Strahlkraft

Lebendiges Gedankengut von Pfarrer Elmar Gruber e.V.

ELMAR GRUBERS PREDIGTEN

, eingestellt von Redaktion (Kategorie: Predigten durch das Kirchenjahr)

VORWORT

Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  - seit dem 1. Advent 2018 (2. Dezember 2018) ist Lesejahr C.

Immer die aktuelle Predigt!

Inspiration für alle Seelsorger bei der Erstellung ihrer Predigten und alle Gläubigen und Interessenten!

Auch als Predigt-Vorlagen!

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen.

Die Predigten wurden von einer gläubigen Frau während der entsprechenden Gottesdienste mit Einverständnis von Pfarrer Elmar Gruber privat auf Cassette aufgenommen und danach von ihr aufgeschrieben. Sie dachte sich, jedes Wort von Elmar Gruber ist wichtig – das gehört für die Nachwelt erhalten.

Danke, Helga! Ohne dich hätten wir diese Predigt-Schätze nicht!

 

*   *   *

21. Sonntag im Jahreskreis C

25. August 2019

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 26. August 2007

 

1. Lesung: Jes 66,18-21 „Sie werden aus allen Völkern eure Brüder herbeiholen.“          

 2. Lesung: Hebr 12, 5-7. 11-13 „Wen der Herr liebt, den züchtigt er.“        

Evangelium: Lk 13, 22-30 „Man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.“

 

Predigt:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Das ist heute ein ganz typischer Fall, wo man aus demselben Evangelium eine Höllen-Predigt machen kann und  eine Himmels-Predigt.

Also, worum geht es in dieser Frage Wer kommt in den Himmel? Werden viele ge­rettet werden? Zur Zeit Jesu war die Meinung verbreitet bei den pharisäischen Ju­den, dass etwa zwei Drittel der Menschheit verdammt sind. Noch schlimmer ist es dann seit Augustinus, in seiner Lehre sind die meisten Menschen verdammt, und ein paar werden gerettet.

Was gibt Jesus für eine Antwort? Eigentlich verweigert ER die Ant­wort. Auf die Frage Wer kommt in den Himmel? bekommen sie eine Antwort, die gar nicht zu dieser Frage passt. Viele plagen sich – jetzt kommt so eine Ironie – und kommen nicht hinein. Plagt euch nur! Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, und ihr, ihr Himmelsverdiener – das sind Menschen, die eben mit dem Anrecht ihrer Leistung den Himmel erwerben wollen, die stehen draußen. Aber wir haben doch mit dir gegessen und getrunken und sind in die Kirche gegangen und haben für die Caritas gesammelt. Wo etwas war, waren wir dort!

 

Und jetzt wird noch eins darauf gesetzt: Dann werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn ihr seht, wie alle da sind, Abraham, Isaak und Jakob, das ganze Volk Gottes ist da, und ihr seid draußen. Und dann heißt es auch noch eins weiter: Von Norden und Süden, von Ost und West, von allen Himmelsrichtungen kommen sie her und sind im Reich Gottes und ihr, ihr Himmelsverdiener, seid draußen. Man könnte sagen, Ende der Durchsage.

Dann noch das Schlüsselwort: Letzte werden Erste sein und die Ersten Letzte. Das heißt, es gibt gar keine Ersten und Letzten, bei Gott sind alle Menschen gleich. Und wenn man dann den Text als eine Szene immer wieder sich ins Leben ruft, dann kann einem aufgehen – das ist keine theologische Antwort: Solange du so fragst, hast du überhaupt nichts kapiert. Wenn dir ein wenig aufgegangen wäre, was es heißt “Gott ist die Liebe“, dann kannst du ja gar nicht mehr so fragen. Darum bekommst du keine Antwort, weil es keine Frage ist. Je mehr wir Gott kennen lernen, umso mehr werden wir IHN als den Gott aller Men­schen erkennen und daraus das Vertrauen schöpfen, dass wir letztlich von der Liebe Gottes nie entfernt werden können. Und dann brauche ich auch nicht fragen: Wer kommt in den Himmel?

