Bußsakrament wird die Liebe Gottes zugesprochen, das heißt, dass ich eine Schuld habe, und trotzdem ich so bin wie ich bin, bin ich geliebt. Das verändert den Menschen.

So spricht uns heute Jesus an und fordert uns heraus nachzudenken. Dies soll ein Impuls sein, dass wir uns bemühen, anstän­dige Menschen zu sein, aber das Entscheidende dabei nicht übersehen: Das Erbarmen. Auch der beste Mensch im Sinne der Moral wird auf das Erbarmen angewiesen sein und immer wieder sagen: „Herr erbarme dich!“

Ich weiß, dass „anständige Menschen“so leicht geneigt sind, Andere zu verurteilen und über Andere zu richten und nicht mehr zu sehen, dass Gott alle Menschen liebt, auch die Pharisäer.

 

 

 

 

 

 

 

 

 GOTT GEHT MIT, WORAUF DU DICH VERLASSEN KANNST!

 

Näheres zu Elmar Grubers Predigten

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: Predigten durch das Kirchenjahr)

VORWORT – Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  -  Seit 1. Dezember 2014 ist Lesejahr B.

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen. Bevor er ans Ambo trat, hatte er sich ein Grundkonzept überlegt; die Worte, die er dann sprach, waren “von oben” eingegeben, inspiriert.

Der Text der Predigten wurde mit Erlaubnis Elmar Grubers von einer gläubigen Christin während des Gottesdienstes privat auf einem Cassettenrecorder aufgenommen und danach geschrieben. Wir danken dieser Frau, die anonym bleiben will, von ganzem Herzen, denn durch sie haben wir jede Woche einen unschätzbaren Wert!