Strahlkraft

Lebendiges Gedankengut von Pfarrer Elmar Gruber e.V.

ELMAR GRUBERS PREDIGTEN

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: Predigten durch das Kirchenjahr)

VORWORT

Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  - seit dem 1. Advent 2018 (2. Dezember 2018) ist Lesejahr C.

Immer die aktuelle Predigt!

Inspiration für alle Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!

Auch als Predigt-Vorlagen!

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.

Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.

Danke, Helga! Ohne dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!

 

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Sonntag zum Kirchweihfest C

20. Oktober 2019

 

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 21. Oktober 2001

 

1. Lesung: 1 Kön 8, 22.23.27-30  Wohnt denn Gott wirklich auf der Erde? Siehe, selbst der Himmel und die Himmel der Himmel fassen dich nicht, wie viel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe.“

2. Lesung: 1 Petr.2, 4-9   „Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen!“

Evangelium: Lk 19, 1 – 10 „Jesus sagte: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.“

 

Ich begrüße Sie herzlich zum heutigen Kirchweihfest!

In der Lesung aus dem Petrus-Brief ist die Rede von den lebendigen Steinen. Da will uns der Apostel erinnern, dass wir selber nicht nur Steine sind, sondern Haus Gottes, Tempel Gottes, eine Stelle, wo die Liebe Gottes in der Welt wohnen soll. Die Zachäus-Geschichte, die uns so vertraut ist, will uns immer wieder neu die ent­scheidenden Perspektiven unseres Lebens und unseres Glaubens eröffnen. Damit uns das wieder anrührt, bitten wir den Herrn um SEIN Erbarmen:

Herr, schenke uns DEIN Erbarmen, damit wir an DEINE Barmherzigkeit glauben!

Herr, erbarme DICH!

Schenke uns DEIN Erbarmen, damit wir selber immer wieder neu barmherzig werden!

Christus, erbarme DICH!

Schenke uns DEIN Erbarmen, damit wir DEINE Liebe weitergeben an die Welt und an die ganze Schöpfung!

Herr, Erbarme DICH!

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Diese Zachäus-Geschichte, die uns so vertraut ist, muss man immer wieder anschauen, damit einem etwas Neues aufgeht, oder das Alte geht einem immer wieder ganz neu auf. Es ist nicht möglich in ganz kurzer Zeit alle Perspektiven anzusprechen, denn hier steckt die ganze frohe Botschaft drinnen. Eins darf ich herausgreifen, was uns hier gezeigt wird: Uns Älteren fällt es schwer, ich traue es mir kaum zu sagen, dass Gott nicht straft. Gerade wir Älteren haben den strafenden Gott in unserem Fleisch und Blut. Gott belohnt die Guten, und die Bö­sen bestraft ER. Das stimmt auch, aber in einem ganz anderen Sinn. Das ist der Beitrag, den wir leisten, der eben auch dazu führt, dass sich die Liebe Gottes ausbreitet, das ist gewiss auch ein Lohn. Und der Mensch, der sich egoistisch der Weitergabe des Erbar­mens verschließt, der ist dann selber gestraft. Vielleicht eine kleine Denkhilfe: Sie können sagen, ja, das ganze Alte Testament – und auch im Neuen – sind doch die vielen Stellen da, die von der Strafe Gottes reden. Eugen Drewermann hat einmal das durchgearbeitet und auf den Nenner gebracht: Gott hat es so eingerichtet, weil eben ER allein der Heilige ist. Wir Men­schen und Geschöpfe sind ganz von IHM abhängig in unserer Freude, in unserem Leben. Und wenn sich der Mensch aus dieser Abhängigkeit entfernt, dann ist er ganz einfach auf sich gestellt, er ist mit sich selber gestraft. Dann hat er den Halt nicht mehr, dann hat er die Kraft zur Versöhnung nicht mehr, dann muss er nach dem Prinzip Strafe selber leben.