Ich weiß es aus meinem Leben: Das Entscheidende ist, dass mir aufgeht, dass es diesen Gott gibt, dass ER da ist.

Dann kann ich auf bayerisch sagen: Mach mit mir, was d’ wuillst. Gott tut immer Gutes und Großes.

Großes hat der Herr getan, heilig ist sein Name – da ist alles enthalten!

 

22. Sonntag im Jahreskreis C

1. September 2019

 

Predigt von Pfarrer Elmar Gruber am 2. September 2001

 

1. Lesung: Sir 3, 17-18. 20. 28-29 „Bescheide dich, dann wirst du Gnade finden bei Gott.“                                                                                                                              

2. Lesung: Hebr 12, 18-19. 22-24 a „Ihr seid zum Berg Zion hingetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes.“                                                                                             

Evangelium: Lk 14,1. 7-14 „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“

 

Ich begrüße Sie herzlich zum 22. Sonntag im Jahreskreis!

Wir hören ein Pro­blem, das zeitlebens das Schwierigste in unserem Leben bleibt. Es geht heute um die Frage: Wer bin ich?

Es geht um Selbstverwirklichung, Selbstfindung, Selbstwertgefühl, Narzissmus. Würde man die Bücher alle zusammentragen, die Psychologen zu diesem Problem geschrieben haben, dann wäre die Kirche bis oben gesteckt voll.

Wir werden sehen, dass Jesus das Problem ganz einfach löst, wenn wir an IHN glauben. So bitten wir den Herrn um SEIN Erbarmen im Kyrie.

 

Predigt:

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Wenn du von jemand zu einem Festmahl eingeladen bist, setz dich nicht auf den besten Platz!

Ein Evangelium, wo man immer wieder darüber nachdenken kann und muss! Staunend wird einem immer wieder etwas aufgehen. Man wird immer wieder an die Stelle kommen, wo unser Lebens-Problem sitzt, unsere Identität zu uns selber. Wer bin ich?

Kein Mensch kann ohne Anerkennung leben, und wenn er sie nicht bekommt, dann ver­schafft er sie sich selber, er vollbringt Leistungen, wo ihn der andere loben muss oder er sich selber lobt. Es gibt ein schönes Wort im Bayerischen: Der mandelt sich auf! Es ist vielleicht zu maskulin, aber aufweibeln kann man nicht gut sagen, das gibt es zwar auch. I muss etwas aus mir machen, dass ich etwas bin!

Und jetzt wieder zu Jesus Sirach, dem Weisheitslehrer: Er spricht vom Lob der Be­scheidenheit. Jesus sagt: Setz dich auf den untersten Platz. Mach nichts aus dir! Dann hören wir, dass früher auch Pädagogen stark hervorkehrten, du bist nichts, du kannst nichts, du wirst nichts,und so viel Druck ausübten, bis einer kaputt war, sich überhaupt nicht mehr aufzutreten traute, dass er sogar sagte: Entschuldigen Sie, dass ich auch da bin!

Und dann kommt dieser Schrei nach Anerkennung, bis jemand sagt: Ja, du bist auch wer, und du hast deine Gaben, wo du einmalig bist.

Es geht um die Anerkennung des Lebens. Ich weiß selber, wie das tut. Ich hatte einmal einen Vorgesetzten, der hat sich furchtbar schwer getan mit der Aner­kennung seiner Bediensteten und Untergebenen. Man hat immer gespürt, wenn er gesagt hat: „Das hast du schön gemacht“, jetzt „fällt ihm eine Perle aus der Krone“ - so das Sprichwort.

Ich habe ihn einmal gefragt: Was sagen Sie eigentlich zu meiner Arbeit? Dann hat er gesagt: Wenn ich nichts sage, das ist das größte Lob, das es gibt.

