Strahlkraft

Lebendiges Gedankengut von Pfarrer Elmar Gruber e.V.

ELMAR GRUBERS PREDIGTEN

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: Predigten durch das Kirchenjahr)

VORWORT

Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  - seit dem 1. Advent 2018 (2. Dezember 2018) ist Lesejahr C.

Immer die aktuelle Predigt!

Inspiration für alle Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!

Auch als Predigt-Vorlagen!

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.

Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.

Danke, Helga! Ohne dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!

 

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Fronleichnamsfest C

20. Juni 2019

 

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 11. Juni 1998

 

1. Lesung: Gen 14, 18 – 20 „Er brachte Brot und Wein dar.“

2. Lesung: 1 Kor 11, 23 – 26 „Sooft ihr esst und trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn.“

Evangelium: Lk 9, 11b – 17 „Alle aßen und wurden satt.“

 

Ich begrüße Sie herzlich, heute zur Feier des hohen Fronleichnamsfestes! Eucharistie und Abendmahl sind der Ursprung unserer unzerstörbaren Freude und Hoffnung, der Ursprung unserer Gemeinschaft, unserer Gemeinde, der Ursprung der Kirche. Es ist immer wieder unsere Not, dass wir den Zugang zu dem finden, was eigentlich das Größte ist, was uns hier auf dieser Welt geschenkt ist.

 

Predigt

 

Liebe Schwestern und Brüder,

 

in diesem Satz „Alle aßen und wurden satt“ ist das enthalten, was uns in der Eucharistie, im Abendmahl, geschenkt ist. Mit Sättigung ist ja nicht die physische Sättigung gemeint, sondern die Erfüllung unserer Sehnsucht, die Vollendung unseres Mensch-Seins schon hier auf Erden. Es ist so gewaltig und einfach, dass wir es immer nicht fassen können. Mich bewegt es immer, wenn ich Menschen treffe, die nach Sensationen gieren und hungern und alles Mögliche unternehmen. Hier entgeht ihnen das, was uns geschenkt ist – das Großartigste in einfachster Gestalt, weil sie dafür nicht offen sind.

Wir, die Älteren, haben im Religionsunterricht gelernt, in der heiligen Messe wird Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu verwandelt, und das musst du glauben – sozusagen Ende des Religionsunterrichts. Das ist heute unmöglich. Früher waren aber auch die äußeren Begleit-Zeichen des Feierns so stark, dass durch diese Eindrücke des Feierns die Wucht und Gewalt dessen, was hier geschieht, irgendwie zum Ausdruck kam, und wenn auch nicht bewusst, vielleicht doch unbewusst ins Leben einging. So erinnere ich mich immer noch an meine Kinderzeit in „Zwölf Apostel“, wo der unvergessliche Pfarrer Endres diese großartigen Blumenteppiche gemacht hat, wo wir tagelang Blumen und Rasen geschnitten haben für diese Blumenteppiche und wo durch diese Vorbereitungen eben auch vom Gemüt her, vom Gefühl her, es ein großes Fest wurde. Ich erinnere mich an diesen Mesner Reitmeier, der in seiner temperamentvollen Art immer geschrien hat „Tut‘ s die Sakramentsfahne vorne hin!“ Als wir Blumen gesammelt haben auf dem Grundstück, wo heute die Kirche steht und der Bauer gekommen ist und uns den Hund nachgejagt hat – wir haben dann zurückgeschrien, das ist das Grundstück vom Herrn Pfarrer, aber das hat nichts geholfen, der Hund ist weitergelaufen, und wir sind davongelaufen und haben auch das Weite gefunden, das wir gesucht haben. Das sind so Eindrücke, ein paar Erinnerungen an das Fest. Man versucht ja auch heute wieder, gerade in ländlichen Gegenden, diese ganze Sinnenhaftigkeit wieder zu beleben, um dessen inne zu werden.

Aber es ist als Religionslehrer eben auch meine Hauptaufgabe geworden, Kinder vorzubereiten auf die Sakramente. Vielleicht darf ich Ihnen ein bisschen was sagen, was vielleicht auch uns hilfreich sein könnte zur Erschließung dessen, was uns hier gegeben ist. Da bin ich gerade in letzter Zeit, in den letzten Wochen, auch wieder im Gespräch mit Religionslehrern darauf gestoßen, dass uns ein Wort unsäglich viel helfen könnte, wenn wir es meditieren. Ich deute es nur kurz an, das Wort und der Vorgang der Verkörperung. Alles, wovon wir leben – Liebe, Herzlichkeit, Entgegenkommen, Wohlwollen – das sind ja alles geistige Wirklichkeiten, die sich in der Verkörperung mitteilen, wenn ich so sagen darf. Ein herzlicher Händedruck, ein gütiger Blick der Augen, ein gütiger Tonfall in der Stimme – was kann ein solches Wort oft trösten: „Komm, wird schon wieder“. Da kann meine ganze Hoffnung drin sein, meine Zuversicht, die aus dem Glauben kommt.