Bitte verstehen Sie mich recht, die Vorstellung von einem strafen­den Gott, so wie wir Menschen strafen, die Bösen bestrafen, führt immer irgendwie zum Terrorismus. Ich brauche nur ein Feindbild aufzubauen, dann kann ich schon mit Recht (sogar im Glauben Gott will es so) auf die Feinde losgehen. Es braucht einer nur alle Juden und alle Amerikaner zu verteufeln, wie wir es so furchtbar erleben, dann kann er im Namen Allahs die Amerikaner und die Juden vernichten und meint vielleicht noch, Gott einen Dienst zu erweisen.Wir haben erfahren, wie diese Ereignisse des 11. September 2001 die Menschen bewegen. Der Kirchenbesuch hat damals um 20 Prozent zugenommen. Bin Laden hat das bestimmt nicht direkt beabsichtigt. Aber wie viele Menschen haben auf einmal ge­betet, die nie mehr gebetet haben, die von Gott nichts mehr wissen wollten. Jetzt spü­rten sie, da ist etwas, was wir mit unserem Denken nicht mehr in den Griff bekommen, ob­wohl das Rächen und das Hassen uns ins Blut gegeben ist. Da haben Menschen auf einmal ein Licht entzündet, weil sie gespürt haben, Licht ist das Zeichen der Hoffnung. Wenn wir Licht und Finsternis zusammenbrin­gen, ist immer das Licht stärker. Es wird immer die Finsternis erhellt und nie das Licht. Das Licht kann ausgehen, weggehen, man kann es ausblasen, aber wenn Licht und Fin­sternis beisammen sind, ist immer Licht das Stärkere, und das ist das Hoffnungs-Zei­chen, dass letztlich auch die Liebe immer stärker sein wird als der Hass, auch wenn das Böse eskaliert.

Das bewegt auch schon Kinder, und so sind auch die Religionslehrer gefragt aus dem Glauben heraus, sofort an Ort und Stelle eine einfache Antwort zu geben. Ein kleines Beispiel aus dem Kindergarten: Ein Junge hat gesagt: Mein Papa hat ge­sagt, an all dem Krieg ist nur dein Scheiß-Jesus schuld. In derselben Gruppe sagt ein Kind: Ja, an dem ganzen Krieg, da ist der Scheiß-Gott schuld. Wenn dann nicht einer da ist, der sagt, Du, das stimmt ja gar nicht, den Krieg macht nicht Gott, auch wenn vielleicht Bin Laden im Namen Allahs auf Menschen einwirkte, erhalten die Kinder ein falsches Bild von Gott. Gott macht ja gerade den Frieden!

Deshalb vergeltet nicht Böses mit Bösem!

Tut Gutes denen, die euch hassen!

Betet für die, die euch verfolgen!

Liebet eure Feinde!

Ja, warum tun die Menschen das? Dann kommt die Antwort: Warum hast Du in der letzten Stunde die anderen Kinder in der Gruppe geärgert? Du hast Dich noch gefreut, dass einer geweint hat, weil Du so ekelhaft und grausam warst, Du hast den gekratzt und gezwickt. Warum hast Du das getan? Ja, ich weiß es auch nicht. Da siehst Du, das ist das Böse, die Macht des Bösen. Und wenn sich der Mensch der Macht des Bösen, dem Vergeltungsdenken, hingibt, da kommt immer die Katastrophe heraus. Paulus sagt: „Überwindet das Böse durch das Gute, durch die Liebe!“ Das sind auch so kindliche Glaubensgespräche, die ganz ein­fach das Wesentliche treffen. Dem Bin Laden hätte man sagen müssen, dass Gott, dass Allah die Amerikaner und die Juden auch liebt. Einer hat den Vorschlag gemacht, der Papst soll ihm das sagen – genial gedacht, aber wie soll das praktisch verwirklicht werden? Ja, gegen den Terrorismus muss man etwas tun. Aber dann hat man ja schon wieder neue Feindbilder – die Terroristen. Das ist die Tragik, das ist zum Verzweifeln.