Kann mir ein Anderer sagen, was mein wirklicher Wert ist? Über dieses Problem ist es schwierig zu reden, weil man zu jeder Aussage sofort eine Gegenaussage hinzusetzen muss. Wird einer zu wenig gelobt, ist es nicht gut, wird einer aber immer nur gelobt, bis er es selber nicht mehr glaubt, das ist auch nichts, der wird eingebildet. Wenn einer we­der gelobt noch getadelt wird, wird er auch wieder eingebildet, dann muss er sich sel­ber etwas vormachen. Dann gibt es die Probleme, die der Psychologe unter dem Begriff „Narzissmus“ zusam­menfasst – Narzisst, der in sich selbst Verliebte oder die in sich selbst Verliebten, weil man die Liebe von außen nicht als Geschenk annehmen kann oder gar nicht er­hält. Aber wenn wir diese Probleme weiter umrühren, sitzen wir in einem Jahr noch da, ohne zur Lösung zu kommen. Das Lob der Bescheidenheit, das heißt nicht, lass dich überall unterbuttern.

Ja muss ich mir alles gefallen lassen? Ja und nein! Natürlich nicht, ich muss um meine Rechte kämpfen, aber wie? Wenn ich immer nur narzisstisch beleidigt reagiere und explodiere und auf Andere schimpfe und die Anderen fertig mache, das führt mich und den Anderen nicht weiter. Ich kann so weit kommen, dass ich dem Anderen in Ruhe sagen kann: Du, das ist Unsinn, was du ge­macht hast, ohne dass ich es ihm tagelang nachtrage. Wenn ich dem Anderen in Ruhe sa­gen kann, was mich drückt, und ihm dann auch helfe, dass er spürt, ich verstehe ihn, das ist ein Zeichen eines echten Selbstwerts. Aber wo bekomme ich diese Kraft her, die echte Selbst-Kraft, den Anderen aufzurichten?

Es geht um die echte Bescheidenheit. Kann man Bescheidenheit lernen? Wieder eine Frage, wo ich sagen muss: Ja und nein.

Ich erinnere mich da an meine frühe Kindheit, an ein ganz einfaches Vorkommnis. Mein Bruder war ja schon vor 70 Jahren drei Jahre älter. Und wie wir klein waren, habe ich mich über meinen Bruder geärgert, weil er sich immer das größte Stück Ku­chen genommen hat. Dann wurde er belehrt, dass es unbescheiden ist und dass man bescheiden sein muss. Und ab da hat er sich immer das kleinste Stück genommen. Das hat mich auch geärgert. War er jetzt innerlich bescheiden oder nicht?

Nietzsche hat in einem Satz gesagt, als er Jesus verdreht zitierte: Wer sich selbst er­niedrigt, will erhöht werden. Also auch wieder ein Schrei nach Anerkennung.

Jesus nimmt als Beispiel die Situation des Gastmahls. Die Pharisäer – psychologisch sind das die, die den Selbstwert kennen – haben sich ihren Selbstwert ehrlich verdient, sozusagen den Platz im Himmel. Das Gastmahl ist ja auch die Einladung zum gemeinsamen Essen, der Ort, wo alle Gemeinschaftsprobleme akut und sichtbar werden. Im ersten Teil SEINER Lehre sagt ER, suche dir deinen Platz selber aus. Du kannst dir deine Selbstbestätigung ruhig selber geben, aber es wird im­mer einige geben, die vor dir sitzen, und es wird auch einige geben, die sich nicht hin­setzen und dann beleidigt schauen. Lass dir also deinen Platz geben. Aber nun hat Jesus ja auch im Auge, dass der Gastgeber, bei dem jeder seinen Platz hat, Gott ist, dass ER der ist, von dem ich mir meinen Platz anweisen lasse. Und jetzt kommt ein springender Punkt. Ich brauche gar keine Angst haben, dass ich bei IHM keinen Platz bekomme. Ich habe seit Ewigkeit her bei IHM meinen Platz, den mir niemand nehmen kann. Und da entspringt der echte Selbstwert aus dem Glauben, dass mich Gott so will wie ich bin, mit all meinen Fähigkeiten, meinen Charismen, aber auch mit meinen Un­fähigkeiten, meinen Fehlern und Schwächen. ER weiß, warum ich immer wieder falle, ER weiß, warum ich immer wieder alles falsch mache, ich habe aber einen ewigen Platz bei IHM. Also, ich brauche mir meinen Platz nicht verdienen.           Ich brauche mir den Himmel nicht verdienen. Vielleicht erinnern Sie sich an den Film “Der veruntreute Himmel” von Franz Werfel.