Ich versuche ja immer als Religionslehrer eben auch meinen Glauben, in dem, was ich tue, zu verkörpern, dass ER erfahrbar wird in diesem sinnenhaften Bereich. Die Vorbereitung zur Erstkommunion scheitert vor allem daran, weil der sinnenhafte Bereich von uns völlig zerstört ist. Es geht beim Essen und Trinken an. „Du speisest uns, weil du uns liebst.“ In jedem Bissen, jedem Schluck, den wir zu trinken haben, Wasser und Wein, ist eine Verkörperung der Liebe Gottes. Mit Liebe kochen! Wenn nicht mehr gekocht wird, nur mehr Fast Food hineingeschlungen wird, da wird das eigentlich Menschliche, die Gemeinschaft, das Geliebt-Sein im Essen-Dürfen, nicht mehr erlebt. Die Einladung, die Vorbereitung und alles, was eben dazu gehört in diesem Bereich, kann ich nur andeuten. Es ist mir ein Hauptanliegen in der Erziehung der Kinder, dass das Essen eben ein Mittelpunkt wird, der mehr ist als bloß Triebbefriedigung und Lust steigern. Das gehört alles dazu, aber das Wesentliche ist die Erfahrung des Geliebt-Seins, der Gemeinschaft, der Tisch-Gemeinschaft, des Zusammengehörens.

Für manche unvergesslich sind die Meditationen Dr. Hubert Klees. Er hat immer die Meditation gehalten: Das Mahl ist ein symbolisches Aufessen, wirkliches Aufessen der Lebenskraft des Gastgebers. Der Vater, der mit seiner Lebenskraft Geld verdient, und mit dem Geld werden Lebensmittel gekauft, und die Mutter, die dann die Lebensmittel zubereitet, im Essen, in der Tischgemeinschaft, wird eben dann diese Lebenskraft des Vaters in diesen verwandelten Formen einverleibt. Das ist das, was bei einem Mahl so glücklich machen kann, dass man wieder beim Essen und Trinken beisammen war. Das ist alles sozusagen der Vorgeschmack von Eucharistie, die notwendige Vorbereitung, um also Verkörperung, um das alles zu erfassen. Wir haben ja auch in unserer Sprache diese körperlichen Zeichen und Symbole. Wenn man jemand nicht mehr anschaut oder sich umdreht und hinausgeht, dann bringt das zum Ausdruck: Der mag mich halt nicht. Wenn mir jemand die kalte Schulter zeigt, ist das auch eine Verkörperung, nicht gerade von Liebe, sondern von Frust-Interesse. Nun lassen wir das einmal stehen.

Das erste war die Verkörperung, und nun käme ein zweites: Der Unterschied von Leib und Körper. Paulus macht ja auch den Unterschied, wenn er sagt: „Gesät wird in Verweslichkeit, auferweckt in Unverweslichkeit.“ Wir unterscheiden auch zwischen dem verweslichen Leib, und dann dem Leib, den der Auferstandene formt, wie, das lassen wir halt einmal so stehen.

Aber Leib ist mehr als Körper. Körper ist eine Weise, wie wir jetzt unseren Körper haben, in sterblicher, vergänglicher Weise. Und jetzt kommt das, was hilfreich ist, wo ich die Bestätigung von Religionslehrern bekommen habe, wenn man statt Fleisch Körper sagt, Verkörperung. Wenn Jesus sagt: „Mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise“, so hat Jesus schon – auf alle Fälle im Johannes-Evangelium – diese Schwierigkeit gehabt, wo die Leute sagten, wie kann uns dieser sein Fleisch zu essen geben? Grausig! Wo Jesus selber sagt, das Fleisch ist ja doch nichts wert – es geht doch nicht um Metzger-Probleme – der Geist ist es, der lebendig macht! Wenn wir dann dahin kämen, dass wir das so verstehen: Mein Leib in der Verkörperung von Brot und Wein ist wahrhaft eine Speise, und Blut ist ja immer schon Symbol für hingegebenes Leben. Fleisch und Blut sind ja im Leib miteingeschlossen. In der Formulierung „mein Leib“ ist eben auch die ganze Jesus-Wirklichkeit enthalten. Das Wesen der verkörperten und verleiblichten Liebe in Jesus Christus ist in den Gestalten Brot und Wein wirklich als Speise zur Einverleibung, zum Eins-Werden, dass wir eben, wenn wir den Tod und die Auferstehung des Herrn verkünden, dessen auch innewerden, und dass ER tatsächlich immer wieder neu die Kraft in unserem Leben ist und der Ursprung einer unzerstörbaren Freude und Hoffnung.

Ich habe auch sehr spät verstanden, warum Menschen, Priester, die im KZ waren, so danach gehungert haben, irgendwie noch in der einfachsten Weise Eucharistie zu feiern: Weil tatsächlich seelische und körperliche Kraft hier da waren, um die ganze Not bis hin zur Hinrichtung und zur Ermordung zu bestehen.

Es war heute vielleicht weniger eine Predigt als eine Katechese. Aber vielleicht ist es doch irgendwie eine Anregung, dass wir da wieder das entdecken, was uns hier geschenkt ist im Sakrament, im allerheiligsten Sakrament des Altares.