Das alles kann nur in einem Schrei enden Herr, erbarme DICH!“ Die Menschen, die ans Erbarmen Gottes glauben, sollen sich über alle Grenzen hinweg zusammentun und diesen Schrei gemeinsam ausstoßen. Dieser Friede zwischen den Menschen und der Friede zwischen den Völkern kann nur aus dem Glauben kommen, dass Gott alle Menschen liebt, die jeweils Anderen eben immer auch.                                                                                                                                              Wir plagen uns ja immer in unseren Betrachtungen um diesen Kerninhalt unseres Glaubens. Da sagt der Autor, Zachäus war Oberzöll­ner, also ein Außenseiter der Gesellschaft, habgierig und sehr reich. Von Lukas wird auch überliefert, dass Jesus sagt: Wehe euch, ihr Reichen, ihr habt ja alles schon! Und jetzt die Kontraststelle: Wie geht ER mit dem Reichen um? ER sagt nicht, wehe du, Zachäus, du bist doch ein Schlimmer, jetzt bekehre dich, jetzt gehe mal zum Beichten, dann schauen wir weiter. Genau das Gegenteil ist gesagt. Dieser Zachäus wird zur Stelle für den, der das durchschaut, wo sich der nicht strafende, sondern der allbarm­herzige Gott offenbart und so den Menschen bekehrt. Als Jesus an die Stelle kommt, bleibt ER stehen, ER schaut zu ihm hinauf, ER nimmt Kontakt auf, ER nennt ihn beim Namen - das sind ja schon alles sozusagen therapeutische Vorgänge. ER schimpft ihn nicht. ER sagt: „Zachäus, komm herunter, ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.“ Man könnte es auch einfacher sagen, ich muss heute mit dir Essen gehen. Und da wird das Haus des Zachäus zum Haus Gottes. Auch das Wesentliche dieser Kirche ist, dass es Haus Gottes ist, in dem ER mit uns Essen geht, sich mit uns vermählt. Und dann wird sichtbar, dass diese nicht strafende Liebe die stärkste Kraft gibt. Verstehen Sie mich nicht falsch, wir brauchen in unserer sündigen Welt Strafen und Sühne, wir brau­chen das alles, aber vor allem, weil wir so unerlöst sind und weil sich das noch nicht durchgesetzt hat, sonst wäre das Reich Gottes vollendet.

Bekehrung zeigt sich immer in diesem Vorgang, dass ei­ner ergriffen wird von der Liebe Gottes. Zachäus war voll Freude. Wenn man Menschen fragt, was sie denn eigentlich brauchen, kommt die Antwort: Ja, ich brauche einen Menschen, der mich nicht schimpft, der mich nicht verurteilt, der mich ganz versteht, zu dem ich immer kommen kann. Ja, das ist ER! Einem, dem das widerfährt, der Psychologe würde sagen, der wird kreativ im Guten, der bekommt mehr als er genommen hat. Man kann sich fra­gen: Wo hat er das her, Geldwäsche hat es damals nicht gegeben? Doch wer von die­sem Jesus, von dieser Liebe, von dieser bedingungslosen Liebe ergriffen wird, der wächst über sich hinaus, der kann mehr geben als er hat, der wird zur Stelle, in der Gott selber auf die Welt kommt.

Und durch den Menschen, der von Gott ergriffen ist, von dieser Liebe, werden andere Menschen ergriffen. Die Fachleute der Religionspäd­agogik zerbrechen sich den Kopf: Wie kann der Religionslehrer begeisternd von Gott reden? Und da kann die Psychologie Vieles sagen, aber eins kann man nicht machen: Man kann nicht begeisternd von Gott reden, wenn man nicht selber begeistert ist. Und ich kann nur von diesem Gott begeistert sein, wenn ich gleichzeitig SEIN Erbar­men annehme und nicht nur sage, Gott hat mir vergeben, sondern es weitergebe und selber barmherzig werde.

Wir werden am nächsten Samstag im Buß-Gottesdienst zu Allerheiligen den acht Seligkeiten ein biss­chen nachspüren. Das sind so Reifungsprozesse für das Fegfeuer, wo es heißt: „Selig die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“

Und so mag uns auch das Hoffnung geben, dass auch diese, beinahe unüber­windliche Angst, weil der Fanatismus und das alles weltweit eskaliert, dass alles ein barmherziger Gott in SEINEN Händen hält, der uns retten wird, wenn nicht an der Katastrophe vorbei, so gewiss durch die Katastrophe hindurch.

 

 

 

 

 

Näheres zu Elmar Grubers Predigten

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: Predigten durch das Kirchenjahr)

VORWORT – Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  -  Seit 1. Dezember 2014 ist Lesejahr B.

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen. Bevor er ans Ambo trat, hatte er sich ein Grundkonzept überlegt; die Worte, die er dann sprach, waren “von oben” eingegeben, inspiriert.

Der Text der Predigten wurde mit Erlaubnis Elmar Grubers von einer gläubigen Christin während des Gottesdienstes privat auf einem Cassettenrecorder aufgenommen und danach geschrieben. Wir danken dieser Frau, die anonym bleiben will, von ganzem Herzen, denn durch sie haben wir jede Woche einen unschätzbaren Wert!