Und nun kommt das Problem, dass ich den Platz, den ich bei IHM habe, auch einneh­me. Und das ist gar nicht so einfach, weil der Tisch im Reich Gottes rund ist, und da ist ER die Mitte, und von IHM sind alle gleich weit entfernt.

In modernen Kirchenbauten suchte man das symbolisch zum Ausdruck zu bringen, indem man den Altar in die Mitte stellte. Und das muss ich aushalten, dass der Andere neben mir auch eine gleich gute Aussicht hat. Da haben wir wieder das alte Prinzip: Gott liebt den Anderen auch. Vor Gott sind alle gleich, da gibt es keine besseren und keine schlechteren Plät­ze. So können wir von diesem Bewusstsein heraus einander aufrichten. Wie schwer das ist, brauche ich nicht aufzeigen. So haben wir tagtäglich die neue Aufgabe, dass wir den Platz, den wir haben, immer wieder einnehmen. Wir singen bei dem Lied: “Im Frieden dein “… bis nach der Zeit den Platz bereit an deinem Tisch wir finden.“
Wenn wir jetzt schon glauben, fangen wir an, diesen Platz jetzt schon zu finden. Das Bewusstsein, diesen Platz zu haben, kann uns alle Angst nehmen.

Und dann sagt Jesus noch in SEINER Rede bei den Pharisäern ein Zweites: Wenn du einladest, dann lade nicht die ein, die dich wieder einladen. Wir leben aber auch von Einladung und Gegen-Einladung, das muss man also auch symbolisch verstehen. Es muss Geschenk bleiben und nicht zur Pflicht werden. Wenn ich eingeladen bin, dann sollte nicht der Zwang kommen, wann kann ich es zurückgeben? Das Geschenk darf kein Gegen-Geschenk haben, sondern dass wir uns auch beschenken lassen und nicht heim­zahlen wollen, was der Andere Gutes getan hat – das ist es!

Anregungen über Anregungen!

Paulus fasst es auch mit einem Satz zusammen: Nicht wer sich selbst empfiehlt, ist bewährt, sondern den, der Gott empfiehlt. Dann spüren die Menschen, der hat sei­nen Platz, den ihm niemand mehr wegnimmt.

Der Pfarrer von Ars sagt es noch einfa­cher: Der Mensch ist das, was er vor Gott ist.

 

 

Näheres zu Elmar Grubers Predigten

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VORWORT – Predigten zu den Sonn- und Feiertagen nach Lesejahren A / B / C  -  Seit 1. Dezember 2014 ist Lesejahr B.

Herr Pfarrer Elmar Gruber hat seine Predigten immer vollkommen frei gehalten, also ohne jegliche schriftliche Unterlagen. Bevor er ans Ambo trat, hatte er sich ein Grundkonzept überlegt; die Worte, die er dann sprach, waren “von oben” eingegeben, inspiriert.

Der Text der Predigten wurde mit Erlaubnis Elmar Grubers von einer gläubigen Christin während des Gottesdienstes privat auf einem Cassettenrecorder aufgenommen und danach geschrieben. Wir danken dieser Frau, die anonym bleiben will, von ganzem Herzen, denn durch sie haben wir jede Woche einen unschätzbaren Wert!