 

9. Sonntag im Jahreskreis  C

23. Juni 2019

 

Text von Pfarrer Elmar Gruber, entnommen aus „Sonntagsgedanken”, Lesejahr C, Don Bosco Verlag 2000

 

1. Lesung: 1 Kön 8, 41–43 „Herr, höre an dem Fremden, der zu dir betet.“           

2. Lesung: Gal 1, 1-2. 6-10 „Wollte ich noch den Menschen gefallen, dann wäre ich kein Knecht Christi.“                                                                                                

Evangelium: Lk 7, 1-10 „Nicht einmal in Israel habe ich einen solchen Glauben gefunden.“

 

Unser Gebet vor der heiligen Kommunion „Herr, ich bin nicht würdig …“ bedeutet „Herr, ich habe keinen Anspruch darauf, dass DU zu mir kommst; DEIN Kommen ist ein Geschenk DEINER Liebe“. Das totale Beschenkt-Sein von Gott – mit Gott – das setzt die totale Anspruchslosigkeit voraus. „Alles ist Gnade“, wenn ich nichts mehr fordern „muss“.

Zunächst ist unser Bitten immer noch geprägt vom Anspruchs- und Verdienst-Denken: „Ich habe doch einen Anspruch auf Glück, einen Anspruch darauf, dass Gott mir hilft, wenn ER mich schon geschaffen hat und so viel Leid und Last zumutet!“ So denken auch die Menschen, wenn sie zu Jesus sagen: „Er verdient es, dass DU seine Bitten erfüllst“. Der Hauptmann selbst aber sagt: „Ich bin es nicht wert – bemühe dich nicht!“ Er verzichtet auf heilende Handlungen, auf ein heilendes Eingreifen Jesu. Es genügt ihm, dass er seine Not Jesus mitteilen darf und dass Jesus durch ein Wort bestätigt, dass seine Not Gehör gefunden hat.

Durch das Beispiel mit seiner Befehls-Gewalt bringt der Hauptmann seinen „seltenen“ Glauben zum Ausdruck: Wenn meine Not in SEINEM Heils- und Heilungs-Willen aufgenommen ist, bedeutet das allein schon Heilung! Und die weitere Erzählung bestätigt dies.

Unser Bitt-Gebet hat entsprechend unserer Glaubensstärke und –tiefe verschiedene Stufen: Auf der Anspruchsstufe „fordere“ ich von Gott. ER soll tun, was ich für gut, richtig und hilfreich halte. Ich fange an, Gott zu erpressen: „Wenn du wirklich ein lieber Gott bist, dann müsstest DU jetzt dies und das tun, und DU dürftest dies und das nicht zulassen.“ Auf dieser Stufe fange ich auch an, mit Gott zu handeln: „Wenn DU mir diesen Wunsch erfüllst, dann tu ich auch was für Dich – eine Wallfahrt, eine Geldspende… .

Wir dürfen so beten. Lieber so beten als gar nicht beten. Besonders das Lukas-Evangelium ermuntert uns dazu. Aber wie verhalte ich mich, wenn ich nicht erhört werde, so wie ich es mir vorgestellt habe? Die einen wenden sich enttäuscht von Gott ab und hören auf zu glauben. Andere beten weiter; sie haben das Vertrauen, dass Gott sie erhört, wenn auch nicht so, wie sie es wollen. Wenn ein Enttäuschter weiter betet, kann er sich dabei so ändern, dass er das gar nicht mehr braucht, worum er anfangs gebetet hat.

Es wird ein befreiendes Loslassen auf einer tieferen Stufe des Vertrauens erreicht: „Herr, DEIN Wille geschehe“, auch wenn ich IHN nicht – noch nicht – begreife. Auf der tiefsten Stufe des Glaubens bitte ich um gar nichts mehr, weil ich das Vertrauen und die Gewissheit gewonnen habe, dass alles, mein ganzes Leben mit all seinen Problemen und Nöten, von der Liebe Gottes umgriffen ist, aus der ich nie herausfalle. Ich brauche nicht einmal mehr zu bitten „DEIN Wille geschehe“, weil ich weiß, SEIN Heilswille wird sich letztlich immer durchsetzen, ohne dass dadurch meine Freiheit beschädigt wird. Das Gebet des Mystikers ist schließlich nur mehr dankbares, glückliches Schauen.

Herr,

in DEINER Hand

liegt mein Geschick.

(Ps 31,16)

 

 

 

 

 

 

Näheres zu Elmar Grubers Predigten

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: Predigten durch das Kirchenjahr)

VORWORT – Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  -  Seit 1. Dezember 2014 ist Lesejahr B.

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen. Bevor er ans Ambo trat, hatte er sich ein Grundkonzept überlegt; die Worte, die er dann sprach, waren “von oben” eingegeben, inspiriert.

Der Text der Predigten wurde mit Erlaubnis Elmar Grubers von einer gläubigen Christin während des Gottesdienstes privat auf einem Cassettenrecorder aufgenommen und danach geschrieben. Wir danken dieser Frau, die anonym bleiben will, von ganzem Herzen, denn durch sie haben wir jede Woche einen unschätzbaren Wert!